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Blogartikel 'Teil 3. Mulm - DAS FILTERLOSE AQUARIUM

von Tanja B.
Offline (Zuletzt 08.03.2014)BlogInfoKarte
Userbild von Tanja B.
Ort / Land: 
Großraum Stuttgart / BW/D


Teil 3. Mulm - DAS FILTERLOSE AQUARIUM

 
Im vorherigen Kapitel (Teil 2. Nährstoffverwertung…) wurde der Filter betrachtet. Hierbei wurde erkannt, dass der Filter eine Zusatzoptimierung der bakteriellen Nitrifikation ist. Erhält man die Rahmenbedingungen (v. a. Strömung!) kann die Bedeutung des Filters relativiert werden.

Einen Exkurs wurde zu den bakteriellen Abbauprozessen im Becken gemacht. Hierbei wurde auch angedeutet, dass es mehrere Prozesse im Becken gibt, die unterschiedliche Aufgaben leisten und Nährwerte hervor bringen. Neben der aeroben Verwertung existiert eine anaerobe. Die jeweiligen Bakterien verwerten unterschiedliche Nährstoffe und sind gleichermaßen wichtig.

Ein grundlegender Faktor für das Aquarienklima ist jedoch Mulm. Als Abbauprodukt in der bakteriellen Nährstoffverwertung wird es oft als Ausscheideprodukt verunglimpft, als „Humus“ zum Düngemittel Nr. 1 erhoben. Beides wird dem Mulm in seiner Beschaffenheit nicht unbedingt gerecht

Das Aquarium stellt einen Kreislauf von Vorgängen dar, in dem jeder Schritt sowohl positive als auch negative Auswirkungen hat. Weitere Schritte dämmen die negativen Auswirkungen des zuvor geschehenen ein und so stellt sich ein mehr oder weniger sensibles Gleichgewicht ein: Das heißt, stört man die Prozesse nicht, so kann man auch mit einem stabilen Gleichgewicht rechnen (bei Funktionieren der Abläufe!), wird störend eingegriffen, hat das auch Auswirkungen auf das übrige Beckenklima, es wird instabil.

So ist es eben auch mit Mulm.

Es sei darauf hingewiesen, dass sich die folgenden Ausführungen auf die Mulmansammlung im Becken mit Sand als Bodengrund beschäftigen. Wie auch in dem vorangehenden Kapitel schon erwähnt, ist Kies eine andere Beckenstruktur und für eine Mulmansammlung nicht geeignet. (Vgl. auch die Bemerkung Nikolai Mette auf www.fischtante.wordpress.com, als Kommentar zum Blogartikel, hier: N.M., genannt, Comment am 27. Januar 2009, letzter Zugriff am 26. Jan. 2013): „Weiterhin bin ich inzwischen der Überzeugung, daß vermulmte Aquarien nur in Kombination mit Sandboden sinnvoll sind; bei Kies sinkt zuviel zwischen die Zwischenräume; so etwas gibt es auch natürlicherweise nicht (Kies -> Strömung, kein Mulm).“

Ist Mulm gleich Mulm?

So wie es verschiedene Ausgangsprodukte für Mulm gibt, existieren auch verschiedene Mulmarten, von denen manche förderlich für das Beckenklima sind, andere nicht. Hier gilt es zu unterscheiden.

Zum Einen existiert ein fester Mulm, der an Klärschlamm erinnert und im Prinzip auch dieser ist. Joachim Mundt spricht hinsichtlich dieser Mulmart von „Sediment“ (vgl. www.aquaristik-hilfe.de/faq06.htm, letzter Zugriff 26. Jan. 2013), da diese nur mineralische Stoffe beinhaltet und nicht im Aquarium von Konsumenten aufgeschlossen werden kann. Auch wenn es zunächst scheint, als sei dies ein Mineraliendepot, liegen diese jedoch in derartigem Mulm gebunden vor und können nicht mehr gelöst werden. Es hätte eine Verdichtung des Bodens zur Folge, auf dem sich immer mehr „Sediment“ oder Schlamm aufhäuft. Im Prinzip ähnelt dieser Mulm sehr feinem Sand.

