Blog: Igeln das Überwintern im Garten ermöglichen (8350)
Mit einem naturnahen Garten, sicheren Verstecken und ausreichend Nahrung können wir Igeln helfen, gut geschützt und gesund durch den Winter zu kommen.
Igel gehören zu den beliebtesten Wildtieren in unseren Gärten. Besonders im Herbst steigt die Aufmerksamkeit für die stacheligen Besucher, denn nun beginnt für sie eine entscheidende Zeit. Sie müssen genügend Fettreserven aufbauen, einen geeigneten Platz für den Winterschlaf finden und möglichst ungestört durch die kalten Monate kommen. Stark aufgeräumte Gärten bieten dafür oft nur wenige Möglichkeiten und erschweren die Suche nach einem sicheren Winterquartier.
Wer Igeln das Überwintern im Garten ermöglichen möchte, muss deshalb nicht zwangsläufig ein spezielles Igelhaus kaufen. Viel wichtiger ist ein naturnah gestalteter Garten, in dem Nahrung, Deckung und geschützte Bereiche vorhanden sind. Schon kleine Veränderungen können viel bewirken. Dabei gilt: Je weniger wir im Herbst aufräumen, desto mehr Lebensraum bleibt für Igel und viele andere Tiere erhalten.
Warum Igel Winterschlaf halten
Igel ernähren sich überwiegend von tierischer Kost. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Käfer, Larven, Regenwürmer, Raupen und andere wirbellose Tiere. Im Winter wird diese Nahrung knapp. Gleichzeitig würde die Aufrechterhaltung der normalen Körpertemperatur sehr viel Energie kosten. Der Winterschlaf ist deshalb eine wichtige Überlebensstrategie.
Während des Winterschlafs fährt der Stoffwechsel stark herunter. Herzschlag und Atmung werden langsamer, und auch die Körpertemperatur sinkt deutlich ab. Der Igel lebt in dieser Zeit von den Fettreserven, die er sich während des Sommers und besonders im Herbst angefressen hat.
Igel können während des Winterschlafs zwischendurch aufwachen oder den Schlafplatz wechseln. Solche Wachphasen verbrauchen viel Energie, weshalb das Winterquartier möglichst ruhig liegen sollte.
Die wichtigsten Fakten zum Überwintern von Igeln
| Thema | Empfehlung |
|---|---|
| Winterquartier | Trocken, windgeschützt, ruhig und gut isoliert |
| Geeignete Materialien | Laub, Reisig, Zweige, trockenes Gras und Totholz |
| Gartenpflege im Herbst | Laub- und Reisighaufen möglichst liegen lassen |
| Nahrung | Natürliche Nahrungsquellen fördern, bei Bedarf geeignet zufüttern |
| Wasser | Flache Schale mit frischem Wasser anbieten |
| Milch | Nicht anbieten |
| Laubsauger und Mähgeräte | Vor dem Einsatz Flächen sorgfältig kontrollieren |
| Kompost | Vor dem Umsetzen vorsichtig prüfen |
| Igelhaus | Möglich, aber nicht zwingend erforderlich |
| Störungen | Winterquartiere ab Herbst möglichst nicht mehr verändern |
| Gefahren | Schächte, Netze, steile Teichränder und offene Kellerabgänge sichern |
| Frühling | Quartiere erst nach Ende der Winterschlafzeit vorsichtig kontrollieren |
Der naturnahe Garten als beste Überwinterungshilfe
Die wirksamste Hilfe für Igel besteht darin, den Garten nicht vollständig aufzuräumen. Ein Garten, in dem im Herbst jedes Blatt entfernt, jeder Staudenstängel abgeschnitten und jedes Stück Totholz entsorgt wird, bietet kaum geeignete Winterverstecke.
Laub darf unter Hecken, Sträuchern und in ruhigen Gartenecken liegen bleiben. Besonders wertvoll sind größere Laubhaufen, die mit einigen Ästen oder Reisig stabilisiert werden. Dadurch fällt das Material nicht so schnell zusammen und bleibt im Inneren trockener.
Auch dichte Hecken, Brombeerbereiche, Holzstapel und Reisighaufen sind wertvolle Rückzugsorte. Igel bevorzugen geschützte Plätze, an denen sie vor Wind, Niederschlag und starken Temperaturschwankungen möglichst gut abgeschirmt sind.
