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Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

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Auch in unserem Aquaristik-Forum fühlen wir uns selbstverständlich den Zielen und Werten verpflichtet, die uns alle zu erfolgreichen Aquarianern machen sollen und ein konstruktives und respektvolles Miteinander garantieren.
DanielaP

17.08.2014, 06:48
 

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc. (Technik)

Hallo,

ich hoffe ich bin jetzt bei Technik richtig. Gibt leider keine Kategorie mit Wasserwerte.

So wo fang ich denn am besten an.

Also wir haben im Moment ein Tanganijakabecken was ich aber zu einem Südamerikabecken umgestalten will.
Wir haben schon vor ein ca. 7 Jahren ein Gesellschaftsbecken gehabt nur sind uns da die Pflanzen sofort eingegangen und den Fischen ging es auch nicht gut. Trotz CO2 Anlage, Düngung und Wasserwechsel mit destilliertem Wasser.
Unsere Leitungswasserwerte sind leider nicht gerade sehr gut. Laut Labor haben wir hartes Wasser. (PH Wert vor Ort 7,66; Gesamthärte 17 °dh, Carbonathärte 12,4 °dh, Nitrat 37,7 ml/l, Nitrit <0,02ml/l).

Wir haben früher eine Osmoseanlage in Betrieb gehabt darauf hab ich ehrlich gesagt keine Lust mehr. Es dauerte Tage bis das Wasser durch ist und der Wasserverbrauch war mir da echt zu hoch.

Ich war gestern bei unserem Fischhändler und der meinte das ich die Wasserwerte nicht ändern muss er hält auch alle Fische in unserem Leitungswasser.
Das gab mir dann schon ziemlich zu denken denn Artgerecht ist das in meinen Augen überhaupt nicht.

Geplanterbesatz:
Apistogramma nijsseni 1 Pärchen
Mikrogeophagus ramirezi 1 Pärchen
2 Salmler Arten
Panzerwelse

(für Besatz mach ich ein neues Thema auf wenn das mit dem Wasser geklärt ist)

Ich hab von einem Vollentsalzer gelesen der wie ich das jetzt Verstanden habe das Wasser genauso rein macht wie einen Osmosanlage nur ohne das Abwasser.
Da hätte ich jetzt noch einige Fragen dazu.
Ist ein Vollentsalzer bei einem Becken von 300l überhaupt sinnig?
Es wird bei dem VE (hoffe die Abkürzung stimmt) gesagt das man einen indirekten Wasserwechsel machen kann. Ist das auf Dauer nicht schädlich für Fische und Pflanzen?
Sollte man das Wasser des VE lieber auffangen und dann mit Leitungswasser vermischen, bis die gewünschten Wasserwerte erreicht sind?
Ist eine CO2 Anlage dann wirklich überflüssig?
Wenn man einen Vollentsalzer oder Osmoseanlage verwendet muss man dann dem Wasser wieder "Nährstoffe" zufügen auch wenn man es mit Leitungswasser mischt?

Wie er seht habe ich viele Fragen. Aber dieses mal will ich alles richtig machen.

Vielen Dank schon mal für eure Hilfe

Liebe Grüße

Daniela

Wolfgang N

17.08.2014, 10:55

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Daniela,

diese Thematik halte ich für sehr wichtig. Allerdings kann ich aus zeitlichen Gründen Deine Fragen erst am kommenden Wochenende in der erforderlichen Ausführlichkeit beantworten. Dann aber ganz bestimmt.

Versprochen.

Zum Thema Weichwasser kannst Du ja schon mal bei meinem Einrichtungsbeispiel die Ausführungen zum Osmosefilter und Wasserwechsel angucken.

Viele Grüße

Wolfgang

DanielaP

21.08.2014, 08:09

@ Wolfgang N

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Wolfgang,

wow bei deinen Becken kommt man ja echt ins Träumen. Bitte bei den Erklärungen bedanken das ich kein Ass in Chemie war. Ich muss das alles gut verstehen das ich meinen Mann davon überzeugen kann nochmal einen Versuch zu starten der dieses mal klappt.


Vielleicht will mir jemand noch sagen wie er das mit seinem Becken macht????

Lg

Daniela

Wolfgang N

23.08.2014, 15:39

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Daniela,

Du hast in der Tat eine Menge Fragen gestellt. Ich fände es gut, wenn das noch mehr Aquarianer genau so halten würden. Leider bist Du damit eine löbliche Ausnahme. Wie kommt das? Kann es sein, dass die anderen Leute sich mit dieser Thematik bereits umfassend auskennen? Das wäre super für die Fische! :-) Oder wird die Wasserchemie nur beiläufig bis gar nicht beachtet? Das wäre schlecht für die Fische. :-(

Aus meiner Einleitung kannst Du herauslesen, dass ich mich über Deine Fragen freue. Schließlich zeigst Du Damit, dass Dir das mit Abstand wichtigste Element im Lebensraum der Fische eben nicht egal ist. Ich versuche Deinem Wunsch zu entsprechen und meine Antworten so zu formulieren, dass sie auch für Nicht-Chemiker verständlich sind.

Fangen wir mal mit Deinem Ausgangswasser an:

>>Unsere Leitungswasserwerte sind leider nicht gerade sehr gut. Laut Labor
>>haben wir hartes Wasser. (PH Wert vor Ort 7,66; Gesamthärte 17 °dh,
>>Carbonathärte 12,4 °dh, Nitrat 37,7 ml/l, Nitrit <0,02ml/l).

Aus diesen Werten kann ich schlussfolgern, dass Dein Wasser unbehandeltes Leitungswasser ist. Eine Hauswasserenthärtungsanlage hätte eine deutliche Verschiebung des Gesamthärte/Karbonathärte-Verhältnisses zur Folge. Was pH-Wert und Härte anbelangt, ist dieses Wasser für Mittelamerikaner gut geeignet. Für Südamerikaner wäre es eine Quälerei. Wie Du richtig erkannt hast, müssen Härte und pH-Wert für Dein Vorhaben unbedingt gesenkt werden. Ich persönlich würde für ein Südamerikabecken (mit Deinem Wunsch-Besatz) unbedingt eine Gesamthärte von unter 10°dGh anstreben. Der pH-Wert sollte im leicht sauren Bereich liegen, auf keinen Fall 7 oder höher. Was den hohen Ausgangswert für das Nitrat anbelangt, kann man durch eine dichte Bepflanzung und mäßigen Besatz gegensteuern. Besser ist eine Aufbereitung des Wassers. Dazu unten mehr.

