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Außenfilter im Aquarium: Funktionsweise, Auswahl, Anwendung und optimale Nutzung in der Aquaristik

Einrichtungsbeispiele für Aquarien mit Außenfilter

Lesezeit: ca. 10 Minuten
Außenfilter im Aquarium: Funktionsweise, Auswahl, Anwendung und optimale Nutzung in der Aquaristik (Einrichtungsbeispiele für Aquarien mit Außenfilter)
Außenfilter

Wissenswertes zu Außenfilter

Ein Außenfilter gehört zu den zentralen technischen Komponenten in der modernen Aquaristik und ist für viele Aquarianer ein unverzichtbares System zur biologischen, mechanischen und teilweise auch chemischen Wasseraufbereitung. Besonders in mittelgroßen bis großen Süßwasseraquarien hat sich der Außenfilter als Standard etabliert, da er eine hohe Filterleistung bei gleichzeitig geringer Sichtbarkeit im Becken bietet. Die richtige Auswahl, Dimensionierung und Pflege eines Außenfilters ist entscheidend für stabile Wasserwerte, gesundes Fischwachstum und ein funktionierendes biologisches Gleichgewicht.

Grundlagen des Außenfilters in der Aquaristik

Ein Außenfilter ist ein geschlossenes Filtersystem, das außerhalb des Aquariums betrieben wird. Das Aquarienwasser wird über Schläuche aus dem Becken angesaugt, durch verschiedene Filterstufen geleitet und anschließend gereinigt zurückgeführt. Im Gegensatz zum Innenfilter befindet sich der gesamte Filterprozess außerhalb des Aquariums, was mehr Platz im Becken schafft und eine deutlich höhere Filterkapazität ermöglicht.

Technisch betrachtet handelt es sich bei einem Außenfilter um ein Druckfiltersystem. Eine elektrische Pumpe sorgt für den kontinuierlichen Wassertransport. Das Wasser durchläuft dabei mehrere Kammern, die mit unterschiedlichen Filtermaterialien gefüllt sind. Diese Kombination ermöglicht eine mehrstufige Reinigung, die sowohl mechanische Partikel als auch gelöste organische Stoffe und Stickstoffverbindungen umfasst.

In der biologischen Aquaristik spielt der Außenfilter eine zentrale Rolle im Stickstoffkreislauf. Ammonium und Ammoniak, die vor allem durch Fischkot, Futterreste und organische Zersetzung entstehen, werden im Filter durch nitrifizierende Bakterien in Nitrit und anschließend in Nitrat umgewandelt. Besonders wichtig sind hier Bakterien der Gattungen Nitrosomonas und Nitrobacter, die in sauerstoffreichen Filtermedien stabile Kolonien bilden.

Aufbau und technische Komponenten eines Außenfilters

Ein typischer Außenfilter besteht aus mehreren funktionalen Einheiten, die zusammen ein geschlossenes Reinigungssystem bilden. Die wichtigsten Komponenten sind der Filterbehälter, der Pumpenkopf, die Ein- und Auslassschläuche sowie die Filtermedien.

Der Filterbehälter ist das Herzstück des Systems. Er besteht meist aus robustem Kunststoff und ist in mehrere Kammern unterteilt. Diese Kammern ermöglichen eine getrennte Anordnung unterschiedlicher Filtermaterialien. Der Pumpenkopf sitzt entweder integriert im Deckel oder als separater Aufsatz und sorgt für die Wasserzirkulation.

Die Ansaugung erfolgt über einen Einlaufschlauch, der häufig mit einem Vorfilter oder einem Ansaugkorb ausgestattet ist. Dieser verhindert, dass grobe Partikel oder kleine Tiere wie Garnelen der Gattung Neocaridina oder Jungfische eingesogen werden.

Der Auslassschlauch führt das gereinigte Wasser zurück ins Aquarium. Häufig wird hier ein sogenannter Diffusor oder ein Sprührohr verwendet, um die Wasserverteilung zu optimieren und eine gleichmäßige Strömung im Becken zu erzeugen.

