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Erfahrungen mit einem Tigerpython in 22 Jahren

Erfahrungen mit einem Tigerpython in 22 Jahren

Als ich meine Lehre zur Tierpflegerin an der Universität in Innsbruck beendete, fand ich Anfang 1997 in einer Zoofachhandlung in Innsbruck eine Stelle. Dort lernte ich den Tiger-Python “Baby“ kennen und nach einigen Monaten der Überlegungen kaufte ich das Tier für mein damaliges halbes Monats-Gehalt.

Erfahrungen mit einem Tigerpython in 22 JahrenVorher informierte ich mich so gut es ging mit Buch und erhielt ein nicht mehr benötigtes Terrarium von meinem Nachbarn, der Boa Constrictor züchtete.

Der Python hatte eine Länge von 180cm und ich schätzte das Tier auf zweieinhalb Jahre. Leider ist nicht bekannt, woher das Tier stammt. Ich vermute, dass es sich um einen Mix aus Python molurus molurus mit P. molurus bivittatus handelt. Die Färbung meines Tieres ist um einiges heller, als es die des dunkle Tiger-Pythons aufweist und auch die Zeichnung weißt kleine Unterschiede auf. Als die Schlange in die Zoofachhandlung kam, gab es noch keine Cites-Papiere. Es könnte sich durchaus um einen Wildfang handeln, da sich die Verbreitungs-Gebiete der beiden genannten Arten in der Natur an mehreren Orten überschneiden und diese “Bastardisierung“ somit auch dort vorkommt.

Erfahrungen mit einem Tigerpython in 22 JahrenEinziges, nicht unwesentliches Detail hatte ich jedoch vor der “Anschaffung“ nicht beachtet bzw. ich konnte nirgends Informationen über die Lebenserwartung eines Tigerpythons finden. Mittlerweile weiß ich, dass diese wunderschönen Tiere über 30, ja sogar 40 Jahre alt werden können. Hätte ich dies damals gewusst, hätte ich das Tier vermutlich nicht zu mir geholt.

“Baby“ wird im Herbst 2019 wohl 25 Jahre alt und weist eine Länge von 5 Metern bei einem Gewicht von ca. 60kg vor. Es handelt sich um ein Weibchen, das vom Wesen her als relativ umgänglich zu sehen ist. Dennoch traten auch drei oder vier “Missverständnisse“, sprich Bisse auf, bei denen ich mir aber immer selbst die Schuld gebe… Eines möchte ich hierzu erwähnen – ab einer Länge von 4, 5 Metern sind Bisse äußerst schmerzhaft und man spürt diese unsagbar Kraft, die so eine Schlange besitzt.

Erfahrungen mit einem Tigerpython in 22 JahrenIn den letzten Jahren ist glücklicherweise nichts mehr passiert und ich habe etwaige Fehler-Quellen entfernt. Zum einen rate ich davon ab, als für die Schlange anzusehende Futtertiere (Kaninchen, Meerschweinchen…) in derselben Wohnung zu halten. Durch den Geruch scheint die Schlange ständig “auf Lauer“ zu sein. Man kann es ihr nicht verdenken.

Die Fütterung der Schlange

Laut Tierschutz-Gesetz ist es in Österreich verboten, Wirbeltiere lebend zu verfüttern. Nun ist das Verfüttern mit toten Tieren bei meinem Python nicht möglich. Der Versuch mit zwei Ratten, die ich vor der Fütterung getötete hatte, schlug leider fehl und ich musste die beiden Ratten entsorgen. Seither füttere ich nur mehr lebend und habe dies auch bei der zuständigen Stelle in Tirol gemeldet. Seit 2005 ist der Tiger-Python ebenfalls angemeldet, seit dies das neue Tierschutz-Gesetz in Österreich verordnet.

