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Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa

Lesezeit: ca. 6 Minuten
Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa
Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa - Foto 1

Die Madagaskar-Fauchschabe

In den meisten Terrarien wimmelt es vor farbenprächtigen Echsen, niedlichen Fröschen oder vielbeinigen Spinnen. Diese Tiere haben sich bereits etabliert und werden als exotische Haustiere anerkannt. In einem noch jüngeren Zweig der Terraristik siedelt sich die Haltung von Insekten an. Dieser Mikrokosmos verfügt über eine große Bandbreite aus den verschiedensten Lebewesen, welche mit ein wenig Know-how sehr gut auch als heimischer Mitbewohner pflegbar ist.

Es faucht, zischt und krabbelt im großen Stil

Herkunft

Diese possierlichen Pfleglinge stammen ursprünglich von der Ostküste Madagaskars. In den langen Trockenzeiten werfen dort die Bäume ihr gesamtes Laub ab, um ihre wenigen Wasserreservoire aufrechterhalten zu können und bieten damit den Fauchschaben, die kaum Wasser benötigen, in ihrem Laub wunderbaren Schutz vor Feinden und der Sonne. Neben den erwähnten Laubbäumen verfügt das Habitat im Trockenwald auch noch über sehr trockenen Wüstenboden, den schönen Affenbrotbäumen und natürlich vereinzelten Kakteen.

Die Schabe 

Gromphadorhina portentosa ist eine Schabe aus der Familie der Blaberidae, die schon oft in der  ethologischen und entwicklungsbiologischen Forschung als Versuchstier eingesetzt wurde. Diese lebenden Fossilien bevölkern die Erde in unveränderter Form seit ca. 250-300 Millionen Jahren und stellen den Vorläufer aller heutigen Insekten dar. Mit ihren 5-7 cm Körpergröße machen die Krabbler schon ganz schön was her. Es gibt jedoch noch nahe Verwandte, die Madagaskar - Riesenfauchschaben (Gromphadorina oblongonata), welche mit 8 bis 10 cm bei den Weibchen nochmals etwas größer werden. 

Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa
Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa - Foto 2

Bei dem Wort Schabe fallen vielen Menschen immer nur angsteinflößende, unreine und schwarz- braune Sechsbeiner ein. Dabei ist die Farbvielfalt der Schaben immens. So gibt es sie mit fröhlichen Punkten, auffälligen mustern oder eben, wie die Madagaskar-Fauchschabe in einem schönen Farbverlauf von beige zu dunkelbraun. Die Weibchen sind meist etwas größer, als die Herren und auch kräftiger. Beide Geschlechter verbleiben jedoch ihr ganzes Leben lang flügellos. Dies stellt jedoch keinen Nachteil dar, denn die Fauchis sind bestens an ihre Aufgabe im Ökosystem angepasst.

Ihr Körper ist abgeflacht, sodass sie sich tagsüber hervorragend in kleinen Nischen verstecken können. Dieser schabentypische Körper glänzt an Kopf und Brust schwarz und wird in einem harmonischen Verlauf zum Hinterleib rötlich-braun, manchmal sogar beige und wird durch beidseitige Punkte an den „Flanken“ ergänzt.  Unterbrochen wird diese platte Körperlinie durch ein großes Halsschild, welches den Kopf bedeckt. An dieser Stelle ist phänotypisch auch das Geschlecht zu erkennen, denn die Männchen tragen auf ihrem Halsschild zwei herausstechende, nebeneinander liegende, kegelförmige Höcker, welche oft fälschlicherweise als Augen identifiziert werden wollen. Diese befinden sich zum Boden gerichtet am unteren Teil des Kopfes und spielen eine eher untergeordnete Rolle. Als Pendant zur Sehkraft besitzen Fauchschaben spezialisierte, lange Fühler und Schienen, die beim Männchen etwas stärker beborstet sind, die die nachtaktiven Insekten schon kleinste Erschütterungen in der Dunkelheit spüren lassen und sie somit befähigen ihre schlanken, langen, sechs Beine für eine schnelle Flucht in Bewegung zu setzen. 

