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Arterhaltung in privater Hand – wie und wofür?

Arterhaltung in privater Hand – wie und wofür?

Dieses Thema beschäftigt mich schon seit – ich weiß nicht, wie vielen Jahren. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich im Jahr 2005 oder 2006 mal eine Mail an eine Stelle schrieb, die sich um Reptilien und Amphibien kümmerte, ob es denn möglich wäre, gefährdete heimische oder auch ausländische Echsenarten zu erhalten und zuhause selbst nach zu züchten, um so in der Arterhaltung mitwirken zu können. Damals hatte ich viele Terrarien bei mir… Leider habe ich auf diese Mail keine Antwort erhalten.

Heute ist das anders! Heute gibt es solche Projekte und es können sich sachkundige Leute einem Arterhaltungsprojekt anschließen. Auch ich habe dies heuer getan. Ich stehe zwar noch am Anfang, doch es schwimmen schon seltene Fischarten (Goodeiden – Mexikanische Hochlandkärpflinge) in meinem Keller.

Wer sich für eines dieser Projekte interessieren sollte. Hier ist die Adresse!

www.oevvoe...ation-projects

Der ÖVVÖ (Österreichischer Verband für Vivaristik und Ökologie) ist zwar in Österreich, doch im Background befinden sich Leute aus Deutschland und der Schweiz und natürlich aus ganz Europa.

Zu den Projekten und wie diese ablaufen informiert man sich am besten über die Homepage selbst. In diesem Artikel hier möchte ich über den Grund und die Zukunft solcher Projekte schreiben.

Gibt es eine Zukunft für Arten, deren Lebensräume zerstört wurden?

Zu Beginn möchte ich da gleich auf ein ganz tolles Projekt hinweisen, das schon umgesetzt werden konnte. Es geht um den “Tequila-Kärpfling“, einen Mexikanischen Hochlandkärpfling (Goodeide) der um das Jahr 2000 in seinem natürlichen Habitat verschwunden ist. Diese Art war jedoch noch in Aquarien zu finden und so starteten mehrere Leute, darunter Kurator Michael Köck aus dem “Haus des Meeres in Wien“ mit der Nachzucht der Tiere. Die Tiere werden auch in Ungarn sehr erfolgreich nachgezüchtet und es gab bzw. gibt dort sogar in Schulen Projekte dazu. Hier möchte ich auf die GWG (Goodeid Working-Group hinweisen).

Link zur GWG:

www.goodeidworkinggroup.com/

So kam es, dass die Tequila-Kärpflinge vor einiger Zeit, nach Säuberung ihres natürlichen Habitats wieder freigesetzt werden konnten. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Universität in Mexiko.

Auch bei mir schwimmen mehrere Exemplare dieser Art und sie erhält immer mehr Liebhaber.

Natürlich kann es bei manchen Arten auch mal nicht so einfach sein, wenn z.B. ihre natürlichen Habitate komplett zerstört wurden. Ich erinnere mich an einen Vortrag beim Bundeskongress 2018 des ÖVVÖ, in dem es um Aphanius (Kilifische) ging. Auf dem ursprünglichen Gebiet einer Art, steht nun ein riesiger Wolkenkratzer (Hotel). Die Art gibt es noch in Aquarien, doch wohin mit den Fischen? Für manche Arten bleiben nur mehr die Aquarien als “Zufluchtsort“.

Freilich, Arten verändern sich in anderen Habitaten. Da stellt sich auch die Frage, nach wie vielen Jahren dies im Aquarium eintreffen wird? Zu lange sollten die Arten dann nicht ausschließlich im Aquarium gehalten werden, um Veränderungen/Anpassungen der Fische an ihr neues Habitat “Aquarium“ zu verhindern. Trotzdem wäre es schade um so schöne Tiere und wir Menschen und unsere gesamte Erde verliert im Moment ohnehin schon viel zu viele Arten.

Da mag man sich vielleicht denken, dass das Artensterben ja schon immer da war und dass es dies auch immer geben wird. Und es ist auch so, dass neue Arten entstehen und andere Arten aussterben werden bzw. müssen. Das ist der natürliche Kreislauf der Evolution. Doch gleichzeitig sollten wir auch bedenken, dass unsere Überlebenschancen und unser Fortschritt sinken, je mehr Arten aussterben. Ich denke dabei an das ganze Know-How, das wir Menschen noch durch die eine oder andere Art entdecken werden. Jede Art hat ihre Anpassungen, ihre Bakterien und andere Begebenheiten, die man einerseits für uns und die Forschung/Entwicklung benötigen werden. Andererseits gefährdet das Verschwinden von Arten andere Arten… In der Natur hängt alles zusammen und schlussendlich hängt auch das Überleben des Menschen mit der Vielfalt der Arten zusammen.

Mein privater Arterhaltungs-Keller

Viele Gedanken habe ich mir schon zu meinem Keller gemacht, der der Arterhaltung dient. Macht es Sinn, Tiere “in Situ“ (lateinisch für “außerhalb ihres Lebensraumes“) zu erhalten?

