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Interview mit Melanie Kalina, Jugendreferentin des ÖVVÖ

Interview mit Melanie Kalina, Jugendreferentin des ÖVVÖHallo Melanie und gleich schon mal vielen Dank, dass wir Dich interviewen dürfen! Du bist in der österreichischen Aquaristik-Szene recht bekannt und für den ÖVVÖ (Österreichischer Verband für Vivaristik und Ökologie) als Jugendreferentin sehr aktiv. Was liegt Dir in diesem Bereich besonders am Herzen?

An sich sind es viele Faktoren, welche dazu beitragen, dass ich der Tätigkeit als Jugendreferentin gerne nachgehe. Da wären zum einen die unterschiedlichen Einsatzgebiete und Tätigkeiten. Es ist eine sehr vielfältige Aufgabe. Manchmal geht es darum Anfragen aus den Vereinen zu beantworten oder Vorträge bei ihnen über meine Tätigkeiten zu halten, ein anderes Mal besuche ich Schulen und Kindergärten zu Informationszwecken und um sie womöglich für eines unserer Projekte zu begeistern. Die Betreuung von Informationsständen (z.B. bei den Artenschutztagen oder diversen Messen) gehört ebenso dazu wie auch die Organisation von Ausflügen mit der Jugend zu unterschiedlichen Zielen (z.B. Megazoo, Tiergarten Schönbrunn, Haus des Meeres,…). Kontakte zu den Ansprechpersonen der einzelnen Sparten müssen ebenso aufgebaut, wie notwendiges Sponsoring für Veranstaltungen akquiriert werden. Natürlich spielt auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Verbänden (z.B. Schweiz, Deutschland,…) eine wichtige Rolle. Um alle über die geplanten bzw. durchgeführten Aktionen und Projekte zu informieren muss darüber auch berichtet werden. Vorrangig über Plattformen wie die ÖVVÖ Homepage, die Aqua-Terra-Austria (monatliches Magazin - kurz ATA genannt) oder auch Medien wie Facebook.
Am Wichtigsten ist für mich jedoch, dass ich den Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten bieten kann, zu welchen sie in der heutigen Zeit sonst eher schwer Zugang hätten. Dabei geht es in erster Linie darum die Aquaristik und auch die Terraristik einmal aus nächster Nähe kennenzulernen, ohne Vorurteile und Hemmungen und vor allem mit dem Ziel sich eine eigene Meinung darüber bilden zu können. Ob sich die Kinder dann auch weitergehend mit der Thematik auseinandersetzen wollen oder nicht hängt natürlich von jedem ganz individuell ab. Aber bisher wurden unsere Projekte bei den Kindern mit so viel Enthusiasmus, Neugierde und Begeisterung aufgenommen, dass schlussendlich keine Zweifel darüber aufkommen ob man etwas wichtiges bzw. richtiges tut oder nicht. Alleine die Tatsache, dass so viel Dankbarkeit, Freude und unglaublich tolle Gespräche (mit Kindern und Erwachsenen gleichermaßen) aus den Tätigkeiten resultieren belohnt den Aufwand den man damit hat.

Du hast als Jugendreferentin jede Mange zu tun! Was machst Du für den ÖVVÖ noch alles und wie bist Du überhaupt zum Verband gekommen?

Interview Melanie Kalina Foto1Ja, zusätzlich dazu kommt natürlich die normale Arbeit im Verband. Immerhin ist der Verband selbst nur so gut wie seine Mitglieder. Dazu zählen natürlich auch die gegenseitige Unterstützung wenn Aufgaben anstehen und regelmäßige Besprechungen um alle gleichermaßen am neusten Stand zu sein.
Zum Verband selbst bin ich eigentlich direkt über das Jugendreferat gekommen. Damals gab es diesen "Posten" noch nicht und Anton Lamboj war zu dieser Zeit der Präsident des ÖVVÖ. Ich wohnte damals im selben Ort wie er und kannte ihn zusätzlich von der Universität. So kam man immer wieder ins Gespräch. Aber erst als ich einen guten Freund von mir zu einem Vortrag begleitete, der 2011 am Bundeskongress des ÖVVÖ stattfand, wurde die Idee eines Jugendreferats mit mir als Leiterin an mich heran getragen. Die Idee gefiel mir sofort. Seit meiner Zusage habe ich es nicht bereut.