 

Das Fauchen

Oft lässt sich der Name einer Art von ihren besonderen Eigenschaften ableiten, so auch in diesem Fall. So werden bei den hier beschriebenen Tieren sowohl der Herkunftsort, als auch das Geräusch, welches die Schabe erzeugen kann vereint. Um Feinde abschrecken und in die Flucht zu treiben oder aber auch mit Artgenossen bei der Verteidigung des Reviers in Kommunikation treten zu können, stoßen die Tiere mit hohem Druck Luft durch ihre zwei spezialisierten Tracheen im Hinterleib aus. Diese Luftkanäle dienen Insekten eigentlich zur Atmung, erzeugen in diesem bestimmten Fall aber eben auch das arttypische Fauchgeräusch. Und ja, wer es nicht kennt, dürfte ziemlich überrascht sein, was da an Tonkulisse entstehen kann.

Haltung

Fauchschaben werden am besten in einem Terrarium aus OSB oder einer Kunststoffbox mit dem Mindestmaß von 80x40x50 cm gehalten. Da es Gruppentiere sind, muss das Habitat jeweils der Größe dieser angepasst werden. Da gegen Staunässe eine gute Belüftung gegeben sein muss, entstehen Öffnungen. Hier ist besonders darauf zu achten, dass man Gitter mit Gaze überdeckt. Babyfauchschaben klettern ebenso gern wie die Alttiere Wände hoch und unter den Deckelrand bzw. in die Gittergegend. Bei den Einrichtungsgegenständen kann man sich in der Natur bedienen: Stöcke und Äste, herabgefallenes Laub und Steine bieten viele gern angenommene Versteckmöglichkeiten. Möglich sind jedoch auch Eierkartons, die durch ihre Beschaffenheit sogar integrierte Höhlen und Klettermöglichkeiten mit sich bringen. Die Männchen brauchen durch ihre Revierbildung viel unwegsames Gelände mit Sichtschutz. Am wohlsten fühlen sich die Krabbler bei Temperaturen um die 25- 30 Grad Celsius. Hier hält das OSB die Temperatur eindeutig besser und auch kleinere Heizspots lassen sich gut am Material befestigen. Waldhumus und Terrarienerde eignen sich hervorragend als Bodengrund. Auch Spangium aus einem Brick kann über der ersten Bodenschicht im Wechsel mit dem Laub ausgestreut werden. Die erwähnten Äste werden dann als Klettermöglichkeit aufgerichtet im Lebensraum angeordnet. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei ca. 60% liegen und diese möglichst nicht dauerhaft überschreiten, da die Gefahr der Pilzbildung zu riskant ist. Besondere Beleuchtung ist für diese nachtaktiven Tiere nicht von Bedeutung. Ganz im Gegenteil, die Schaben meiden den direkten Lichteinfall und ziehen sich zurück. 

 

Ernährung

Madagaskar-Fauchschaben sind völlig unproblematisch bei der Ernährung. So reicht ihnen eine Mischung aus Fisch- / Legemehl für Hühner und Weizenkleie plus der Zugabe von Nassfutter in Form von Gemüse (gern gekochte Kartoffeln) und Obst. Auch Trockenfutter von Katze und Hund können gelegentlich verfüttert werden. Bei der Fütterung zu beachten ist, dass man die Nahrung in einen kleinen Fresstrog appliziert, damit sie nicht wahllos im Gehege umhergammelt. Dieser muss täglich gereinigt werden, damit die Nahrungsaufnahme der Tiere hygienisch ablaufen kann. Eine Trinkschale ist nicht von Nöten, da das Gehege zweimal täglich mit einem handelsüblichen Pflanzensprüher gewässert werden kann. So wird auch eine Luftfeuchtigkeit von 65% erreicht, die den Tieren die Häutungen ermöglicht. Da es zu Fressneid untereinander und dem Wegschleppen größerer Brocken kommen kann, sollten alle Nahrungsmittel (vor allem Pellets) schon in der Futterschale zerbröselt werden.

 

Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa
Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa - Foto 3

Wenn man sich gut um diese interessanten Insekten kümmert, erreichen sie eine Lebenserwartung von bis zu 3 Jahren.

Auf ein fröhliches Gefauche!

Sammelbild: User:Newt, Gromphadorhina portentosa and palm cockroaches, CC BY-SA 1.0

Autor*in: Cichliden-Kabuff

Userbild von Cichliden-Kabuff
Cichliden-Kabuff ist Mitglied von EB und stellt 3 Beispiele vor.

Titel: Außergewöhnliche Terraristik I: Gromphadorhina portentosa (Artikel 5684)

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