Die Filtermedien im Inneren sind in der Regel in mehrere Stufen unterteilt: mechanische, biologische und gegebenenfalls chemische Filtration.

Mechanische, biologische und chemische Filtration im Außenfilter

Die mechanische Filtration ist die erste Stufe des Reinigungsprozesses. Hier werden sichtbare Schmutzpartikel wie Pflanzenreste, Futterüberschüsse oder Schwebstoffe aus dem Wasser entfernt. Typische Materialien sind Filterwatte, Filterschwämme mit unterschiedlichen Porengrößen oder spezielle Vliesmaterialien. Diese Stufe verhindert, dass feinere Filtermedien schnell verstopfen.

Die biologische Filtration ist der wichtigste Bestandteil eines Außenfilters. Hier siedeln sich nitrifizierende Bakterien an, die den biologischen Abbau von Schadstoffen übernehmen. Besonders bedeutend sind die Bakterien Nitrosomonas europaea, die Ammonium zu Nitrit oxidieren, sowie Nitrobacter winogradskyi, die Nitrit zu Nitrat umwandeln. Dieser Prozess ist essenziell für die Stabilität eines Aquariums, da sowohl Ammoniak als auch Nitrit bereits in geringen Konzentrationen für viele Fischarten toxisch sind.

Die chemische Filtration wird nicht in jedem Aquarium eingesetzt, kann aber gezielt zur Wasseraufbereitung genutzt werden. Aktivkohle entfernt beispielsweise organische Schadstoffe, Medikamentenreste und Gerüche aus dem Wasser. Ionenaustauscher oder spezielle Harze können gezielt Nitrat reduzieren oder Phosphate binden.

Biologische Prozesse im Außenfilter

Der Außenfilter ist nicht nur ein mechanisches Reinigungsgerät, sondern ein hochkomplexes biologisches System. Innerhalb weniger Wochen bildet sich im Filter eine stabile Mikrofauna, die aus Bakterien, Protozoen und anderen Mikroorganismen besteht. Diese Mikroorganismen arbeiten in einem fein abgestimmten Gleichgewicht zusammen.

Der wichtigste Prozess ist die Nitrifikation. Dabei wird Ammonium (NH4+) zunächst in Nitrit (NO2-) und anschließend in Nitrat (NO3-) umgewandelt. Dieser Prozess benötigt Sauerstoff, weshalb Außenfilter in der Regel stark durchströmt und gut belüftet sind.

In tieferen Bereichen des Filtermediums können sich zusätzlich anaerobe Zonen bilden, in denen Denitrifikation stattfinden kann. Dabei wird Nitrat unter Sauerstoffmangelbedingungen teilweise zu gasförmigem Stickstoff reduziert. Dieser Prozess ist im klassischen Außenfilter jedoch begrenzt und spielt eher in speziellen Filterkonfigurationen eine Rolle.

Die Stabilität dieser biologischen Prozesse hängt stark von der Filterpflege, der Besatzdichte und der Fütterung ab. Ein überlasteter Filter kann das biologische Gleichgewicht schnell kippen lassen, was zu erhöhten Nitritwerten und Stress für Fische wie Poecilia reticulata (Guppy) oder Pterophyllum scalare (Skalar) führen kann.

Vorteile eines Außenfilters im Aquarium

Ein Außenfilter bietet zahlreiche Vorteile, die ihn in vielen Aquarien zur bevorzugten Filterlösung machen.

Ein entscheidender Vorteil ist die hohe Filterleistung. Durch das große Filtervolumen können wesentlich mehr Filtermedien eingesetzt werden als bei Innenfiltern. Dadurch steigt die biologische Stabilität erheblich.

Ein weiterer Vorteil ist die Platzersparnis im Aquarium. Da der Filter außerhalb des Beckens installiert wird, bleibt mehr Schwimmraum für Fische und mehr Gestaltungsfreiheit für Aquascaping.

Außenfilter arbeiten zudem sehr leise, da die Technik außerhalb des Beckens untergebracht ist. Moderne Modelle sind oft so konzipiert, dass sie kaum hörbar arbeiten, was besonders in Wohnräumen von Vorteil ist.

