Blog: Lästig im Haus, nützlich in der Natur: Wanzen im ökologischen Kreislauf (8420)
Wenn im Herbst Wanzen an Fenstern sitzen, sich auf der Hauswand sammeln oder plötzlich im Zimmer auftauchen, hält sich die Begeisterung meist in Grenzen. Besonders Stinkwanzen machen sich mit ihrem unangenehmen Abwehrgeruch unbeliebt. Doch so lästig die Tiere in dieser Situation sein können: In der Natur erfüllen Wanzen wichtige Aufgaben.
Pflanzenfresser, Räuber und Nahrung für andere Tiere
Wanzen bilden eine artenreiche Insektengruppe. In Deutschland kommen rund 900 Arten vor, die sehr unterschiedliche Lebensräume besiedeln – von Wiesen und Wäldern über Gärten bis hin zu Gewässern. Entsprechend vielfältig sind ihre Ernährungsweisen. Zwar ernährt sich ein großer Teil der Arten von Pflanzensäften, doch längst nicht alle Wanzen sind reine Pflanzenfresser. Manche jagen andere kleine Tiere, andere nutzen sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung.
Pflanzensaftsaugende Wanzen beeinflussen das Wachstum und die Entwicklung ihrer Nahrungspflanzen. Dabei können einzelne Arten durchaus Schäden anrichten, etwa wenn sie an Früchten, Samen oder jungen Pflanzenteilen saugen. Im natürlichen Lebensraum gehört diese Nutzung jedoch zu den normalen Beziehungen zwischen Pflanzen und Tieren. Pflanzenfresser dienen wiederum als Nahrung für räuberische Insekten und Spinnen. Auch Vögel, Amphibien und andere Tiere profitieren davon, dass Wanzen in ausreichender Zahl vorkommen.
Besonders deutlich wird die ökologische Bedeutung bei räuberischen Wanzen. Sie erbeuten beispielsweise Blattläuse, kleine Raupen, Milben oder Insekteneier. Damit tragen sie dazu bei, die Bestände anderer kleiner Tiere zu regulieren. Nicht jede Wanzenart ist deshalb automatisch ein Nützling im Garten, und nicht jede pflanzenfressende Art wird zum Schädling. Entscheidend sind die jeweilige Art, ihre Nahrung und die Bedingungen vor Ort.
Teil eines komplexen Nahrungsnetzes
Wanzen sind auch selbst Beute. Sie verbinden so Pflanzen und andere kleine Organismen mit größeren Tieren und tragen damit zum Erhalt des Nahrungsnetzes bei. Wo Insekten fehlen oder ihre Bestände stark zurückgehen, kann das Folgen für Arten haben, die auf sie als Nahrung angewiesen sind. Die ökologische Bedeutung einer einzelnen Wanzenart mag gering erscheinen; in der Summe tragen jedoch die vielen Arten mit ihren unterschiedlichen Lebensweisen zur Stabilität und Vielfalt eines Lebensraums bei.
Auch ihre Ansprüche an bestimmte Pflanzen und Lebensräume machen Wanzen ökologisch interessant. Manche Arten sind eng an bestimmte Pflanzen oder Standortbedingungen gebunden. Ihr Vorkommen kann deshalb Hinweise darauf geben, wie ein Lebensraum beschaffen ist und ob sich seine Bedingungen verändern. Eine vielfältige Wanzenfauna ist somit auch ein Zeichen dafür, dass unterschiedliche Lebensräume und Nahrungsangebote vorhanden sind.
Wanzen im Herbst im Haus suchen
Die Wanzen, die im Herbst an Hauswänden und Fenstern auftauchen, suchen in der Regel ein geschütztes Winterquartier. Dazu gehören beispielsweise Spalten, Hohlräume, Dachbereiche oder Rollladenkästen. Sie wandern nicht ins Haus, um dort Nahrung zu finden oder sich zu vermehren. Die meisten dieser Tiere sind für Menschen harmlos; werden sie bedrängt, können sie allerdings ihr charakteristisches Abwehrsekret abgeben.
Wer einzelne Wanzen vorsichtig nach draußen setzt oder verhindert, dass sie durch offene Fenster und Spalten eindringen, muss deshalb nicht befürchten, der Natur zu schaden. Problematisch wäre vielmehr, die Tiere aus bloßem Ekel grundsätzlich als unerwünscht zu betrachten und sie wahllos zu bekämpfen. Ein Insekt, das im Haus stört, erfüllt draußen weiterhin seine Rolle im ökologischen Kreislauf.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de