>>Wir haben früher eine Osmoseanlage in Betrieb gehabt darauf hab ich
>>ehrlich gesagt keine Lust mehr. Es dauerte Tage bis das Wasser durch ist
>>und der Wasserverbrauch war mir da echt zu hoch.

Handelsübliche Osmosepatronen arbeiten mit einem Verhältnis Permeat/Konzentrat von 1:5. Für 1 m³ Permeat (Osmosewasser) benötigst Du also 6 m³ Leitungswasser. Deinen Jahresbedarf an Wechselwasser kannst Du ausrechnen und damit die jährlichen Kosten für Osmosewasser überschlagen. Das ist interessant für eine Kostengegenüberstellung mit der Vollentsalzung.

>>Ich war gestern bei unserem Fischhändler und der meinte das ich die
>>Wasserwerte nicht ändern muss er hält auch alle Fische in unserem
>>Leitungswasser. Das gab mir dann schon ziemlich zu denken denn
>>Artgerecht ist das in meinen Augen überhaupt nicht.

Wechsel den Händler!

Gedankenspiel: Würde eine Forelle dauerhaft die Temperatur in einem Diskus-Aquarium überleben? Würde ein Malawi-Buntbarsch den pH-Wert in einem Südamerikabecken dauerhaft tolerieren? Warum sollen Fische aber laut Deinem Händler fast jede beliebige Wasserhärte aushalten können, wo sie doch bei Temperatur und pH-Wert wesentlich engere definierte Bereiche haben?

Antwort: Falsche Wasserwerte wirken sich immer(!) mit einer Verkürzung der Lebensdauer aus. Bei der Temperatur am schnellsten, beim pH-Wert schon langsamer, bei der Härte noch langsamer. Solange im Händlerbecken die Temperatur nicht völlig aus dem Ruder läuft, kann er also seine Fische rechtzeitig verkaufen.

Ein trauriges Beispiel für Lebensdauer eines Weichwasserfisches in hartem Wasser ist der beliebte Rote Neon. Er wird unter artgerechten Wasserverhältnissen gewöhnlich 8-9 Jahre alt. Die meisten Roten Neons in deutschen Aquarien schaffen nicht einmal drei Jahre. :-( Sie sterben in zu hartem Wasser an Nierenversagen. Er ist einer von vielen Fischen, die sich über zigtausende Generationen an extrem weiches Wasser angepasst haben. Diese Fische können in hartem Wasser nicht dauerhaft überleben. Sie sterben vorzeitig und qualvoll. Punkt.

>>Ich hab von einem Vollentsalzer gelesen der wie ich das jetzt Verstanden
>>habe das Wasser genauso rein macht wie einen Osmosanlage nur ohne
>>das Abwasser.

Ein Vollentsalzer entzieht dem Wasser alle Kationen außer H+ und alle Anionen außer OH-. Einfacher ausgedrückt, holt er restlos alles salzige aus dem Wasser raus. Bakterien, Pestizide und Sedimente beachtet er nicht. Für den Aquarieneinsatz ist das völlig OK.

In der Aquaristik werden wahlweise zwei verschiedene Systeme zur Vollentsalzung eingesetzt.

Zweisäulen-Vollentsalzer: Hier kommen zwei hintereinander geschaltete mit Austauscherharz gefüllte Säulen zum Einsatz. Die eine Säule enthält den sauren Kationenaustauscher. Er tauscht alle Kationen (Calcium, Magnesium, Natrium...) gegen H+ aus. Die andere Säule tauscht alle Anionen (Carbonat, Sulfat Chlorid...) gegen OH- aus. Die Bestandteile der Salze des Leitungswassers bleiben also in den Säulen. Aus dem abgegebenen H+ und OH- resultiert H2O, also Wasser. Kurz: Die Salze werden durch Wasser ersetzt. Wenn die beiden Säulen erschöpft sind, also keine weiteren Salze mehr aufnehmen können, müssen die Austauscherharze regeneriert werden. Das "saure" Harz mit Salzsäure, das "basische" Harz mit Natronlauge. Das kann vom Aquarianer leicht selbst durchgeführt werden. Der vorsichtige Umgang mit den Chemikalien (Handschuhe, Schutzbrille) wird vorausgesetzt.

Mischbett-Vollentsalzer: Hier werden die beiden Austauscherharze als Gemisch in einer Säule eingesetzt. Die Wirkung ist identisch mit dem Zweisäulen-Vollentsalzer. Eine Regeneration in Selbsthilfe ist für den Aquarianer nicht möglich. Sie wird im Fachhandel durchgeführt. Oft ist aber der einfache Austausch mit neuem Harz kostengünstiger. Trotzdem hat diese Verfahrensweise normalerweise die höheren Betriebskosten.

Die Kapazität der Säulen wird meist in "Härteliter" angegeben. Für eine VE-Anlage mit 10.000 Härtelitern bedeutet das: Du kannst damit 10.000 Liter eines Ursprungswassers vollentsalzen, das eine Härte von 1°dGh hat; oder 1.000 Liter bei einer Ursprungshärte von 10°dGh. Dein Leitungswasser hat 17°dGh, also kannst Du damit 588 Liter vollentsalzen. (10.000 geteilt durch 17)

Im Gegensatz dazu ist Osmosewasser per Definition kein vollentsalztes Wasser.

Die Wirkung einer Osmosemembran kann man sich der Einfachheit halber vergleichbar mit einem superengen Netz vorstellen. Sie hält alle Teilchen außer Wasser zurück. Auch Bakterien, Pestizide und Sedimente. Allerdings nicht zu 100 Prozent. Je nach Teilchengröße liegt die Rückhalterate grob zwischen 93 und 99 Prozent. Von Nachteil ist der schon erwähnte hohe Wasserverbrauch.

>>Ist ein Vollentsalzer bei einem Becken von 300l überhaupt sinnig?

Der Einsatz ist nicht von der Beckengröße abhängig, sondern eher durch die laufenden Kosten. Beim Vollentsalzer sind das die Regenerations-Chemikalien (Salzsäure und Natronlauge) oder neues Mischbettharz. Bei der Osmosepatrone ist es der Wasserverbrauch. Das musst Du für Deinen speziellen Fall einfach mal durchkalkulieren.

>>Es wird bei dem VE (hoffe die Abkürzung stimmt) gesagt das man einen
>>indirekten Wasserwechsel machen kann. Ist das auf Dauer nicht schädlich
>>für Fische und Pflanzen?