Ein naturnaher Garten hilft den Tieren außerdem schon vor dem Winter. Zwischen Laub, Pflanzenresten und Totholz leben zahlreiche Insekten und andere wirbellose Tiere. Damit entsteht ein reichhaltiges Nahrungsangebot, das den Igeln dabei hilft, ihre Fettreserven aufzubauen.
Experten-Tipp: Ein lockerer Laubhaufen unter einer dichten Hecke ist häufig wertvoller als ein aufwendig gebautes Quartier an einer offenen Stelle. Entscheidend sind Ruhe, Trockenheit und eine geschützte Lage.
Einen Laub- und Reisighaufen als Winterquartier anlegen
Ein einfaches Igelquartier lässt sich mit Materialien aus dem eigenen Garten schaffen. Dafür eignet sich eine ruhige Ecke unter Sträuchern, neben einer Hecke oder hinter einem Gartenhaus. Der Boden sollte nicht dauerhaft nass sein.
Zunächst können einige kräftigere Äste locker aufgeschichtet werden. Anschließend wird trockenes Laub großzügig darüber und dazwischen verteilt. Eine zusätzliche Schicht Reisig verhindert, dass der Wind das Laub davonträgt.
Der Haufen sollte nicht ständig kontrolliert oder neu geordnet werden. Sobald ein Igel eingezogen ist, kann jede Störung dazu führen, dass das Tier sein Quartier verlässt. Besonders während kalter Phasen sollte das Nest unbedingt unberührt bleiben.
Auch ein Komposthaufen kann als Winterquartier dienen. Deshalb ist beim Umsetzen von Kompost im Herbst und Winter besondere Vorsicht erforderlich. Gartenwerkzeuge sollten niemals blind tief in einen Haufen gestochen werden.
Ist ein Igelhaus sinnvoll?
Ein Igelhaus kann eine gute Ergänzung sein, wenn natürliche Verstecke fehlen. Es sollte stabil, trocken und ausreichend groß sein. Ein geschützter Eingang erschwert größeren Tieren den direkten Zugang zum Schlafraum.
Als Standort eignet sich ein ruhiger, schattiger Bereich unter einer Hecke oder einem Strauch. Das Haus sollte nicht mitten auf einer freien Rasenfläche stehen. Der Boden muss möglichst trocken sein, damit sich im Inneren keine dauerhafte Feuchtigkeit bildet.
Als Nistmaterial eignet sich trockenes Laub besonders gut. Der Igel trägt häufig zusätzlich eigenes Material ein und richtet sich das Nest selbst ein. Heu kann schneller Feuchtigkeit aufnehmen und zusammenfallen, während trockenes Laub eine lockere, isolierende Struktur bildet.
Ein Igelhaus darf nach dem Einzug nicht ständig geöffnet werden. Auch gut gemeinte Kontrollen können den Winterschlaf erheblich stören.
Nahrung im Herbst: Wann Zufüttern sinnvoll sein kann
In einem vielfältigen Garten finden Igel normalerweise einen großen Teil ihrer Nahrung selbst. Im Herbst kann eine vorübergehende Zufütterung dennoch hilfreich sein, insbesondere wenn das natürliche Nahrungsangebot knapp ist.
Geeignet ist hochwertiges, fleischreiches Katzenfutter ohne süße Zusätze. Auch spezielles Igelfutter kann verwendet werden, sofern es einen hohen Anteil tierischer Bestandteile enthält. Entscheidend ist, dass die Nahrung nicht zum dauerhaften Ersatz für einen naturnahen Lebensraum wird.
Milch ist für Igel ungeeignet. Sie kann aufgrund des enthaltenen Milchzuckers Verdauungsprobleme verursachen. Wasser ist die richtige Wahl. Eine flache, standfeste Wasserschale kann nicht nur im Herbst, sondern während des gesamten Jahres sinnvoll sein.
Futterstellen sollten sauber gehalten werden. Futterreste können Ratten, Füchse oder andere Tiere anziehen. Schalen sollten daher regelmäßig gereinigt und nicht mit großen Mengen Futter überfüllt werden.
Wann beginnt der Winterschlaf?
Der Zeitpunkt des Winterschlafs hängt von Witterung, Nahrungsangebot, Körpergewicht, Alter und Geschlecht des Tieres ab. Deshalb lässt sich kein fester Termin nennen. Häufig ziehen sich erwachsene Igel im Spätherbst zurück, während Jungtiere teilweise länger aktiv bleiben.
