Blog: Wenn Wanzen ins Haus kommen - so bleiben die herbstlichen Gäste draußen (8419)
Wenn sich im Herbst die ersten kühlen Nächte ankündigen, tauchen sie plötzlich an Fenstern, Hauswänden und Rollladenkästen auf: graubraune, schildförmige Wanzen, die scheinbar gezielt nach einem Weg ins Haus suchen. An sonnigen Herbsttagen sitzen sie häufig in größerer Zahl an warmen Fassaden oder sammeln sich rund um Fensterrahmen. Manche schaffen es schließlich in die Wohnung, wo sie an Wänden, Vorhängen und Fensterscheiben entlangkrabbeln.
Hinter diesem Verhalten steckt die Suche nach einem geeigneten Winterquartier. Besonders die Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) und die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) fallen in dieser Jahreszeit als ungebetene Hausgäste auf. Beide Arten überwintern als ausgewachsene Insekten an geschützten Orten. Dazu gehören natürliche Verstecke unter Baumrinde ebenso wie Mauerspalten, Rollladenkästen und Hohlräume an Gebäuden.
Warum kommen Wanzen gerade im Herbst ins Haus?
Wanzen sind wechselwarme Tiere. Ihre Aktivität hängt stark von der Umgebungstemperatur ab. Im Herbst werden die Tage kürzer und die Temperaturen sinken. Damit beginnt für viele Arten die Suche nach einem geeigneten Überwinterungsplatz.
Besonders attraktiv sind Gebäude, deren Fassaden sich in der Sonne erwärmen. Die Tiere sammeln sich dort und erkunden Spalten, Fugen und andere geschützte Stellen. Dabei gelangen sie mitunter durch geöffnete Fenster, undichte Rahmen oder kleine Öffnungen rund um Leitungen und Rollladenkästen in Innenräume.
In der Wohnung können sie bei höheren Temperaturen wieder aktiv werden. Die Tiere richten in der Regel keine Schäden an Gebäuden an und können sich in Wohnräumen normalerweise nicht vermehren. Lästig werden sie vor allem durch ihre Anzahl und den unangenehmen Geruch, den sie bei Bedrohung abgeben können.
Dichte Fenster sind die beste Maßnahme
Wer verhindern möchte, dass Wanzen ins Haus gelangen, sollte zunächst die möglichen Eintrittsstellen kontrollieren. Besonders wichtig sind Fenster, Balkon- und Terrassentüren, aber auch Rollladenkästen und Fugen an der Gebäudehülle.
Fenster sollten vollständig schließen und rundum dicht anliegen. Poröse oder beschädigte Dichtungen lassen sich austauschen. Auch kleine Spalten zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk können als Eintrittsstellen dienen und sollten fachgerecht verschlossen werden. Bei Rollladenkästen lohnt es sich, mögliche Öffnungen zu überprüfen, ohne dabei notwendige Lüftungs- oder Wartungsöffnungen zu blockieren.
Eine besonders praktische Lösung sind feinmaschige Insektenschutzgitter. Sie ermöglichen das Lüften, ohne dass Wanzen und andere Insekten durch das geöffnete Fenster eindringen können. Auch an häufig genutzten Balkon- und Terrassentüren können passende Insektenschutztüren helfen.
Wichtig ist, dass die Gitter am Rand dicht abschließen. Ein hochwertiges Netz nützt wenig, wenn zwischen Rahmen und Wand größere Lücken bleiben. Gerade bei den relativ großen Baumwanzen reicht ein ordentlich montiertes, intaktes Insektenschutzgitter normalerweise aus, um den direkten Zugang durch das Fenster zu verhindern.
Können stark duftende Öle Wanzen abschrecken?
Neben baulichen Maßnahmen werden verschiedene Hausmittel empfohlen, die Wanzen durch intensive Gerüche fernhalten sollen. Dazu zählen beispielsweise Pfefferminz-, Eukalyptus- und Teebaumöl. Die Idee dahinter ist, dass bestimmte Duftstoffe für die Tiere unangenehm sein könnten und sie deshalb behandelte Bereiche meiden.
Für die Graue Gartenwanze und die Marmorierte Baumwanze ist allerdings nicht ausreichend belegt, dass Teebaumöl oder andere ätherische Öle im Haushalt zuverlässig das Eindringen verhindern. Solche Mittel sollten deshalb nicht als Ersatz für dichte Fenster und Insektenschutzgitter betrachtet werden.
Wer ein Duftöl dennoch ausprobieren möchte, sollte es allenfalls ergänzend und mit Vorsicht verwenden. Ätherische Öle sind konzentrierte Stoffe, können Haut und Atemwege reizen und manche Oberflächen oder Kunststoffe beschädigen. Außerdem sind insbesondere Teebaumöl und andere ätherische Öle für Haustiere, vor allem Katzen, problematisch. Sie sollten daher weder unverdünnt auf Fensterrahmen aufgetragen noch in Reichweite von Tieren verwendet werden.