Normalerweise sieht der Wasserwechsel so aus: Altes Wasser raus - Neues Wasser rein. Das neue Wasser kann natürlich ganz oder teilweise aufbereitet sein (VE oder Osmose).

Unter einem indirektem Wasserwechsel versteht man, dass man das Wasser zum Aufbereiten des Wechselwassers aus dem Aquarium entnimmt. Also: Altes Wasser raus - einen Teil davon mit VE oder Osmose "recyceln" - zusammen mit neuem Wasser wieder rein. Was soll daran schlecht sein? Ob das VE-Wasser (oder Osmose-Wasser) vorher Leitungswasser war oder altes Aquarienwasser - wo ist danach der Unterschied?

Eine wichtige Sache gilt es allerdings beim "indirekten" Wasserwechsel zu beachten: Durch Vollentsalzung oder Osmose werden dem Wasser nicht nur die Stoffwechselprodukte, sondern auch ständig Mineralien entzogen. Damit es nicht zu Mangelerscheinungen bei Fischen und Pflanzen kommt, müssen diese Mineralien ständig neu zugeführt werden. (Die Stoffwechselprodukte natürlich nicht). Regelmäßiges Düngen ist für viele Aquarianer ohnehin selbstverständlich. Die anderen Mineralien erhält man ganz einfach durch eine Beimischung von Leitungswasser. Also zum Beispiel beim Wasserwechsel 90% VE- oder Osmosewasser und 10% Leitungswasser verwenden.

>>Sollte man das Wasser des VE lieber auffangen und dann mit
>>Leitungswasser vermischen, bis die gewünschten Wasserwerte erreicht
>>sind?

Das wäre die einfachere und preisgünstigere Lösung. Wenn Du das Ganze automatisieren willst, kommst Du um ein "Durchflussaquarium" und einen erheblichen Technikaufwand nicht herum. Das wäre dann das Prinzip, das bei meinem Einrichtungsbeispiel zur Anwendung gekommen ist. Ich habe das in erster Linie gemacht, weil die Menge des zu wechselnden Wassers bei einem Becken dieser Größe einen ziemlichen (wöchentlichen) Zeitaufwand zur Folge hätte. Für ein 300-Liter-Aquarium halte ich das separate Anmischen für den vernünftigeren Weg.

>>Ist eine CO2 Anlage dann wirklich überflüssig?

Nein. Die CO2-Anlage hat die Aufgabe, das von den Pflanzen verbrauchte CO2 nachzuliefern. Auch in einem Weichwasseraquarium sinkt die CO2-Konzentration bei gutem Pflanzenbewuchs sehr schnell ab. Oft verleitet der in Weichwasseraquarien vorherrschende niedrige pH-Wert zu der Annahme, es wäre noch ausreichend CO2 gelöst. Dabei wird die Absenkung des pH-Wertes in Becken mit niedriger Karbonathärte meist durch Stoffwechselprodukte (Nitrat!), Huminsäuren, Gerbstoffe, Moorkienholz, Erlenzapfen, Eichenlaub oder einem Mischmasch aus alledem verursacht. Es fehlt also CO2 trotz des niedrigen pH-Wertes. Um das zu verhindern sollte man unbedingt einen CO2-Dauertest einsetzen. Nur der zeigt dann den "echten" CO2-Gehalt an. Eine CO2-Konzentration von 15-20 mg/l stellt einen guten Kompromiss dar.

>>Wenn man einen Vollentsalzer oder Osmoseanlage verwendet muss man
>>dann dem Wasser wieder "Nährstoffe" zufügen auch wenn man es mit
>>Leitungswasser mischt?

Mit dem aus dem Aquarium abgelassenen Wasser entfernt man einen Teil der Stoffwechselprodukte. Das ist erwünscht. Ebenso entfernt man damit einen Teil der Mineralien und zugegebenen Dünger. Das ist nicht erwünscht. Also müssen Dünger und Mineralien wieder ergänzt werden. Ob zusätzlich zu den im Leitungswasser enthaltenen Mineralien noch weitere hinzugefügt werden müssen hängt von dem jeweiligen Aquarium ab. Hier spielen die Besatzstärke und die Bepflanzungsdichte eine Rolle. Ich persönlich halte den Status von zusätzlicher Mineralversorgung (nicht Dünger!) für überbewertet. Deswegen gebe ich beim Wasserwechsel keine zusätzlichen Mineralien hinzu. Meiner Meinung nach gibt es mehr Probleme, weil irgendwelche Sachen "zu viel" im Wasser enthalten sind, als dass welche "zu wenig" darin sind. Deshalb bin ich auch ein Befürworter voluminöser Wasserwechsel. Aber das ist nur meine private Ansicht.

Ich hoffe, dass meine Antworten verständlich ausgefallen sind und ich Dir ausreichend Argumente mitgeben konnte um Deinen Mann zu überzeugen. Sollte das nicht der Fall sein, oder sollte noch weiter Klärungsbedarf bestehen - frag mich einfach. ;-)

Viele Grüße

Wolfgang

DanielaP

25.08.2014, 20:50

@ Wolfgang N

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Wolfgang,

vielen Dank für deine super Erklärung. Ich denke ich hab es jetzt verstanden.

Ich bin einfach so dass wenn ich mir ein Tier anschaffe, auch wenn es „nur Fische“ sind ich mich richtig darum kümmern will. Immerhin hab ich die Verantwortung dafür übernommen.
Ein paar Fragen hätte ich noch.

Wenn ich eine Härte von 5 kriege wie sind dann die anderen Werte (Ph/KH)???
Mit einer Co2 Anlage kann man ja auch den PH-Wert senken. Muss ich da dann aufpassen das mir der Ph nicht zu weit runter geht??
Ich bin am Überlegen ob so ein PH-Controller für uns infrage kommen würde. Nicht das mir irgendwann die Fische oben schwimmen weil mehr als 15/20mg Co2 drinnen sind.

Ich habe mich auf jedenfall jetzt für einen Vollentsalzer entschieden. Mit Chemikalien kann ich umgehen, liegt an meinem Beruf. Die Kosten von Wasser und Chemikalien sind die gleichen wie bei einer UOA wenn nicht sogar etwas weniger.

Liebe Grüße

Daniela

Wolfgang N

25.08.2014, 22:39
(editiert von wolfgang17, 25.08.2014, 22:45)

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Daniela,

Dein Verantwortungsbewusstsein ehrt Dich. Auch, und gerade deshalb, weil es "nur Fische" sind. Die Fragen beantworte ich gerne, weil ich davon überzeugt bin, dass Du die Antworten zum Wohl der Schuppenträger umsetzen wirst. Leider beinhalten die heutigen Antworten etwas mehr Chemie. Hoffentlich kriege ich das allgemeinverständlich hin.

