Blog: Nahrungsketten und Nahrungsnetze in Garten und Teich (7580)
Jede Pflanze, jedes Insekt und jedes Tier steht in Verbindung mit anderen Organismen, meist über das, was gefressen wird oder selbst als Nahrung dient. Diese Verbindungen werden als Nahrungsketten und Nahrungsnetze bezeichnet und spielen eine zentrale Rolle für die Stabilität und Gesundheit heimischer Gärten und Teiche.
Nahrungskette oder Nahrungsnetz?
Eine Nahrungskette beschreibt eine lineare Abfolge, etwa wenn Pflanzen von Insekten gefressen werden und diese wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Solche Ketten sind anschaulich, bilden die Realität jedoch nur vereinfacht ab. In natürlichen Lebensräumen existieren keine isolierten Ketten, sondern Nahrungsnetze, in denen ein Organismus Teil mehrerer Verbindungen ist.
In einem Garten bedeutet das beispielsweise, dass eine Raupe nicht nur von einem Vogel, sondern auch von Spinnen, Laufkäfern oder Schlupfwespen gefressen werden kann. Gleichzeitig nutzt der Vogel nicht nur Raupen, sondern auch Samen, Beeren oder andere Insekten. Diese Vielfalt an Beziehungen sorgt dafür, dass Schwankungen ausgeglichen werden können.
Die Rolle der Pflanzen als Basis
Am Anfang jeder Nahrungskette stehen die Pflanzen. Sie produzieren die organische Substanz, auf der alle weiteren Ebenen aufbauen. Je vielfältiger das Pflanzenangebot, desto stabiler wird das Nahrungsnetz.
In Gärten mit unterschiedlichen Blühpflanzen, Gräsern, Sträuchern und Bäumen finden mehr Tierarten geeignete Nahrung. Im Teich übernehmen Wasserpflanzen diese Rolle, indem sie Algen begrenzen, Sauerstoff bereitstellen und gleichzeitig Nahrung für viele Kleinorganismen liefern.
Tiere als Verbindungsglieder
Pflanzenfressende Insekten, Schnecken oder Kleinkrebse bilden die nächste Ebene. Sie sind häufig die Gruppe, die von Gartenbesitzern als problematisch wahrgenommen wird. In einem funktionierenden Nahrungsnetz bleiben ihre Bestände jedoch meist im Gleichgewicht, da sie von zahlreichen Räubern genutzt werden.
Räuberische Insekten, Spinnen, Amphibien, Vögel oder Fische übernehmen diese regulierende Funktion. Im Gartenteich sorgen beispielsweise Libellenlarven, Wasserkäfer und Molche dafür, dass Mückenlarven nicht überhandnehmen. Im Garten übernehmen Laufkäfer, Igel oder Vögel ähnliche Aufgaben bei Schnecken und Insekten.
Viele Probleme im Garten entstehen, wenn natürliche Räuber fehlen: Schnecken im Beet sind ein bekanntes Beispiel. Wer feuchte, schattige Stellen im Garten vermeidet, damit Schnecken dort keinen Lebensraum finden, zerstört damit oft auch die Rückzugsorte für Igel, Kröten oder Laufkäfer, so dass die natürlichen Feinde der Schnecken wegfallen. Werden hingegen Laubhaufen, Steinbereiche oder naturnahe Teichränder angeboten, stellt sich oft ein Gleichgewicht ein.
Auch Mücken im Teich lassen sich so erklären: Ein Teich ohne Strukturpflanzen und tierische Vielfalt bietet kaum Lebensraum für die Fressfeinde der Mückenlarven. Kommen Libellen, Wasserkäfer oder Molche hinzu, sinkt die Zahl der Mücken meist deutlich, ohne dass eingegriffen werden muss.
Zersetzer als oft übersehene Akteure
Neben sichtbaren Nahrungsketten spielt die Zersetzung organischer Substanz eine zentrale Rolle. Abgestorbene Pflanzenreste, Laub oder tierische Überreste werden von Pilzen, Bakterien, Asseln und Regenwürmern abgebaut. Diese Organismen schließen den Kreislauf, indem sie Nährstoffe wieder verfügbar machen.
Gerade im Garten zeigt sich ihre Bedeutung deutlich. Wo Laub liegen bleiben darf und organisches Material im Boden verbleibt, entsteht ein aktives Bodenleben, das wiederum die Grundlage für gesunde Pflanzen bildet. Im Teich übernehmen Bakterien und Kleinstlebewesen eine ähnliche Funktion: Wer es hier zu gut meint und jegliches organische Material mittels Schlammsauger und Teichfilter herausnimmt, der schafft sich ein Gewässer, das nur noch durch intensives menschliches Eingreifen scheinbar im Gleichgewicht gehalten werden kann.
Störungen im Nahrungsnetz und ihre Folgen
Wird eine Ebene des Nahrungsnetzes stark reduziert, hat das oft weitreichende Folgen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder auch zu intensives Aufräumen kann beispielsweise Insekten vernichten, die eigentlich als Nahrung für Vögel dienen. Die Folge sind rückläufige Vogelbestände, wodurch wiederum bestimmte Insektenarten unkontrolliert zunehmen können.
Auch im Teich lassen sich solche Effekte beobachten. Ein Übermaß an Fischen kann Kleintiere stark dezimieren, was auch zu vermehrtem Algenwachstum führt. Das Gleichgewicht gerät aus den Fugen, obwohl scheinbar nur an einer Stelle eingegriffen wurde.
Das Wissen um Nahrungsketten und Nahrungsnetze hilft dabei, Garten und Teich langfristig stabil zu halten. Vielfalt statt Einseitigkeit erweist sich dabei als Schlüssel. Unterschiedliche Pflanzen, Rückzugsorte und Strukturen ermöglichen es vielen Arten, Teil des Nahrungsnetzes zu werden. Wer dabei kleinere Fraßspuren toleriert, der bietet Lebensräume und profitiert von natürlicher Regulierung. Probleme lösen sich oft nicht durch Bekämpfung einzelner Arten, sondern durch die Stärkung des gesamten Systems.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de