Als Futter erhält “Baby“ mittlerweile fast ausschließlich Hühner und Kaninchen, die ich von zwei verschiedenen Bio-Bauernhöfen holen darf. Im Winter hält der Python meist eine Fress-Pause, die früher öfters drei bis vier Monate anhielten. Seit die Schlange das zwanzigste Jahr überschritten hat, hält sie maximal zwei Monate eine Winter-Fresspause. Allerdings war 2017 ein “mageres Jahr“. Seit dem Herbst 2016 hat der Python lediglich zwei Hühner und drei Kaninchen gefressen. Diese mageren Jahre kommen immer wieder einmal vor. Manchmal frisst “Baby“ mehr als doppelt so viel und dann wieder weniger. Ich kann das am Verhalten der Schlange sehr gut erkennen. In 20 Jahren “wächst“ man zusammen…

Zusätzlichen Vitamine und Mineralstoffe erhält der Python nicht. Die Futtertiere werden sehr gut gehalten.

Bewohnen tut das Tier ein halbes Zimmer. Sollte man sich für eine so große Schlange interessieren, muss man unbedingt einen eigenen Raum einplanen und über 30 Jahre Pflege!

Ich habe für das Tier ein großes Wasserbecken (Teichbecken von Heissner) mit den Maßen 150x80cm bei ca. 50cm Höhe, das bis über die Hälfte mit Wasser gefüllt ist. Der Python verfügt über eine Heizmatte, die im Sommer jedoch ausgeschaltet ist und eine Heizlampe (mit UVB-Strahlung). Letztere habe ich erst in den letzten drei-vier Jahren in Betrieb. Diese Schlangen scheinen laut Literatur auch ohne UV-Strahlung auszukommen. Jedenfalls hatte das Tier niemals Probleme bei der Häutung oder anderen gesundheitlichen Dingen.

Für Trink-Wasser gibt es ein eigenes Gefäß, das je nach Bedarf frisch angefüllt wird…

Beheizt wird der Raum allgemein durch mehrere Aquarien, die auf der anderen Hälfte des Zimmers stehen. Diese sorgen auch für eine tolle Luftfeuchtigkeit. Allerdings benötigt mein Tiger-Python nach meinen Beobachtungen nicht dauerhaft eine so hohe Luftfeuchtigkeit, wie öfters angegeben. Den Tieren scheint es eher zu dienen, wenn es auch “trockenere“ Perioden (40-50%) im Jahr gibt. Die Abwechslung ist enorm wichtig und ich denke, dass dies die Tiere auch gesund erhält. Gleiches gilt mit der Temperatur. Mein Python flüchtet im Sommer, wenn es 28 Grad hat in die kühlen Ecken. Im Winter suchte “Baby“ manchmal auch Stellen mit nur 19 Grad auf und legt sich für drei oder vier Tage dort hin. Allerdings scheint sich das mit zunehmendem Alter zu ändern und der Python hat es lieber etwas wärmer.

Zur Verdauung finde ich eine Heizmatte am besten. Der Python legt sich bevorzugt mit der Stelle, wo er gerade Wärme benötigt darauf. Mein Versuch mit zwei Heizmatten scheiterte. Die Schlange legte sich nie ganz auf beide Matten, so bewahre ich nun die zweite Heizmatte als Reserve außerhalb des “Schlangen-Reichs“ auf.

Beim Handling des Tigerpythons bin ich natürlich nie alleine. Ich habe hier die Hilfe meiner Mutter, die das Tier sehr gerne hat und über die notwendige Ruhe verfügt, die Schlangen nach meinen Beobachtungen benötigen. Keine hektischen Bewegungen sind ratsam. Zum Glück kommt das Handling nicht sehr oft vor und nur dann, wenn die Groß-Reinigung des Geheges angebracht ist.

Die Schlange darf dann unter Beobachtung meiner Mutter im Vorraum auf “Erkundung“ gehen.

Bisher war der Python noch niemals krank. Vor über 10 Jahren habe ich mit der Schlange manchmal Besuche beim Tierarzt zur Gesunden-Untersuchung unternommen. Doch dies scheint das Tier als großen Stress empfunden zu haben, da es sich für eine Woche auf denselben Platz verkroch… Somit habe ich es unterlassen.

