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Von wegen:Gemüse-Igitt!!!

Von wegen:Gemüse-Igitt!!!
Hallöchen!
Wer bei der Überschrift grinsen musste hat sich also gleich mal als Gemüsemuffel geoutet!

Natürlich geht es hier nicht um die persönlichen Vorlieben für Fastfood oder Knabberkram, es geht um die Ernährung unserer Fische und Wirbellosen, genauer gesagt um

Omnivore = allesfressende und herbivore = rein pflanzenfressende Fische.

Vorwort Ernährung, warum so wichtig?
Wie hier auf EB jeder weiß, ist eine abwechslungsreiche und artgerechte Fütterung von immenser Bedeutung in der Pflege und Haltung unserer kleinen Lieblinge.

Aber was heißt dieses "artgerecht" denn im Hinblick auf Alles- und Pflanzenfresser?

Fütterungszeiten beachten!
Hier müssen gerade Anfänger lernen, dass Fische die wir gerne in unseren Aquarien pflegen je nach Art zu ganz unterschiedlichen Zeiten aktiv werden.

Unsere Fische können grob zwischen tages- und nachtaktiven Tieren unterschieden werden.
Die meisten Salmler, Barben und Buntbarsche gehören zu den tagesaktiven Tieren. -Ausnahmen gibt es immer, daber bitte bei euren eigenen Fischen schön recherchieren (Internet oder Händler eures Vertrauens).
Das bedeutet nun, dass sich das Leben (=Futtersuche, Kommunikation unter den Tieren, Paarungsgebahren und eben auch die Futteraufnahme selbst) hauptsächlich tagsüber abspielen.
Daher: Fütterung zu einer Zeit, in der das Licht eures Aquariums noch MINDESTENS 1 Stunde brennen wird! -Auch wir Menschen sollten nicht mit vollem Magen ins Bett gehen.

Nun zu dem Gegenteil: Nachtaktive Fische.
Hierunter zählen meiner Meinung nach auch gerne mal die sog. dämmerungsaktiven Tiere.
Beispiele für hauptsächlich nachtaktive Tiere wären der allseits beliebte und bekannte Antennenwels.
Als "dämmerungsaktiv" werden zum Beispiel die von mir gepflegten Dornaugen (Vertreter der Schmerlen) bezeichnet. Sie warten im Gegensatz zu den nachtaktiven Tieren nicht auf die komplette Dunkelheit, sondern werden bereits kurz vor Ausschalten des Lichtes aktiv -(vorausgesetzt ein klarer, pünktlicher und immer wiederkehrender Beleuchtungszyklus wird eingehalten --> Zeitschaltuhr kaufen!!!

Warum diese Tiere nicht einfach auch tagsüber füttern? Sie können doch kurz rauskommen und Fressen oder das Futter bleibt halt bis zur Dunkelheit liegen...?

Klare Antwort: Würdet ihr das angenehm oder gesund empfinden, wenn ihr mitten im schönsten Traum wachgerissen werdet, man setzt euch ein fettes Mahl vor und verabschiedet euch dann sofort wieder ins Bett? -Nein.
Oder: Alle haben gegessen und ihr bekommt die Portion vom Vormittag: Kalt, abgestanden, unappetitlich -und nur soviel, wie die Anderen euch auch tatsächlich übriggelassen haben -Auch nicht schön, oder?

Bitte beachtet den Rythmus eurer Tiere bei den Fütterungen. -Sie könnten sonst zu kurz kommen, unterernährt werden oder durch den Stress des unterbrochenen Schlafzyklus krank werden.

Jetzt wissen wir schon einmal, dass es Pflanzen-, Fleisch- und Allesfresser gibt und dass Fische gemäß ihres natürlichen Tagesrythmus gefüttert werden sollten.

Nun zur Problematik mit den Alles- und Pflanzenfressern bei der Futterwahl:

Die meisten Futtersorten guter Marken haben eine Auflistung der Inhaltsstoffe.
Hier werden nicht nur die Mengen an Proteinen oder Beistoffen (Asche, Farbstoffe...) sondern (hoffentlich) auch die tatsächlichen Inkredenzien angegeben.

Es ist mit etwas gutem Willen zumind. im Trockenfuttersektor sehr wohl zu ersehen, ob ein Pflanzen- oder Allesfresser gut versorgt werden kann.

Alles- und Pflanzenfresser kommen oft zu kurz
Nun ist es allerdings nicht unbedingt Sinn der Sache, dass Fleischfresser (karnivore/carnivore) wunderbar abwechslungsreich mit Lebend-, Frost- und Trockenfutter verwöhnt werden, den Alles- oder Pflanzenfressern jedoch meist ein kulinarisches Schattendasein verordnet wird.

Ich denke jeder hier kennt Beispiele, in denen Tieren (gerne hierfür genannt der Antennenwels) nichts anderes übrig bleibt, als an die Aquarienpflanzen oder magere Algenbestände zu gehen.


