Tachypodoiulus niger im Garten
Einrichtungsbeispiele mit Schwarzer Schnurfüßer

Wissenswertes zu Tachypodoiulus niger (Schwarzer Schnurfüßer)
Der Schwarze Schnurfüßer, wissenschaftlich als Tachypodoiulus niger bezeichnet, gehört zu den häufigsten und zugleich am wenigsten beachteten Bodentieren in mitteleuropäischen Gärten. Obwohl viele Gartenbesitzer ihn regelmäßig unter Steinen, Totholz oder in der Laubschicht antreffen, ist über seine wichtige ökologische Funktion oft wenig bekannt. Dabei spielt dieser Doppelfüßer eine bedeutende Rolle bei der Zersetzung organischer Materialien und trägt maßgeblich zur Bildung fruchtbarer Gartenböden bei.
Auf den ersten Blick wirkt der Schwarze Schnurfüßer mit seinem langen, dunklen Körper und den zahlreichen Beinen für manche Menschen ungewöhnlich oder sogar etwas unheimlich. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein vollkommen harmloses Tier, das für die Gesundheit des Gartens von großem Nutzen ist. Als natürlicher Zersetzer unterstützt er die Umwandlung abgestorbener Pflanzenreste in wertvollen Humus und ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden Bodenökosystems.
Herkunft und Verbreitung
Der Schwarze Schnurfüßer ist eine in Europa heimische Art. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Teile West-, Mittel- und Südeuropas. Besonders häufig kommt er in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, den Beneluxstaaten sowie in Teilen Großbritanniens vor.
Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit konnte sich die Art in zahlreichen unterschiedlichen Lebensräumen etablieren. Sie bevorzugt feuchte und strukturreiche Umgebungen mit ausreichendem Angebot an abgestorbenem Pflanzenmaterial. Dort findet sie sowohl Nahrung als auch Schutz vor Austrocknung.
In Mitteleuropa zählt der Schwarze Schnurfüßer zu den am weitesten verbreiteten Doppelfüßern überhaupt. Seine Bestände gelten als stabil und ungefährdet.
Natürlicher Lebensraum
Der natürliche Lebensraum von Tachypodoiulus niger umfasst vor allem:
- Laubwälder
- Mischwälder
- Waldränder
- Heckenlandschaften
- Feuchtwiesen
- Parks
- naturnahe Gärten
Besonders häufig findet man die Tiere in Bereichen mit einer dicken Schicht aus Laub, Moos oder abgestorbenen Pflanzenteilen. Dort herrscht ein ausgeglichenes Mikroklima mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Tagsüber halten sich die Schnurfüßer meist verborgen auf. Sie verstecken sich unter Steinen, Holzstücken, Baumrinde oder in lockeren Bodenschichten. Erst während der Abendstunden oder nach Regenfällen werden sie aktiv und wandern auf Nahrungssuche umher.
Da ihre Haut leicht austrocknen kann, meiden sie sonnige und trockene Standorte.
Systematik: Gattung und Familie
Der Schwarze Schnurfüßer gehört zu den Doppelfüßern, einer Tiergruppe innerhalb der Gliederfüßer.
Systematische Einordnung:
- Stamm: Gliederfüßer
- Unterstamm: Tausendfüßer
- Klasse: Doppelfüßer
- Ordnung: Julida
- Familie: Julidae
- Gattung: Tachypodoiulus
- Art: Tachypodoiulus niger
Die Familie Julidae umfasst zahlreiche langgestreckte und zylinderförmige Doppelfüßerarten. Charakteristisch sind die vielen Körpersegmente und die große Anzahl an Beinen.
Die Gattung Tachypodoiulus enthält nur wenige Arten. Der Schwarze Schnurfüßer stellt ihren bekanntesten Vertreter dar.
Beschreibung der Art
Tachypodoiulus niger ist ein großer und auffälliger Doppelfüßer, der sich durch seinen dunklen, glänzenden Körper auszeichnet.
Der Körper besteht aus zahlreichen Segmenten, die jeweils zwei Beinpaare tragen. Diese besondere Anatomie ist typisch für Doppelfüßer und unterscheidet sie deutlich von Hundertfüßern.