Auch die Wartung ist in vielen Fällen komfortabler. Filterkörbe können einzeln entnommen und gereinigt werden, ohne das gesamte Filtersystem zu zerlegen.

Nachteile und Herausforderungen bei Außenfiltern

Trotz ihrer Vorteile sind Außenfilter nicht frei von Nachteilen. Eine der größten Herausforderungen ist das Risiko von Undichtigkeiten oder Schlauchproblemen. Da das System außerhalb des Aquariums arbeitet, kann ein technischer Defekt im schlimmsten Fall zu Wasseraustritt führen.

Ein weiterer Nachteil ist die komplexere Installation im Vergleich zu Innenfiltern. Schläuche müssen verlegt, Dichtungen korrekt eingesetzt und der Filter entlüftet werden.

Auch die Wartung erfordert mehr Aufmerksamkeit. Wird der Filter zu selten gereinigt, kann es zu einer starken Verschmutzung der mechanischen Stufen kommen, was die Durchflussleistung reduziert und die biologische Balance beeinträchtigt.

In stark besetzten Aquarien kann zudem eine falsche Dimensionierung des Filters zu Problemen führen. Ein zu schwacher Filter reicht nicht aus, um die anfallenden Schadstoffe zu verarbeiten.

Einsatzbereiche von Außenfiltern

Außenfilter werden in einer Vielzahl von Aquarientypen eingesetzt. Besonders verbreitet sind sie in Gesellschaftsaquarien mit Arten wie Paracheirodon innesi (Neonsalmler), Corydoras paleatus (Marmorierter Panzerwels) oder Trichogaster lalius (Zwergfadenfisch).

Auch in Pflanzenaquarien spielen Außenfilter eine wichtige Rolle, da sie eine gleichmäßige Wasserzirkulation gewährleisten und gleichzeitig das Wasser klar halten, ohne das Aquascaping zu beeinträchtigen.

In größeren Aquarien ab etwa 100 Litern sind Außenfilter nahezu Standard. In sehr großen Becken werden häufig sogar mehrere Außenfilter parallel betrieben, um eine ausreichende Filterleistung sicherzustellen.

Auswahl des richtigen Außenfilters

Die Wahl des passenden Außenfilters hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind Aquariengröße, Besatzdichte, Fütterungsintensität und gewünschte Strömungsstärke.

Als grobe Orientierung gilt, dass der Filter das gesamte Aquarienvolumen etwa zwei- bis viermal pro Stunde umwälzen sollte. Bei stark besetzten Aquarien mit Arten wie Astronotus ocellatus (Oscar-Buntbarsch) kann eine höhere Umwälzrate notwendig sein.

Auch die Filtervolumenkapazität ist entscheidend. Ein größerer Filter mit mehr biologischem Filtermaterial bietet langfristig stabilere Wasserwerte als ein kleiner, hochleistungsfähiger Filter mit wenig biologischer Oberfläche.

Filtermedien im Detail

Die Auswahl der Filtermedien hat großen Einfluss auf die Effizienz des Außenfilters. Mechanische Medien wie Filterschwämme dienen der Grobreinigung, während feinporige Schwämme und Filterwatte für die Feinfiltration verantwortlich sind.

Biologische Filtermedien wie Keramikröhrchen, Sinterglas oder Lavagestein bieten eine große Oberfläche für die Besiedlung durch nitrifizierende Bakterien. Besonders Sinterglas gilt als sehr effektiv, da es eine extrem hohe Porosität aufweist.

Chemische Medien werden gezielt eingesetzt. Aktivkohle entfernt organische Verbindungen, während Zeolith Ammonium binden kann. Diese Medien sollten jedoch nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden, da sie auch nützliche Stoffe entfernen können.

Pflege und Wartung eines Außenfilters

Die regelmäßige Wartung eines Außenfilters ist entscheidend für seine Leistungsfähigkeit. Dabei sollte nicht der gesamte Filter gleichzeitig gereinigt werden, da sonst die biologische Bakterienpopulation stark reduziert wird.