Dein Beruf passt auch gut zu Deiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Du kannst beides toll miteinander verbinden. Würdest Du uns davon erzählen?

Seit etwas über 2 Jahre bin ich im Naturhistorischen Museum in Wien über ein Projekt angestellt. Mein Arbeitsplatz befindet sich in der Säugetiersammlung, hinter den Kulissen und daher nicht im Besucherbereich. Im Endeffekt geht es darum, den Altbestand des vorhandenen Materials aufzuarbeiten um einerseits einen besseren Überblick darüber zu erhalten was denn nun eigentlich alles vorhanden ist und andererseits das Material natürlich auch für andere interessierte Personen (Wissenschaftlern, Studenten, etc.) zu erschließen. Unter "Material" versteht man in diesem Zusammenhang ein Konglomerat aus Skeletten, Schädeln, Einzelknochen, Fellen, Bälgen oder auch Stopf- und Alkoholpräparaten. Über die zugehörigen Sammelbücher versucht man alle notwendigen Details (Sammelort, Sammler, Datum, wichtige Zusatzinfos, etc.) herauszufiltern, was teilweise der Arbeit eines Kryptologen gleich kommt, da viele der - meist jahrzehntealten - handschriftlichen Texte recht mühsam zu entziffern sind. Die gewonnen Daten werden in eine Datenbank eingespeist, auf ihre Vollständigkeit überprüft und falls notwendig mit Literaturdaten und Fotos ergänzt.
Bevor ich im Museum begonnen habe, war ich über 9 Jahre im Tiergarten Schönbrunn in der Zoopädagogik angestellt. Bei beiden Arbeitgebern bietet sich natürlich die Möglichkeit der Jugend das Leben um uns herum näher zu bringen, einmal in Form von - meist eher exotischen - lebenden Tieren und auf der anderen Seite durch die Möglichkeit einen Überblick über die Vielfalt des Lebens und seiner Entwicklung am "toten" Material zu gewinnen.

Das Naturhistorische Museum in Wien ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Was macht das Museum so großartig und was gefällt Dir an diesem Museum besonders?

Interview Melanie Kalina Foto2Jedes Museum für sich beinhaltet auf seinem Gebiet zu unglaublich viele Schätze vergangener und rezenter Zeiten. Das Naturhistorische Museum Wien ist hierbei keine Ausnahme. Im Tiefspeicher der Säugetiersammlung befindet sich zum Beispiel eines von nur mehr vier weltweit vorhandenen Stopfpräparaten des ausgestorbenen Blaubocks sowie ein Stopfpräparat des Lockenpferdes. Für Zoologen ist das Museum sowieso ein Paradies. Alleine das Gefühl in der Vogelsammlung einen Balg in der Hand zu halten, den einst Alfred R. Wallace selbst gesammelt hat ist großartig.
Das Gebäude selbst ist auch unglaublich. Zwar erschwert der Aufbau des Hauses durch seine unglaublich hohen Räume und die alten, riesigen Doppelfenster das Arbeiten durch die Extremtemperaturen ziemlich, aber trotzdem ist es jeden Tag ein tolles Gefühl die Sammlung zu betreten. Und zu guter Letzt spielen natürlich auch die Mitarbeiter eine nicht zu vernachlässigende Rolle in einem Museum. Und ich habe das Glück mit wirklich tollen Menschen zusammen zu arbeiten.

Und privat - welche Tierart(en) findest Du am interessantesten und warum? Gibt es im Museum einen Lieblings-Bereich für Dich?

Wie - meiner Meinung nach - bei jedem guten Biologen ist auch mein Interessensgebiet recht breit gefächert. Mich interessieren Säugetiere genauso wie auch Vögel oder Insekten. Aber mein Hauptaugenmerk liegt an sich bei den Reptilien und Amphibien. In dieser Tiergruppen gilt mein Interesse vor allem sowohl den Schlangen, wie auch den Geckos, den Fröschen und den Molchen. Letzteren habe ich lange Zeit während meinem Studium gewidmet.
Im Besucherbereich des Museums selbst verbringe ich leider viel weniger Zeit als ich gerne würde, da sich meine Arbeit eigentlich auf den Bereich hinter die Kulissen konzentriert. Hier begeistert mich vor allem die Sammlung im Tiefspeicher des Museums, der für die Öffentlichkeit nur im Zusammenhang mit Sonderführungen zugänglich ist.

