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Interview mit Alois Jöchl, junger Fan von Goodeiden

Interview mit Alois Jöchl, junger Fan von GoodeidenHallo Alois, vielen Dank, dass wir Dich für einrichtungsbeispiele.de interviewen dürfen! Du bist Mitglied der "Aquarienfreunde Tirol 1990" und der DGLZ (Deutsche Gesellschaft für Lebendgebärender Zahnkarpfen). Du gehörst zu den jüngeren Semestern in der Aquaristik, verfügst jedoch schon über eine eigene Zucht-Anlage im Keller. Wie kam es dazu?

Hallo Helga, ja - angefangen hat alles damit, dass meine Mutter meinem 10-jährigen Bruder ein Aquarium gekauft hatte, da sie dachte, dass es ihm gut gefallen würde. Mein Bruder zeigte doch nicht wirklich Interesse. Ich war damals 14 Jahre alt und im Gegensatz zu meinem Bruder interessierte ich mich sehr für das Becken. Ich übernahm es schließlich und habe es weiter betrieben. Bald kam ein zweites Becken hinzu und ich fing an, einem Beruf nachzugehen. Ein Arbeits-Kollege wollte sein Hobby aufgeben und da übernahm ich kurzerhand seine Becken… So vermehrten sich die Aquarien in meinem Zimmer und wurden immer mehr.
Interview Alois Jöchl Foto1Aufgrund der Feuchtigkeit war ich auf der Suche nach einer anderen Lösung und kam auf die Idee, die Becken in den Keller zu stellen. Ich begann damit, ein Regal aufzustellen und zu Beginn fanden zwei 60er Würfel-Becken und drei 200 Liter-Becken ihren Platz im Keller.
Aufgrund ständiger Verbesserungen und Ausbau-Arbeiten kamen weitere Becken hinzu. Etwas später baute ich noch eine Reihe mit fünf 60 Liter-Becken und eine weitere Reihe mit vier 25 Liter-Becken hinzu.
Nun steht auch ein Aquarium mit 720 Liter in meinem Keller und ich denke, der Keller ist soweit ausgelastet und Platz ist keiner mehr.

Welche Arten interessieren Dich am meisten? Hast Du von diesen Arten auch einige Tiere bei Dir in der Haltung oder Zucht?

Interview Alois Jöchl Foto2Mich interessieren am meisten die Lebendgebärenden Zahnkarpfen. Hier finde ich speziell die Goodeiden und die Poecilia besonders auffallend. Ich selbst züchte von beiden Gattungen je sieben Arten.
Mein Augenmerk liegt dabei hauptsächlich auf den Wildformen, deren Erhalt und Vermehrung. Ich finde, die Natur hat die schönsten und vielfältigsten Strukturen "gezüchtet" und ich bin von der Komplexität, die die Natur über viele Jahre erschaffen hat am meisten beeindruckt. Wie kann da ein nur "roter Platy" mithalten? Der wilde Platy hat dabei viel mehr Farben, als der von Menschenhand gezüchtete.
Oder denken wir nur an die wilden Endler-Guppy-Stämme und deren verschiedenen Farben. Mir gefallen die natürlichen Tiere am besten.

Deine Anlage ist recht groß, wie viele Becken stehen bei Dir im Keller und wie hast Du das mit dem Wasser-Wechsel und der Filterung geregelt?

Interview Alois Jöchl Foto3Zurzeit betreibe 33 Becken verschiedener Größen von 25 bis 720 Liter. Das ergibt ein Gesamt-Volumen von ca. 5.000 Liter, die ich in meinem Aquarien-Keller stehen habe.
Ich habe mir auch viele Gedanken über den Wasser-Wechsel gemacht und finde, dass man z.B. aufgrund der Arbeit oft keinen regelmäßigen Wasserwechsel durchführen kann. Schließlich habe ich mir ein "Tropf-System" überlegt, das ich mir auch von Michael Köck (im Haus des Meeres in Wien) abgeschaut habe. Das System habe ich noch für meine Anlage geändert und schließlich installiert.
Der Zulauf zu den Becken läuft über das "Gardena Micro Drip System". Pro Becken gibt es ein einzelnes Eintropf-Ventil, das problemlos regelbar ist und bei jedem Becken habe ich eine Bohrung gemacht, die mit einer Ablaufleitung in Verbindung steht. Das alte Wasser rinnt weiter zu einer Pumpe (tiefster Punkt des Kellers). Dort wird es von einem 30 Liter-Kübel, der durch einen Schwimmerschalter geregelt wird aufgefangen.
Interview Alois Jöchl Foto4Zur Bohrung der Becken verwendete ich einen Glasbohrer (Kronenglasbohrer, ähnlich einem Fliesenbohrer, nur feiner).
Die Pumpe schaltet pro Tag ca. 3mal - das sind ungefähr 100 Liter am Tag, die gewechselt werden. Je nach gebrauchter Wassermenge sind es in der Woche gesamt ca. 700 Liter, die gewechselt werden.
Das tolle an der Anlage - jedes Becken lässt sich präziser regeln, als das mit einem Standard-Wasserwechsel sonst der Fall wäre. Zusätzlich lässt sich ein häufiger Wasserwechsel auch schneller durchführen. Man brauch einfach die Leitung aufzuschrauben…
Interview Alois Jöchl Foto5Nun zur Filterung. Diese läuft über tschechische Luftheber, die ich mir ebenfalls selbst gebastelt habe. Und zwar bedienen die Luftheber das gängige HMF-System, bei dem die Filtermatte im Eck des Beckens angebracht wird.
Bei mir laufen eigentlich alle Becken über Lufthebe-Filter. Eine Ausnahme gibt es nur im Winter. Hier wird das große Becken (720 Liter) anstelle von Lufthebern mit einer Strömungspumpe betrieben. Der Grund ist der, dass die Luftheber dem Becken aufgrund der Luft-Einströmung sehr viel Wärme entziehen und dies vergleichsweise Kostengünstiger, also wirtschaftlicher ist.
Das gesamte Lufthebe-System ist durch eine Ringleitung miteinander verbunden. Die Luftpumpe hat 90 Watt bei 18 Kubikmeter pro Stunde. Durch einen Luftverdichter mit geringem Einblasdruck erhalte ich eine weit höhere Luft-Leistung. Sämtliche Luftheber werden durch eigens angebrachte "Niro-Hähne" unabhängig voneinander geregelt.

