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Fastfood ?!?

Fastfood ?!?
Wieder einmal geht es, wie der Name diese Blogs schon ankündigt, um Futter, diesmal allerdings um Trockenfutter und FD-Futter und die Frage, ob diese auch gut ist für unsere "kleinen" Lieblinge. Oder ist es wirklich nur als Fastfood zu verstehen ?!?

Bei Interesse an weiteren Futterinfos, siehe auch meinen Blog:
Frost und Lebendfutter für die Aquaristik "Extended Version"

Das sogenannte Trockenfutter gibt es ja von fast allen bekannten Herstellen in den verschiedensten Formen und Farben, als da wären:
Flockenfutter, Granulate, Pellets und Sticks. Hab ich dort noch was vergessen ??? Ach ja, Futter- und Hafttabletten gibt es ja auch noch.
;-)) Ausserdem gibt es Sie ja noch auf die Grösse unserer "Zierfische" angepasst, also vom kleinsten Salmer, oder Jungfisch bis zur supergrossen Cichlide, oder auch speziell für Raubfische, eine sehr grosse, kaum zu überschauende Auswahl verschiedenster Marken und Formen. Doch ist dieses Futter auch wirklich so gut für die Physiologie unserer Lieblinge, wie die Hersteller immer behaupten ???

Trockenfutter, egal in welcher Form:

Sehr viel Aquarianer, vor allem aber Anfänger füttern Ihre Fische ausschliesslich mit Trockenfuttern, vor allem aus Bequemlichkeit !!!.
Die meisten Fische überleben dies auch eine längere Zeit, aber es entspricht halt nicht deren Natur.
Es wird von allen Herstellern natürlich darauf geachtet, das alle lebenswichtigen Vitaminen und Spurenelementen vorhanden sind, aber die Inhaltsstoffe entsprechen nicht immer ganz den Anforderungen.
Diese Futterarten werden im Handel oftmals als Hauptfutter oder auch Alleinfutter bezeichnet, aber die meisten Fischarten benötigen auch eine auf sie speziel abgestimmt Ernährung:

Ich gehe hier jetzt erstmal auf die verschiedenen Ernährungsweisen unserer Zierfische ein:

Allesfresser (Omnivoren): Also Fische die alles fressen, sowohl pflanzliche, als auch "fleischliche" Nahrung. Das ist wohl der größte Teil unserer kleinen Freunde.

Pflanzenfresser (Herbivoren): "Futterspezialisten" die eigentlich nur pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, wie z.B. einige Malawi-Cichliden, u.a..

Fleischfresser (Karnivoren): Fische die ausschliesslich/hauptsächlich "fleischliche" Nahrung zu sich nehmen, wie z.B. viele Cichliden, auch L-Welse, usw.

Fischfresser (Piscivoren): Wohl die meisten Raubfische, dies sind dann meistens auch schwer zu haltende Futterspezialisten.

Aufwuchsfresser (Limnivoren): Also Fische die alles mögliche an Aufwüchsen, z.B. von Wurzeln, Steinen und Pflanzen herunterfressen, wie einige unserer bekannten L-Welse, die so gerne zur Algenbekämpfung im Aquarium eingesetzt werden.

Nun aber wieder zurück zu unserem Trockenfutter. Von einer ausgewogenen Ernährung kann, wenn man sich die Inhaltsstoffe auf der Fischfutterverpackumg mal anschaut, wohl keine Rede sein:

Ok es sind wie schon erwähnt alle lebenswichtigen Inhaltsstoffe vorhanden, Komplexe aus den verschiedensten Vitaminen und Spurenelementen und natürlich auch Nährstoffe. Ausserdem enthalten die meisten Trockenfutter aber noch Farbstoffe für die Farbgebung der Fische, wie z.B.: Astaxanthin und Beta-Carotin, Canthaxanthin, sowie andere Carotinderivate, welche die Rot-und Orangetöne besonders fördern sollen.

Der Nachteil bei den meisten Trockenfuttern ist der fehlende, oder kaum vorhandene Anteil an Rohfasern, es fehlen also einfach die Ballaststoffe. Ein weiterer Nachteil ist, das viele Bestandteile nicht in fischgerechter Zusammensetzung vorliegen, wie Eiweisse (Protein) und Fette. Diese stammen dann meistens von Warmblütern, die aufgrund zu niedriger Temperaturen von wechselwarmen Tieren wie unseren Fischen einfach nicht, oder nur sehr schlecht verdaut werden können, da kein Fisch in Gewässern von ca. 37 Grad C schwimmt.

