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Blogartikel 'Reaktionen auf die Bewertung meines EB – hier zum Thema „filterlos“

von Tanja B.
Offline (Zuletzt 08.03.2014)BlogInfoKarte
Userbild von Tanja B.
Ort / Land: 
Großraum Stuttgart / BW/D


Reaktionen auf die Bewertung meines EB – hier zum Thema „filterlos“

 
Lieber Marco,

herzlichen Dank für deine Tipps und Empfehlungen, vielen Dank auch dass du dir, wie auch dein Vorbewerter Micha (damals noch mit HMF), Zeit dafür genommen hast.

Die Wasserwerte werde ich natürlich weiter verbessern (es ist nur ohne Co2 schon eine kleine Herausforderung :)).

Zur Wasserwechselmenge und zum Thema filterlos möchte ich allerdings ein kleines Statement abgeben. Das soll nicht heißen, dass ich deinen Kommentar nicht akzeptiere oder nachvollziehe, ich möchte nur ein wenig Licht ins Dunkel bringen, warum es so ist, wie ich es mache.

„Ein Aquarium filterlos zu betreiben ist nicht für jedermann zur Nachahmung empfohlen! Vorallem nicht für Anfänger!!“

Dieser Meinung bin ich auch!! Einen Filter zu entfernen ist nicht unriskant und bedarf Beobachtung und Information – wie aber jedes Beckeneinrichten auch.

Ich denke, es kommt auf den Informationsstand und die Bereitwilligkeit des Einlesens in ein Projekt drauf an. Ich habe auch schon ganz furchtbare Becken von Menschen gesehen, die laut eigener Aussage „seit 20 Jahren“ dabei sind und anscheinend nicht einmal das GrundABC des Beckeneinrichtens oder die Bedürfnisse ihres Besatzes kennen.

Ich kann also deine Warnung nur unterstützen: Will man nicht viel Zeit in Informationsaneignung stecken usw. sollte man keine außergewöhnlichen Dinge wagen. Dann würde ich aber einen Standardbesatz im Standardbecken mit Standardausstattung empfehlen, was immer auch Standard heißen mag.

Dass du kein begeisterter Vertreter der Sparte filterlos bist, ist für mich nachvollziehbar. Die Meinungen gehen stark auseinander und beide Seiten haben meines Erachtens gute Argumente.

Allerdings möchte ich eine Aussage von dir nicht unkommentiert stehen lassen, die du vielleicht gar nicht so meintest, die mich aber dennoch getroffen hat:

„(zum Thema filterlos) …, dass ich davon nicht viel halte, da wir hier immer noch Lebewesen hältern.“

Ich verstehe deine Bedenken, vor allem vor dem oben schon erläuterten Hintergrund. Wer der Meinung ist einfach so, zack, Filter weg, wird seinen Fischen nichts Gutes tun und Fische sind Lebewesen, die fühlen und für die man Verantwortung hat.

Allerdings überwache ich die Wasserwerte sehr genau, besonders in der Anfangszeit, und meinen Fischen geht es sehr gut. Zwar ist das Argument „Meinen Fischen geht es gut, sie pflanzen sich fort.“ zu Genüge schon diskutiert worden und kann so pauschal nicht angewandt werden, dass ich aber sowohl Feuersalmler als auch die Tigerzwergschmerlen in meinen Becken großgezogen habe, das erfolgreiche Aufwachsen der Jungfische also, spricht meines Erachtens schon für eine gute Wasserqualität.

Ich wehre mich nur gegen den Vorwurf, den vielleicht nur ich so lese und den du gar nicht gemacht hast, ich würde mich nicht um meine Fische als Lebewesen kümmern.

Du meintest, ein Wasserwechsel von 50% sei zu wenig. Ich halte absolut nichts von Altwasseraquarien (da bin ich nun bei der Altwasser-Pro-und-Contra-Diskussion eindeutig auf der Contra-Seite), da ein Wasserwechsel in der Natur immer auf irgendeine Art vorkommt. (Das ist genauso wie die Diskussion um techniklose Becken, in denen ohne Pumpe keine Zirkulation stattfindet, meines Erachtens bei tiefen Becken auch nicht zu verwirklichen, da auch im tiefsten See aufgrund der Wellenbewegung an der Oberfläche durch Wind viel Umwälzung stattfindet, bzw. in den tiefen Schichten oft gar keine Fische zu finden sind.)