Ein Igel, der im Herbst noch unterwegs ist, braucht daher nicht automatisch Hilfe. Besonders in milden Nächten können Tiere weiterhin nach Nahrung suchen oder zwischen verschiedenen Schlafplätzen wechseln.
Entscheidend ist der Gesamteindruck. Ein kräftiges, zielgerichtet laufendes Tier verhält sich anders als ein offensichtlich geschwächter, apathischer oder verletzter Igel.
Vorsicht bei vermeintlich hilfsbedürftigen Igeln
Nicht jeder Igel, der tagsüber gesehen wird, ist automatisch krank. Weibchen können beispielsweise während der Jungenaufzucht auch am Tag unterwegs sein. Im späten Herbst können Jungtiere ebenfalls zu ungewöhnlichen Zeiten Nahrung suchen.
Aufmerksam werden sollte man bei deutlichen Verletzungen, starkem Parasitenbefall, auffälliger Teilnahmslosigkeit, stark abgemagertem Erscheinungsbild oder ungewöhnlichem Verhalten. In solchen Fällen ist fachkundige Hilfe sinnvoll.
Gesunde Wildtiere sollten dagegen möglichst im Garten bleiben. Eine vorschnelle Aufnahme ins Haus verursacht Stress und kann den natürlichen Jahresrhythmus beeinträchtigen.
Gefahrenquellen im Garten beseitigen
Ein guter Wintergarten für Igel besteht nicht nur aus Schlafplätzen. Ebenso wichtig ist es, typische Gefahren zu reduzieren. Besonders problematisch sind offene Schächte, Kellertreppen, steile Gruben und ungesicherte Wasserbecken.
Teiche mit steilen Wänden benötigen eine flache Ausstiegsmöglichkeit. Ein Brett mit rauer Oberfläche, eine flache Uferzone oder geeignete Steine können einem hineingefallenen Tier helfen, das Wasser wieder zu verlassen.
Auch Netze können gefährlich werden. Locker am Boden liegende Vogelschutz- oder Pflanzennetze sollten so befestigt sein, dass sich Igel nicht darin verfangen können.
Mähroboter stellen vor allem bei Betrieb in der Dämmerung und nachts ein Risiko dar. Igel fliehen bei Gefahr häufig nicht, sondern rollen sich zusammen. Mähgeräte sollten daher möglichst nur tagsüber eingesetzt werden, nachdem die Fläche kontrolliert wurde.
Besondere Vorsicht gilt außerdem bei Freischneidern, Motorsensen und Laubsaugern. Unter Hecken, in hohem Gras und unter Laubhaufen können sich Tiere verstecken.
Experten-Tipp: Wer vor dem Mähen eine Gartenrunde zu Fuß macht und Randbereiche unter Hecken mit einer Taschenlampe kontrolliert, kann viele vermeidbare Verletzungen verhindern.
Durchgänge zwischen Gärten schaffen
Igel legen auf Nahrungssuche teilweise erstaunlich große Strecken zurück. Ein vollständig abgeschlossener Garten kann ihren Lebensraum stark einschränken. Kleine Durchgänge in oder unter Zäunen erleichtern ihnen den Wechsel zwischen benachbarten Grundstücken.
Solche Verbindungen sind besonders wertvoll, wenn mehrere Gärten miteinander vernetzt werden. Dadurch entsteht ein wesentlich größerer Lebensraum mit unterschiedlichen Futterplätzen und Verstecken.
Massive Mauern und dicht geschlossene Sockelzäune können dagegen Barrieren bilden. Wo möglich, sollte deshalb bodennah eine ausreichend große Öffnung erhalten bleiben.
Was im Winter im Garten vermieden werden sollte
Hat sich ein Igel in einem Laub-, Reisig- oder Komposthaufen einquartiert, sollte dieser Bereich nicht mehr umgestaltet werden. Auch vermeintlich kleine Arbeiten können das Nest zerstören.
Große Laubmengen sollten im Winter nicht mit Maschinen entfernt werden. Wer Holzstapel umsetzt, Reisighaufen abbaut oder Kompost entnimmt, sollte das Material zunächst vorsichtig von Hand kontrollieren.
Auch Feuerstellen bergen Risiken. Reisig- und Holzhaufen, die längere Zeit liegen, können von Igeln oder anderen Tieren als Versteck genutzt werden. Material für ein Feuer sollte deshalb erst unmittelbar vor dem Verbrennen neu aufgeschichtet werden.