Die Tiere bewegen sich durch die koordinierte Bewegung ihrer vielen Beine in einer charakteristischen Wellenbewegung. Dadurch entsteht der Eindruck eines fließenden Gleitens über den Boden.
Bei Gefahr rollen sich die Tiere häufig spiralartig zusammen. Diese Schutzstellung reduziert die Angriffsfläche für Fressfeinde und schützt die empfindliche Körperunterseite.
Aussehen
Der Schwarze Schnurfüßer gehört zu den größten heimischen Doppelfüßern.
Typische Merkmale sind:
- Länge von 20 bis 50 Millimetern
- zylindrischer Körper
- tiefschwarze bis dunkelbraune Färbung
- glänzende Oberfläche
- zahlreiche kurze Beine
- kleine Fühler am Kopf
Ausgewachsene Tiere besitzen meist mehrere hundert Beine. Die genaue Anzahl variiert je nach Alter und individueller Entwicklung.
Jungtiere sind deutlich kleiner und heller gefärbt. Mit jeder Häutung nimmt die Körpergröße zu und es entstehen zusätzliche Segmente mit weiteren Beinpaaren.
Die dunkle Färbung bietet eine gute Tarnung auf feuchten Waldböden und in humusreichen Gartenzonen.
Verhalten
Der Schwarze Schnurfüßer ist ein ruhiges und friedliches Bodentier.
Zu seinen typischen Verhaltensweisen gehören:
- Nachtaktive Lebensweise: Die Tiere sind überwiegend nachts aktiv. Während der Dunkelheit verlassen sie ihre Verstecke und suchen nach abgestorbenem Pflanzenmaterial.
- Feuchtigkeitsabhängigkeit: Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist für das Überleben entscheidend. Nach Regenfällen können Schnurfüßer häufig auf Wegen, Terrassen oder Beeten beobachtet werden.
- Schutzverhalten: Bei Gefahr rollen sie sich eng zusammen. Zusätzlich können sie geringe Mengen eines übelriechenden Sekrets absondern, das Fressfeinde abschrecken soll.
- Langsame Fortbewegung: Obwohl die Art den Namen „Tachypodoiulus“ trägt, bewegt sie sich vergleichsweise langsam und gleichmäßig.
- Soziales Verhalten: Die Tiere leben nicht in sozialen Verbänden, werden aber oft in größerer Zahl an geeigneten Standorten angetroffen, da sie ähnliche Umweltansprüche besitzen.
Vorkommen in Gärten
In naturnahen Gärten gehört der Schwarze Schnurfüßer zu den häufigsten Bodenbewohnern.
Besonders oft findet man ihn:
- unter Steinen
- in Komposthaufen
- unter Holzstapeln
- in Mulchschichten
- zwischen Falllaub
- unter Pflanzkübeln
- in Hochbeeten
Ein hoher Bestand an Schnurfüßern gilt meist als Zeichen eines gesunden Bodens mit reichlich organischem Material.
In gepflegten Ziergärten mit wenig Laub und geringer Bodenbedeckung sind die Tiere deutlich seltener anzutreffen.
Naturgärten bieten hingegen ideale Bedingungen. Dort finden die Tiere ausreichend Nahrung und geeignete Rückzugsorte.
Bedeutung für das Gartenökosystem
Der Schwarze Schnurfüßer übernimmt wichtige Aufgaben im Garten.
Zu seinen ökologischen Leistungen gehören:
Zersetzung organischer Substanz
Abgestorbene Blätter, Pflanzenreste und Holz werden durch die Tiere zerkleinert und teilweise verdaut.
Humusbildung
Durch ihre Ausscheidungen entstehen feinere organische Bestandteile, die leichter von Mikroorganismen weiterverarbeitet werden können.
Förderung des Bodenlebens
Die Aktivität der Schnurfüßer unterstützt Bakterien, Pilze und andere Bodenorganismen.
Verbesserung der Bodenstruktur
Beim Durchwandern des Bodens lockern die Tiere oberflächennahe Schichten auf.