Bei „filterlosen“ Becken jedoch, besonders bei meinem, findet die Anreicherung der Nährstoffe im Wasser durch die Verarbeitung von Futter, Ausscheidungen zu Mulm (keine Angst geht sehr rasch) und abgestorbenen Pflanzenresten statt. Anders gesagt: Ich dünge nicht zu. Bis auf den Bodengrund, der durch Sand vom Wasser abgeschlossen ist und deswegen keine Auswirkungen auf die Wasserqualität hat (vgl. Diana Walstad, hier das Prinzip „Gartenerde unter feinem Kies/Sand) findet bei mir die Nährstoffzirkulation im Wasser durch Verwertung statt. Im Prinzip ist es erst einmal egal, ob ich Nitrat usw. durch Kunstdünger zuführe oder aus den Produkten im Becken erhalte. Auch mit Kohlenstoff (Diana Walstad) geht dies so: Durch den verarbeiteten Kohlenstoff im Becken brauche ich keine Co2-Düngung (bei richtiger Pflanzenwahl). Ziel ist in einem solchen Becken auch nicht, dass Bakterien weiterhin die Verwertung alleine übernehmen, sondern dass Pflanzen hier hauptsächlich einsetzen und so die Bakterien die Nitrifkation und Nitratsynthese zum kleineren Teil übernehmen (vgl. Diana Walstad, zu der Ammonium-Verwertung von Pflanzen).

Ich sehe also keinen wirklichen Unterschied, ob ich viel frisches Wasser mit Kunstdünger versetzt hinzu führe, oder – bei funktionierenden Abbauprozessen – wenig Frischwasser hinzugebe, dafür aber auch weniger Nährstoffe entnehme und so nicht zudüngen muss.

Voraussetzung ist natürlich (und deshalb gebe ich dir nochmals Recht und betone nochmals, dass es nichts für „faule“ Aquarianer ist, die wenig Zeit in ihr Becken stecken) eine funktionierende Nährstoffverwertung im Becken!!

Gerade in der Anfangszeit habe ich sehr viel Wasser und sehr oft gewechselt, sowie auch mehrmals am Tag die Werte überwacht.

Es geht bei einem filterlosen Becken also nicht um weniger Arbeit (nicht, dass du mir das vorgeworfen hättest, ich möchte es nur allgemein betonen) oder weniger Geldinvestitionen. Es geht vielmehr um die Faszination eines Gleichgewichts.

Übrigens waren die „Größen“ des filterlosen Beckens (Joachim Mundt (leider ist sein Projekt aus privaten Gründen nicht mehr öffentlich), Dr. Ralf Rombach und Diana Walstad (die ja nur indirekt filterlos behandelt) positiv überrascht von dem Effekt filterlos: Durch die nicht mehr vorhandene mechanische Entfernung von Trübstoffen (kein „Dreck“ sondern einfache ungiftige Schwebepartikel) fand laut deren Erkenntnissen sogar eine Bindung von Krankheitserregern und überflüssigen Nährstoffen statt. Dies steigerte die Wasserqualität auf natürlichem Wege, vergleichbar mit einem synthetischen Wasseraufbereiter. Außerdem konnten sie die stabilisierende Wirkung des Mulms beobachten (gemeint ist hier nicht der schlammartige Mulm, der aus Kot und vielen schädlichen Inhaltsstoffen besteht und eigentlich bei guter Nährstoffverwertung NICHT im Becken vorkommen sollte, sondern der leicht flockige hellbraune Mulm, der sozusagen aus Humus besteht und eben diese stabilisierende Wirkung für das Becken hat, sowie die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt). Diese Sorte Mulm ist in meinem Becken reichlich vorhanden und sollte aus o.g. Gründen auch nicht entfernt werden.