Leider hat der Editor für das Forum keine Möglichkeit chemische Gleichungen mit Elementzahlen und Ladungszahlen korrekt darzustellen. (Stichwort: Hoch- und Tiefstellung) :-( Ich traue mich auch fast nicht, diesen Ergänzungsvorschlag an Tom weiterzuleiten. Ich habe ihn in der letzten Zeit schon genug strapaziert... Obwohl? Tom, falls Du hier mitliest, könntest Du vielleicht? :-)

OK, fangen wir mal an!


>> Wenn ich eine Härte von 5 kriege wie sind dann die anderen Werte
>> (Ph/KH)???

Mit einer Härte von 5 meinst Du sicher eine Gesamthärte von 5°dGh? Gehen wir mal davon aus, dass Du das Wasser mit VE enthärtet und anschließend mit Leitungswasser wieder auf 5°dGH "aufgesalzen" hast. Also die normale Vorgehensweise. Dann beträgt die Karbonathärte, genau wie im Leitungswasser, rund 70 % der Gesamthärte. Das wären dann 3,5°dKh.

Chemisch betrachtet bedeutet das: Die Calcium und Magnesium-Ionen (Ca++ und Mg++) machen die Gesamthärte aus. Die Karbonathärte wird durch Hydrogencarbonat (HCO3-) definiert, welches Calcium als Anion zugeteilt werden kann. Also 70% der Calcium- und Magnesium-Härte besteht aus Calcium-Hydrogencarbonat (Ca(HCO3)2). Wenn Du dieses Wasser abkochst, wird das Calciumhydrogencarbonat unter Wasser- und CO2-Abspaltung zum schwerlöslichen Calciumcarbonat (CaCO3) reagieren und ausfallen. Die Karbonathärte wird daher auch als "temporäre Härte" bezeichnet. Unter CO2-Zufuhr lässt sich das Calciumcarbonat wieder lösen - der Vorgang wird umgekehrt.

Das Verhältnis von Hydrogencarbonat zu Carbonat im Wasser kann als konstant betrachtet werden. Erst wenn von außen eine Base oder Säure hinzugegeben wird kommt Bewegung in die Sache. Interessant für den Aquarianer ist die Zugabe von CO2, welches in wässriger Lösung bekanntlich sauer reagiert. Die gelöste Kohlensäure (vereinfacht: H2CO3) reagiert mit dem Carbonat-Ion (CO3--) zu zwei Hydrogencarbonat-Ionen (HCO3-). Das Gleichgewicht verschiebt sich also in Richtung des Hydrogencarbonat. Gleichzeitig "verbraucht" sich die acide Wirkung der Kohlensäure zum größten Teil und der pH-Wert bleibt (beinahe!) unverändert. Das geht so lange gut, bis alles Carbonat reagiert hat. Dann stürzt der pH-Wert rapide ab. In der Praxis benötigt man dazu allerdings gefährlich hohe Konzentrationen an CO2.

Lange Rede - kurzer Sinn: Für jeden KH-Wert gibt es genau einen pH-Wert, bei dem die CO2-Konzentration im Idealbereich von 15 bis 20 mg/l liegt. Bei einer KH von 3,5°dKh ist das ein pH-Wert von etwa 6,8.

Das gilt aber nur für Wasser, das sonst keine anderen sauren Inhaltsstoffe (Torf, Huminsäuren, viel Nitrat...) enthält. In diesen Fällen muss man den pH-Wert der idealen CO2-Konzentration noch tiefer ansiedeln. Daher am Besten einen Dauertest (sog. Drop-Checker) verwenden.


>> Mit einer Co2 Anlage kann man ja auch den PH-Wert senken. Muss ich
>> da dann aufpassen das mir der Ph nicht zu weit runter geht??

Selbstverständlich. Den pH-Wert über eine CO2-Zufuhr beliebig zu drücken ist ein häufiger Fehler. Es muss immer zuerst die Karbonathärte bestimmt werden. Daraus errechnet sich der ideale pH-Wert. (Tools gibt's im Netz). Dieser pH-Wert wird am Controller eingestellt. Sobald das Aquarienwasser den eingestellten pH-Wert erreicht hat, kommt der Drop-Checker ins Spiel. Nur wenn dieser einen zu niedrigen CO2-Gehalt signalisiert - und nur dann - kann man den pH-Wert mit dem Controller weiter senken. Dass muss in kleinen Schritten und am Besten über mehrere Tage passieren. Das weitere Aufpassen erledigt der Controller.

Aber Vorsicht: Wenn ein Wasserwechsel ohne VE-Wasser durchgeführt wird, also die Karbonathärte ansteigt, unbedingt den eingestellten pH-Wert nach oben korrigieren. Das darf dann ruhig schnell geschehen. Anderenfalls würde der Controller versuchen, den pH-Wert auf dem tiefen Level zu halten, wozu er aber bei höherer Karbonathärte gefährlich hohe CO2-Konzentrationen braucht.


>> Ich bin am Überlegen ob so ein PH-Controller für uns infrage kommen
>> würde. Nicht das mir irgendwann die Fische oben schwimmen weil mehr
>> als 15/20mg Co2 drinnen sind.

Ich persönlich halte die Verwendung von CO2-Zufuhr ohne Controller für leichtsinnig. Zwar sollte man die Blasenzahl so einstellen, dass der gewünschte pH-Wert gerade so erreicht wird. Aber wer garantiert, dass sich die Zuströmgeschwindigkeit nicht verändert? Bei manchen Druckreglern zeigt sich der Effekt, dass bei nachlassendem Flaschendruck der Sekundärdruck ansteigt. Dann erhöht sich die Zuströmgeschwindigkeit ganz erheblich. Ein Controller regelt so ein Problem einfach weg.

Die Zufuhr von CO2 macht natürlich nur für bepflanzte Aquarien wirklich Sinn. Wenn ich nur den pH-Wert senken will, kann ich (gerade bei sehr weichem Wasser) einfach Erlenzapfen reinschmeißen, oder über Torf filtern. Da spare ich mir die ganze Hardware.


>> Ich habe mich auf jedenfall jetzt für einen Vollentsalzer entschieden. Mit
>> Chemikalien kann ich umgehen, liegt an meinem Beruf. Die Kosten von
>> Wasser und Chemikalien sind die gleichen wie bei einer UOA wenn nicht
>> sogar etwas weniger.

