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Blogartikel 'Exclusiv für EB von Aquascape-Guru- Das „Klappaquarium“ – Innovation im Aquarienbau'

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Exclusiv für EB von Aquascape-Guru- Das „Klappaquarium“ – Innovation im Aquarienbau

 

Becken mit weniger Klebekanten und weniger Gewicht

In der heutigen Zeit befinden sich viele Teilbereiche unseres Lebens im Wandel der Technik. Altbewährte Materialen die eine feste Grundlage darstellen, werden immer häufiger durch neu entwickelte Hightechprodukte ersetzt. Oft sind mangelnde Ressourcen, höhere Anforderungen / Einsparungen an Material oder die dabei entstehenden Kosten die ausschlaggebenden Gründe dafür. Im Vordergrund stehen hier die Vorteile, die diese neu eingesetzten Produkte mit sich bringen. Im Bereich der Aquaristik spielt dieser Wandel ebenfalls eine entscheidende Rolle. Die neueste Idee von aquascape-guru beruht darauf ein Habitat, aus dem bereits in anderen Berichten erwähnten „Superkunststoff“ Makrolon®, im Bereich Aquarienbau fest zu integrieren.

Die Besonderheit dieses Vorhabens liegt darin, dass ein großer Vorteil erwartet wird, dieses Material zum Erstellen unterschiedlicher Becken, z.B. Kleinbecken für Wirbellose aber auch für größere Standardbecken, einzusetzen. Der Vergleich zu Glas, was bisher die Grundlage des Beckens darstellt, muss hier genauer betrachtet werden. Die Größe fällt hier besonders ins „Gewicht“. Herkömmliches Gebrauchsglas weist eine Dichte von ca. 2500 kg/m³ auf, die Dichte von Polycarbonat (PC) liegt jedoch bei ca. 1200 kg/m³. Wie sich bereits unter Betrachtung der Zahlen erahnen lässt, kann man unter Einsatz dieses neuen Materials über die Hälfte des Nettogewichts einsparen.

Eine Beispielrechnung um dies zu verdeutlichen:

350 Liter Aquarium (1, 4m x 0, 5m x 0, 5m, Glasdicke: 8mm)

Boden-/Front- und Rückscheibe: 3 x 1, 4m x 0, 5m x 0, 008m = 0, 0168m³

Seitenscheiben links und rechts: 2 x 0, 5m x 0, 5m x 0, 008m = 0, 004m³

Gesamtvolumen des Aquariums: 0, 0208m³

Nettogewicht des Beckens mit GLAS: 0, 0208m³ x 2500 kg/m³ = 52, 00 kg

Nettogewicht des Beckens mit PC: 0, 0208m³ x 1200kg/m³ = 24, 96 kg

Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit. Jeder Aquarianer weiß, wie sorgfältig man mit Glas umgehen muss. Jede kleine Unachtsamkeit im Umgang mit diesem Medium kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen (Bruch, Schnittverletzungen). Oft „platzen“ die Träume schon bevor man überhaupt mit dem Einrichten des Becken begonnen hat. Kleine Mikrorisse oder Kratzer sind dafür verantwortlich, die unter anderem schon beim Aufstellen des Beckens oder beim Dekorieren (insbesondere mit Steinen) ins Glas gelangen können. Glas ist auf Grund seiner amorphen Struktur sehr stoß- und bruchanfällig. Durch die hohe Druckbelastung des Wassers entstehen Eigenspannungen (Spannungsspitzen), dich sich im Kerbgrund bündeln und somit das Glas genau an dieser Stelle brechen lassen. Problem des Ganzen stellt auch das so genannte Risswachstum dar. Kratzer müssen deswegen genau beobachten werden um einen unerwarteten „Supergau“ zu vermeiden. Glas setzt hier hohe Anforderungen voraus, die 100%ige Ebenheit des Aufstellortes ist hier nur ein Beispiel. Aufgrund der niedrigen Bruchfestigkeit kommt nun unser spezieller Kunststoff ins Spiel. Die Bruchfestigkeit von Kunststoff kann bis zu 100-fach höher sein als die des Glases. Ebenso das zäh-elastische Verhalten begründet den Einsatz im Aquarienbau. Ein plötzlich eintretender Bruch, sowie Rissbildung und Rissausbreitung durch die Wasserbelastung wird bei Makrolon® nicht zutreffen. Eine Splitterung, wie sie beim Bruch von Glas auftritt, kann ebenfalls ausgeschlossen werden. Nicht umsonst findet man diesen Werkstoff als Sicherheitsverglasungen in der Automobilindustrie (bei Rallyefahrzeugen als Front- und Seitenscheiben).

