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Teil 1. Filterlos – warum? DAS FILTERLOSE AQUARIUM

Wer aus Geldgründen oder Wunsch, die Beckenpflege zu erleichtern, auf filterlos umstellt, wird bitter enttäuscht werden: Zwar entfällt das lästige Filterputzen, auch Mulm sollte nicht mehr abgesaugt werden, jedoch kommen einige neue Aufgaben hinzu.

Neben einer – zumindest in der Anfangszeit – penibel genauen Dokumentation der Wasserwerte sollten einige Stunden mehr vor dem Becken eingeplant werden, um auch die Veränderungen im Becken genau überwachen und beobachten zu können.

Ein gutes Bauchgefühl für ein ökologisches Beckenklima ist wichtig. Natürlich ist bei dieser kurzen Vorrede die Zeit der Information VOR der Umstellung erst einmal nicht beachtet.

Der Gedanke der Zeitersparnis ist also relativ, verschiebt sich doch die Aufgabenverwaltung in eine andere Richtung, wird aber nicht geringer.

Auch die Geldersparnis ist eigentlich nicht vorhanden, geht es in folgenden Erläuterungen doch um ein filter- und nicht um ein technikloses Becken. Technisches Gerät wie Pumpe, Beleuchtung und Heizer sind je nach Besatz und Bepflanzung natürlich immer noch vorhanden, im Fall der Pumpe sogar zwingend notwendig. Auch hier unterscheidet sich ein filterloses Becken also nicht von den herkömmlichen.

Wieso sollte man sich also die Mühe machen ein scheinbar risikoreiches und aufwendiges Unternehmen zu starten und den Filter entfernen, wenn es vom Beckenmanagement weder eine Erleichterung noch eine finanzielle Entlastung verspricht?

Nun, die Veränderungen im Becken haben durchaus auch positive Nebeneffekte, die eine technische Zusatzausstattung oft überflüssig machen. Auch hier sei betont, dass dies von der Wahl des Besatzes und Bepflanzung abhängt. Im Folgenden werden Kapitel für Kapitel einige der Veränderungen vorgestellt.

Ein filterloses Aquarium zielt darauf ab, ein Beckenklima herzustellen, bei dem die Nährstoffverwertung eine Art Kreislauf darstellt. Die Vision eines abgeschlossenen Kreislaufs ist utopisch (so wie es etwa den Erfindern der „Biosphere“ vorschwebt) und kann natürlich nicht erreicht werden. Selbst in der Natur ist ein jeweiliges Biotop kein geschlossenes System, sondern abhängig von Wetter, Flora und Fauna auch außerhalb des Wasserbiotops.

Allerdings – so ist zumindest mein Eindruck, steht man im Aquaristikfachgeschäft vor dem Regal mit bunten Plastikfläschchen, die bei Zugabe die optimalen Wasserwerte herstellen und für jedes Problem die Lösung versprechen – herrscht ein Überangebot an Zusatzmitteln, die sich oft gegenseitig negativ beeinflussen oder sogar auf Filterleistung, Wasserqualität usw. sich nicht immer positiv auswirken. Es gibt Mittel zur Ph-Senkung, danach sollte aber die Kh mittels eines Wässerchens wieder angehoben werden, algenhemmende Stoffe, Pflanzendüngende Zusätze, Co2-Versorgung, bakterienhemmende Mittel, Bakterienzusätze usw. Manch ein Aquarienschrank mag eher apothekenähnliche Zustände annehmen. Funtkioniert der Filter nicht richtig (besser gesagt, hat man den Eindruck, dass er nicht richtig funktioniert), ist man schnell bei flüssigen Filtermedien, die man ins Becken gibt, die aber für alle Lebewesen immer eine Zusatzbelastung darstellen.

Dies heißt nicht, dass solche Mittel nicht auch ihre Berechtigung haben und für manche Anwender sehr sinnvoll sein können. Ich selbst passe mein Wechselwasser mit Salzsäure an und gebe Torfextrakt hinzu. Jedoch ist eine gewisse Standardpalette an technischem „Muss“ inzwischen überall zu finden und ich warte noch auf den Tag, an dem einem Malawi-Becken-Besitzer eine Co2-Anlage empfohlen wird (kleine Übertreibung meinerseits).

Die Überlegungen sollen nicht darauf abzielen ein filterloses Aquarium als Beispiel par excellence für ein ausgewogenes Beckenklima darzustellen, sondern sind ebenso auch auf filterbetriebene Aquarien anwendbar. Es geht darum, sich über manche Zusammenhänge bewusst zu werden und zu erkennen, dass sich manche Dinge von selbst einstellen ohne zusätzliche Eingriffe zur Grundlage zu haben.

Ich gehe hierbei von Süßwasser-Aquarien aus, die frei in der Bepflanzung und im Besatz sind, also nicht unbedingt Biotope darstellen. Natürlich sind Biotope bestimmt auch ähnlich betreibbar, benötigen jedoch noch mehr Aufwand und Beobachtung, da, aufgrund der eingeschränkten Besatz- und Pflanzenwahl die Bedingungen für das Gleichgewicht umso sensibler ausgesucht werden müssen.

Im Folgenden wird es also schwerpunktmäßig um ein typisches bepflanztes Gesellschaftsbecken gehen, das filterlos betrieben wird. Nämlich um mein Aquarium.

Filterlos heißt hierbei nicht, dass im Becken nicht mehr gefiltert wird. Stattdessen findet eine Verschiebung der Filterleistung vom attributiven Filtermedium (z.B. Außenfilter oder hinzugefügte Innenfilter, auch HMF) zur beckeninternen Filterleistung, also durch das Innenleben des Aquariums selbst statt.

Es ist also nicht als Werbung für ein Ausschalten des Filters zu verstehen, sondern kann auch als ein Reflektieren über einen Filter angesehen werden. Im Idealfall findet im Anschluss zu meinen Überlegungen nicht nur eine Diskussion um filterlose Becken statt, sondern auch eine über die Optimierung von Filterleistung.

Mein erstes Becken, ein 60l Nano-Cube, wurde mit dem mitgelieferten Innenfilter, mein danach folgendes Becken ein paar Monate mit einem HMF betrieben.

In den folgenden Kapiteln werden meine Grundüberlegungen vor der Umstellung vorangestellt. Diesen folgend werden Erkenntnisse anderer Beckenbesitzer, die ihre Aquarien auf filterlos umgestellt haben, erläutert und auch auf deren Erkenntnisse eingegangen.

Da ich selbst keine Naturwissenschaftlerin bin, werden auch die chemischen und biologischen Zusammenhänge eher im Bereich der allgemeinen Sprache bleiben. Sollten an einigen Stellen Richtigstellungen von Nöten oder Anlass für Einwände bzw. Diskussionspotential gegeben sein, bin ich über eine rege Partizipation und Ergänzungen über die Kommentarfunktion sehr dankbar.

Fortsetzung folgt. Nächster Teil: 2. Die Nährstoffverwertung im Becken und Filter

Weitere Teile in Vorbereitung:

3. Mulm

4. Pflanzen

5. Wasserbewegung

6. Fische (eigene Beobachtungen)

7. Veränderungen im Becken nach der Umstellung

8. Quellen und interessante Links/Literatur

9. Zur Diskussion: Leitwert vs. Ph-Wert

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