Diese Mulmart wird vielen Beckenbetreibern mit Schnellfiltern bekannt sein, denn anders als bei bakteriellen Prozessen am Boden werden die Nährstoffe im Filter anders verwertet, und so entsteht der feste mineralisch abgeschlossene „Sedimentschlamm“. Dieser kann in einem filterlosen oder HMF-betrieben Becken aufgrund der unterschiedlichen Verarbeitung der Nährstoffe jedoch nicht entstehen.

Hinsichtlich des Umgangs mit Mulm gehen die Meinungen weit auseinander. Auch Joachim Mundt spricht sich dafür aus, den sichtbaren Mulm nicht im Becken zu lassen (vgl. Link oben). Ich habe seine Aussage so interpretiert, dass man den bleibenden Mulm entfernen sollte, während der organisch angereicherte nicht bleibend ist, sondern selbst wieder verzehrt wird. Das heißt, selbst wenn man letzteren konstant im Becken sieht, findet keine Anreicherung statt. Die sichtbare Menge ist lediglich die neueste Mulmansammlung, die nicht abgebaut wird, da sie einen Überschuss darstellt und deshalb entfernt werden muss.

Diana Walstad hingegen betont, neben dem erwähnten Mikroklima in der organischen Mulmschicht, auch die schadstoffbindende Wirkung. Die negativ geladenen Mulmpartikel wirken und arbeiten wie ein Wasseraufbereiter. So kann es passieren dass, wie in meinem Becken „The Mishfishs“, das Wasser zwar viele Schwebeteilchen aufweist, diese jedoch Keime und andere Stoffe binden und man chemisch sehr sauberes Wasser hat, obwohl optisch eine leichte Trübung vorhanden ist (vgl. Walstad, S. 216).

Düngung durch Mulm

Sie plädiert sogar für eine leichte Überfütterung, da das übrig geblieben Fischfutter wiederum eine Kohlenstoffquelle für Pflanzen darstelle (Walstad, S. 97-98). Dies ermögliche guten Pflanzenwuchs ohne Zugabe von Co2 oder anderer Düngung.

Statt Nährstoffe über Mulmabsaugen zu entnehmen, lichtet sie alle 2-3 Wochen die Pflanzen aus und entfernt dadurch nicht das Ausgangsmaterial (die Nährstoffe), sondern das schon verarbeitete Material (Pflanzenmasse). Dadurch sind alle eventuell im Übermaß giftigen Nährstoffe durch Ausbringen des in umgewandelter Form von gebundener, ungefährlicher Pflanzenmasse vorliegenden Materials einfach entfernt (ebd., S. 96). Auf S. 98 findet sich eine Auflistung der Nährstoffe und Spurenelemente, die durch eine Düngung mit Fischfutter und dem dadurch entstehenden Mulm ins Becken gebracht werden können.

Walstads Mulmaquarium lässt sich jedoch nur bei einer immensen Bepflanzung. und angepasstem Besatz realisieren!

Ich selbst plädiere aus den für mich nachvollziehbaren Gründen, die Walstad nennt, für eine Mulmansammlung im Becken. Allerdings, wie o.g. Kommentator unter www.fischtante.wordpress.com betont , ist auch dies abhängig vom Fischbesatz.

Anpassung der Fische bitte beachten!

Pflegt man Fische aus schnellen Bachläufen oder gar Hochzuchten mit empfindlichen Immunsystem, sollte man auch die Beckenbedingungen daran anpassen. Da sich in schnell strömenden Gewässern kaum Mulm ansammelt, sind diese Fische auch nicht darauf ausgelegt, mit der Bakterienbelastung (hier sei betont, dass es sich nicht um bakterielle Krankheitserreger handelt, sondern um die allgemeine hohe Bakteriendichte überhaupt, die den Fisch belasten könnten) zurecht zu kommen. Eine hohe Filterleistung, reichlich Strömung und viel Frischwasser sind in solchen und ähnlichen Becken ein Muss, sie können auf keinen Fall auf „filterlos“ umgestellt werden.