Der Vorteil dieser Trockenfutter liegt allerdings in Ihrer recht langen Haltbarkeit. Ausserdem können diese Futter einfach gelagert und verfüttert werden, Ursache dafür ist die Entziehung von Wasser. So fehlen dem Futter ca. 80% an Feuchtigkeit, eines normalen Lebendfutters. Dies ist aber auch gleichzeitig wieder ein Nachteil, da eine offene Dose Futter sehr schnell Feuchtigkeit aus der Luft zieht (hygroskopisch = wasseranziehend) und das Futter dann schnell verderben kann. Also bitte immer eine dem Aquarium / den Fischen angepasste Dosengrösse kaufen, da viele Vitamine und Nährstoffe an der Luft / bei Licht ihre Wirkung verlieren. Diese schnelle Wasseraufnahme ist beim Verfüttern im Aquarium aber auch wieder ein Vorteil, da das Futter dadurch im Wasser sehr schnell eine weiche, bei Fischen sehr beliebte Konsistenz bekommt.

Durchschnittliche Zusammensetzung von Trockenfuttern:

Wasser: ca. 8-10% ; Eiweiss (Protein), ca. 45% ; Fett: ca. 7% ; Vitamine: A, B, C, D , E, u.a. ; Ballaststoffe (Rohfasern): keine ; Nährwert (Wertigkeit): Gering bis Mittel

Granulatfutter/ Pellets/ Sticks/ Tabletten:

Granulatfutter wird durch extrudieren eines Futterbreis, oder Verpressen in Tablettenform hergestellt.
Durch die Form ist ein zusätzliches Aufsprühen von Zusatzstoffen, wie z.B. bestimmte Fette möglich, dadurch kann dem Futter ein höherer Energie-,oder auch Brennwert verliehen werden. Gleichzeitig wird der Proteinumsatz des Fisches vermindert, wodurch vor allem bei Jungfischen mehr Protein dem Aufbaustoffwechsel (Wachstum) zugeführt werden kann, ausserdem besitzt dieses Futter eine höhere Verdaulichkeit, durch den Aufschluss der verwendeten Stärken. Durch die besserer Verdauung kann die Futtermenge im allgemeinen etwas zurückgeschraubt werden, was sich auch bei der Wasserbelastung positiv niederschlägt. Granulate halten sich im Wasser sehr lange stabil, ca. 3-4 Stunden, dies liegt an der kleineren Oberfläche als beim Flockenfutter. Dadurch haben es Bakterien im Wasser wesentlich schwerer das Futter zu zersetzen, bei Trockenfutterflocken geschieht dies gewöhnlich schon nach ca. 30 Minuten. Diese bakteriellen Zersetzungsstoffe sind es dann auch die das Aquarienwasser belasten, in den meistens Fällen trüben diese Futtersorten das Wasser auch nicht, was einen weiteren Vorteil darstellt.

Vor dem Verfüttern von Pellets sollten diese immer in etwas Wasser vorgeweicht werden, da sie sonst noch im Fisch aufquellen, die Korngrösse der verschiedenen Granulate, Sticks und Pellets sollten ausserdem immer der Fischgrösse entsprechen angepasst sein, denn ein zu kleiner Fisch kann mit einem grossen Futterpellet nichts anfangen.

Durchschnittliche Nährwerte von Granulat, Pellets und Sticks:

Wasser: ca. 8-10% ; Eiweiss (Protein): ca. 42% ; Fett: ca. 7% ; Vitamine: A, B, C, D, E, u.a. ; Ballaststoffe (Rohfasern): vorhanden ; Nährwert (Wertigkeit): Mittel bis Hoch

FD-Futter (Freeze Dried = Gefriergetrochnet):
gefriergetrocknete FD-Futter gelten auch als Trockenfutter.

Gefriertrocknung: Als Gefriertrocknung (auch Lyophilisation oder Sublimationstrocknung) bezeichnet man die schonende Trocknung von Produkten. Dabei wird das Produkt unter normalen Druckverhältnissen in einer Kammer tiefgefroren (zwischen -30 bis -120°C). Danach wird in einem 2. Schritt das Wasser in einem Vakuum entzogen. Die geschieht, weil Wasser im gefrorenen Zustand, also Eis, praktisch den gleichen Dampfdruck hat wie flüssiges Wasser, deshalb wird bei einer Temperatur von ca. 0°C und der Herstellung eines Vakuums das Wasser langsam aus den Zellen verdampft.

