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Die (fast) unbekannte Seite des Nitrits


Wenn man so fragt, was Nitrit ist kommen meist Antworten in Form von diesen:
-Nitrit ist eine giftige Stickstoffverbindung
-Nitrit ist die zweite Stufe im Stickstoffkreislauf

Obwohl dies nicht falsch ist, beantwortet es nicht die Frage, WAS Nitrit eigentlich ist.
Nitrit ist das Salz der salpetrigen Säure (Achtung: nicht der Salpetersäure, dies ist Nitrat).
Nun könnte man ja sagen: Okay, ganz interessant, aber muss man das wissen?
Müssen vielleicht nicht, aber dieser Umstand kann z.B. in Schwarzwasserbecken mit pH-Werten unter 5 im ungünstigen Fall durchaus eine Rolle spielen.
Wer in Chemie aufgepasst hat, kennt bestimmt den Begriff der Dissoziation. Dabei handelt es sich einen angeregten oder selbsttätig ablaufenden Vorgang der Zerlegung einer chemischen Verbindung in zwei oder mehrere Ionen, Moleküle oder Atome.
Hört sich erst mal kompliziert an. Ist es aber nicht.
Wie gesagt, ist Nitrit (NO2) das Salz der salpetrigen Säure (HNO2). Wie man unschwer sieht, hat die salpetrige Säue einfach nur ein zusätzliches Wasserstoffatom.
Im Wasser kommt es nun zu einer Dissoziation dieser Säure in ein Nitrit-Molekül und einem Wasserstoffion. Diese Dissoziation ist aber ph-Wert abhängig. Das heißt, je niedriger der pH-Wert, desto mehr salpetrige Säure befindet sich im Wasser. Nitrit und salpetrige Säure stehen also in einem Gleichgewicht zueinander.
Warum ist das wichtig?
Nitrit ist wie man weiß giftig, es wird vom Fisch über die Chloridzellen aufgenommen.
Die salpetrige Säure dagegen wird über die Epithelzellen der Kiemen aufgenommen. Dies ist ein Vorgang, der wesentlich schneller passiert als die Nitritaufnahme über die Chloridzellen.
Zudem ist bei diesem Vorgang das Hausmittel Kochsalz bei hohen Nitritwerten völlig wirkungslos.
Fische haben also in so einem Wasser eine viel geringere Überlebenschance.
Im Fischkörper selber wird diese Säure wieder dissoziiert, also in NO2 und H. Der Schaden ist also der gleiche beim Fisch, das Nitrit oxidiert das zweiwertige Eisen im Hämoglobin zu dreiwertigem Eisen, es kann kein Sauerstoff mehr transportieren.
Der gefährliche Anteil von Salpetriger Säure liegt aber weit unter dem pH-Wert von 7.
Bei pH 6,5 ist es lediglich 0,1%.
Bei pH 5 sind es aber schon 2%.
Noch zwei Randbemerkungen: Wenn die Säure dissoziiert, wird, wie man sieht, ein Wasserstoffatom frei. Was machen diese Wasserstoffatome? Richtig, sie senken den pH- Wert und erhöhen dadurch den Anteil an salpetriger Säure.
Kein Becken ist Nitritfrei, es wird immer und ständig Nitrit gebildet, es ist nur nicht (noch nicht) mit den üblichen Tests messbar.
lg
Beate


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