Pflanzen als Bioindikatoren für Boden und Wasserqualität
Ist der Rasen von Klee durchzogen oder breitet sich im Gartenteich eine geschlossene Decke aus Wasserlinsen aus, ziehen erfahrene Gärtner und Naturbeobachter daraus bereits erste Schlüsse.
Viele Pflanzen reagieren äußerst sensibel auf ihre Umgebung und gedeihen nur dort, wo ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Dazu zählt das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Nährstoffe, Mineralien und chemischer Verbindungen, aber auch Faktoren wie pH-Wert, Feuchtigkeit oder Sauerstoffgehalt. In der Ökologie werden diese Einflüsse als Standortfaktoren oder Umweltbedingungen bezeichnet.
Pflanzen, die solche Bedingungen zuverlässig anzeigen, werden als Bioindikatoren genutzt. Ihr Auftreten, ihre Häufigkeit oder auch ihr vollständiges Fehlen liefern wertvolle Hinweise auf die Beschaffenheit von Böden und Gewässern. Gerade im naturnahen Garten, im Teich oder in der freien Landschaft lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen, ohne Messgeräte oder Laboranalysen einsetzen zu müssen.
Pflanzen als stille Auskunftgeber über ihre Umwelt
Während Boden- oder Wasseranalysen immer nur eine Momentaufnahme darstellen, spiegeln Bioindikatorpflanzen die Verhältnisse über längere Zeiträume wider. Sie reagieren nicht auf kurzfristige Schwankungen, sondern auf dauerhaft wirkende Eigenschaften ihres Standortes. Bodenpflanzen geben vor allem Hinweise auf Nährstoffgehalt, Bodenreaktion und Durchlüftung, während Wasserpflanzen eng an Nährstoffbelastung, Sauerstoffversorgung und Wasserbewegung gebunden sind.
Bioindikatoren für Böden
Brennnessel (Urtica dioica)
Die Große Brennnessel gehört zu den bekanntesten Zeigerpflanzen. Wo sie dichte Bestände bildet, ist der Boden in der Regel sehr nährstoffreich, insbesondere stickstoffbetont. Solche Bedingungen entstehen häufig durch Kompost, organische Düngung oder den Einfluss von Tieren. Brennnesseln weisen damit auf fruchtbare, oft aber auch stark beeinflusste Böden hin.
Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
Der Wiesen-Sauerampfer ist eine gut geeignete Bioindikatorpflanze für frische, eher saure bis schwach saure Böden mit guter Stickstoffversorgung. Er tritt häufig auf extensiv genutzten Wiesen, Weiden und in naturnahen Grünlandflächen auf. Sein Vorkommen deutet auf eine ausreichende Bodenfeuchte und eine nur mäßige Kalkversorgung hin. Starke Bestände können zudem auf eine zunehmende Versauerung oder eine veränderte Nutzung des Bodens hinweisen.
Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)
Der Ackerschachtelhalm zeigt ungünstige Bodenstrukturen an. Er tritt häufig auf verdichteten, schlecht durchlüfteten oder staunassen Böden auf. Ein hoher Grundwasserstand oder schwere, lehmige Böden begünstigen sein Wachstum. Sein Auftreten kann daher auf mangelnde Bodenlockerung und eingeschränkten Sauerstoffaustausch hinweisen.
Bioindikatoren für Wasser
Wasserlinse (Lemna minor)
Die Wasserlinse reagiert sehr schnell auf hohe Nährstoffkonzentrationen. Breitet sie sich stark aus, deutet dies auf ein nährstoffreiches, häufig überdüngtes Gewässer hin. Besonders Stickstoff- und Phosphateinträge fördern ihr Wachstum. Solche Bedingungen entstehen oft durch Laubeintrag, Fischbesatz oder Nährstoffeinträge aus der Umgebung.
Tausendblatt (Myriophyllum sp.)
Tausendblattarten besiedeln bevorzugt nährstoffreiche bis mäßig belastete Gewässer mit ruhigem Wasser und gutem Lichtangebot. Dichte Bestände können auf ein erhöhtes Nährstoffniveau hinweisen.
Wasserstern (Callitriche sp.)
Der Wasserstern wächst in klaren, sauerstoffreichen und meist nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen Gewässern. Besonders in fließenden oder gut durchmischten Bereichen fühlt er sich wohl. Sein Vorkommen gilt als positives Zeichen für eine gute Wasserqualität und ein ökologisch stabiles Gewässer.
Pflanzen als langfristige Orientierungshilfe
Bioindikatorpflanzen liefern keine exakten Messwerte, doch ihre Aussagekraft liegt in der Gesamtschau. Das gleichzeitige Auftreten mehrerer Arten ermöglicht eine erstaunlich genaue Einschätzung von Boden- und Wasserverhältnissen. Wer Pflanzen nicht nur betrachtet, sondern als Hinweise auf ökologische Zusammenhänge versteht, gewinnt ein tieferes Verständnis für Garten, Teich und Landschaft und erkennt Veränderungen oft frühzeitig.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