Dagegen sind andere Fische auf Mulm angepasst, deren Lebensraum schwachströmende Gewässer oder sogar Teiche, Tümpel oder Seen sind.

Ich pflege in meinem Becken die Zwergtigerschmerle Yunnailus cruciatus und seit ich die Mulmansammlung zulasse, sind die Barteln kräftiger und ausgeprägter. Ihre Nahrung nehmen sie im Mulm auf. So wird auch von Corydoras berichtet. Einzeller werden hierbei vorwiegend verzehrt.

Hier befindet sich eine Übersicht aus Bakterien und Einzellern, die den Mulm bevölkern (mit mikroskopischer Vergrößerung): www.heimbiotop.de/Mulm_im_Aquarium.html, letzter Zugriff 05.04.13.

Nochmals sei betont, dass es sich bei diesen genannten und anderen ähnlichen Arten aber nicht um „Exkrementfresser“ handelt: Dieser Mulm besteht nicht, oder gering aus Ausscheidungen, sondern stellt eine lockere „kompostähnliche“ Zusammensetzung dar, die nicht schädlich für Fische ist.

Werden Beobachtungen wie Entzündungen, Bartelschwund, negative Gerüche usw. gemacht, gilt es sofort den Bodengrund gründlich zu reinigen und die Beckenflora mit Bakterienzusätzen zu stabilisieren, sofern das Becken besetzt ist. Im schlimmsten Fall muss sogar das Becken neu gestartet werden.

In Becken mit ausgewogenem Kreislauf und Gleichgewicht kann es aber so gut wie nicht zu solchen „klärschlamm-ähnlichen“ Ansammlungen kommen.

Das Nährstoffdepot in meinem Becken stellt seit der Filterentfernung der Mulm dar.

Sogar mein Lotus wächst annehmbar ohne zusätzliche Düngung, der Bodengrund ist seit August im Becken und wird nicht erneuert werden.

Eine Schwierigkeit für die Haltung von Fischen aus dem leicht sauren Milieu ist allerdings die puffernde Wirkung des Mulms. Mit enormen Schwierigkeiten halte ich den PH-Wert bei 6,5. In extremen Fällen kann dieser in meinem Becken auch wieder auf 7, sogar 7,5, ansteigen, eine Beobachtung die auch Walstad machte. In ihren nahezu unberührten Becken stieg im Lauf des Tages der Ph-Wert sogar von 7,0 bis 8,0 (innerhalb eines Tages!).

Sie schildert dies als normalen Vorgang in stehenden oder schwach strömenden Gewässern, da hier die Pflanzen durch Co2 Verbrauch und O2-Anreicherung (bei Nacht umgekehrt) den Ph-Wert beeinflussen.

Das Vorurteil gegenüber Mulm, er sei schädlich und bestehe aus Abfallstoffen, kann so also nicht gehalten werden. Organische verarbeitete Mulmansammlungen stellen eine wichtige Siedlungsfläche für Bakterien dar, er besitzt ein eigenes Mikroklima, ist an wichtigen, das Becken stabilisierenden Vorgängen beteiligt, liefert Nahrung für an diesen Lebensraum angepasste Tierarten (z.B. Schmerlen, Otocinclus, Corydoras, Schnecken, Garnelen …), düngt das Becken auf eine natürliche und nachhaltige Art und Weise und hat eine schadstoffbindende Wirkung, die der eines synthetischen Wasseraufbereiters ähnelt.

Im Filter kann der Mulm nicht weiter verarbeitet werden. Hierzu müsste er zuerst wieder zurück in den unmittelbaren Beckenkreislauf gelangen.

Mulm im filterlosen Becken

Für die Beckengestaltung als ein filterloses Aquarium bedeutet das: eine optimierte Nährstoffversorgung der Pflanzen ohne zusätzliche Düngung, jedoch auf Kosten einer optimierten Filterleistung. Das heißt: Zwar ist die gleich bleibende immer auf einem hohen Niveau liegende Filterleistung des künstlichen Filters nach der Entfernung selbigen weg (das Becken braucht immer erst eine gewissen Zeit, bis es sich auf unterschiedliche Nährstoffzugaben einstellen kann), jedoch sind Nährstoffe für die Pflanzen (und in kleinem Maße auch für Fische) durch Mulm verfügbar. Statt im Filtermedium, siedeln nun die Bakterien im Mulm. Deshalb darf dieser nicht abgesaugt werden. Dies beeinflusst, neben manchen positiven Folgen, natürlich auch die Beckenoptik. Bei immunschwachen, nicht auf einen solchen Lebensraum angepassten Fischen, kranken oder gar verletzten, bzw. bei dichtem Besatz ist von einem derartigen Beckenaufbau DRINGEND abzuraten.

