Megachile parietina im Garten
Einrichtungsbeispiele mit Schwarze Mörtelbiene

Wissenswertes zu Megachile parietina (Schwarze Mörtelbiene)
Die Schwarze Mörtelbiene, wissenschaftlich als Megachile parietina bekannt, ist eine faszinierende Wildbienenart, die in naturnahen Gärten eine besondere Rolle spielt. Obwohl sie zu den weniger bekannten Vertretern unserer heimischen Bienenfauna zählt, beeindruckt sie durch ihre Größe, ihre markante Erscheinung und ihre außergewöhnliche Nistweise. Für Gartenliebhaber, Naturfreunde und ökologisch interessierte Menschen ist diese Art ein spannendes Beispiel dafür, wie vielfältig und spezialisiert unsere Wildbienenwelt ist.
Herkunft und Verbreitung
Megachile parietina ist eine wärmeliebende Wildbienenart, deren Hauptverbreitung im südlichen und südöstlichen Europa liegt. Ihr Areal erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Frankreich, Italien und den Balkan bis in Teile Mitteleuropas. In Deutschland kommt sie vor allem in klimatisch begünstigten Regionen vor, insbesondere in südlichen Bundesländern mit mildem Klima und ausreichenden Strukturen für ihre Nistweise.
Historisch betrachtet ist diese Art an offene, trockene und sonnige Lebensräume angepasst. Sie gilt nicht als flächendeckend verbreitet, sondern zeigt regionale Schwerpunktvorkommen. In geeigneten Habitaten kann sie lokal häufig auftreten, bleibt insgesamt jedoch eine eher spezialisierte Erscheinung.
Mit zunehmender Sensibilisierung für naturnahe Gartengestaltung wird die Schwarze Mörtelbiene auch im Siedlungsraum häufiger beobachtet – insbesondere dort, wo strukturreiche Gärten, Trockenmauern oder alte Gebäude vorhanden sind.
Gattung und Familie
Megachile parietina gehört zur Gattung Megachile innerhalb der Familie Megachilidae. Diese Familie umfasst die sogenannten Blattschneider- und Mörtelbienen. Charakteristisch für diese Gruppe ist die Bauchbürste der Weibchen, die zur Pollenaufnahme dient. Anders als Honigbienen oder Hummeln tragen Megachiliden den Pollen nicht an den Hinterbeinen, sondern an dichten Haaren auf der Bauchseite.
Die Gattung Megachile ist weltweit verbreitet und umfasst mehrere hundert Arten. Viele von ihnen sind für ihre spezielle Nistweise bekannt, bei der Blattstücke oder andere Pflanzenmaterialien zum Bau der Brutzellen verwendet werden. Megachile parietina unterscheidet sich von vielen anderen Arten der Gattung jedoch durch ihre massive Bauweise mit Mörtel und mineralischen Materialien.
Innerhalb der Familie Megachilidae nimmt sie damit eine besondere ökologische Nische ein.
Natürlicher Lebensraum
Die Schwarze Mörtelbiene bevorzugt sonnige, trockene und strukturreiche Lebensräume. Typische Habitate sind:
- Trockenrasen
- Steinbrüche
- Felsige Hänge
- Alte Mauern
- Ruinen
- Südexponierte Lehm- oder Lösswände
Sie ist stark wärmeabhängig und findet sich daher bevorzugt in Regionen mit langer Sonnenscheindauer. Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Niststrukturen: stabile, vertikale Flächen aus Stein, Mauerwerk oder festem Erdmaterial.
In naturnah gestalteten Gärten mit Trockenmauern, Natursteinwänden oder unverputzten Mauern kann sie ebenfalls ideale Bedingungen vorfinden. Besonders attraktiv sind alte Ziegelwände mit kleinen Hohlräumen oder Fugen, die als Ankerpunkt für ihre massiven Nester dienen.
Beschreibung der Art
Megachile parietina zählt zu den größten Wildbienen Mitteleuropas. Ihre Erscheinung wirkt kräftig, kompakt und nahezu schwarz. Diese dunkle Färbung verleiht ihr ein unverwechselbares Aussehen, das sie von vielen anderen Blattschneiderbienen unterscheidet.
Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 15 bis 18 Millimetern. Männchen sind meist etwas kleiner und schlanker. Der Körperbau ist robust, mit einem breiten Thorax und einem kräftigen Hinterleib.
Der Kopf ist relativ groß und mit kräftigen Mandibeln ausgestattet. Diese dienen nicht nur zur Nahrungsaufnahme, sondern vor allem beim Bau der Brutzellen. Die Flügel sind durchsichtig bis leicht bräunlich schimmernd.
