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Amphibien im Zwei-Ländereck – ein kritischer Streifzug durch Tirol dies- und jenseits des Brenners

Amphibien im Zwei-Ländereck – ein kritischer Streifzug durch Tirol dies- und jenseits des Brenners

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Am 24.06.2021 fand ein Online-Vortrag der ÖGH (Österreichische Gesellschaft für Herpetologie) statt. Dr. Florian Glaser (Technischen Büros für Biologie, Absam) berichtete von den Vorkommen und der Gefährdung heimischer Amphibien. Alle Schwanz- und Froschlurch-Arten Tirols wurden behandelt und Florian zeigte uns auf, dass nur mehr vier Arten einigermaßen verbreitet sind. Wir befinden uns in einer der rasantesten Aussterbungszeiten speziell im Hinblick auf Amphibien.

Von den 15 heimischen Amphibien-Arten in Tirol, kann man meist nur noch vier Arten über den Weg laufen. Das sind die Erdkröte, der Bergmolch, der Alpensalamander und der Grasfrosch. Doch teilweise gibt es auch bei diesen Arten katastrophale Einbrüche in den Talböden. Allen anderen (elf) Arten und das sind knapp ¾ der Tiroler Amphibien-Arten, geht es sehr schlecht. Grund dafür sind u.a. das Gebirge und da Amphibien meist in niedrigen Lagen vorkommen, das Bevölkerungs-Wachstum. Die Menschen beanspruchen fast den gesamten Platz für sich. Die ehemals großflächigen Au-Landschaften sind größtenteils verschwunden und Verkehrswege und bebautet Flächen erschweren Wanderungen zwischen den Land-Lebensräumen der Amphibien. In Südtirol ist es vor allem die “Apfelwüste“, also die Landwirtschaft, die sehr stark betrieben wird. Aber auch in Nordtirol ist die intensive Landwirtschaft ein großes Problem für Amphibien.

In den wenigen verbliebenen Gewässern für Amphibien werden oft auch noch Fische, wie z.B. Goldfische ausgesetzt. Und die Klima-Veränderung wäre noch ein Punkt, da in den letzten Jahren eine zunehmende Frühjahrstrockenheit zur vorzeitigen Austrocknung von Entwicklungsgewässern führt.

Als nächster Punkt sind noch Krankheiten zu nennen. Zum einen der Chydridpilz (Bd), der in Tirol eine weite Verbreitung hat. Der Salamanderfresser-Pilz (Bsal) ist besonders gefährlich insbesondere für Feuer-, Alpensalamander und Kammmolch. Dieser Pilz wurde 2020 bereits in den Allgäu verschleppt. Wenn er die Alpen erreicht, wäre es um die wenig verbliebenen Feuersalamander vermutlich geschehen und auch für die doch noch recht häufig vorkommenden Alpensalamander wäre es ein Horrorszenario.

Gefährdungs-Ursachen auf einen Blick:

• Lebensraum-Zerstörung

• Fragmentierung

• Verkehrsverluste

• Spritzmitteleinsatz

• Fischbesatz

• Seuchen

• Klimawandel

Einen Mann aus früheren Zeiten nannte uns Florian noch. Und zwar den Franziskaner-Pater Vinzenz M. Gredler (1823-1912), der sich zu seinen Lebzeiten sehr intensiv mit Amphibien beschäftigte. Außerdem war er im Bereich Ameisen, Schnecken und Käfer und deren Erforschung tätig.

Anschließend gab es eine Vorstellung der verschiedenen Arten wie Bergmolch, Erdkröte, Grasfrösche... Letzterer kommen sogar im Gebirge bis über 2.500m vor. Und wir erhielten Infos zu weiteren Arten und deren Vorkommen, Häufigkeit oder Besonderheiten. Die Knoblauchkröte z.B. ist in Südtirol leider schon ausgestorben.

Traurig ist es, dass im Frühjahr 2021 im Naturschutzgebiet Lech, im Westen von Nordtirol gelegen, im besten Kammmolch-Teich Goldfische ausgesetzt wurden. Die Fische konnten zwar mittlerweile gefangen werden, doch ob sie schon abgelaicht haben – ist leider sehr wahrscheinlich.

>> Also – ganz wichtig!! NIEMALS Tiere aussetzen!!!

Dringende Schutzmaßnahmen im Überblick:

• Aufwertung und Sicherung von Gewässer- und Landlebensräumen

• Bessere Vernetzung zwischen Landlebensräumen und Gewässern

• Anlage neuer Gewässer unter Einbeziehung von Experten und Ämtern

• Installation von dauerhaften Schutzeinrichtungen an Straßen

Was kann ich im eigenen Garten tun?

• Fischfreie Garten- und Schwimmteiche

• Spritzmittelfreie Gärten mit wilden Ecken

• Entschärfung von Kleintierfallen (Lichtschacht, Gully, Swimmingpool, Schwimmteichfilter, Rasenroboter…)

• Keine Amphibien verschleppen und im Garten aussetzen (Krankheiten, Faunenfälschung…)

• behutsame Mahd

Was kann ich im Privatbereich tun?

• Amphibienschutzprobleme (z.B. Häufungen überfahrener Tiere, ungeklärte Tot-Funde, Beeinträchtigungen von Lebensräumen…) bei Behörden melden (in Tirol Abteilung für Umweltschutz, der Tiroler Landesregierung) …

• Weideroste, Gullis und andere Amphibien-Fallen kontrollieren…

• Engagement bei Schutzprojekten oder Biotop-Pflege z.B. bei lokalen NGOs

• Amphibien kennenlernen

• Amphibienbeobachtungen melden!

Belastbare quantitative Verbreitungsdaten sind eine unverzichtbare Grundlage für den Amphibien-Schutz! Die naturschutzorientierte Forschung ist sehr wichtig und die Wissenschaft ist auf Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, wenn dem Amphibien-Sterben entgegengewirkt werden soll.

Hier geht es zu d...stellt werden.

Vielen Dank an Dr. Florian Glaser!

Fotos: Dr. Florian Glaser

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de

Amphibien im Zwei-Ländereck – ein kritischer Streifzug durch Tirol dies- und jenseits des Brenners
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Blogartikel 'Blog 5493: Amphibien im Zwei-Ländereck – ein kritischer Streifzug durch Tirol dies- und jenseits des Brenners' aus der Kategorie: "Mein Einrichtungsbeispiel" zuletzt bearbeitet am 02.07.2021 um 17:22 Uhr von Helga Kury

Helga Kury

Userbild von Helga KuryHelga Kury ist Moderator*in von EB und stellt 17 Beispiele vor.

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