Hier haben wir ja wieder das oben genannte Problem – hält man die Arten zu lange außerhalb ihrer Umgebung – die Evolution macht nicht halt und Arten verändern sich. Meist werden ja nur wenige Individuen gehalten. Ich denke dabei an meine Xenotoca variata “Jesus Maria“, wo ich zu Beginn nur ein Weibchen hatte… Oder die Skiffia multipunctata “Lago de Camcuaro“, wo ich gar nur ein Pärchen hatte… Mittlerweile schwimmen wieder mehrere Tiere dieser beiden Arten bei mir. Von der letzten Art schwimmen auch schon Tiere in Großbritannien, die ich zu einem Treffen der GWG (Goodeid Working-Group) mitnehmen konnte und dort einem Mitglied übergab. Das macht dann schon stolz und man fühlt sich großartig, wenn man durch seine Bemühungen einen Beitrag zum Erhalt seltener Arten beisteuern kann.

Es ist äußerst wichtig, die Nachzucht zu beobachten und immer wieder Tiere der Arten mit selbem Fundort von Kollegen zu tauschen. Nur so kann man eine Inzucht und dadurch bedingte Veränderung der Tiere etwas vorbeugen. Nach einem Model, das wissenschaftlich ausgearbeitet wurde, wäre eine Population von 1.000 Tiere einer Art sinnvoll. Dabei benötigt es drei verschiedene Haupt-Standpunkte wie Zoos, öffentliche Aquarien, wissenschaftliche Einrichtungen und dergleichen, wo die Tiere gehalten werden und dann sollte es noch einige Stellen, wie sachkundige, private Leute gebe, die die Tiere außerhalb halten. Es können immer mal eine Krankheit, technische Probleme usw. einen Bestand gefährden. Dann kann auf die Populationen in privater Hand zurückgegriffen werden. Auch der Austausch der Individuen kann so viel besser stattfinden.

Ganz wichtig ist der Fundort!

Um die Arten rein zu halten, ist es besonders wichtig, die Fundorte der Tiere zu kennen und diese auch lückenlos weiterzugeben! Sonst können die Arten nicht zugeordnet werden. Es gibt zwar schon einige Aquarienstämme, die über viele Jahre, gar Jahrzehnte in Aquarien gehalten wurden und die nicht mehr rein zugeordnet werden können. Doch auch diese sollten zur Sicherheit erhalten bleiben. Auch einen solchen Stamm pflege ich in meinem Keller.

Die Zukunft der Arterhaltung?

Es macht also auf alle Fälle Sinn, die Arten zu erhalten. Und sei es auch nur, um der Schönheit oder des Know-How`s der Fische wegen. Wir wissen nie, was später noch kommen wird und für unsere Nachwelt wäre es nur fair, um sich zu bemühen, so viele Arten als möglich zu erhalten. Denn der derzeitige Wahnsinn, der weltweit im Bereich Umweltzerstörung stattfindet, ist einfach nicht mit unserem Gewissen vereinbar.

Klar, man darf die Menschen in anderen Ländern nicht verurteilen! Auch wir in Europa haben schon so viel Lebensräume zerstört und Arten bis an den Rand des Aussterbens gebracht oder sie starben aus… Wir sind alle gleich!

Was waren wir hier in Tirol froh, als es z.B. noch Steinböcke im angrenzenden Ausland gab. Wir konnten diese majestätischen Tiere wiederbekommen und nachzüchten, um sie in ihre angestammte Umgebung, unsere Berge anzusiedeln. Das ist nur eines der Beispiele von vielen.

Wir sollten andere Länder unterstützen, wo oft aus einer Not heraus die Umwelt zerstört wird. Klar, die vielen, großen Konzerne, die z.B. Staudämme in Brasilien bauen, nach Gold suchen und mit Quecksilber die Flüsse und gesamte Umgebung vergiften – darauf haben wir oft nur wenig Einfluss. Hier macht es Sinn, sich online zu betätigen mit Petitionen und ähnlichem. Trotzdem können wir auch etwas im Kleinen machen. Natur und Evolution passiert immer nur im Kleinen und kann später groß werden. Es gibt viel zu wenig Zoos und dergleichen, um so viele Arten zu erhalten. Die Bevölkerung ist gefragt! Und warum nicht eine seltene Art halten und sich an ihr erfreuen? Allerdings benötigt es hier erfahrene Aquarianer, denn nicht alle Leute sind dafür geeignet, diese Fische zu halten und zu züchten.

Wo wir wieder bei Vereinen und Verbänden wären... Schließt Euch einem Verein, Verband, einer Interessensgemeinschaft oder ähnlichem an. Ohne sie geht es nicht!

Hier ein Link für Vereine, den wir kürzlich auf Einrichtungsbeispiele eingerichtet haben:

https://www.einri...le.de/vereine/

Auch Arterhaltung funktioniert nicht alleine. Nur in Zusammenarbeit von mehreren klappt es. Sehr gespannt bin ich auf die nächsten Jahre aber ich habe ein sehr gutes Gefühl.

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de

Titel: Arterhaltung in privater Hand – wie und wofür?
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