Also konntest Du erfolgreich Überzeugungsarbeit leisten. Gut! :-)

Eine Empfehlung habe ich noch: Falls Du es nicht ohnehin schon hast, lege Dir einen Leitfähigkeitsmesser zu. So kannst Du die Leistung der VE-Säulen blitzschnell checken und auch die Leitfähigkeit des Aquariumwassers als Summenparameter ist äußerst hilfreich. Auch das angemischte Wechselwasser ist so schnell zu kontrollieren. Für die Aquaristik brauchbare Messgeräte (Messbereich 0-2000 µS/cm genügt) kriegst Du schon für etwa 50 Euro.

Hey, da sind wir schon mit allen Fragen durch! Ging doch ganz fix. :-) Falls doch noch Fragen sind, oder jetzt auch Neue dazugekommen sind - einfach melden...

Viele Grüße

Wolfgang

DanielaP

31.08.2014, 12:39

@ Wolfgang N

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Wolfgang,

also am Ph Controller wird gearbeitet.

Du schreibst das der PH auch schwankt wenn man Wurzeln im Becken hat. Wegen der Huminsäure. Sollte man dann lieber andere Wurzeln verwenden die keine abgeben??

Wenn ich eine Gesamthärte von 5 habe dann habe ich ca. einen Ph von 6,8. Sollte ich nicht schauen das er etwas weiter runter geht?? Dann hätte ich etwas mehr Puffer nach oben.

Ich hab gelesen das 1 °dh ~33µS entsprechen, dann müsste ich schauen das ich einen Wert von ~165µS von meinem "Mischwasser" hin bekomme. Lieg ich da richtig??

Ich habe ja vor mein VE Wasser in einer Tonne zu sammeln und es dann gleich mit Leitungswasser vermischen. Wenn ich es länger stehen lasse geht ja das Co2 raus und somit steigt der Ph-Wert das Wasser wieder an. Hab gelesen der geht von alleine wieder auf 7. Macht mir dann meine Co2 Anlage den Rest? Ich meine damit ob ich ihn nur mit Hilfe von Co2 auf unter 7 bekomme?

Ist das ein gutes Leitwertmessgerät? www.amazon.de/Mess...C3%A4t+aquarium[/link]

Macht jetzt ein Leitwertmessgerät den Tröpfchentest überflüssig??

Nochmal vielen vielen Dank für deinen tolle Hilfe Wolfgang

Liebe Grüße

Daniela

Wolfgang N

31.08.2014, 21:00

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Daniela,

wie ich sehe, werden Deine Fragen jetzt spezieller. Die Planung kommt also in die heiße Phase? Na, dann wollen wir die Sache mal angehen. :-)


>> Du schreibst das der PH auch schwankt wenn man Wurzeln
>> im Becken hat. Wegen der Huminsäure. Sollte man dann
>> lieber andere Wurzeln verwenden die keine abgeben??

Habe ich tatsächlich geschrieben, dass der pH-Wert durch Wurzeln "schwankt"? Wenn ja, dann muss ich das hier korrigieren. Wurzeln, allen voran Moorkienholz, können durch Abgabe von Huminsäuren den pH-Wert senken(!). Allerdings reduziert sich dieser Effekt mit der Zeit bis zur Vernachlässigbarkeit. Mit Sicherheit wäre das auch nie ein Grund für mich auf Wurzeln in einem Südamerikabecken zu verzichten. Die Vorteile überwiegen ganz klar.

Mein persönlicher Favorit unter den Hölzern ist auch hier das Moorkienholz. Durch seine weichen Fasern wird es von raspelnden Welsen (und da gibt es eine Menge) heiß und innig geliebt. Mangrove ist da nur zweite Wahl. Harthölzer wie Mopani scheiden sowieso aus. Übrigens habe ich noch nie Probleme mit Moorkienholz gehabt.


>> Wenn ich eine Gesamthärte von 5 habe dann habe ich ca.
>> einen Ph von 6,8. Sollte ich nicht schauen das er etwas
>> weiter runter geht?? Dann hätte ich etwas mehr Puffer
>> nach oben.

Den pH-Wert noch weiter zu senken ist kein Problem. Das macht die Natur auch. Es gibt im Amazonassystem eine Menge Gewässer mit einem pH-Wert unter 6. Natürlich funktioniert das nicht mit CO2. Trotzdem ist das Rezept recht einfach. Eine fast nicht vorhandene Karbonathärte in Verbindung mit reichlich Huminstoffen reicht völlig aus.

Wenn Du diese Konstellation nachstellen willst, empfiehlt sich eine Filterung über Torf. Wenn Dir das ein bisschen zu heftig ist, bleibt die Möglichkeit ein paar Erlenzapfen ins Wasser zu geben. Der Effekt fällt dann etwas moderater aus. In beiden Fällen wird der CO2-Gehalt übrigens geringer sein, als es der pH-Wert rein rechnerisch suggeriert. Du brauchst daher einen CO2-Dauertest.

Grundsätzlich spricht nichts gegen diese beiden Möglichkeiten den pH-Wert noch etwas abzusenken. Eher im Gegenteil. Auch der Einfluß dieser beiden Verfahren auf den Leitwert ist recht gering. Das ist ebenfalls sehr erfreulich.

Anders sieht es bei den beliebten Mittelchen aus, die der Fachhandel dazu bereithält. Diese "pH-Wert-Senker", "Torf-" oder "Eichenrindenextrakte" sind leider nicht so natürlich wie propagiert. Wesentlicher Bestandteil ist Phosphorsäure. Klar senkt das den pH-Wert. Dafür steigen Phosphatgehalt und Leitwert heftig an. Wenig naturgetreu. :-(


>> Ich hab gelesen das 1 °dh ~33µS entsprechen, dann
>> müsste ich schauen das ich einen Wert von ~165µS von
>> meinem "Mischwasser" hin bekomme. Lieg ich da richtig??

Versuch macht kluch! :-) Da das Wasser außer den Härtebildnern auch noch andere Salze in unterschiedlichen Konzentrationen enthält, kann 1°dGh auch mal mehr als 33 µS/cm haben. Daher würde ich in der ersten Zeit zur Sicherheit mit einem Tropftest kontrollieren. Zumindest, bis Du "Dein Wasser" kennst. Aber grundsätzlich ist der Wert von 33 µS/cm schon mal eine gute Orientierungshilfe.