Warum Pflanzenkost? -Hat schon seinen Sinn!
"Warum? Weshalb? Reicht denn das normale Futter nicht? Warum futtern diese Tiere nicht einfach die Fleischfressermahlzeiten mit -hat doch besonders viel Protein!"
Die Antwort ist so einfach wie auch eindeutig: Eine Kuh wird auch nicht zum Raubtier werden, nur weil wir das gerade praktisch fänden...

Die Tiere die wir in unseren Becken pflegen haben sich teils über unvorstellbar lange Zeiten in ihrer Evolution dem Verzehr bestimmter Dinge angepasst.
Der gesamte Bau dieser Tiere hat sich auf die Aufnahme eines bestimmten Futters ausgerichtet:

1. Das Maul, die raspelnden oder zupfenden Bewegungen die es ausführen muss,

2. die Verdauungsorgane -pflanzliche, faserreiche Kost ist schwerer zu verdauen als proteinreiche tierische Kost,

3. die Tarnung -ein Tier das auf Pflanzen und Moosen sitzt muss sich ggf. vor Fressfeinden schützen und nicht selbst jagen.


Was wenn ichs aber trotzdem so lass?
Würde man diesen Tieren also dennoch hauptsächlich tierisches Futter vorsetzen, so macht sich das wie folgt bemerkbar:

1. Vermehrte Kotbildung --> Das Futter kann nicht richtig verwertet werden, der Fisch benötigt also mehr von diesem Futter, um entsprechend seinem Bedarf gesättigt zu werden --> die Verdauung läuft unverhältnismäßig auf Hochtouren, das Becken dreckt zu, den Tieren geht es schlecht

2. Mangelerscheinungen -Gerade viele Welse benötigen Stoffe wie Fasern für ihre Verdauung, die nur durch pflanzliche Nahrung (in diesem Falle durch Holz oder Erlenzapfen) geliefert werden kann.

3. Verfettung --> tierische Kost ist sowohl proteinreich als auch meist fettig. Dies gilt besonders für Wurmfutter. Karnivore Tiere sind hierauf eingestellt. Für Pflanzen- aber auch für Allesfresser kann ein Zuviel an diesen Stoffen zu einer viel zu hohen Nährstoffbilanz führen --> den Tieren gehts wie uns: sie werden fett!


Und was soll ich nun Füttern?
Bei den Omnivoren, also Allesfressern ist das recht einfach!
Das normale Futtersortiment der anderen Fische kann beibehalten werden, es sollten zusätzlich bzw. an einigen Tagen an Stelle des üblichen Futters

-Frischgemüse (roh oder kurz gekocht, aber bitte IMMER ungespritzt)
-pflanzliche Futterfocken
-pflanzliche Futtertabletten
-spezielle Pflanzenmischungen aus dem TK-Futtersortiment
-fressbare Deko wie Buchen- oder Seemandelbaumblätter
-Holz für Welse wie Moorkien oder Erlenzapfen


verabreicht werden.

Bei reinen Herbivoren also reinen Pflanzenfressern kann diese Auflistung natürlich genauso genutzt werden.
Hier sollte jedoch darauf geachtet werden, dass wirklich separat gefüttert wird!
Die Fleischfresser sollten ihre Portion rückstandslos schaffen (siehe diverseste Tipps zur richtigen Futtermenge), damit Pflanzenfresser nicht erst ihr Futter unter den Resten der Anderen suchen müssen.

Immer wieder wird gefragt, was sich denn nun als Frischgemüse eignet.
Nun, hier können die meisten User ein Lied von singen....
Es gibt Fische, die quasi alles Pflanzliche das sich ins Becken verirrt dankbar annehmen, jedoch natürlich auch ein paar verwöhnte Gaumen, die selbst das 100ste nicht anrühren.

Hier ist einfach Experimentieren und Lernen angesagt.

In meinen Becken gebe ich folgende Auswahl mit guter Annahme:

-Erbsen (kurz Kochen, dann leicht zerquetschen)
-Karotten (heißen in anderen Teilen Deutschlands gerne Möhren GRINS) -ebenfalls entweder kurz gekocht, dann sinken sie schnell auf den Boden, oder roh für Oberflächenfische
-Salat (einfach so reinschmeißen, oder kurz mit kochendem Wasser überbrühen, damit er weicher wird)
-Spinat (wie Salat)
-Salatgurke (nur roh bei mir)

Ich hoffe sehr, dass auch die kleinen Alles- und Pflanzenfresser in unseren Becken hinsichtlich der Speisekarte ein bißchen mehr verwöhnt werden und mancher nun versteht, dass sich seine Fischis das "Mückenlarvenfuttern" nicht einfach angewöhnen können.

In diesem Sinne...

LG

Steffi
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