Dadurch leisten sie einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Bodenfruchtbarkeit.
Nahrung
Tachypodoiulus niger ist überwiegend ein Detritusfresser.
Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus:
- abgestorbenen Blättern
- verrottenden Pflanzenteilen
- morschem Holz
- Pilzen
- abgestorbenen Wurzeln
- organischen Bodenbestandteilen
Frische und gesunde Pflanzen werden normalerweise nicht angegriffen. In Ausnahmefällen können Schnurfüßer an stark geschwächten oder bereits beschädigten Pflanzen fressen.
Im Garten sind sie deshalb grundsätzlich als Nützlinge einzustufen.
Durch ihre Ernährungsweise helfen sie dabei, große Mengen an Laub und Pflanzenresten abzubauen.
Giftigkeit
Der Schwarze Schnurfüßer ist für Menschen und Haustiere nicht gefährlich.
Die Tiere besitzen weder Giftstachel noch Beißwerkzeuge, mit denen sie Menschen verletzen könnten.
Bei Bedrohung können sie jedoch ein Abwehrsekret freisetzen. Dieses enthält chemische Stoffe, die potenzielle Fressfeinde abschrecken sollen.
Bei empfindlichen Personen kann das Sekret vorübergehende Hautreizungen verursachen. Gelangt es in die Augen, können Reizungen auftreten.
Nach dem Kontakt sollten die Hände gründlich gewaschen werden.
Für Hunde und Katzen besteht normalerweise keine Gefahr. Die meisten Haustiere meiden die Tiere aufgrund ihres unangenehmen Geruchs ohnehin.
Vermehrung
Die Fortpflanzung erfolgt geschlechtlich.
Während der Paarungszeit suchen Männchen aktiv nach Weibchen. Nach erfolgreicher Befruchtung legt das Weibchen die Eier in feuchte Bodenschichten oder in verrottendes Pflanzenmaterial.
Die Entwicklung verläuft über mehrere Stadien:
Ei
Die Eier werden im Boden abgelegt und vor Austrocknung geschützt.
Jungtier
Nach dem Schlupf besitzen die Jungtiere deutlich weniger Segmente und Beine als ausgewachsene Tiere.
Wachstum
Mit jeder Häutung entstehen zusätzliche Körpersegmente und Beinpaare.
Geschlechtsreife
Erst nach mehreren Entwicklungsjahren erreichen die Tiere ihre vollständige Größe und Fortpflanzungsfähigkeit.
Die Entwicklung verläuft vergleichsweise langsam. Dadurch können einzelne Tiere mehrere Jahre alt werden.
Lebensdauer
Im Vergleich zu vielen anderen Wirbellosen erreichen Schwarze Schnurfüßer eine bemerkenswerte Lebensdauer.
Unter günstigen Bedingungen können sie drei bis fünf Jahre alt werden. Einzelne Tiere erreichen möglicherweise sogar ein höheres Alter.
Die Lebensdauer hängt stark von Faktoren wie Feuchtigkeit, Nahrungsangebot und Witterungseinflüssen ab.
Natürliche Feinde
Der Schwarze Schnurfüßer dient zahlreichen Tierarten als Nahrung.
Zu seinen wichtigsten Feinden gehören:
- Igel
- Spitzmäuse
- Kröten
- Frösche
- Laufkäfer
- Vögel
- Hundertfüßer
Das Abwehrsekret schützt zwar vor manchen Angreifern, bietet jedoch keinen vollständigen Schutz.
Mögliche Krankheiten und Probleme
Über spezifische Krankheiten des Schwarzen Schnurfüßers ist vergleichsweise wenig bekannt.
Wie viele wirbellose Tiere können sie von verschiedenen Organismen befallen werden.
Dazu gehören:
Pilzinfektionen
Unter ungünstigen Bedingungen können Pilze die Tiere befallen.
Parasiten
Einige Milbenarten oder mikroskopisch kleine Organismen nutzen Schnurfüßer als Wirt.