>> Ich habe ja vor mein VE Wasser in einer Tonne zu
>> sammeln und es dann gleich mit Leitungswasser
>> vermischen. Wenn ich es länger stehen lasse geht
>> ja das Co2 raus und somit steigt der Ph-Wert das
>> Wasser wieder an. Hab gelesen der geht von alleine
>> wieder auf 7. Macht mir dann meine Co2 Anlage den
>> Rest? Ich meine damit ob ich ihn nur mit Hilfe von
>> Co2 auf unter 7 bekomme?

Stimmt, während das angemischte Wasser auf seinen Einsatz wartet, diffundiert das CO2 fröhlich rein und raus, bis sich die dem Partialdruck des CO2 entsprechende Konzentration eingestellt hat. Das kann Dir aber wurscht sein. Sobald nämlich das Wasser ins Aquarium kommt wird das fehlende CO2 vom Controller ergänzt und gut. Die Antwort lautet also: Du bekommst den pH-Wert nur mit Hilfe von CO2 wieder unter 7.


>> Ist das ein gutes Leitwertmessgerät?
>> www.amazon.de/Mess...C3%A4t+aquarium[/link]

Ich hoffe, Du hast Verständnis dafür, dass ich Dir keine Kaufempfehlung geben kann. Dafür müsste ich das genannte Gerät selbst im Einsatz und idealerweise mit anderen verglichen haben. Vielleicht helfen Dir hier die Bewertungen der anderen Käufer weiter?

Von den technischen Daten der Gerätebeschreibung betrachtet ist es allerdings für Deine Anwendung geeignet.


>> Macht jetzt ein Leitwertmessgerät den Tröpfchentest überflüssig??

Wie ich bereits oben geschrieben habe: Die ersten paar Messungen parallel mit Leitwertmesser und Tröpfchentest durchführen. Sobald Du Dein Wasser kennst reicht der Leitwertmesser. Das gilt natürlich nur für die Härtewerte. Alle anderen Parameter müssen weiterhin wie gehabt ermittelt werden.


Hoffentlich habe ich keine Frage vergessen. Falls doch, oder falls Du noch andere Fragen hast - na, Du weißt schon. :-)

Viele Grüße

Wolfgang

DanielaP

07.09.2014, 07:26

@ Wolfgang N

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Wolfgang,

so jetzt komm ich endlich wieder zum Schreiben.

Die alten Fische sind gestern ausgezogen. Wasser raus und langsam angefangen mit meiner alten Osmoseanlage das Wasser wieder aufzufüllen. Leitwert von der Osmose ist 23µS/cm.
Hoffentlich kommt der VE bald.
Heute werden die Pflanzen bestellt, danach darf das ganze erst mal 4 Wochen laufen. So kann ich mich in Ruhe mit meinem Wasser auseinander setzten ohne das Fische darunter leiden müssen.

Also Erlenzäpfchen kann ich bei meinen Eltern Sammeln. Wie viele gibt man denn dann ins Wasser?

So ich hab mit dem Leitwertmessgerät mal unser Wasser getestet
Folgende Werte kamen dabei raus

Leitungswasser 518µS/cm
Altes Aquarium 507µS/cm
Alte Osmoseanlage 23µS/cm

Wie kann ich mir da jetzt den Leitwert das Wasser ausrechnen den das Aquarium bei 5 °dh (Gesamthärte haben soll)??

Ein Rechner im Internet sagt mir das ich
212l Osmose/Ve-Wasser
88l Leitungswasser
Brauche um auf KH/GH von 5°dh zu kommen.
Mal sehen ob ich das so hin bekomme. Im Moment zähle ich die Eimer die ins Becken kommen und zum Schluss wird wieder alles getestet.
Ach ja Wurzel kommt auch noch ins Becken, bekomme heute noch Bilder von einem Onlinehändler der Moorkienwurzeln vertreibt. Ich hoffe ich finde was das mir gefällt.
Muss ich jetzt bei der Erstbefüllung und Einrichtung irgendwas beachten?? Nicht das hinter her alles Falsch ist.
Dumme Frage wo kommt denn der Flipper von der Co2 hin?? Bei mir kommt auf der linken Seite des Aquariums der Filterrücklauf rein. Kommt er dann auf die linke oder rechte Seite??

Vielen Dank für deine Hilfe Wolfgang, ohne dich wäre ich noch nicht so weit.

Liebe Grüße

Daniela

Wolfgang N

07.09.2014, 18:49

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Daniela,

freut mich für Dich, dass es jetzt los geht. :-) Ich hoffe, Du stellst uns das Ergebnis dann auch vor? Eigentlich kannst Du damit jetzt schon anfangen. Ich finde Aufbaudokus nämlich sehr interessant. Und ich bin nicht der Einzige!


>> Heute werden die Pflanzen bestellt, danach darf das
>> ganze erst mal 4 Wochen laufen. So kann ich mich in
>> Ruhe mit meinem Wasser auseinander setzten ohne das
>> Fische darunter leiden müssen.

Sehr vernünftig von Dir. Leider wollen viele heutzutage von einer Einfahrzeit nichts wissen. :-( Denkst Du auch daran, den Filter anzuimpfen und zu füttern? Nur so mal gefragt...


>> Also Erlenzäpfchen kann ich bei meinen Eltern Sammeln.
>> Wie viele gibt man denn dann ins Wasser?

Ui, gute Frage! Das hängt natürlich davon ab, wie stark der gewünschte Effekt ausfallen soll, und wie alt die Zapfen beim Einsammeln schon waren. Wenn es da schon oft drauf geregnet hatte sind die nicht mehr so wirkungsvoll wie Frische. Da Dein angestrebtes Wasser eher weich ist, würde ich die Menge erst mal nicht so hoch ansetzen. Ich habe früher immer einen Zapfen auf 10 Liter genommen und nach 2-3 Wochen ausgetauscht. Schätze, da hilft nur ausprobieren.


>> Leitungswasser 518µS/cm
>> Altes Aquarium 507µS/cm
>> Alte Osmoseanlage 23µS/cm
>>
>> Wie kann ich mir da jetzt den Leitwert das Wasser
>> ausrechnen den das Aquarium bei 5 °dh (Gesamthärte
>> haben soll)??
>>
>> Ein Rechner im Internet sagt mir das ich
>> 212l Osmose/Ve-Wasser
>> 88l Leitungswasser
>> Brauche um auf KH/GH von 5°dh zu kommen.

