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Interview mit Axel Eywill, Medaka-Züchter

Interview mit Axel Eywill, Medaka-ZüchterHallo Axel und herzlichen Dank, dass wir Dich für Einrichtungsbeispiele.de interviewen dürfen. Du bist Halter und Züchter vom japanischen Reisfisch, dem Medaka. Wie bist Du zu dieser Art gekommen?

Ich bin 2015 über einen Beitrag im Guppy Forum Berlin von Claus Osche gestolpert, der in der Guppy-Hochzucht-Gemeinde recht bekannt ist, ich ihn damals aber noch nicht persönlich kannte. Bis dahin war mir der Medaka gänzlich unbekannt. Auch um den Stellenwert den er in Japan besitzt, wusste ich noch nicht. Erst die Suche im Internet half mir herauszufinden, dass es sich hier um Zuchtformen des japanischen Reisfisches Oryzias latipes handelte.
2015 fand ich dann auf der internationalen Auktions-Plattform "AquaBid" Eier aus Spanien von weißen und goldenen Medakas, die ich ersteigerte und zugeschickt bekam. Das war der Anfang. Mich faszinierten diese Fische einfach, zumal gewisse Linien Ähnlichkeiten mit "Mini Kois" haben.

Ja, mir persönlich gefallen diese "Mini-Kois" auch sehr gut und die Fischen kann Platz-mäßig wohl wirklich jede/r halten. Wie waren dann Deine Anfänge in der Aquaristik? Und welche Tiere hältst Du noch zuhause?

Interview Axel Eywill, Medaka-Züchter Foto1Meine aquaristische Laufbahn begann vor 45 Jahren. Damals arbeitete meine Mutter als Sekretärin bei unserem Pfarrer, der begeisterter Aquarianer war und die komplette Pfarrei mit den unterschiedlichsten Becken bestückt hatte. Von ihm bekam ich damals ein 30 Liter Becken mit Guppys geschenkt. Damit fing es an!
Aktuell habe ich neben den Medaka noch Killifische, und zwar Mittelmeer Kärpflinge aus der Aphanius Gruppe, sowie Endler Guppy, die ich allerdings zu Gunsten der Medaka reduziert habe.

Medaka werden schon ziemlich lange in Gefangenschaft gehalten. Was kannst Du uns über deren Geschichte erzählen?

Interview Axel Eywill, Medaka-Züchter Foto4Nun wie bereits erwähnt hat der Medaka eine lange Geschichte. Bereits seit der Edo Zeit (1603) werden Medaka privat in kleinen Behältern gehalten. Die farblichen Zuchtformen entstanden später, meist durch natürliche Mutation. In Deutschland wurden die ersten Medaka Ende des 18. Jahrhunderts erstmalig (dazumal wohl eine rötliche Farb-Form) eingeführt. Mangels Interesse der Aquaristik-Gemeinde verschwanden die Tiere jedoch wieder. Damals noch als Poecilia latipes bezeichnet, wurden die Tiere erst Anfang des 19. Jahrhunderts wissenschaftlich als Oryzias latipes beschrieben, und werden bis heute so genannt.

Das ist wirklich interessant, dass die Tiere zuvor als "Poecilia" geführt wurden. Wie werden die Tiere gehalten bzw. wie kann man Medaka halten. Stimmt es, dass es Stämme gibt, die den Winter über im Freien gehalten werden können?

Interview Axel Eywill, Medaka-Züchter Foto2Nun, wer die japanischen Wohnmöglichkeiten in Großstädten kennt, sollte nicht die Gewohnheiten dieser Medaka-Liebhaber als Maßstab nehmen, was die Größe der Becken oder Minteiche betrifft. Medaka sind durchaus schwimmfreudig, und aus meiner Sicht in Gruppenhaltung nicht für die Nano Aquaristik geeignet. Bewährt haben sich bei mir Becken oder Kübel ab 54 Liter aufwärts. Zum Zuchtansatz für ein Paar oder Trio tut es auch einmal kurzeitig ein kleineres Becken. Für dauerhafte Paar-Haltung würde ich ab 40 Liter sagen. Wenn ich von Kübeln spreche, dann kommen wir zur Outdoor-Haltung. Diese ist zwischen Frühling und Herbst durchaus möglich. Ich habe in dieser Zeit meinen kompletten Bestand draußen. Denn hier zeigen sie erst richtig ihre teilweise tolle Färbung. Ja, Medaka gelten als robust und vertragen kurzzeitig Temperaturen zwischen 4° - 35°C Wassertemperatur, aber nicht dauerhaft. In milden Wintern wäre bei vereinzelten Zuchtlinien sicher auch eine ganzjährige Freilandhaltung möglich, vorausgesetzt die Kombination, Temperatur und Behälter-Größe passen. Ich selbst halte eine Wildpopulation seit 3 Jahren ganzjährig draußen. Diese wird bereits seit 13 Jahren erfolgreich in Deutschland gepflegt und dazu gibt es noch eine Goldfarbene Zuchtform, die ebenfalls etwas robuster zu sein scheint. Das klappt aber auch nur in der Region, in der ich lebe, da die Winter meist recht mild sind. Schnee gibt es z.B. selten. Die meisten Fische hole ich jedoch im Herbst in das Haus hinein.