Frühling: Wann darf das Winterquartier entfernt werden?
Auch nach den ersten warmen Tagen kann sich noch ein Igel im Nest befinden. Die Tiere beenden ihren Winterschlaf nicht alle gleichzeitig, und kalte Wetterphasen können zu erneuten Ruhezeiten führen.
Wer ein Igelhaus reinigen möchte, sollte deshalb ausreichend lange warten. Sobald eindeutig kein Tier mehr darin lebt, kann altes Nistmaterial entfernt und das Haus gereinigt und vollständig getrocknet werden.
Natürliche Laub- und Reisighaufen müssen dagegen nicht vollständig beseitigt werden. Sie sind das ganze Jahr über wertvoll und bieten auch Insekten, Amphibien und anderen Kleintieren Lebensraum.
Häufig gestellte Fragen
Muss man Igel im Winter füttern?
Während des eigentlichen Winterschlafs benötigen gesunde Igel keine regelmäßige Fütterung. Wenn ein Tier während einer milden Phase aufwacht und aktiv wird, kann ein kleiner Futterplatz hilfreich sein. Dauerhaft große Futtermengen sind jedoch nicht erforderlich.
Darf man einem Igel Milch geben?
Nein. Igel sollten keine Kuhmilch bekommen, da sie Milchzucker schlecht vertragen. Als Getränk eignet sich frisches Wasser in einer flachen, standfesten Schale.
Welches Material eignet sich für ein Igelnest?
Trockenes Laub ist besonders gut geeignet. Ergänzend können Reisig, kleine Zweige und trockene Pflanzenreste verwendet werden. Das Material sollte locker bleiben und vor dauerhafter Nässe geschützt sein.
Sollte man einen kleinen Igel im Herbst ins Haus holen?
Nicht allein aufgrund seiner Größe. Ein kleiner Igel kann gesund und selbstständig sein. Entscheidend sind Verhalten, körperlicher Zustand, Jahreszeit und Witterung. Bei einem sichtbar geschwächten oder verletzten Tier ist fachkundige Beratung sinnvoll.
Kann ein Igel unter einem Gartenhaus überwintern?
Ja. Trockene, ungestörte Hohlräume unter Gartenhäusern, Schuppen oder Holzstapeln können geeignete Quartiere sein, sofern sie vor Nässe geschützt und sicher erreichbar sind.
Darf ein bewohntes Igelhaus geöffnet werden?
Während der Winterschlafzeit sollte ein bewohntes Igelhaus möglichst nicht geöffnet werden. Jede unnötige Störung kann dazu führen, dass der Igel aufwacht und wertvolle Energiereserven verbraucht.
Sind Laubhaufen im Garten wirklich wichtig?
Ja. Sie dienen nicht nur als mögliche Winterquartiere, sondern fördern auch Insekten und andere Kleintiere. Damit verbessern sie gleichzeitig das natürliche Nahrungsangebot.
Wann wachen Igel im Frühjahr wieder auf?
Der genaue Zeitpunkt hängt von Wetter und Region ab. Mit steigenden Temperaturen und zunehmendem Nahrungsangebot werden die Tiere wieder aktiver. Einzelne Igel können jedoch früher oder später erscheinen.
Fazit
Igeln das Überwintern im Garten zu ermöglichen, ist vor allem eine Frage der Gartengestaltung. Ein wenig weniger Ordnung ist dabei häufig mehr wert als aufwendige Hilfsmaßnahmen. Laub unter Hecken, Reisighaufen, Totholz, dichte Sträucher und ruhige Gartenecken schaffen natürliche Rückzugsorte und verbessern gleichzeitig das Nahrungsangebot.
Ein zusätzliches Igelhaus kann sinnvoll sein, ist aber kein Ersatz für einen vielfältigen Lebensraum. Ebenso wichtig sind sichere Durchgänge zwischen Grundstücken, flache Ausstiegsmöglichkeiten an Teichen und der vorsichtige Umgang mit Gartengeräten.
Wer im Herbst nicht jeden Winkel aufräumt und mögliche Winterquartiere konsequent in Ruhe lässt, schafft gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Winterschlaf. Gleichzeitig profitiert der gesamte Garten davon, denn naturnahe Strukturen bieten zahlreichen Tierarten Schutz und Nahrung. So wird der Garten nicht nur zum Winterquartier für Igel, sondern zu einem dauerhaft wertvollen Lebensraum.






