Misteln richtig entfernen: Das Haustorium
Einzelne Misteln oder ein geringer Befall stellen für gesunde, vitale Bäume in der Regel kein ernsthaftes Problem dar. Der Baum kann den zusätzlichen Wasser- und Nährstoffentzug meist problemlos ausgleichen, insbesondere wenn er gut verwurzelt ist und ausreichend versorgt wird. Misteln wachsen zudem vergleichsweise langsam und benötigen viele Jahre, um eine Größe zu erreichen, die spürbare Auswirkungen haben kann.
Notwendig kann eine Entfernung dennoch werden, wenn ein Baum sehr stark befallen ist, bereits durch Trockenheit, Krankheiten oder Alter geschwächt wurde oder wenn mehrere Misteln dicht beieinander auf dünneren Ästen wachsen. In solchen Fällen kann der dauerhafte Entzug von Wasser und Mineralstoffen zu Wachstumsverlusten, Totholzbildung oder einer erhöhten Bruchgefahr führen. Auch bei Obstbäumen wird ein stärkerer Befall häufiger entfernt, da Ertrag und Vitalität leiden können.
Wie eine Mistel anwächst und warum einfaches Abschneiden nicht genügt
Die Mistel ist ein sogenannter Halbschmarotzer. Sie betreibt selbst Photosynthese, entzieht ihrem Wirtsbaum jedoch Wasser und gelöste Mineralstoffe. Dies geschieht über ein spezielles Organ, das sogenannte Senkorgan oder Haustorium.
Nach der Keimung auf einem Ast dringt dieses Haustorium durch die Rinde bis in das Holz des Wirtsbaumes ein. Dort verzweigt es sich im Inneren des Astes und verbindet sich mit den wasserleitenden Gefäßen. Der sichtbare Mistelbusch ist daher nur ein Teil der Pflanze. Ein erheblicher Anteil befindet sich verborgen im Holz des Baumes.
Wird die Mistel lediglich an der Oberfläche abgesägt oder abgebrochen, bleibt das Haustorium vollständig erhalten. Aus diesem im Holz sitzenden Gewebe kann die Mistel erneut austreiben, oft schon im folgenden Jahr. Der Eingriff hat dann nur einen kurzfristigen optischen Effekt, beseitigt die Pflanze aber nicht dauerhaft.
So geht´s:
Eine wirksame Entfernung erfordert deshalb, den befallenen Ast deutlich unterhalb der Ansatzstelle der Mistel abzuschneiden. Je nach Alter der Mistel kann es notwendig sein, 30 bis 50 Zentimeter unter der sichtbaren Wuchsstelle anzusetzen, um das gesamte im Holz befindliche Senkorgan zu entfernen.
Bei sehr starkem Befall oder bei dicken Hauptästen ist dies nicht immer sinnvoll oder möglich. In solchen Fällen beschränkt man sich dann häufig doch darauf, die Misteln regelmäßig zurückzuschneiden, um wenigstens den Nährstoffentzug und das Gewicht zu begrenzen.
Bei der Entfernung sollte stets auf saubere Schnitte und geeignetes Werkzeug geachtet werden, um den Baum nicht zusätzlich zu schädigen. Besonders bei größeren Bäumen oder Arbeiten in der Höhe ist es ratsam, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de

