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Interview mit Franz Lowak, Wiener Landesverband für Aquaristik und Terraristik

Interview mit Franz Lowak, Wiener Landesverband für Aquaristik und TerraristikHallo Franz! Schön, dass wir Dich interviewen dürfen. Du bist beim Wiener Landesverband für Aquaristik und Terraristik ehrenamtlich tätig. Was sind da Deine Aufgaben im Verband? Seit wann gibt es den Verband und was macht der alles?
Hallo! Ja, im Wiener Landesverband bin ich dafür zuständig, dass ich Förderungen auftreibe. Diese Förderungen kommen den Vereinen zugute, wenn diese das Geld z.B. für Vorträge benötigen. Außerdem organisiere ich Veranstaltungen für die Wiener Vereine. Der Verband ist seit vielen Jahren tätig und unterstützt die Vereine tatkräftig und eben finanziell.

Du bist schon ziemlich lange in der Wiener Aquaristik-Szene vertreten und hast ein gutes Bild davon. Wie sah die Aquaristik früher in Österreich aus? Was gab es damals an Vereinen?
Interview Franz Lowak Foto1"Ja früher, früher war alles anders…" – so hört man oft "die Alten" reden… Doch – ernsthaft jetzt, ja es war früher wirklich anders! Es gab viele Vereine in Wien und deren Umgebung, die auch wirklich aktiv waren. In Wien gab es 12 Vereine und ich werde mich bemühen, diese aufzuzählen: Danio, Lotus, Seerose, Rasbora, Skalar, Guppy ÖGG, Diskus, Donaustadt, HDB (Haus der Begegnung) Floridsdorf, Rio, Favoritner Zierfischfreunde, DCG.
Heute sind in Wien nur mehr sechs Vereine (ÖGG, HTVÖ, Seerose, Scalar, Favoritner Zierfischfreunde, Diskus & Wels, im LV Wien (Landesverband) und wenn es so weiter geht, werden es demnächst um zwei Vereine weniger sein.
Die Leute haben Internet und FB und sind nicht wirklich an einem Vereinsleben interessiert. Im Westen von Österreich ist es ein bisschen anders. In den westlichen Bundesländern ist der Zustrom an Vereinsmitgliedern etwas besser, da sind die Menschen noch von Vereinen und ihren Aufgaben überzeugt. In Wien sind die Vereine leider auch überaltert.

Das ist schade, dass dies nun zu verschwinden droht. Wien war im Bereich Aquaristik immer groß. Hoffen wir auf Besserung!
Jetzt zu Dir. Seit wann bist Du Aquarianer und wie waren Deine Anfänge? Hast Du momentan Aquarien bei Dir zu Hause stehen?

Interview Franz Lowak Foto2Seit meinem 10. Lebensjahr bin ich Aquarianer. Ich bekam ein Aquarium, da meine Eltern meinten mit einem Meerschweinchen, Hamster oder sogar einem Wellensittich, ist die tägliche Pflege nicht umgänglich und alle diese Nager brauchen auch ihre “Streicheleinheiten“. Also bekam ich ein sogenanntes Starter-Aquarium von der Fa. Vitakraft. Das Becken war noch mit einer Glühlampe als Beleuchtung ausgestattet. Ein passendes AQ- Buch von Henri Favre mit dem Titel “Mein Aquarium“ erhielt ich ebenso, um den Fischen und deren Bedürfnissen auf den Grund gehen zu können. Mein Kinderzimmer wurde im Laufe der Zeit zu einem Aquarienraum, da meine Lebendgebärenden (Platy) Junge bekamen. Somit wurde in punkto Becken aufgerüstet. Auch die Barben, Skalar und Zwergbuntbarsche (P. ramirezi), die ich pflegte, bekamen Junge und ich entwickelte mich zu einem Hobby-Fischzüchter und das alles in meiner Schulzeit…
Erst als ich meine eigene Wohnung mit 21 Jahren bekam stellte ich meine Aquarienfischzucht etwas hinten an und habe von den 34 Becken (4 - 300Liter) von unterschiedlicher Größe auf nur mehr 12 Aquarien zurückgestellt.
Im etwas späteren Lebensweg bin ich in die ZOO-Branche gegangen um noch weiter zu lernen, es war die Fa. Ehrmann im 12. Bezirk wo ich als Verkäufer angestellt war und mein Wissen auch im Meerwasser-Bereich vermehren konnte.
Nach ca. drei Jahren als Verkäufer habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und ein Zoofachgeschäft in Stockerau gegründet – mit Schwerpunkt Aquaristik. Nach einigen Jahren kam schließlich auch ein 2. Geschäft in Wien dazu.
Heute habe ich noch ein Aquarium mit ca. 150 Litern, das mit schönen Korallen-Platys und Corydoras aeneus besetzt ist.