So was rechnet man mit dem "Mischungskreuz" aus. Eigentlich eine ganz einfache Sache. Fassen wir mal zusammen:

Bekannte (Leit-)Werte:
Leitungswasser (518 µS/cm)
Osmosewasser (23 µS/cm)
Wunschwasser (33 x 5 = 165 µS/cm)

Gesuchte Angaben:
Menge des Osmosewassers
Menge des Leitungswassers

Jetzt schreib ich der Einfachheit halber nur die nackten Zahlen hin. (Die Punkte denk Dir einfach weg und die senkrechten Striche sollen diagonal sein. Anders konnte ich den Editor nicht austricksen)

518
.......|.......|
.........165
.......|.......|
..23

Mit nur zwei Schritten kommst Du zum Ziel.
1.: Bilde die Differenz zwischen Links oben und der Mitte und schreibe sie Rechts unten hin.
2.: Bilde die Differenz zwischen Links unten und der Mitte und schreibe sie Rechts oben hin.

Das sieht dann so aus:

518...........142
.......|.......|
.........165
.......|.......|
..23...........353

Ergebnis: Du benötigst 353 Teile Osmosewasser und 142 Teile Leitungswasser, damit Dein gewünschter Leitwert rauskommt.
Anders gesagt: 142 / 353 = 0,402 entspricht 40,2 %.
So groß muss Dein Anteil an Leitungswasser sein.

Alles klar? :-)


>> Muss ich jetzt bei der Erstbefüllung und Einrichtung
>> irgendwas beachten?? Nicht das hinter her alles
>> Falsch ist.

Der häufigste Fehler ist die Vernachlässigung des Filters. Hab ich oben schon geschrieben. Unbedingt an impfen, füttern, Nitritwert beobachten. Ansonsten während der Einlaufphase keinen(!) Wasserwechsel durchführen. Schließlich soll sich ja eine vernünftige Bakterienfauna bilden. Ich hoffe, Du nimmst Sand als Bodengrund? Weil Du erwähnt hattest, dass Du Panzerwelse halten willst...


>> Dumme Frage wo kommt denn der Flipper von der Co2
>> hin?? Bei mir kommt auf der linken Seite des
>> Aquariums der Filterrücklauf rein. Kommt er dann auf
>> die linke oder rechte Seite??

Die Seite ist wurscht, solange er gut umspült wird, damit sich das CO2 auch im Becken verteilen kann. Wenn also etwas Strömung darüberstreicht - ideal!

So, und jetzt bin ich mal gespannt, wann du endlich Dein Becken freischaltest!

Viel Spaß beim Bepflanzen und Einfahren

Wolfgang

DanielaP

07.09.2014, 22:09

@ Wolfgang N

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Wolfgang

>> Hallo Daniela,
>>
>> freut mich für Dich, dass es jetzt los geht. :-) Ich hoffe, Du stellst uns
>> das Ergebnis dann auch vor? Eigentlich kannst Du damit jetzt schon
>> anfangen. Ich finde Aufbaudokus nämlich sehr interessant. Und ich bin
>> nicht der Einzige!

Keine Sorge Bilder kommen auf jedenfall. Morgen wenn Junior bei Oma ist mach ich mal Bilder vom Chaos. :-D
>>
>>
>> >> Heute werden die Pflanzen bestellt, danach darf das
>> >> ganze erst mal 4 Wochen laufen. So kann ich mich in
>> >> Ruhe mit meinem Wasser auseinander setzten ohne das
>> >> Fische darunter leiden müssen.
>>
>> Sehr vernünftig von Dir. Leider wollen viele heutzutage von einer
>> Einfahrzeit nichts wissen. :-( Denkst Du auch daran, den Filter anzuimpfen
>> und zu füttern? Nur so mal gefragt...

Muss ich den Filter noch animpfen?? Das hatte ich eigentlich nicht vor weil es der alte Filter ist der schon die ganze Zeit am Becken läuft. Da müssten eigentlich genug Bakterien drinnen sein. Natürlich kommt immer wieder Futter rein sonst verhungern sie mir ja.
>>
>>
>> >> Also Erlenzäpfchen kann ich bei meinen Eltern Sammeln.
>> >> Wie viele gibt man denn dann ins Wasser?
>>
>> Ui, gute Frage! Das hängt natürlich davon ab, wie stark der gewünschte
>> Effekt ausfallen soll, und wie alt die Zapfen beim Einsammeln schon waren.
>> Wenn es da schon oft drauf geregnet hatte sind die nicht mehr so
>> wirkungsvoll wie Frische. Da Dein angestrebtes Wasser eher weich ist,
>> würde ich die Menge erst mal nicht so hoch ansetzen. Ich habe früher
>> immer einen Zapfen auf 10 Liter genommen und nach 2-3 Wochen ausgetauscht.
>> Schätze, da hilft nur ausprobieren.
>>
Ok dann müssen wir bald sammeln gehen und ich werde es dann versuchen und Berichten.
>>
>> >> Leitungswasser 518µS/cm
>> >> Altes Aquarium 507µS/cm
>> >> Alte Osmoseanlage 23µS/cm
>> >>
>> >> Wie kann ich mir da jetzt den Leitwert das Wasser
>> >> ausrechnen den das Aquarium bei 5 °dh (Gesamthärte
>> >> haben soll)??
>> >>
>> >> Ein Rechner im Internet sagt mir das ich
>> >> 212l Osmose/Ve-Wasser
>> >> 88l Leitungswasser
>> >> Brauche um auf KH/GH von 5°dh zu kommen.
>>
>> So was rechnet man mit dem "Mischungskreuz" aus. Eigentlich eine ganz
>> einfache Sache. Fassen wir mal zusammen:
>>
>> Bekannte (Leit-)Werte:
>> Leitungswasser (518 µS/cm)
>> Osmosewasser (23 µS/cm)
>> Wunschwasser (33 x 5 = 165 µS/cm)
>>
>> Gesuchte Angaben:
>> Menge des Osmosewassers
>> Menge des Leitungswassers
>>
>> Jetzt schreib ich der Einfachheit halber nur die nackten Zahlen hin. (Die
>> Punkte denk Dir einfach weg und die senkrechten Striche sollen diagonal
>> sein. Anders konnte ich den Editor nicht austricksen)
>>
>> 518
>> .......|.......|
>> .........165
>> .......|.......|
>> ..23
>>
>> Mit nur zwei Schritten kommst Du zum Ziel.
>> 1.: Bilde die Differenz zwischen Links oben und der Mitte und schreibe sie
>> Rechts unten hin.
>> 2.: Bilde die Differenz zwischen Links unten und der Mitte und schreibe sie
>> Rechts oben hin.
>>
>> Das sieht dann so aus:
>>
>> 518...........142
>> .......|.......|
>> .........165
>> .......|.......|
>> ..23...........353
>>
>> Ergebnis: Du benötigst 353 Teile Osmosewasser und 142 Teile
>> Leitungswasser, damit Dein gewünschter Leitwert rauskommt.
>> Anders gesagt: 142 / 353 = 0,402 entspricht 40,2 %.
>> So groß muss Dein Anteil an Leitungswasser sein.
>>
>> Alles klar? :-)