Zusammenfassung und Beobachtungen

Zusammenfassend kann man sagen, dass Mulm eine Kohlenstoff- und Spurenelementquelle darstellt, in der zudem wichtige Bakterien siedeln und der eine puffernde Wirkung auf das Beckensystem hat. Bei ausreichender Bepflanzung, guter Fütterung und ausreichendem, angepasstem Besatz kommt es zu einem Nährstoffkreislauf, indem Nährstoffe durch Entfernung von Pflanzen entnommen werden können und das Becken „sich selbst“ durch Pflanzenwachstum klärt. Eine Co2-Anlage sowie zusätzliche Düngergaben sind obsolet.

Als erste Nahrungsquelle für Pflanzen ist ein nährstoffreicher Bodengrund (bei Walstad „Gartenerde“) zu empfehlen. Dieser wird jedoch durch die Ansammlung von Mulm erneuert, so dass eine manuelle Auffrischung des Bodengrunds nicht erforderlich ist.

Meine Beobachtungen in meinen Becken bestätigen dies. Selbst auf viele Nährstoffe angepasste Wurzelzehrer wie Echinodoren weisen bei mir ein rasches Wachstum auf, so dass ich hier sogar, um ihren Nährstoffbedarf zu decken zusätzlich über Düngekugeln zu dünge (z.B. bei Eisenmangel, der aufgrund der Futtertabletten wohl nicht gedeckt werden kann).

Die „Nährstoffentnahme“ erfolgt in meinem Becken über Schwimmpflanzen, da diese besonders in tiefen Becken sehr einfach zu entfernen sind. Ich füttere drei bis fünfmal eine Fingerkuppe Staubfutter, ca. zwei mal Tablettenfutter und/oder einen bis zwei Beutel Lebendfutter täglich (bei einem 360l-Becken, Besatzdichte s. unter meinem Einrichtungsbeispiel „The Mishfishs“).

Diese Menge genügt um die meisten Pflanzen ohne zusätzliche Düngung mit Nährstoffen zu versorgen und gleichzeitig ist die bakterielle Filterleistung im „filterlosen“ Becken so effizient, dass diese doch sehr hohe Futtergabe wirkungsvoll umgewandelt wird. Ich hatte zu keiner Zeit einen nennenswerten Nitritanstieg.

Fortsetzung folgt. Nächster Teil: 4. Pflanzen

Anmerkungen, Kritik, Verbesserung, Ergänzung? Bitte schreibt mir eine PN oder nutzt direkt die Kommentarfunktion! Danke.

Weitere Teile in Vorbereitung:

5. Wasserbewegung

6. Fische (eigene Beobachtungen)

7. Veränderungen im Becken nach der Umstellung

8. Quellen und interessante Links/Literatur

9. Zur Diskussion: Leitwert vs. Ph-Wert


 
Teil 3. Mulm - DAS FILTERLOSE AQUARIUMTeil 3. Mulm - DAS FILTERLOSE AQUARIUM
 
Kategorie: "Das filterlose Aquarium" zuletzt bearbeitet am 05.04.2013 um 10:25 Uhr
 
 
Kommentare:
 
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Geschrieben am 07.04.2013 um 01:54 von Tanja B.
Hallo,
vielen herzlichen Dank für dein Kommentar, schön, dass dir der Blog gefällt.

LG Tanja
 
 
Geschrieben am 07.04.2013 um 00:07 von The_Lizardking
Du gibst dir hier sehr viel muehe das thema rueber zu bringen und machst das sehr gut. Danke fuer deinen beitrag,...

Lg
 
 


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