Ein markantes Merkmal ist die dichte Bauchbürste der Weibchen. Diese kann je nach Individuum dunkel bis rötlich gefärbt sein und ist deutlich sichtbar, wenn die Biene im Flug oder bei der Nahrungssuche beobachtet wird.
Aussehen im Detail
Die Grundfarbe der Schwarzen Mörtelbiene ist tiefschwarz. Der gesamte Körper wirkt dunkel, teilweise mit leicht metallischem Glanz. Im Gegensatz zu vielen anderen Wildbienen fehlen auffällige gelbe oder orangefarbene Zeichnungen.
Die Behaarung ist relativ kurz, aber dicht. Besonders im Brustbereich wirkt sie samtig. Der Hinterleib ist breit und leicht abgeflacht.
Männchen lassen sich durch ihre etwas längeren Fühler und eine insgesamt schlankere Gestalt unterscheiden. Bei genauer Betrachtung fallen Unterschiede in der Gesichtsbehaarung und den Hinterleibssegmenten auf.
Durch ihre Größe wird sie gelegentlich mit kleinen Hummeln verwechselt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch die typische Gestalt einer Megachile-Art mit deutlich sichtbarer Bauchbürste.
Verhalten
Megachile parietina ist eine solitäre Wildbiene. Das bedeutet, dass jedes Weibchen eigenständig ein Nest baut und für die Versorgung der Nachkommen verantwortlich ist. Es existieren keine Staaten wie bei Honigbienen oder Hummeln.
Die Flugzeit liegt in Mitteleuropa meist zwischen Mai und Juli. In warmen Regionen kann sie bereits früher aktiv sein. Während dieser Zeit sind die Weibchen intensiv mit dem Nestbau und der Pollensammlung beschäftigt.
Die Art gilt als relativ standorttreu. Hat ein Weibchen einen geeigneten Nistplatz gefunden, nutzt es diesen konsequent. Mehrere Weibchen können in räumlicher Nähe nisten, ohne jedoch eine soziale Gemeinschaft zu bilden.
Das Flugverhalten ist kraftvoll und zielgerichtet. Aufgrund ihrer Größe ist sie gut hörbar, aber keineswegs aggressiv. Störungen meidet sie in der Regel.
Vorkommen in Gärten
In klassischen Ziergärten ohne strukturreiche Elemente ist Megachile parietina selten anzutreffen. In naturnahen Gärten mit folgenden Merkmalen steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich:
- Trockenmauern aus Naturstein
- Offene, sonnige Wandflächen
- Unverputzte Ziegelwände
- Reichhaltiges Blütenangebot
- Extensive Pflege ohne Pestizide
Besonders wertvoll sind vertikale Strukturen mit kleinen Ritzen oder Vorsprüngen, an denen die Bienen ihre charakteristischen Mörtelnester anbringen können.
Ein wichtiger Punkt für Gartenbesitzer: Diese Art nutzt in der Regel keine klassischen Insektenhotels. Ihre massive Bauweise erfordert stabile Flächen, an denen sie ihre lehmartigen Brutzellen befestigen kann.
Nahrung und Blütenpräferenzen
Megachile parietina sammelt Pollen und Nektar als Nahrung für sich und ihre Larven. Sie gilt als polylektisch, was bedeutet, dass sie Pollen verschiedener Pflanzenarten nutzt.
Bevorzugt werden:
- Korbblütler
- Lippenblütler
- Schmetterlingsblütler
- Disteln
- Kleearten
- Flockenblumen
In Gärten profitieren sie besonders von naturnahen Staudenbeeten, Wildblumenflächen und Kräutergärten. Pflanzen wie Salbei, Thymian oder Lavendel werden regelmäßig besucht.
Eine kontinuierliche Blütezeit vom Frühjahr bis in den Hochsommer unterstützt die Versorgung der Brut.
Nistweise und Vermehrung
Die Schwarze Mörtelbiene verdankt ihren Namen ihrer außergewöhnlichen Bauweise. Anders als viele Blattschneiderbienen verwendet sie nicht primär Blattstücke, sondern mineralisches Material wie Sand, Lehm und kleine Steinpartikel.
Die Weibchen errichten halbkugelige oder ovale Brutzellen, die sie an festen Untergründen befestigen. Diese Konstruktionen wirken wie kleine Lehmklumpen, die fest an Mauern oder Felsen haften.
