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Pflanzen - viel mehr als reine Dekoration

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Viele Aquarianer kennen das bestimmt auch von sich, gerade beim ersten Becken: Beim Kauf der Dekoration nimmt man ein paar Pflanzen mit, weil die ???eben zur Einrichtung irgendwie dazugehören???. Doch durch die Reduzierung der Pflanzen auf ein Dekorationselement tut man diesen Lebewesen unrecht.

Sie sind nämlich viel mehr als reine Deko.

Ich gehe hier nicht im Detail auf die Photosynthese ein, dies sollte, zumindest im Groben, Allgemeinwissen sein.

Aber was machen Pflanzen eigentlich noch so? Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass es ihnen gut geht. Und damit komme ich zu einem Punkt, der mir persönlich wichtig ist. Pflanzen haben als Lebewesen genauso ein Anrecht darauf, dass wir uns um ihre Bedürfnisse kümmern, wie unsere Fische. Ein Missachten kann sogar zu Problemen im Becken führen (Stichwort biogene Entkalkung). Aber gut versorgte Pflanzen geben uns eine Menge zurück:

1. Pflanzen und Ammonium

Wasserpflanzen sind auf Stickstoff angewiesen. Da in den Heimatgewässern so gut wie kein Nitrat vorkommt, ist die bevorzugte Stickstoffquelle der Pflanzen Ammonium. Durch die Aufnahme von Ammonium verringert sich die Gefahr einer Ammoniakvergiftung bei den tierischen Bewohnern.

Auch wenn die Pflanzen Ammonium ganz klar vorziehen (es gibt nur wenige Ausnahmen), sind sie doch in der Lage, auch Nitrat zu verwerten.

Da im laufenden Becken immer Ammonium/ Nitrat entsteht, tragen Pflanzen sehr viel zur Wasserreinigung in Bezug auf Eiwei??e bei. (Stickstoff entsteht nur bei der Umwandlung von Proteinen).

2. Pflanzen und Schwermetalle

Pflanzen sind in der Lage Schwermetalle aufzunehmen und zu speichern, und zwar weit über ihren Eigenbedarf hinaus. Versuche mit stark belasteten Abwässern hatte gezeigt, dass das Wasser am Ende der Pflanzenstrecke fast Trinkwasserqualität hatte. Zudem werden beim Zerfall von Pflanzenteile Huminsäuren frei. Diese sind in der Lage Metalle zu binden und dadurch zu entgiften.

3. Pflanzen und Algen

Obwohl Algen auch zu den Pflanzen gehören, sind sie für sehr viele Aquarianer ein Dorn im Auge. Algenplagen können einem den Spa?? an der Aquaristik ganz schön vermiesen und ich glaube, dass auch viele Becken nur deshalb im Keller gelandet sind, weil im Becken die Algen einfach nicht zu besiegen waren.

Höhere Wasserpflanzen sind die natürlichen Konkurrenten für die Algen. Also je besser es den Wasserpflanzen geht, desto schwerer haben es die Algen. Nun stehen die Wasserpflanzen nicht nur in Bezug auf die Nährstoffe mit den Algen in Konkurrenz, sie sind auch aktiv in der Lage, die Algen zu bekämpfen, und zwar durch die Abgabe von wuchshemmenden Stoffen. Diesen Vorgang nennt man Alleopathie.

4. Pflanzen und Wasserchemie

Wasserpflanzen können die Wasserchemie positiv beeinflussen, indem sie zum Beispiel den pH-Wert bei Weichwasser mit sehr niedrigen KH-Werten stabilisieren. Dies geschieht nicht nur durch die die Fotosynthese selber (Aufnahme von CO2), sondern auch durch die Aufnahme von Ammonium (bei der Stickstoffkette Ammonium/Ammoniak ??? Nitrit ??? Nitrat werden starke Säuren (z.B. Schwefelsäure) frei). Und noch ein weiterer Punkt: wird Nitrat von der Pflanzen verwertet, wird dabei Hydrogencarbonat frei.

Pflanzen und biologische Aktivität

Die überwiegende Anzahl von Mikroorganismen (z.B. Nitrifikationsbakterien) sind substratgebunden. Pflanzen bieten eine ideale Besiedlungsfläche für viele dieser Mikroorganismen.

Pflanzen und Keime

Das Max-Planck-Institut in Krefeld hatte bei Versuchen herausgefunden, dass Wasserpflanzen in der Lage sind, pathogene Keime (unter anderem auch der E. coli, ein Fäkalkeim) in einer erstaunlichen Schnelligkeit zum Absterben zu bringen.

Horst hatte mal eine Graphik veröffentlicht, in der gezeigt wurde, dass mit Pflanzen 45 Millionen Keime in acht Tagen eliminiert werden konnte. Zudem hat man herausgefunden, dass einige Wasserpflanzen in der Lage sind, ein hochwirksames Antibiotikum auszuscheiden.

Also: Pflanzen haben viel mehr drauf, als nur ???gut auszusehen.???

Nun gibt es ja auch Aquarianer, die sagen: wo meine Fische herkommen, steht nicht eine einzige Pflanze, also ist es nicht biotopgerecht, wenn ich da welche ins Becken tue (z.B. Wurzelbiotope für Diskusfische etc.).

Dies ist aber nicht so ganz richtig. Zwar wachsen in den Bächen und Flüssen tatsächlich oft keine Unterwasserpflanzen, aber das Umfeld ist alles andere als pflanzenlos (Stichwort: Regenwald) Die Flüsse und Bäche stehen in direkter Wechselwirkung zu dem Umfeld, denn wo sollten die ganzen Huminsäuren etc in diesen Bächen und Flüssen denn herkommen, wenn nicht von den Pflanzen in der Sumpfzone oder an Land? Die Fische profitieren also in hohem Ma??e von dem Pflanzenwuchs in der Umgebung. Es ist zwar eine recht provokante Frage, aber wie kann ein pflanzenloses Aquarium biotopgerecht sein, wenn in der Heimat die Flüsse geradezu eingebettet sind in Urwald mit Milliarden von Pflanzen (noch muss man ja leider sagen). Nicht nur die Welt unter Wasser gehört zum Biotop, sondern auch das Drumherum.

Deshalb finde ich es persönlich recht schade, wenn man hier teilweise schief angesehen wird, weil man es z.B. wagt, Diskusfische in stark bepflanzten Becken zu halten.

Natürlich hat man das Recht, Becken pflanzenlos zu gestalten, aber genauso muss man den Pflanzenfreunden zugestehen, dass sie eben nicht auf Pflanzenwuchs verzichten wollen.

Und es kann mir keiner Erzählen, dass sich z.B ein Diskus in einem Pflanzenbecken nicht wohlfühlt.

lg

Beate

Titel: Pflanzen - viel mehr als reine Dekoration (Artikel 3572)

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