Zum Vergleich E-Modul (= Steifigkeit) und Bruchdehnung (= Elastizität) beider Stoffe:

E-Modul Glas: 50000 – 90000 N/mm²

E-Modul PC: 1000 – 5000 N/mm²

Bruchdehnung Glas: 3, 5 – 4 %

Bruchdehnung PC: 10 – 20 %

Als nächstes wird die Verträglichkeit in Verbindung mit Wasser untersucht. Ausschlaggebend hier dürfte die Temperatur sowie die Neutralität sein, damit keine Giftstoffe ins Becken gelangen. Glas hat sich in beider Hinsicht eine hohen Status erarbeitet. Egal welche Wassertemperatur (im Becken meist zwischen 20 und 26°C) herrscht, das Material „Glas“ als Grundgerüst für das Aquarium zeigt keine Veränderungen. Die Erfahrungen mit Glas in Verbindung mit Wasser, hinsichtlich von Abgabe Giftstoffen, stellt auch kein Problem dar. Die Lebensmittelindustrie ohne Glas ist definitiv nicht vorstellbar. Beim Kunststoff hingegen kommen immer öfter Zweifel auf. Durch die heutigen Herstellungsverfahren sowie durch eine Vielzahl von Labortests, lässt sich generell sagen das diese Bedenken völlig fehl am Platze sind. Makrolon® wird in allen Variationen in Bezug auf Temperatur und Neutralität als sehr „glasähnlich“ beschrieben. Der Dauereinsatz (wie es beim Aquarium praktiziert wird) des Kunststoffes, in Berührung mit Wasser mit einer Temperatur von durchschnittlich 25°C, ist ohne jegliches Risiko möglich. Die Einschränkung in diesem Fall beginnt erst ab einer Grenztemperatur von 60°C. Ein Wert der in der Aquaristik definitiv nie erreicht wird. Genauso wie Glas wird dieses besondere Polycarbonat in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, z.B. als Wasserflaschen. Die Verträglichkeit mit Wasser und das Resultat das keine Giftstoffe übertragen werden, die das Leben im Aquarium einschränken könnte, wurde somit nachgewiesen.

Nächste Überlegung ist die Reinigung. Da unsere Biotope regelmäßige Pflege erfahren, darf dieser Punkt nicht außer acht gelassen werden. Wie bereits oben erwähnt wird dieser Kunststoff als sehr „glasähnlich“ bezeichnet. Bei der Reinigung muss deswegen auf nichts spezielles geachtet werden. Besondere Reinigungsverfahren sind nicht anzuwenden. Lösungsmittel, wie starke Säuren oder Laugen, die den Kunststoff angreifen und beschädigen, finden im Bereich der Aquaristik sowieso keine Verwendung. Wiederum ein Aspekt mehr, die Möglichkeit zu ergreifen ein Becken daraus herzustellen.

Wie der Name „Klappaquarium“ bereits verrät, liegt die Ideen von aquascape-guru darin, ein Aquarium durch umklappen (biegen) des oben beschriebenen Materials herzustellen.

Grundgedanke dabei ist, das eine in Form gebrachte Kunststoffplatte zu einem Würfel/Quader, natürlich ohne Deckel, gebogen wird. Da sich das Material zudem kalt oder warm umformen lässt, ohne die gewünschten Eigenschaften zu verlieren, bietet sich die Biege- oder besser gesagt „Klappmethode“ am besten an.

Als erstes ist die Größe des jeweiligen Beckens zu bestimmen. In unserem Beispiel soll das Endprodukt eine Größe von ca. 30x30x30cm mit einer Wandstärke zwischen 5mm aufweisen (Wirbellosenbecken).