Der Bau erfolgt schichtweise. Jede Brutzelle wird mit einem Pollen-Nektar-Gemisch gefüllt, in das ein Ei gelegt wird. Anschließend verschließt das Weibchen die Zelle sorgfältig.
Nach dem Schlüpfen entwickeln sich die Larven im Schutz dieser robusten Hülle. Die Überwinterung erfolgt meist als fertige Biene in der geschlossenen Zelle. Im folgenden Frühjahr schlüpft die neue Generation.
Pro Saison legt ein Weibchen mehrere Brutzellen an, jedoch deutlich weniger als staatenbildende Bienenarten produzieren.
Giftigkeit und Verhalten gegenüber Menschen
Megachile parietina ist nicht aggressiv. Wie alle Wildbienen besitzt sie einen Stachel, den ausschließlich die Weibchen tragen. Dieser wird jedoch nur bei direkter Bedrohung eingesetzt.
Stiche sind selten und in der Regel weniger schmerzhaft als ein Stich der Honigbiene. Für gesunde Menschen besteht kein besonderes Risiko. Allergische Reaktionen sind grundsätzlich möglich, aber äußerst selten, da diese Art kaum zum Stechen neigt.
Für Gartenbesitzer ist sie vollkommen unproblematisch und eine wertvolle Bereicherung der Biodiversität.
Mögliche Krankheiten und natürliche Feinde
Wie viele Wildbienen kann auch Megachile parietina von Parasiten betroffen sein. Dazu zählen:
- Kuckucksbienen
- Schlupfwespen
- Milben
- Parasitäre Fliegen
Diese Organismen legen ihre Eier in die Brutzellen oder nutzen die eingelagerten Vorräte. Dies gehört zum natürlichen ökologischen Gleichgewicht.
Krankheiten im klassischen Sinne spielen bei solitären Wildbienen eine geringere Rolle als bei Honigbienen, da keine dichten Kolonien existieren, in denen sich Erreger schnell verbreiten könnten.
Alternative Bezeichnungen
Neben dem Namen Schwarze Mörtelbiene wird Megachile parietina gelegentlich auch als Große Mörtelbiene bezeichnet. Der wissenschaftliche Name ist in der Fachliteratur gebräuchlich und sorgt für eine eindeutige Identifikation.
Der Begriff Mörtelbiene verweist direkt auf die charakteristische Bauweise mit lehmähnlichem Material.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Schwarze Mörtelbiene gefährdet?
Regional kann sie selten sein, insbesondere durch den Verlust geeigneter Niststrukturen. In geeigneten Lebensräumen ist sie jedoch stabil.
Kann man sie gezielt ansiedeln?
Ja, durch naturnahe Gartengestaltung mit Trockenmauern und offenem Blütenangebot lässt sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen.
Schädigt sie Gebäude?
Nein. Die Nester sind oberflächlich angebracht und verursachen keine strukturellen Schäden.
Ist sie für Kinder gefährlich?
Nein. Sie ist friedlich und meidet direkten Kontakt.
Warum sehe ich sie nur im Frühsommer?
Die Flugzeit ist relativ kurz und auf wenige Wochen begrenzt.
Bedeutung für die Gartenökologie
Megachile parietina ist ein wichtiger Bestäuber für zahlreiche Wild- und Gartenpflanzen. Durch ihre Größe und Kraft kann sie auch größere Blüten effizient bestäuben.
In naturnahen Gärten trägt sie zur Stabilität des ökologischen Systems bei. Ihre Anwesenheit zeigt, dass strukturreiche Lebensräume vorhanden sind.
Fazit
Die Schwarze Mörtelbiene Megachile parietina ist eine beeindruckende, aber oft übersehene Wildbienenart. Mit ihrer robusten Erscheinung, ihrer einzigartigen Bauweise und ihrer Bedeutung als Bestäuber ist sie ein wertvoller Bestandteil naturnaher Gärten.
Wer strukturreiche Elemente wie Trockenmauern integriert, auf Pestizide verzichtet und ein vielfältiges Blütenangebot schafft, kann gute Voraussetzungen für ihr Vorkommen schaffen.
Für Gartenliebhaber bietet die Beobachtung dieser Art spannende Einblicke in die Welt der solitären Wildbienen. Sie steht exemplarisch für die enorme Vielfalt heimischer Bestäuber und verdeutlicht, wie wichtig strukturreiche Lebensräume im Garten sind.
Die Förderung solcher spezialisierten Arten stärkt nicht nur die Biodiversität im Garten, sondern bereichert auch das Naturerlebnis nachhaltig.