Das sind schon viele Becken und Dein Wasser-Wechsel-System ist sehr beeindruckend. Welche Fisch-Arten züchtest Du noch und was ist Dir als Züchter wichtig - auf welche Kriterien legst Du Wert? Beteiligst Du Dich z.B. mit den Goodeiden an Art-Erhaltungs-Projekten?

Interview Alois Jöchl Foto7Ich züchte noch Wirbellose, wie die Zebra-Apfelschnecke. Außerdem züchte ich noch Welse wie z.B. Corydoras paleatus oder den allen bekannten Ancistrus spec.
Bei der Zucht lege ich vor allem Wert auf Gesundheit der Tiere, reine Stämme und eine gute Genetik - gemeint ist, dass die Tiere erb-fest sind.
Im Moment bin ich bei noch keinem Erhaltungs-Projekt dabei, doch ich denke, dass ich mich später bestimmt dem einen oder anderen Projekte anschließen werde, da es wirklich sehr wichtig ist, die Arten zu erhalten.

Und jetzt zu Dir, Alois. Hast Du noch ein anderes Hobby? Und was sagt eigentlich Deine Familie zur Zucht-Anlage im Keller?

Interview Alois Jöchl Foto6Ich habe nicht viele anderen Hobbys. Ich sehe mich eher als "Genießer". Ich spiele manchmal mit meiner Playstation, lese (Aquaristik-Bücher) und bin ansonsten eher ruhig. Im Vereins-Leben bin ich bei den Aquarienfreunden Tirol 1990" sehr aktiv und bei den in Tirol sehr bekannten "Schützen" bin ich auch Mitglied.
Was meine Familie zu meinem Hobby sagt? Tja, vor allem meine Mutter war nicht sehr begeistert, als die Becken noch in meinem Zimmer standen. Jedes neue Becken hat sie nicht gerne gesehen.
Auch später, als die Aquarien-Anlage im Keller stand, hat meine Mutter jedes weitere Becken argwöhnisch begutachtet… Doch seit die Raumkapazität im Keller voll ausgenützt ist, gibt es kein Problem mehr.

Wir kommen zur letzten Frage des Interviews. Was wäre Dir noch wichtig zu erwähnen? Sei es in Bezug auf Art-Erhaltung, Zucht oder Haltung von Fischen?

Interview Alois Jöchl Foto8Mein Ziel ist es, das Ansehen der Aquaristik und ihren Wert im Allgemeinwissen zu steigern. Das Aquarium soll nicht als "Goldfisch im Glas" oder "hippes Möbelstück" angesehen werden, sondern der Fokus soll mehr auf das Bedürfnis der Fische und das Erstellen eines Lebensraumes gelegt werden.
Und ich wünsche mir, dass die heute seltener erhältlichen Arten häufiger gepflegt werden. Ein Beispiel - Lebendgebärende sind nicht nur "Guppy-Platy-Molly", es gibt um eine Vielzahl mehr an Arten auf unserer Erde, die es mehr als wert sind, gepflegt zu werden.
Ich wünsche mir, dass auch andere Arten erhältlich sind und ihre Fans finden und dass sich diesbezüglich in der Zukunft mehr tun wird.

Ich denke, dem Schlusswort kann man sich nur anschließen und vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Dir für Deine Zucht-Vorhaben viele Erfolge!


Link zur DGLZ: https://dglz.de/

Link zu den Goodeiden: http://www.goodeidworkinggroup.com/


Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de
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