Dazu muss als erstes die Grundplatte auf Maß gebracht werden (erfolgt meistens durch sägen oder bereits auf Maß gekauftes Material). Wir stellen uns hierbei die Abwicklung eines Würfels vor, was die Form eines „Kreuzes“ darstellt (Draufsicht). Achtung! Bei dieser Methode ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass eine professionelle Biegevorrichtung vorhanden sein muss. Die Herstellung am Schraubstock ist nicht möglich. In unserem Fall ist die Gesamtlänge und Breite von ca. 100cm zu wählen (plus 10mm Zugabe der Biegeradien beachten). Wurde die Grundplatte in Folge dessen ausgeschnitten, können die 4 Biegekanten angezeichnet werden (Quadrat in der Mitte). Durch einspannen in die vorhandene Biegevorrichtung (Abkantbank, Biegeradius nicht vergessen) lassen sich nun die Seitenteile nach oben biegen. Wie bereits zu Anfang erwähnt, müssen hier spezielle Biegestempel zum Einsatz kommen, weil sich sonst nicht alle Seitenteile hochbiegen lassen. Des weiteren muss beachtet werden, dass das Material um ca. 10-20° übergebogen werden muss. Biegt man nur auf die eingestellten 90° (wie normalerweise üblich), federt das Material stark zurück. Hat man trotzdem alle „Hindernisse“ überwunden, kann bereits ein „Becken“ erahnt werden. In den 4 Ecken, wo die hochgebogenen Seitenteile zusammenlaufen, muss nun Aquariumsilikon eingearbeitet werden um das Becken dicht zu machen. Das Anbringen einer Querstrebe zur Versteifung kann, muss aber bei dieser Beckengröße nicht vollzogen werden. Fertig ist das „Klappaquarium“. Nach einem Tag Aushärtung sowie der ersten Grundreinigung (Keine Lösungsmittel!), mit warmen Wasser und normalen Zusätzen wie Spülmittel, kann das Projekt „Einrichtung“ gestartet werden.

Stellt sich nun die Frage: Was tun wenn keine professionelle Biegevorrichtung vorhanden ist? Auch hier gibt es eine Lösung.

Hierzu betrachten wir wiederum die Abwicklung des Würfels. Anstatt des oben genannten „Kreuzes“ kommt hier nur ein Streifen der Größe 100cm x 30cm zum Einsatz. Die Seitenteile können separat auf Maß gebracht, und nach dem Biegevorgang des Streifens zu einem „U“ eingeklebt werden. Bei dieser Methode soll eine Verstrebung für die Seitenteile zusätzlichen Halt gewähren. Alternativ können auch 5 Einzelplatten in der jeweiligen Größe verbaut werden. Das Biegen von kleinen Versteifungswinkeln, die zusätzlich verklebt werden, kann hier sehr hilfreich sein.

Natürlich gibt es auch andere Verarbeitungsweisen, je nachdem was man für ein Becken haben möchte. Wichtig ist , das bei allen diesen Becken, die entstehen sollen die Anzahl der Klebekanten minimiert werden und somit auch zum einen Material eingespart wird , aber auch eine Anfälligkeit gegenüber Haltbarkeit reduziert wird.

Wie man sieht, Möglichkeiten zur Herstellung gibt es viele. Begrenzt wird dieses natürlich durch die Mittel, die jedem Aquarianer zur Verfügung stehen. Ein kleiner Anreiz um das Beschriebene erfolgreich in die Tat umzusetzen…

 
Exclusiv für EB von Aquascape-Guru- Das „Klappaquarium“ – Innovation im Aquarienbau
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Blogartikel 'Blog 4193: Exclusiv für EB von Aquascape-Guru- Das „Klappaquarium“ – Innovation im Aquarienbau' aus der Kategorie: "Becken und Wasser" zuletzt bearbeitet von Falk am 21.05.2011 um 14:54 Uhr
 
 
Kommentare:
 
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Geschrieben am 22.05.2011 um 09:23 von Falk
Morgen Micha

Ja ,das nenn ich mal nen Volltreffer...ein Fachmann ** von mir mal abgesehen,wollte ich eigentlich danken, denn hier stimmt folgendes was Du schreibst, die Überziehung des Materials auf den Biegeradius . und der wird wirklich dünner ,egal ob kalt oder warm gebogen....

Die Kratzempfindlichkeit ist natürlich nur mit spezieller Beschichtung reduzierbar, zmindest arbeiten die hersteller radikal an verbesserungen...

Mit Sicherheit wird es in naher Zukunft Verbesserungen geben, ich kenn ja auch nicht alles was in Labors ausgeheckt wird, zu wünschen wäre es allemal..

Mir geht es in diesem Blog darum, Alternativen zum herkömmlichen Glas zu bringen, gerade auf Aquascape-Guru sind jetzt die verschiedensten Einrichtungstipps für die jeweiligen Naturhabitate dran und da ist mir das Plexi bzw. Kaltformacrylglas immer noch sehr willkommen, ich kann etwas besser schalten und walten mit diesen Materialien.

Falls Du möchtest so wäre es mir sehr willkommen wenn Du vielleicht hier noch Alternativen oder verbesserungen aufführen könntest...?

Schönen Sonntag Dir und natürlich dem gesamten Forum...
Es wird Zeit mei Becken mal zu fotografieren, da liegt einiges im Argen...

Drücker Falk
 
 

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