Ok ich kam mir jetzt vor wie in den schlimmsten Zeiten meiner Schullaufbahn. Hab jetzt noch meinen Mann darauf angesetzt mit das richtig zu erklären.
Wir kamen jetzt auf der Ergebnis das wir 120l Leitungswasser brauchen (40%) und 180l Osmosewasser. Hab ich mit Dreisatz ausgerechnet. 300l =100% x =100l
Er rechnet aber immer noch :-D

>>
>>
>> >> Muss ich jetzt bei der Erstbefüllung und Einrichtung
>> >> irgendwas beachten?? Nicht das hinter her alles
>> >> Falsch ist.
>>
>> Der häufigste Fehler ist die Vernachlässigung des Filters. Hab ich oben
>> schon geschrieben. Unbedingt an impfen, füttern, Nitritwert beobachten.
>> Ansonsten während der Einlaufphase keinen(!) Wasserwechsel durchführen.
>> Schließlich soll sich ja eine vernünftige Bakterienfauna bilden. Ich
>> hoffe, Du nimmst Sand als Bodengrund? Weil Du erwähnt hattest, dass Du
>> Panzerwelse halten willst...

Ich hab schon seit Jahren Sand im Aquarium und würde ihn nicht wieder her geben. Sind auch viele Turmdeckelschnecken drinnen. Im Sand dürfen auch noch viele Bakterien sein und vielleicht auf der Rückwand auch.
>>
>>
>> >> Dumme Frage wo kommt denn der Flipper von der Co2
>> >> hin?? Bei mir kommt auf der linken Seite des
>> >> Aquariums der Filterrücklauf rein. Kommt er dann auf
>> >> die linke oder rechte Seite??
>>
>> Die Seite ist wurscht, solange er gut umspült wird, damit sich das CO2
>> auch im Becken verteilen kann. Wenn also etwas Strömung darüberstreicht -
>> ideal!

Ok dann kommt er an die rechte Seite
>>
>> So, und jetzt bin ich mal gespannt, wann du endlich Dein Becken
>> freischaltest!

Kommt bald versprochen
>>
>> Viel Spaß beim Bepflanzen und Einfahren
>>
>> Wolfgang

Liebe Grüße

Daniela

DanielaP

09.09.2014, 20:40

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Wolfgang,

hilfe ich komm mit den Werten nicht weiter. Becken ist jetzt voll aber mit dem Leitwert, GH und Kh komm ich nicht hin.
Der Leitwert war jetzt gerade 164µS/cm
GH war mit Tröpfchentest nicht messbar, hab bei 15 Tropfen aufgehört
KH war 2,5

Das heißt jetzt für mich Wasser panschen oder nicht? Ich muss jetzt immer etwas Leitungswasser zugeben und dann messen oder????

Wolfgang N

09.09.2014, 22:48

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Daniela,

keine Panik! :-) Die Aquaristik beinhaltet alle Disziplinen der Naturwissenschaften. Folgerichtig gibt es für alles eine logische Erklärung. Das Problem ist oft, diese zu finden... Ich versuch mal wieder eine Ferndiagnose.

Die von Dir angegebenen Werte für die Leitfähigkeit und die Karbonathärte korrelieren und entsprechen den Erwartungen. Nur der Wert für die Gesamthärte nicht. Warum?

Die Gesamthärte wird ermittelt durch Titration mit einer ammoniumgepufferten, basischen Lösung von Ethylendiamintetraacetat (EDTA) als Chelatbildner und Eriochromschwarz T als Indikator. Diese Lösung hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Danach ist der Farbumschlag immer schlechter bis gar nicht mehr erkennbar. Leider achtet man beim Kauf in den seltensten Fällen auf das Herstellungsdatum. Ist Dein Reagens möglicherweise schon etwas älter?

Mein Tip ins Blaue: Wiederhole die GH-Messung mit einem neuen Test-Reagens und teile mir das Ergebnis mit.

Viele Grüße

Wolfgang

DanielaP

10.09.2014, 10:08

@ Wolfgang N

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Wolfgang,

so hab neuen Test geholt und siehe da, es kommt was anderes dabei raus.

So die Werte sind jetzt
GH 5
KH 3
Leitwert 179µS/cm

soll ich den Leitwert jetzt wieder auf 165µS/cm runter bringen oder das ganze jetzt so lassen??

Vielen Vielen Dank für deine Hilfe, ohne dich würde ich das nicht hinbekommen

Liebe Grüße

Daniela

Wolfgang N

10.09.2014, 17:31

@ DanielaP

Viele Viele Fragen wegen Wasserwerte, Vollentsalzer etc.

Hallo Daniela,

sieht doch schon viel besser aus, nicht wahr? :-)

Den Leitwert muss Du nicht unbedingt sofort auf 165 µS/cm festnageln. Es reicht völlig, wenn Du beim nächsten Wasserwechsel etwas korrigierst. Das hat aber noch Zeit.

Auch in der Natur ist der Leitwert keine zementierte Konstante. Er ist ja nicht nur durch die Härte des Wassers definiert, sondern auch durch alle anderen darin gelösten Salze. Er steigt durch die Stoffwechselprodukte der Fische, Schnecken und Bakterien. Pflanzen, die ja Mineralien aufnehmen, senken ihn.

In stark besetzten Becken neigt er durch die Stoffwechsel der Tiere zum ansteigen. In schwach besetzten Pflanzenaquarien werden die gelösten Salze von den Pflanzen verbraucht, der Leitwert sinkt. Extrembeispiel: biogene Entkalkung.

Du kannst das Wasser getrost erst einmal sich selbst überlassen. Mit Wasserwechseln würde ich erst beim Einsetzen der Fische beginnen.

In der Zwischenzeit kannst Du ja schon mal die Beschreibung deines Einrichtungsbeispiels vorantreiben. :-) *stichel*

Viele Grüße

Wolfgang