Austrocknung
Die größte Gefahr stellt häufig nicht eine Krankheit, sondern Trockenstress dar. Längere Dürreperioden können zu hohen Verlusten führen.
Umweltgifte
Pestizide und andere chemische Mittel können Bestände erheblich schädigen.
Deshalb profitieren Schnurfüßer besonders von naturnah bewirtschafteten Gärten.
Alternative Bezeichnungen
Im deutschsprachigen Raum sind verschiedene Namen gebräuchlich:
- Schwarzer Schnurfüßer
- Großer Schwarzer Schnurfüßer
- Schwarzer Tausendfüßer
- Schwarzer Doppelfüßer
Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Tachypodoiulus niger.
Gelegentlich wird die Art allgemein als Tausendfüßer bezeichnet, obwohl sie biologisch zu den Doppelfüßern gehört.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Schwarze Schnurfüßer schädlich für Pflanzen?
Nein. Die Art ernährt sich überwiegend von abgestorbenem Pflanzenmaterial und gilt als nützlicher Zersetzer.
Darf man Schwarze Schnurfüßer im Garten fördern?
Ja. Die Tiere tragen zur Humusbildung und zur Verbesserung der Bodenqualität bei.
Können Schwarze Schnurfüßer beißen?
Nein. Sie können Menschen weder beißen noch stechen.
Warum erscheinen die Tiere nach Regenfällen?
Feuchtigkeit schützt die Tiere vor Austrocknung und ermöglicht eine sichere Nahrungssuche an der Bodenoberfläche.
Sind Schwarze Schnurfüßer giftig?
Sie sind nicht giftig. Das abgegebene Abwehrsekret kann jedoch bei empfindlichen Personen leichte Hautreizungen verursachen.
Wie alt werden Schwarze Schnurfüßer?
Unter günstigen Bedingungen können sie mehrere Jahre alt werden und erreichen häufig ein Alter von drei bis fünf Jahren.
Warum rollen sich die Tiere zusammen?
Das Zusammenrollen dient dem Schutz vor Fressfeinden und reduziert gleichzeitig den Feuchtigkeitsverlust.
Können Schnurfüßer ins Haus gelangen?
Gelegentlich gelangen einzelne Tiere in Keller oder Erdgeschosse. Dort können sie jedoch meist nicht dauerhaft überleben, wenn die Bedingungen zu trocken sind.
Sind Schwarze Schnurfüßer ein Zeichen für einen gesunden Garten?
Ja. Ein regelmäßiges Auftreten deutet häufig auf einen humusreichen Boden und ein aktives Bodenleben hin.
Sollten Schwarze Schnurfüßer bekämpft werden?
Eine Bekämpfung ist normalerweise nicht notwendig. Die Tiere erfüllen wichtige ökologische Aufgaben und verursachen in der Regel keine Schäden.
Fazit
Der Schwarze Schnurfüßer Tachypodoiulus niger gehört zu den wichtigsten Zersetzern in mitteleuropäischen Gärten. Obwohl er oft unbemerkt bleibt, leistet er einen wertvollen Beitrag zur Humusbildung, zur Nährstofffreisetzung und zur Erhaltung eines gesunden Bodenlebens. Seine Lebensweise als Detritusfresser macht ihn zu einem bedeutenden Bestandteil natürlicher Stoffkreisläufe.
Die Art ist für Menschen, Haustiere und gesunde Gartenpflanzen weitgehend harmlos. Stattdessen profitiert der Garten von ihrer Tätigkeit, da abgestorbene Pflanzenreste effizient abgebaut und in wertvolle Bodenbestandteile umgewandelt werden. Besonders in naturnahen Gärten mit Laubschichten, Totholz und Kompostbereichen findet der Schwarze Schnurfüßer optimale Lebensbedingungen.
Wer einen lebendigen, ökologisch ausgewogenen Garten fördern möchte, sollte den Schwarzen Schnurfüßer daher nicht als störenden Tausendfüßer betrachten, sondern als wichtigen Helfer im Verborgenen. Seine Anwesenheit ist ein Zeichen für einen gesunden, fruchtbaren Boden und ein funktionierendes Gartenökosystem.