Empfohlen ist eine gestaffelte Reinigung, bei der nur einzelne Filterstufen in Aquariumwasser ausgespült werden. Leitungswasser sollte vermieden werden, da Chlor die Bakterienkulturen schädigen kann.

Der Wartungsintervall hängt stark von der Belastung des Aquariums ab. In stark besetzten Becken kann eine Reinigung alle vier bis sechs Wochen notwendig sein, während in schwach besetzten Aquarien längere Intervalle möglich sind.

Typische Fehler bei der Nutzung von Außenfiltern

Ein häufiger Fehler ist die Überdimensionierung der mechanischen Filterung bei gleichzeitiger Vernachlässigung der biologischen Filterung. Dies kann zu instabilen Wasserwerten führen.

Auch eine zu seltene Wartung kann problematisch sein, da sich organische Abfälle ansammeln und die Filterleistung reduzieren.

Ein weiterer Fehler ist die falsche Positionierung der Ein- und Ausläufe, was zu ungleichmäßiger Strömung und toten Zonen im Aquarium führen kann.

Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht im Aquarium

Der Außenfilter ist ein zentrales Element für das ökologische Gleichgewicht im Aquarium. Er unterstützt den Abbau organischer Stoffe und sorgt dafür, dass Schadstoffe kontinuierlich entfernt werden.

Durch die Förderung nitrifizierender Bakterien wird ein stabiler Stickstoffkreislauf aufgebaut, der die Grundlage für ein funktionierendes Aquarium bildet. Ohne diesen Prozess würden sich toxische Substanzen schnell anreichern und das Leben im Aquarium gefährden.

FAQs zum Außenfilter

Ein Außenfilter ist für welche Aquariengröße geeignet?

Ein Außenfilter eignet sich besonders für Aquarien ab etwa 100 Litern, kann aber auch in kleineren oder deutlich größeren Becken eingesetzt werden, abhängig von Besatz und Filterleistung.

Wie oft sollte ein Außenfilter gereinigt werden?

Die Reinigung erfolgt je nach Belastung alle vier bis acht Wochen, wobei nur Teilbereiche gereinigt werden sollten, um die Bakterienkultur zu erhalten.

Kann ein Außenfilter komplett ohne Innenfilter betrieben werden?

Ja, in den meisten Fällen ist ein Außenfilter allein ausreichend, sofern er richtig dimensioniert ist und regelmäßig gewartet wird.

Welche Fische profitieren besonders von einem Außenfilter?

Arten wie Pterophyllum scalare, Corydoras-Arten oder Paracheirodon-Arten profitieren von stabilen Wasserwerten und gleichmäßiger Strömung.

Ist ein Außenfilter laut?

Moderne Außenfilter arbeiten in der Regel sehr leise, vorausgesetzt sie sind korrekt entlüftet und gepflegt.

Was passiert bei einem Stromausfall?

Bei einem Stromausfall stoppt der Filterbetrieb. Nach Wiederanlauf kann es zu Luft im System kommen, die jedoch meist problemlos entfernt werden kann.

Fazit

Der Außenfilter ist ein hochentwickeltes und leistungsstarkes Filtersystem, das in der modernen Aquaristik eine zentrale Rolle spielt. Durch seine große Filterkapazität, die effektive biologische Reinigung und die flexible Anwendung eignet er sich für eine Vielzahl von Aquarientypen. Besonders in stabil laufenden Gesellschafts- und Pflanzenaquarien sorgt er für dauerhaft klare Wasserverhältnisse und ein gesundes biologisches Gleichgewicht.

Die richtige Auswahl, Dimensionierung und regelmäßige, schonende Wartung sind entscheidend für seine Leistungsfähigkeit. Werden diese Faktoren berücksichtigt, bietet der Außenfilter eine äußerst zuverlässige Grundlage für ein langfristig stabiles Aquarium mit gesunden, vitalen Fischen und funktionierenden biologischen Prozessen.

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