Das Produkt ist durch die schonende Gefriegetrocknung sehr lange haltbar (liegt wieder am geringen Wasseranteil), ausserdem behält es dadurch einen sehr hohen Anteil seiner natürlichen Eigenschaften, wie z.B. Vitamine, Nährstoffen und Mineralien. Durch den Prozess des Gefriertrocknens entsteht gleichzeitig eine sehr offene Struktur, durch die auch schnell wieder Wasser aufgenommen werden kann und die Futtertiere dadurch im Aquarium sehr schnell aufweichen lässt. FD-Futter haben durch den Verzicht von Wärme wärend des Herstellungsprozess einen höheren Nährwert als Flockenfutter, da dadurch wichtige Vitamine und Nährstoffe fast vollständig erhalten bleiben. Es hat zwar nicht den Nährwert von Lebendfutter, ist aber allemal besser als Trockenfutter. Ausserdem ist es noch sehr ergiebig bei geringem Gewicht, da das Wasser ja vollständig entzogen wurde.

Die Gefriertrocknung ist das schonendste, aber auch gleichzeitig teuerste Verfahren, Nahrungsmittel haltbarer zu machen. Diese Futter können dann allerdings sehr lange gelagert werden, wobei natürlich wieder darauf geachtet werden muss, dass Nichts feucht wird. FD-Futter schwimmen sehr lange an der Wasseroberfläche und nur können nur durch längeres Einweichen zum Absinken bewegen werden.

Eine kleine Sortenauswahl an FD-Futtern und Ihre Inhaltsstoffe:

Rote Mückenlarven (Nicht für Tropheus-Arten geeignet):

Rohprotein: 55 % ; Rohfett: 3 % ; Rohfasern: 5 % ; Rohasche: 18 % ; Feuchtigkeit: 8 %

Bachflohkrebse (Gammarus):

Rohprotein: 46,5% ; Rohfett: 6,0% ; Rohfasern: 4,0% ; Rohasche: 22,0% ; Feuchtigkeit: 13,0%

Süßwasser - Shrimps (Garnelen, 1-2 cm)

Rohprotein: 43,0% ; Rohfett: 5,0% ; Rohfasern: 4,5% ; Rohasche: 29,0%

Wasserflöhe (Daphnien):

Rohprotein: 44% ; Rohfett: 6% ; Rohfasern: 25% ; Feuchtigkeit: 14% ; Vitamine

Bachröhrenwürmer (Tubifex):

Rohprotein: 53% ; Rohfett: 15 % ; Rohfasern: 1 % ; Rohasche: 10 %

Salinenkrebse (Artemia/Brine Shrimps):

Rohprotein: 44% ; Rohfett: 6% ; Rohfaser: 20% ; Rohasche: 20%

Mehlwürmer:

Rohprotein: 51% ; Rohfett: 28% ; Rohfasern: 2% ; Rohasche: 10 ; Feuchtigkeit: 10%

Seidenraupen:

Rohprotein: 55% ; Rohfett: 25% ; Rohfasern: 4% ; Rohasche: 15% ; Feuchtigkeit: 7 - 8%

Trockenfisch (Stinte):

Rohprotein: 61% ; Rohfett: 11% ; Rohfasern: 3% ; Rohasche: 11 ; Feuchtigkeit: 15%

Ziehen wir mal ein Resümee:

Weder Trockenfutter, noch FD-Futter sind für die alleinige Ernährung unserer Fische gut geeignet. Alle Futtergaben sollten deshalb so abwechselungsreich wie möglich gestaltet werden, ausserdem sollte das Futter auch auf die jeweilige Fischart abgestimmt sein. Ein gesunder Mix aus Trocken-, FD- und Lebendfutter, sowie die zusätzliche Reichung von Gemüse, oder evtl. Obst ist die beste Ernährungweise für unsere heimischen Fische.


Infos zu den Bildern:

Bild 1: Flockenfutter, hier ziemlich grosse Flocken für Cichliden.
Bild 2: Oben ein gemischtes Diskusgranulat (rot/grün), unten links spezielle Arowana-Sticks mit 8% Shrimps, sowie rechts Chichliden-Sticks (Pellets) für Grosscichliden.
Bild 3: Verschiedene Futter-, bzw. Hafttabletten (10 Sorten), jede Farbe entspricht einer anderen Geschmacksrichtung. Die Hafttabletten kann man gegen die Scheiben drücken und bleiben dann dort haften/kleben.
Bild 4: FD-Futter in Würfelform, hier Tubifex- und Artemia-Würfel, es gibt aber auch noch andere Sorten.
Bild 5: Loses FD-Futter, unten links rote Mückenlarven, unten rechts Mehlwürmer, oben links Süßwasser-Shrimps 1-2cm und oben rechts Bachflohkrebse (Grammarus), auch hier sind noch weitere Sorten erhältlich.
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