Ich finde deine Bewertung okay und auch in der Punktgebung absolut fair. Ich wollte nur manche Kommentare nicht so stehen lassen.

Natürlich ist ein filterloses Aquarium nichts für Menschen, die informationsresistent und nicht bereit sind, sich um dieses Anliegen genau zu informieren. Allerdings ist dann, ebenso wie ein filterloses, auch ein Malawi-Aquarium, ein Hollandaquarium, ein XXX-Aquarium, eigentlich gar kein Aquarium empfehlenswert.

Mit dem falschen Filter (zu stark, zu schwach, falsches Filtermedium usw.) kann man ebenso viel falsch machen bei Uninformiertheit, wie mit gar keinem.

Zur Vertiefung, bzw. zur grundlegenden Information über Wasserchemie für Nicht-Chemiker, wie auch ich es bin, möchte ich jedem, der sich näher mit den Prozessen in seinem Becken beschäftigen möchte, das Buch von Diana Walstad: Das bepflanzte Aquarium. Ein Handbuch auf wissenschaftlicher Grundlage, 2. Aufl. 2007, ISBN: 978-3-89745-199-5 empfehlen. Es hat mir sehr weiter geholfen, ich schlage immer noch viel nach (nicht nur für filterlosen Betrieb interessant).

Einige weiterführende Anregungen (auch zum Thema filterlos) findet man auch unter www.aquaristik-hilfe.de.

Vielen Dank nochmal und herzliche Grüße

Tanja
 
Kategorie: "Mein Einrichtungsbeispiel" zuletzt bearbeitet am 20.01.2013 um 21:21 Uhr
 
 
Kommentare:
 
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Geschrieben am 07.04.2013 um 00:43 von The_Lizardking
Ich finde es sehr gut, dass wir dies so offen diskutieren, ich selbst habe die walstad buecher schon in der ersten auflage gelesen und mich sehr mit diesem thema beschaeftigt, das so neu auch gar nicht ist. Trotzdem waere es fuer uns moderatoren sehr schwer solche becken zu bewerten, da zu viele faktoren geprüft werden muessten, wobei manche so wie der halter selber nur schwer zu bewerten sind. Es erfordert ein hohes mass an disziplin sich mit diesem thema zu beschaeftigen und es umzusetzen und davor habe ich grossen respekt, wenngleich esso schwer nicht ist. Faktum ist aber das dauerhaft gewisse eingriffe in das oekosystem notwendig sind, da ein vollwertiges recycling einfach nicht moeglich ist. Wie dies geschieht ist sekundaer oder im ermessen des jeweiligen aquarianers. Ob nun wasserwechsel, rueckschnitt oder das saeubern der stroemungspumpen, ganz ohne allem und sowieso geht es nie. Umso wichtiger finde ich, dass du dein thema hier erklaerst, denn es schafft fuer uns den spielraum dein wissen zu bewerten und vielleicht auch noch ein paar tipps einfliessen zu lassen - wenngleich du in diesem thema aus ueberzeugung schon sehr belesen zu sein scheinst :-)
So long hau rein und auch wenn ich mich wiederhole - danke fuer deinen beitrag.

Lg
 
 
Geschrieben am 21.01.2013 um 00:10 von ~Marco~
Hallo Tanja!

Erstmal vorweg für alle User, Tanja hat vor der Veröffentlichung dieses Blog´s zu meiner Empfehlung um Erlaubnis gebeten!
Ich habe sofort zugestimmt, somit ist alles im grünen Bereich! ;-)

Kleines Statement von mir zum Thema Besatz: Dies war natürlich nicht so gemeint, dass dir deine Pfleglinge "egal" sind. Du zeigst, dass du dich sehr wohl und mit sehr großer "Hingabe" mit dem Thema Aquaristik beschäftigst!
Ich finde es großartig, wie du dich auch hier auf "EB" einbringst!

Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß mit unserem tollen Hobby und hier auf Einrichtungsbeispiele.de!

Ciao Marco...
 
 


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