Heute gibt es alle möglichen technischen Hilfsmittel in unserem Hobby. Man kann sogar das Wetter bzw. die Lichtverhältnisse, die gerade im Heimat-Land der Tiere herrschen, genau nachstellen. Wie war das früher mit der Technik allgemein? Wie war das vor allem mit der Beleuchtung der Becken früher?
Interview Franz Lowak Foto3Früher hat man einen künstlichen Sonnen-Auf- und Untergang nachgestellt, indem man Neonröhren und Glühlampen nach und nach zugeschaltet hat. Dies lief über Zeit-Schaltuhren. Das war in den 60er und 70er Jahren. Ich kenne auch Becken, wo man oberhalb des Aquariums eine Jalousie (Rollo) mit einem kleinen Motor versehen hatte, die dann automatisch auf- und zu-gezogen wurden. Ja, das hat es auch gegeben, die Leute waren sehr erfinderisch…
Bei der Filterung waren Zucht-Becken und Gesellschafts-Becken unterschiedlich zu sehen. Man besorgte sich ein damals übliches sogenanntes “Batterie-Glas“, das einer rechteckigen, stehenden Vase glich. Dort wurden "Kies-Sand-Mischung" hinein gegeben und mit einem Luftheber betrieben. Das Ganze kam schließlich in das Aquarium hinein oder auch mit einem Überlauf versehen ausserhalb vom Aquarium aufgestellt. So wurden in eigenproduktion Filter gebaut und das alles gab es schon in den 50er Jahren.
Vor Rena gab es nur Luft-Pumpen, die mit echtem Kautschuk als Fuß versehen waren, um die Erschütterungen abzufangen. Die Pumpe brachte durch Wechselstrom einen Magneten zum vibriert und so wurde Luft in Membranen produziert. Kleine Rückschlag-Ventile sicherten, damit die Luft nur in eine Richtung ging, nämlich in den Schlauch, der in das Becken führte.
Dann kam Eheim immer mehr in Umlauf und die Außenfilter kamen auf. Das war laut meiner Erinnerungen die erste Firma, die Topffilter produzierte… Danach kamen auch die ersten Innenfilter auf den Markt, die in Kunstharz eingegossene Spulen hatten und somit im Aquarium als Innenfilter betrieben werden konnten.
Bezüglich Heizung war wohl Rena (eine französische Firma) und die Fa. Jäger (D) die ersten Erzeuger, die Heizer & Regelheizer herstellten. Früher alo in den 50er & 60 er Jahren wurden die sogenannten Rahmen-Aquarien dadurch beheizt, dass unter dem Becken eine kleine Gasflamme angebracht war. Ich habe auch noch gesehen, dass zwei Becken mit einer Gasflamme, die sich zwischen den beiden Becken befand, beheizt wurde.
Heute gibt es alle möglichen technischen und chemischen Hilfsmittel, dass die Aquaristik vereinfachen und verfeinern.

Toll! Besonders das mit der Beheizung der Becken kann man sich heute kaum noch vorstellen.
Da Du ja früher selbst zwei Zoofachgeschäfte hattest… Wie hast Du diese Zeit damals in Bezug auf Gesetze erlebt? Die Gesetze heute werden immer strenger, was einerseits gut ist, doch andererseits steht man dann oft vor unüberwindbaren Problemen. Mehrere Tier-Arten werden oft nur mehr durch die Aquaristik in privaten Haushalten am Leben erhalten. Was sagst Du dazu?

Interview Franz Lowak Foto4Gesetze… Die Gesetze werden leider nicht von Aquarianern gemacht und auch nicht von Tierschützern, sondern von Menschen, die sich einbilden, Tierschützer (Tierrechtlern) zu sein. Viele haben keine Ahnung von der Materie und verfügen nur über studiertes, zum Teil auswendig gelerntes "Wissen" ohne Praxis!!!
Was mir heute noch auffällt ist, dass man früher mehr gelesen hat und sich das Fach-Wissen selbst über gute Fachbücher aneignete. Man hat sich nicht auf irgendwelche Aussagen von Leuten verlassen, die in unseriösen Sozialen Medien ohne dieses Wissen posten.

Wir sind am Ende des Interviews angelangt.
Noch eine letzte Frage an Dich – was wünschst Du Dir für unser Hobby, was liegt Dir am Herzen, egal ob für die Vereine oder Verbände oder für die private Aquaristik?

Ich hätte gerne, dass es mehr Vielfalt bei den Händlern gibt – mehr Einzelhändler wären wünschenswert und weniger Ketten, wo jeder Standort an Vorgaben gebunden ist, die vielleicht gar nicht auf die Region zutreffen.
Für den Landesverband wünsche ich mir, dass eine Strategie gefunden wird, damit es wieder mehr Vereine und vor allem Mitglieder gibt. Die Jugend fehlt z.B. in den Vereinen in Wien. Der große Unterschied zwischen Großstadt und Land ist, dass der Zusammenhalt und der Wille, mit anderen in Verbindung zu treten und diese Vorteile usw. gemeinsam zu nützen in Großstädten irgendwie verloren gegangen zu scheint. Vor allem den Zusammenhalt gab es in Wien früher mehr…
Vermutlich sind durch TV, Internet und menschliche Aufklärung die Vereine in den Hintergrund gedrängt worden. Man kann überall alles bestellen und sich vermeintliches Wissen aneignen, denkt man. Der Kontakt mit anderen sollte sich wieder etwas mehr auf Vereine konzentrieren.
Die Anonymität in der Großstadt macht wohl vieles kaputt: Wir verdienen alle viel und scheinen uns nicht mehr zu benötigen...

Vielen Dank für das Interview! Besonders die Darstellung der Technik, die es früher gab ist sehr interessant. Bezüglich Vereins-Leben hoffen wir, dass sich da in Zukunft wieder mehr tun wird. Alles Gute an Dich und viel Kraft für Deine Tätigkeiten im Verbands- und Vereinsleben!

Wer sich für einen Verein in seiner Region interessiert, kann sich an diese Adressen wenden:
Für Deutschland: vda-online.de
Für Österreich: www.oevvoe.org
Für die Schweiz: www.sdat.ch

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de
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