Blog: ´Warum regnet es überall - nur nicht bei mir?´ Wenn der Regen den eigenen Garten scheinbar immer verfehlt (8136)
Es ist fast schon ein Running Gag: Die Wetter-App kündigt Regen an, im Radio wird vor Gewittern gewarnt und auf dem Regenradar zieht ein großes Niederschlagsgebiet direkt auf den eigenen Wohnort zu. Man stellt vorsichtshalber die Gießkanne beiseite und freut sich über die angekündigte Erfrischung für den Garten. Stunden später ist die Enttäuschung groß. Während Freunde aus dem Nachbarort von einem kräftigen Schauer erzählen oder die Straßen in der nächsten Stadt noch nass glänzen, sind im eigenen Garten gerade einmal ein paar Tropfen gefallen – wenn überhaupt.
Man könnte nun denken, dass der Regen den eigenen Wohnort regelrecht meidet. Tatsächlich steckt dahinter jedoch weder Pech noch eine Laune der Natur. Vielmehr treffen mehrere meteorologische Besonderheiten aufeinander, die gemeinsam dafür sorgen, dass Regen oft ganz anders verteilt ist, als es Wetterberichte vermuten lassen.
Ein wichtiger Grund liegt bereits in der Art, wie Wettervorhersagen entstehen. Die Berechnungen moderner Wettermodelle beziehen sich nicht auf größere Gebiete. Selbst wenn für eine Region Regen vorhergesagt wird, bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Ort innerhalb dieses Gebietes die gleiche Niederschlagsmenge erhält. Gerade im Sommer reichen oft schon wenige Kilometer aus, um völlig unterschiedliche Wetterverhältnisse zu erleben.
Hinzu kommt, dass die meisten sommerlichen Niederschläge durch Gewitter oder einzelne Schauer entstehen. Anders als ein lang anhaltender Landregen entwickeln sich diese Wolken oft sehr spontan. Warme Luft steigt auf, kühlt in größeren Höhen ab und bildet mächtige Quellwolken. Wo daraus schließlich ein Gewitter entsteht, hängt von zahlreichen Faktoren ab – von kleinsten Temperaturunterschieden über Windströmungen bis hin zur Luftfeuchtigkeit. Deshalb kann eine Gewitterzelle einen Ort mit zwanzig Litern Regen pro Quadratmeter versorgen, während wenige Kilometer weiter kaum mehr als ein kurzer Sprühregen fällt.
Der Regenschatten
Und es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb manche Regionen tatsächlich häufiger trocken bleiben als andere: den sogenannten Regenschatten. Dieser Begriff beschreibt kein kurzfristiges Wetterphänomen, sondern den Einfluss der Landschaft auf die Niederschlagsverteilung.
Trifft feuchte Luft auf ein Gebirge oder einen größeren Höhenzug, wird sie gezwungen aufzusteigen. Mit zunehmender Höhe kühlt die Luft ab, der enthaltene Wasserdampf kondensiert und es bilden sich Wolken, aus denen schließlich Regen fällt. Die dem Wind zugewandte Seite eines Gebirges erhält deshalb oft deutlich mehr Niederschlag als die Umgebung.
Hat die Luft den Berg erst einmal überquert, hat sie bereits einen großen Teil ihrer Feuchtigkeit verloren. Beim Absinken auf der anderen Seite erwärmt sie sich wieder, Wolken lösen sich auf und neuer Regen entsteht wesentlich seltener. Genau dieser trockenere Bereich wird als Regenschatten bezeichnet.
Viele verbinden dieses Phänomen ausschließlich mit den Alpen. Tatsächlich können aber bereits Mittelgebirge oder markante Höhenzüge ähnliche Effekte hervorrufen. Je nach Windrichtung erhalten manche Regionen regelmäßig mehr Niederschlag als andere – obwohl sie auf der Landkarte nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Wer in einer solchen Lage wohnt, hat deshalb nicht selten das Gefühl, dass Regengebiete den eigenen Ort immer wieder auslassen.
Am Ende zeigt sich also, dass der Eindruck, der Regen mache einen Bogen um den eigenen Garten, durchaus nachvollziehbar ist. Meist steckt dahinter jedoch kein außergewöhnliches Wetterphänomen, sondern das Zusammenspiel aus kleinräumigen Schauern, großflächigen Wettervorhersagen und den Besonderheiten der Landschaft. Der Regenschatten ist dabei nur ein Teil der Erklärung – wenn auch ein besonders spannender..
FAQs
Was versteht man unter einem Regenschatten?
Ein Regenschatten ist die trockene Seite eines Gebirges oder Höhenzugs. Dort fällt oft deutlich weniger Niederschlag, weil die Luft auf der windzugewandten Seite bereits einen Großteil ihrer Feuchtigkeit verloren hat.
Warum regnet es im Nachbarort, aber nicht bei mir?
Vor allem Sommergewitter sind oft sehr kleinräumig. Schon wenige Kilometer können darüber entscheiden, ob ein Ort starken Regen erhält oder nahezu trocken bleibt.
Warum kündigt der Wetterbericht Regen an, obwohl nichts fällt?
Wettervorhersagen beziehen sich meist auf größere Regionen. Innerhalb dieses Gebiets kann die Niederschlagsverteilung stark variieren.
Können auch kleinere Berge einen Regenschatten verursachen?
Ja. Nicht nur hohe Gebirge, sondern auch Mittelgebirge oder markante Höhenzüge beeinflussen die Luftströmung und damit die Niederschlagsverteilung.
Regnet es im Regenschatten grundsätzlich weniger?
Im langjährigen Durchschnitt ja. Dennoch kann es dort selbstverständlich ebenfalls kräftig regnen – insbesondere bei Wetterlagen, die nicht vom jeweiligen Gebirge beeinflusst werden.
Hat der Klimawandel Einfluss auf dieses Phänomen?
Der Regenschatten selbst entsteht durch die Landschaft und bleibt bestehen. Allerdings können sich durch den Klimawandel Niederschlagsmuster verändern: Längere Trockenphasen und lokal begrenzte Starkregen werden in vielen Regionen häufiger.
Kann ich mich auf meine Wetter-App verlassen?
Für die allgemeine Wetterentwicklung ja. Ob der angekündigte Schauer jedoch tatsächlich den eigenen Garten erreicht, lässt sich besonders bei sommerlichen Gewittern oft erst kurzfristig beurteilen.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