Wie viele verschiedene Zuchtformen gibt es bereits? Und wie sehr sind Medaka in Europa bzw. dem deutsch-sprachigen Raum vertreten? Wie kommt man zu den Tieren?

Interview Axel Eywill, Medaka-Züchter Foto5Nun, in Japan gibt es mehrere Medaka Verbände und Clubs. Der größte ist der JMA – die Japanese Medaka Association. Hier können Mitglieder ihre erbfesten Linien registrieren und namentlich schützen lassen. Mein letzter Stand waren 1300 registrierte Zuchtlinien. Sicher gibt es mehr, denn nicht alle Medaka Fans sind Mitglied in einem der Verbände.
In Europa sieht die Sache ganz anders aus. Medaka sind immer noch kaum bekannt. Aktuell ist die Medaka Hochburg ganz klar in Italien. Was sich da in den letzten zwei Jahren getan hat ist enorm. Dies ist dort sicher Roberto Pelligrini zu verdanken, der der erste Medaka Halter in Italien war, und Gründer vom Medaka Forum "Medaka Italia". In Italien wurden speziell im Jahr 2016 viele Top Linien aus Japan via Hongkong importiert, und das war nicht billig. Auch ich habe 2016 erste Tiere importiert. Es gab ja damals nichts in Deutschland. Mittlerweile wächst auch hier die Fangemeinde langsam aber stetig. Und heute gibt es auch in Deutschland und in Österreich ein paar Leute, die tolle Linien importiert und weiter gezüchtet haben. Aber ohne die beiden AMAZONAS Journal Ausgaben von 2016 und dem aktuellen Heft Mai/Juni 2018 mit tollen Bildern und Berichten von Friedrich Bitter und Fumitoshi Mori, wäre der Bekanntheitsgrad deutlich geringer. Langsam wächst auch das Interesse anderer Thematik in den Vereinen. Letztes Jahr durfte ich erstmals einen Medaka Vortrag halten. Dieses Jahr sind es bereits vier Termine. Dazu kam die einmalige Gelegenheit während der weltgrößten Killifisch-Ausstellung in Hohrnkammer im Rahmenprogramm ein Medaka-Treffen zu veranstalten, an dem auch ein japanischer Freund teilnahm und Fische aus Japan mitgebracht hatte.
Interview Axel Eywill, Medaka-Züchter Foto3Im Handel sind Medaka recht selten zu bekommen. Erstmals gab es jetzt bei Kölle Zoo Tiere zu kaufen. Dies ist zumindest ein Anfang, da das Interesse an den japanischen Reisfischen da gewesen ist. Ansonsten bekommt man Tiere über Kontakte und ich bin gerne auch am Vermitteln behilflich. Ansonsten bietet Friedrich Bitter verschiedene Linien in seinem Online Shop an. Private Medaka Fans wie ich, können natürlich die steigende Nachfrage nicht decken.

Gibt es Verwandte der Medaka? Wie werden diese Fische eingeteilt und wo kommen sie ursprünglich vor?

Interview Axel Eywill, Medaka-Züchter Foto6Der japanische Reisfisch Oryzias latipes kommt neben Japan, in Korea, Taiwan, Hongkong und China vor. Es gibt einige Oryzias Arten die farblich eher graue Mäuse sind, und von Thailand bis Indien vorkommen. Aber auch die Oryzias Wildformen außerhalb des Medaka haben weltweit ihre Fangemeinde.

Und unsere letzte Frage – was wünschst Du Dir als Medaka-Halter für die Zukunft dieser Tiere? Gibt es noch etwas, das Du sagen möchtest? Vielleicht etwas im Hinblick auf die Aquaristik?

Interview Axel Eywill, Medaka-Züchter Foto7Ja, als Erstes wünsche ich mir, dass der Medaka einen festen Platz in der Aquaristik findet, dass sich mehr Leute für ihn stark machen und den Bekanntheitsgrad steigern. Regelmäßige Medaka-Treffen regional, überregional und international wären toll. Die Aquaristik benötigt neue Impulse und auch Neueinsteiger. Speziell durch sogenannte Miniteich-Liebhaber gibt es aktuell immer mehr Medaka Interessierte, und vielleicht dadurch auch zukünftig begeisterte Aquarianer. Die Aquaristik hat es aktuell ohnehin schwer, durch diverse nationale und europäische Bestrebungen unser Hobby einzuschränken!
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Vielen Dank für das Interview! Dem möchten wir uns natürlich anschließen. Auch bei mir selbst wurde die Neugier auf diese Tiere durch eine Vereins-Kollegin hervorgerufen und ich pflege derzeit acht Medaka, die ich sehr gerne beobachte, wie sie durchs Aquarium "flitzen".

Seiten von Axel Eywill und wo man u.a. auch mit ihm Kontakt aufnehmen kann:
https://www.facebook.com/groups/medakasindeutschland/
https://medakaproject.wordpress.com/

Link zur Zeitschrift Amazonas:
http://www.amazonas-magazin.de/

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de
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