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Supplementieren von Futtertieren bei der Reptilien- und Amphibienhaltung

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Supplementieren von Futtertieren bei der Reptilien- und Amphibienhaltung
Supplementieren von Futtertieren bei der Reptilien- und Amphibienhaltung - Foto 1

In der Terrarienhaltung nehmen viele Reptilien und Amphibien ihre Nahrung in Form von lebenden oder toten Futtertieren auf. Auch wenn das Futter auf den ersten Blick artgerecht erscheint, fehlt es häufig an bestimmten Nährstoffen, die in der Natur über vielfältige Beutetiere und Umweltfaktoren aufgenommen werden. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, ist deshalb eine gezielte Supplementierung der Futtertiere mit Vitaminen und Mineralstoffen notwendig.

Was bedeutet Supplementierung?

Supplementierung beschreibt das Anreichern von Futtertieren mit Nährstoffen, die im Grundfutter nicht oder nicht in ausreichender Menge enthalten sind. Besonders häufig betrifft das:

  • Kalzium,
  • Vitamin D₃,
  • fettlösliche Vitamine wie A und E,
  • Jod, Magnesium und andere Spurenelemente.

Ziel ist es, das Verhältnis von Nährstoffen im Futter an die natürlichen Bedürfnisse der Tiere anzupassen. In der Natur geschieht dies über ein breites Beutespektrum und natürliche Sonneneinstrahlung – Faktoren, die im Terrarium meist nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Warum ist Supplementierung notwendig?

Viele gängige Futtertiere wie Heimchen, Grillen, Schaben, Mäuse oder Eintagsküken sind einseitig ernährt und nährstoffarm, insbesondere im Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Bei dauerhaftem Mangel drohen ernsthafte gesundheitliche Probleme wie Rachitis (Knochenerweichung), Kieferdeformationen, Muskelzittern oder Lähmungen, Wachstumsstörungen oder Störungen im Hormonhaushalt und der Fortpflanzung.

Besonders betroffen sind insektenfressende Reptilien und Amphibien wie Geckos, Anolis, Chamäleons, Kröten, Baumsteigerfrösche oder junge Warane, Jungtiere in der Wachstumsphase, trächtige Weibchen oder Tiere während der Eiablage, Tiere ohne Zugang zu natürlicher UVB-Strahlung, und kranke oder geschwächte Tiere mit erhöhtem Bedarf.

Bei Waranen etwa ist eine regelmäßige Supplementierung von Insekten und Eintagsküken gängige Praxis.

Methoden der Supplementierung

Die gängigsten Methoden zur Supplementierung richten sich nach der Art des Futtertiers und der Tierart, die gefüttert wird:

Bestäuben (Dusting)

Besonders bei Insekten verbreitet. Die Futtertiere werden unmittelbar vor der Verfütterung mit einem Kalzium- oder Multivitaminpräparat in Pulverform bestäubt. Dazu gibt man sie mit etwas Pulver in einen Behälter und schüttelt sie vorsichtig. Die Tiere nehmen das Pulver beim Fressen direkt auf.

Vormast (Gut Loading)

Futterinsekten werden 24–48 Stunden vor der Verfütterung mit nährstoffreichem Futter versorgt, etwa mit speziellem Insektenfutter, Gemüse, Obst und Kalziumquellen. Diese Methode unterstützt zusätzlich die Verdauung der Reptilien, da der Mageninhalt der Futtertiere miterfasst wird.

Injektion oder Einbringen bei größeren Futtertieren

Bei größeren Futtertieren wie Eintagsküken oder Nestlingen kann flüssiges Supplement über eine Kanüle direkt in den Körper gespritzt oder oral eingegeben werden. Alternativ lassen sich Präparate auch in Körperöffnungen einbringen oder in kleine Einschnitte einfüllen.

Einpinseln

Pulverförmige oder flüssige Präparate können auf die Haut oder Federn von Futtertieren gestrichen werden, vor allem bei toten Beutetieren. Diese Methode wird häufig bei Schlangen oder großen Echsen eingesetzt.

Welche Präparate sind geeignet?

Im Handel gibt es verschiedene Produkte zur Supplementierung. Sie unterscheiden sich vor allem in der Zusammensetzung (Kalzium, Vitamin D₃, Multivitamin), der Art des Trägermaterials (Pulver, Flüssigkeit, Paste) und der Anwendung (Bestäuben, Eingeben, Injektion).

Für die tägliche Anwendung wird meist ein reines Kalziumpulver ohne Vitamin D₃ verwendet. Multivitaminpräparate mit D₃ sollten nur in regelmäßigen, aber nicht zu häufigen Abständen eingesetzt werden, da eine Überdosierung vor allem fettlöslicher Vitamine schädlich sein kann.

Dosierung und Häufigkeit

Die richtige Dosierung hängt ab von Tierart, Alter, UVB-Versorgung und allgemeinem Gesundheitszustand. Grundsätzlich gilt:

  • Jungtiere und trächtige Weibchen benötigen häufiger Supplemente. 
  • Tiere mit Zugang zu hochwertiger UVB-Strahlung brauchen weniger zusätzliches Vitamin D₃.
  • Futterinsekten sollten bei jeder Fütterung bestäubt oder gut geladen werden.
  • Größere Futtertiere werden 1–2× wöchentlich ergänzt, je nach Bedarf.

Mögliche Fehler und Risiken

  • Überdosierung, insbesondere von Vitamin D₃ oder A – kann zu Organversagen führen.
  • Ungeeignete Präparate, etwa mit Phosphorüberschuss.
  • Verlust von Supplementen durch falsche Lagerung (z. B. Licht, Wärme, Luftfeuchtigkeit).
  • Nicht aufgenommene Präparate, z. B. Pulver fällt vor der Fütterung ab oder wird nicht gefressen.

Eine regelmäßige Kontrolle des Ernährungszustands, des Wachstums und des Verhaltens hilft, Mangelerscheinungen frühzeitig zu erkennen.

Notwendiger Bestandteil artgerechter Fütterung

Die Supplementierung von Futtertieren ist für viele Reptilien- und Amphibienarten im Terrarium unverzichtbar. Ohne diese gezielte Nährstoffanreicherung kann es langfristig zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen kommen – auch wenn das Futter zunächst „natürlich“ wirkt. Mit sorgfältiger Auswahl und Anwendung geeigneter Präparate lässt sich der Nährstoffbedarf jedoch gut abdecken. Ob Gecko, Chamäleon, Waran oder Pfeilgiftfrosch – alle profitieren von einer gezielten, verantwortungsvollen Ernährung, die über das bloße Anbieten von Futtertieren hinausgeht.

 

Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de

Tom

Userbild von TomTom ist Administrator*in von EB und stellt 12 Beispiele vor. In den Bereichen Malawisee, Tanganjikasee, Victoriasee, West- / Zentralafrika, Südamerika, Mittelamerika, Amerikagesellschaftsbecken, Asien/Australien, Gesellschaftsbecken, Wasserchemie, Fragen zu einrichtungsbeispiele.de steht er/sie den Usern bei Fragen kompetent als Anspechpartner zur Seite.

Titel: Supplementieren von Futtertieren bei der Reptilien- und Amphibienhaltung (Artikel 6989)

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