Beobachtungen zum Tigerpythons:

Meinen Beobachtungen zufolge, scheint der Tigerpython es zu benötigen, sich in seine eigenen Ausscheidungen zu legen. Ich denke, dass dies für die Schlange eine Art Hautpflege zu sein scheint.

Weiter könnte es für den Python auch wichtig sein, hin und wieder lebende Tiere zu erhalten. Vielleicht benötigen es die Schlangen, sich hin und wieder richtig anzustrengen und ihre Muskelkraft einzusetzen, um gesund zu bleiben?

Es liegt in ihrer Natur und so Leid es mir auch selbst tut, wenn ich ein lebendes Tier verfüttern muss – die Forschung in der Zukunft wird es weisen…

Weiter liebt es “Baby“ noch, sich in enge Ecken zu zwängen und sich an etwas kantigeren Gegenständen zu reiben – besonders bei der Häutung. Hier gibt es natürlich Möglichkeiten in ihrem “Zimmerterrarium“…

Baby und die Medien…

Wenn man so lange ein so großes Tier pflegt, kommen die Medien auch gerne nach Hause.

So waren “Baby“ und schon mal im Magazin “Tirolerin“, es gibt ein Interview, das im Radio erschien und das Fernsehen hat ebenfalls schon mal angefragt. Letzteres ist mir dann doch etwas zu privat und bisher gab es noch kein Okay von mir.

Was allerdings wirklich außergewöhnlich war, das Arbeit von Johannes Stötter, Bodypainting-Weltmeister, bei der “Baby“ und ich Model stehen durften. Alles wurde lange vorbereitet, denn es musste auch für die Schlange der richtige Zeitpunkt abgewartet werden. Zum einen musste das Tier gehäutet sein und auch etwas im Magen haben, zum anderen mussten schon vorab die Farben angeglichen werden…

Alles fand dann in dem Raum statt, in dem die Schlange auch lebt, damit es für das Reptil so Stressfrei, als möglich ablaufen würde.

Wir bauten eine Kulisse auf, wobei meine Eltern toll mithalfen. Johannes Stötter und sein Assistent bemalten mich anschließend über vier Stunden. Am Ende musste ich mit dem Python auf den Schultern auf die Kulisse steigen und es wurden Fotos gemacht.

Als genügend Bilder im Kasten waren, durfte die Schlange zurück in ihr Reich kriechen und machte sich gleich im Badebecken breit. Auch für mich ging es ab unter die Dusche.

Die Farben waren natürlich nicht giftig und alle auf pflanzlicher Basis.

Das Bild gibt es als Poster und wurde in mehreren Zeitschriften weltweit veröffentlicht. So auch in einem Body-Painting-Buch. Es war eine ganz tolle Erfahrung.

Die Arbeiten von Johannes Stötter findet man übrigens hier:

www.johannesstoetterart.com/

Schluss-Bemerkungen:

Ein Leben mit so einem großen Tier in einem privaten Haushalt hat so seine Nachteile, doch es ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Ich werde nach “Baby“ keine weitere Schlange mehr ins Haus holen, hoffe jedoch, dass das Tier noch viele Jahre bei uns sein wird.

Und was eine persönliche Beziehung zwischen Schlange und Mensch angeht. Ich kann es nicht anders sagen, doch es gibt sie in gewisser Weise. Beweisen kann man es zwar noch nicht, aber ich finde es durchaus möglich.

Wie intelligent Schlangen wirklich sind, das wird sich vermutlich erst in der Zukunft durch Forschung zeigen. Doch ich kann sagen, dass hier noch einiges auf uns warten wird. Und besonders der Tigerpython ist ein Tier, sich auf den Menschen speziell recht gut einstellen kann.

Zum Ende möchte ich mich noch ganz herzlich bei meiner Familie bedanken, ohne die die Haltung der Schlange nicht so ohne weiteres möglich wäre. Danke für die jahrelange Duldung sowie Unterstützung!

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de

Titel: Erfahrungen mit einem Tigerpython in 22 Jahren
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