Von selbst gemischten Sprühlösungen, die direkt auf die Wanzen gesprüht werden, ist ebenfalls wenig zu erwarten. Werden die Tiere dadurch gestört, können sie ihr Abwehrsekret freisetzen. Eine zuverlässige Barriere entsteht durch solche Duftstoffe nicht.
Was tun, wenn eine Wanze bereits im Zimmer sitzt?
Ist eine Wanze in die Wohnung gelangt, lässt sie sich am besten mit einem Glas und einem Stück Papier einfangen. Dazu wird das Glas vorsichtig über das Tier gestülpt, das Papier daruntergeschoben und die Wanze anschließend nach draußen gebracht. Dabei sollte sie möglichst nicht gequetscht oder mit bloßen Fingern festgehalten werden.
Vom Zerdrücken ist abzuraten. Die Tiere können bei Bedrohung ein intensiv riechendes Sekret abgeben, das auf Händen, Textilien und anderen Oberflächen unangenehm haften bleibt.
Befinden sich zahlreiche Wanzen in Rollladenkästen oder anderen Hohlräumen, kann ein Staubsauger eine praktische Hilfe sein. Der Staubbehälter sollte anschließend zeitnah geleert werden. Insektizide sind für solche überwinternden Tiere im Wohnbereich in der Regel nicht sinnvoll: Sie verursachen unnötige Belastungen und verhindern nicht, dass weitere Tiere von außen eindringen.
Im Garten vorbeugen, ohne die Natur auszusperren
Die Tiere sollten nicht pauschal als Schädlinge betrachtet werden. Die heimische Graue Gartenwanze gehört zur natürlichen Fauna und ernährt sich überwiegend von Pflanzensäften. Die Marmorierte Baumwanze stammt dagegen ursprünglich aus Ostasien und kann an Obst, Gemüse und Zierpflanzen Schäden verursachen. Beide Arten spielen im Garten eine Rolle, unterscheiden sich aber in ihrer Herkunft und Bedeutung.
Es ist nicht erforderlich, den Garten möglichst frei von Wanzen zu halten. Sinnvoller ist es, die Eintrittsstellen am Gebäude zu sichern und die Tiere, die sich bereits im Haus befinden, schonend nach draußen zu bringen. Wer im Herbst regelmäßig Wanzen an der Fassade entdeckt, kann außerdem beobachten, an welchen Stellen sie sich besonders häufig sammeln. Das hilft dabei, mögliche Schwachstellen an Fenstern, Türen oder Rollladenkästen zu erkennen.
Die wirksamste Strategie besteht somit aus einer Kombination aus dichten Fensteranschlüssen, gut montierten Insektenschutzgittern und dem Verschließen unnötiger Spalten. Duftöle können diese Maßnahmen nicht ersetzen. So lassen sich die herbstlichen Besucher meist deutlich reduzieren, ohne sie im Garten bekämpfen zu müssen.
Häufige Fragen
Warum kommen Wanzen im Herbst in die Wohnung?
Sie suchen geschützte Winterquartiere. Warme Hausfassaden, Fensterrahmen, Rollladenkästen und Mauerspalten bieten ihnen geeignete Verstecke.
Sind die Wanzen in der Wohnung gefährlich?
Die Graue Gartenwanze und die Marmorierte Baumwanze sind für Menschen normalerweise ungefährlich. Sie stechen nicht wie Stechmücken und vermehren sich üblicherweise nicht in Wohnräumen. Bei Bedrohung können sie jedoch ein unangenehm riechendes Sekret abgeben.
Hilft Teebaumöl gegen Wanzen?
Eine zuverlässige abschreckende Wirkung gegen diese beiden Arten ist nicht ausreichend belegt. Dichte Fenster, Insektenschutzgitter und verschlossene Eintrittsstellen sind wesentlich verlässlichere Maßnahmen.
Welches Hausmittel vertreibt Wanzen am besten?
Für ätherische Öle und andere Duftstoffe gibt es keine ausreichend gesicherten Belege für eine zuverlässige Abwehr. Am besten verhindert man den Zugang durch bauliche Maßnahmen.
Wie lassen sich Wanzen am Fenster verhindern?
Intakte Fensterdichtungen, sorgfältig verschlossene Anschlussfugen und dicht montierte Insektenschutzgitter erschweren den Tieren den Zugang.
Sollte man Wanzen im Haus töten?
Nein. Es ist besser, sie vorsichtig mit einem Glas und Papier einzufangen und nach draußen zu bringen. Beim Zerdrücken kann das Abwehrsekret freigesetzt werden.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de






