Megafauna - Giganten der Tierwelt an Land und im Wasser
Große Tiere üben seit jeher eine besondere Anziehungskraft auf Naturbeobachter aus. In der Biologie und der Ökologie wird für solche Arten häufig der Begriff Megafauna verwendet. Gemeint sind Tiere mit einem Körpergewicht von etwa 40 Kilogramm oder mehr. Dazu gehören große Pflanzenfresser ebenso wie mächtige Raubtiere.
Während an Land vor allem große Säugetiere diese Kategorie prägen, erreichen Tiere im Wasser oft noch weit größere Dimensionen. Der Grund dafür liegt in den physikalischen Eigenschaften ihres Lebensraums.
Warum Tiere im Wasser besonders groß werden können
Ein entscheidender Faktor ist der Auftrieb des Wassers. Nach dem archimedischen Prinzip wird ein Körper im Wasser teilweise von der Flüssigkeit getragen. Die Auftriebskraft entspricht dabei dem Gewicht des verdrängten Wassers.
Für Tiere bedeutet das, dass ihr Körpergewicht nicht vollständig von Knochen und Muskeln getragen werden muss. Ein großer Teil der Masse wird durch den Auftrieb ausgeglichen. Dadurch können im Wasser sehr große Körper entstehen, ohne dass das Skelett unter der Last zusammenbricht.
An Land ist die Situation anders. Je größer ein Tier wird, desto stärker steigt die Belastung auf das Skelett. Selbst die größten Landsäugetiere stoßen deshalb irgendwann an natürliche Grenzen.
Im Meer dagegen erlaubt der Auftrieb extreme Größen. Das deutlichste Beispiel ist der Blauwal, der über 30 Meter lang werden kann und als das größte bekannte Tier der Erdgeschichte gilt.
Giganten der Gegenwart
An Land gehören Tiere wie der Afrikanischer Elefant, die Giraffe oder verschiedene Arten der Nashörner zur Megafauna. Sie prägen ihre Lebensräume sichtbar. Elefanten etwa öffnen durch das Umstoßen kleiner Bäume ganze Vegetationsflächen.
In den Meeren finden sich jedoch besonders eindrucksvolle Vertreter. Neben dem Blauwal gehört der Walhai zu den größten Tieren der Gegenwart. Trotz seiner gewaltigen Größe ernährt er sich hauptsächlich von Plankton und kleinen Fischen. Auch der Riesenmanta erreicht enorme Flügelspannweiten und gleitet scheinbar mühelos durch das Wasser.
Wer einmal auf einem Boot im offenen Meer unterwegs war und in einiger Entfernung die Rückenflosse eines großen Wals auftauchen sieht, bekommt einen Eindruck davon, wie beeindruckend diese Tiere wirken können. Selbst aus der Ferne lassen sich ihre Dimensionen erahnen.
Große Tiere in Seen und Flüssen
Megafauna existiert nicht nur im Meer. Auch in Süßgewässern leben einige bemerkenswert große Arten.
Der Europäische Wels gehört zu den größten Süßwasserfischen Europas und kann mehr als zweieinhalb Meter Länge erreichen. In großen Flüssen oder Seen ist er ein wichtiger Räuber, der Fische, Wasservögel und andere Tiere erbeutet.
Ebenfalls beeindruckend sind verschiedene Störarten. Der Hausen, auch Beluga-Stör genannt, kann über fünf Meter lang werden und gehört damit zu den größten Süßwasserfischen der Welt. Störe sind sehr alte Fischlinien, deren Vorfahren bereits zur Zeit der Dinosaurier existierten.
Wer an einem großen Fluss wie der Donau oder dem Rhein unterwegs ist, begegnet diesen Tieren nur selten. Doch allein das Wissen, dass solche Giganten in den Tiefen der Gewässer leben können, verändert oft den Blick auf diese Landschaften.
Nutzen großer Tiere für ihre Lebensräume
Megafauna spielt in vielen Ökosystemen eine wichtige Rolle: Große Pflanzenfresser formen Landschaften durch ihr Verhalten. Elefanten brechen Äste ab, fressen Blätter und schaffen offene Bereiche, die wiederum anderen Tierarten zugutekommen.
Im Meer übernehmen große Tiere ebenfalls wichtige Aufgaben. Wale transportieren beim Tauchen und Auftauchen Nährstoffe zwischen verschiedenen Wasserschichten. Dadurch können sie das Wachstum von Plankton fördern, das die Grundlage vieler mariner Nahrungsketten bildet.
Auch große Räuber beeinflussen ihre Umgebung stark, denn sie halten Populationen anderer Tiere in einem Gleichgewicht und verhindern, dass einzelne Arten überhandnehmen.
Wenn große Tiere Probleme verursachen
Neben ihrer positiven ökologischen Bedeutung können große Tiere auch Konflikte verursachen:
Elefanten zerstören in manchen Regionen Felder oder Vorratslager. Große Raubtiere können Nutztiere erbeuten. Auch in Gewässern gibt es gelegentlich Konflikte. Große Welse etwa können Fischbestände beeinflussen, die auch für Angler oder Fischer wichtig sind.
Darüber hinaus werden vor allem große Meerestiere manchmal als Gefahr wahrgenommen. Begegnungen mit großen Haien oder Orcas sorgen regelmäßig für Schlagzeilen, auch wenn tatsächliche Angriffe auf Menschen sehr selten sind.
Riesentiere der Vergangenheit
Viele der spektakulärsten Megafauna-Arten sind heute ausgestorben. Während der Eiszeiten lebten beispielsweise das Wollhaarmammut und riesige Bodenfaultiere auf mehreren Kontinenten.
Auch in den Meeren gab es gewaltige Räuber. Besonders bekannt ist der Megalodon, ein ausgestorbener Rieshai. Von diesem Tier sind hauptsächlich Zähne und einzelne Wirbel bekannt, da das knorpelige Skelett von Haien nur selten fossil erhalten bleibt.
Auf Grundlage dieser Fossilien schätzen Forschende, dass Megalodon durchschnittlich etwa 13 bis 15 Meter lang war. Einige Exemplare könnten größer gewesen sein, doch extreme Größenangaben aus populären Darstellungen sind wissenschaftlich nicht sicher belegt.
Sicher ist jedoch, dass dieser Hai zu den größten bekannten Raubtieren der Erdgeschichte gehörte und vermutlich vor allem große Meeressäuger jagte.
Begegnungen mit den Giganten der Natur
Ob ein Wal, der in der Ferne aus dem Wasser auftaucht, ein riesiger Fisch in der Tiefe eines Sees oder eine Elefantenherde in der Savanne – Megafauna macht Naturerlebnisse besonders eindrucksvoll.
Diese Tiere stehen oft an der Spitze komplexer Ökosysteme und benötigen große, intakte Lebensräume. Ihr Schutz bedeutet daher meist auch den Schutz vieler anderer Arten.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