Was hältst Du eigentlich für Tiere zuhause? Wann hast Du Deine Leidenschaft für Tiere entdeckt und wie bist Du zum Hobby gekommen?

Momentan habe ich in privat nur ein Terrarium mit Korallenlaubfröschen stehen und zwei Katzen. Früher hatte ich einiges mehr an Amphibien und Reptilien und somit auch eine Vielzahl an Terrarien, allerdings fehlt es mir dabei leider vor allem an Zeit.
Ich hatte das Glück in einer sehr tierbegeisterten Familie aufzuwachsen. Die Begeisterung für die Herpetologie und auch für die Aquaristik ging jedoch vor allem von meinem Vater aus. In meiner Kindheit hatten wir alles Mögliche an damals eher noch unüblichen Haustieren. Von Chamäleons angefangen, bis hin zu Eidechsen, Kornnattern, Streifenhörnchen oder Laubfröschen. Wir hatten auch ein ziemlich großes Aquarium als Raumteiler und regelmäßig päppelten wir junge Vögel oder Igel auf. Soweit ich mich erinnere hatten wir nie "nur ein paar" Tiere. Für mich war es damals vollkommen normal und wahrscheinlich verblüfft es mich deshalb auch heutzutage immer wieder wenn Kinder so wenig Erfahrung mit solchen Tieren haben. Das Interesse für die Herpetologie ist bei mir hängen geblieben und bestimmt werde ich auch versuchen sie einmal an meine Kinder weiter zu geben. Bis dahin versuche ich meine Begeisterung an andere Interessierte zu vermitteln.

Und als letzte Frage - was wäre Dir noch wichtig zu sagen? Hast Du vielleicht etwas, das Du in Bezug auf die Aquaristik/Terraristik oder den ÖVVÖ und deren Zukunft erwähnen möchtest?

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es einem in der heutigen Zeit wirklich nicht leicht gemacht wird ein Hobby wie das der Vivaristik auszuüben. Zu viele - meist sehr eigenwillige - Gesetze, die erlassen werden und vor allem der überall vorherrschende (Frei)Zeitmangel tragen dazu bei. Das geht soweit, dass manche Personen die auf ihrem Gebiet absolute Koryphäen sind und auf teils Jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen können plötzlich ihr Hobby aufgeben, da es zu mühsam (und teilweise zu teuer) wird sich durch die sich ständig ändernden Vorgaben zu mühen um den neuen Auflagen gerecht werden. Einem Freund von mir ging es leider genauso. Er war und ist unerreicht, was das Wissen über Urodelen (Schwanzlurche) betrifft und ich hatte das Glück damals noch sehr viel von ihm zu Lernen. Eine Möglichkeit, die mich sehr geprägt hat.
Gerade deshalb ist es so wichtig sich vor Augen zu führen, dass die Ausführung und Weiterverfolgung unseres Hobbys so wichtig ist. Wir müssen jenen die Augen dafür öffnen, die versuchen uns wo nur möglich einzuschränken. Am besten klappt das mit Taten, nicht mit Widerspruch, denn auch wenn Texte gut formuliert sein mögen werden sie doch oft nicht einmal zur Kenntnis genommen. Durch Taten - im speziellen Fall Jugendprojekten - kann man jedoch viel mehr bewegen. Man hat die Möglichkeit jene für unsere Natur zu begeistern, die womöglich zukünftig darüber maßgeblich mitentscheiden ob sie erhalten bleibt oder nicht. Denn nur wenn man etwas kennt und positives damit verknüpft wird man auch aufstehen und für dessen Erhalt eintreten.

Vielen Dank für das Interview! Ja, die Jugendarbeit ist enorm wichtig - Zeit vergeht schnell und man stellt sich dann die Frage "Wer wird weitermachen?"
Damit das Wissen im Volk selbst nicht versiegt bzw. verloren geht, ist es unerlässlich, dass die Erwachsenen den Kindern die Natur näher bringen und die wichtigsten Grundlagen lehren. Hier hat der ÖVVÖ und speziell das Jugendreferat eine außerordentlich wichtige Funktion. Wir wünschen Dir in Deinem Amt weiterhin alles Gute, viel Freude und auch Kraft!



Link zum Naturhistorischen Museum in Wien: www.nhm-wien.ac.at

Jugendreferat - direkt zu Melanie: www.oevvoe.org/jugendreferat


Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de
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