Faszination Selbstaussaat - Pflanzen wählen ihren Platz selbst
Beim ersten Rundgang im Frühjahr fällt zwischen den Stauden plötzlich eine Pflanze auf, die dort im vergangenen Jahr noch nicht gestanden hat. Vielleicht wächst eine Akelei mitten im Kiesweg, eine Ringelblume blüht zwischen den Rosen oder das Patagonische Eisenkraut hat sich einen Platz ausgesucht, den man selbst niemals gewählt hätte. Der erste Gedanke lautet dann: „Wie kommt die denn hierher?“
Was erst einmal wie Zufall aussieht, ist eine ausgeklügelte Strategie der Natur. Viele Pflanzen nutzen den Wind, den Regen oder sogar vorbeistreifende Tiere, um ihre Samen zu verbreiten. Finden diese einen geeigneten Standort, keimen sie im nächsten Frühjahr ganz von allein. Der Garten verändert sich dadurch Jahr für Jahr ein wenig.
Genau darin liegt für viele Menschen auch der besondere Reiz eines naturnahen Gartens. Anders als ein streng geplantes Beet, das möglichst unverändert bleiben soll, entwickelt sich ein Garten mit Selbstaussaat ständig weiter. Pflanzen wandern durch das Beet, bilden neue Kombinationen und wachsen oft genau dort, wo die Bedingungen für sie am günstigsten sind.
Diese Pflanzen säen sich selbst aus
Besonders zuverlässig nutzen einige Gartenpflanzen diese Form der Vermehrung. Akeleien gehören zu den bekanntesten Kandidaten und überraschen jedes Frühjahr mit neuen Standorten. Auch Fingerhut, Patagonisches Eisenkraut, Ringelblumen, Mohn, Vergissmeinnicht, Königskerzen, Borretsch oder Jungfer im Grünen erscheinen häufig an ganz neuen Stellen im Garten. Manche Arten keimen bereits im nächsten Frühjahr, andere warten sogar mehrere Jahre ab, bis die Bedingungen stimmen. Dadurch entstehen manchmal Pflanzen, mit denen längst niemand mehr gerechnet hat.
Gerade diese Unberechenbarkeit macht den Charme der Selbstaussaat aus. Der Garten wirkt lebendiger und natürlicher, weil nicht jede Pflanze exakt geplant wurde. Gleichzeitig spart sie Zeit und Geld. Aus einer einzigen Staude können innerhalb weniger Jahre zahlreiche neue Pflanzen entstehen, ohne dass Saatgut gekauft oder Jungpflanzen gesetzt werden müssen. Besonders in naturnahen Gärten entstehen so dichte Blütenbestände, die Wildbienen, Schmetterlingen und vielen anderen Insekten über einen langen Zeitraum Nahrung bieten.
Nicht immer ist Selbstaussaat gewünscht
Doch jede Medaille hat auch ihre Kehrseite. Was in einem locker gestalteten Naturgarten willkommen ist, kann in einem streng angelegten Staudenbeet schnell zum Problem werden. Manche Pflanzen vermehren sich so zuverlässig, dass sie schwächer wachsende Nachbarn allmählich verdrängen oder an Stellen auftauchen, an denen sie schlicht nicht erwünscht sind. Besonders Mohn, Borretsch oder Vergissmeinnicht können sich innerhalb weniger Jahre stark ausbreiten, wenn ihre Samen ungehindert ausreifen. Wer seinen Garten sehr geordnet gestalten möchte, empfindet die spontanen Neuankömmlinge daher oft eher als zusätzliche Arbeit denn als Bereicherung.
Wer einige Samenstände bis zur Reife stehen lässt und andere rechtzeitig entfernt, bestimmt selbst, welche Pflanzen sich vermehren dürfen und welche nicht. Sind an einer Stelle zu viele Keimlinge entstanden, lassen sie sich meist problemlos ausgraben und an anderer Stelle wieder einpflanzen oder an andere Gartenfreunde verschenken.
FAQs
Was versteht man unter Selbstaussaat?
Von Selbstaussaat spricht man, wenn Pflanzen ihre Samen selbst ausbilden und diese ohne menschliches Zutun keimen. Neue Pflanzen entstehen dadurch ganz natürlich an verschiedenen Stellen im Garten.
Welche Pflanzen säen sich besonders zuverlässig selbst aus?
Zu den bekanntesten Arten gehören Akelei, Fingerhut, Patagonisches Eisenkraut, Ringelblume, Mohn, Vergissmeinnicht, Königskerze, Borretsch und Jungfer im Grünen.
Ist Selbstaussaat gut oder schlecht?
Beides ist möglich. In naturnahen Gärten ist sie meist erwünscht, weil sie für Vielfalt sorgt. In formalen oder kleinen Gärten kann sie jedoch zusätzlichen Pflegeaufwand verursachen.
Wie verhindere ich eine Selbstaussaat?
Am einfachsten werden verblühte Blütenstände entfernt, bevor die Samen ausreifen. So kann sich die Pflanze nicht unkontrolliert vermehren.
Kann ich selbst ausgesäte Pflanzen umsetzen?
Ja. Junge Sämlinge lassen sich meist problemlos an einen anderen Standort verpflanzen, solange ihre Wurzeln noch nicht tief eingewachsen sind.
Warum keimen manche Samen erst im nächsten Jahr?
Viele Pflanzen benötigen eine Kälteperiode im Winter oder andere Umweltreize, bevor ihre Samen keimfähig werden. Dieses natürliche Verhalten schützt sie vor einer Keimung zur falschen Jahreszeit.
Können sich Pflanzen zu stark vermehren?
Ja. Einige Arten bilden so viele Samen, dass sie andere Pflanzen verdrängen können. In solchen Fällen hilft ein rechtzeitiger Rückschnitt der Samenstände.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





