Wenn der Obstbaum nicht aufgeben will - was nach dem Fällen mit dem Boden und den Wurzeln passiert
Der alte Obstbaum ist gefällt, der Stamm liegt bereits auf dem Boden und eigentlich sollte damit Schluss sein. Doch wenige Wochen später zeigt sich plötzlich wieder frisches Grün. Neben dem ehemaligen Stamm treiben kleine Zweige aus dem Boden, manchmal sogar mehrere Meter entfernt. Wer sie abschneidet, stellt fest: Die Triebe kommen fleißig wieder.
Der Baum ist zwar oberirdisch verschwunden – unter der Erde ist seine Geschichte aber noch nicht beendet.
Denn ein Obstbaum kann ein beträchtliches Wurzelsystem besitzen. Solange darin noch lebende Gewebe und Reservestoffe vorhanden sind, können daraus neue Triebe entstehen. Besonders häufig passiert das bei Obstbäumen, die auf stark austreibenden Unterlagen veredelt wurden, aber auch manche Arten und Sorten neigen grundsätzlich zu kräftigem Wurzelaustrieb.
Wer die Fläche anschließend dauerhaft frei haben möchte, muss deshalb nicht nur den Stamm entfernen. Auch die Wurzeln spielen eine entscheidende Rolle.
Warum kommt der Baum plötzlich wieder?
Ein gefällter Baum ist biologisch nicht tot. Beim Fällen werden Stamm und Krone entfernt, das Wurzelsystem bleibt jedoch zunächst im Boden. Die Austriebe können dann direkt aus dem verbliebenen Stammfuß kommen, sie können aber auch aus stärkeren Wurzeln entstehen und deshalb ein gutes Stück vom ursprünglichen Standort entfernt auftauchen.
Gerade bei veredelten Obstbäumen lohnt sich außerdem ein genauer Blick darauf, wo der Austrieb entsteht. Treibt er unterhalb der ehemaligen Veredelungsstelle beziehungsweise aus dem Wurzelbereich aus, handelt es sich um einen Austrieb der Unterlage und nicht um die gewünschte Edelsorte.
Nur abschneiden reicht meistens nicht
Die naheliegendste Reaktion lautet: Gartenschere holen und weg damit oder mit dem Rasenmäher drüberfahren. Kurzfristig funktioniert das natürlich. Langfristig ist es bei kräftigem Wurzelaustrieb jedoch keine besonders gute Lösung.
Denn mit jedem neuen Austrieb versucht das verbliebene Wurzelsystem, wieder Blätter zu bilden. Werden diese Blätter immer wieder entfernt, kann die Pflanze zwar irgendwann ihre Reserven erschöpfen. Das kann jedoch mehrere Jahre dauern.
Wer die Fläche schnell und dauerhaft von den Austrieben befreien möchte, sollte deshalb möglichst die Ursache beseitigen: die verbliebenen Wurzeln beziehungsweise den Wurzelstock.
Der Wurzelstock muss heraus
Die zuverlässigste mechanische Methode ist, den verbliebenen Wurzelstock möglichst vollständig zu entfernen. Bei einem kleinen Obstbaum kann das mit Spaten, Grabegabel und gegebenenfalls einer Säge gelingen. Zunächst wird die Erde rund um den alten Stammfuß vorsichtig entfernt. Größere Wurzeln werden freigelegt und durchtrennt. Anschließend kann der verbliebene Wurzelstock aus dem Boden gelöst werden.
Bei größeren und älteren Bäumen kann das allerdings zu einer erheblichen Arbeit werden. Ein alter Obstbaum kann weit verzweigte und kräftige Wurzeln besitzen, die sich nicht einfach ausgraben lassen. Hier kann eine professionelle Wurzelstockfräse sinnvoller sein.
Dabei wird der verbliebene Stock mitsamt einem Teil der oberflächennahen Wurzeln mechanisch zerkleinert. Das entstandene Holzmaterial muss anschließend aus dem Pflanzbereich entfernt werden, wenn dort wieder eine neue Pflanze wachsen soll.
Und was ist mit den Wurzeln, die weiter entfernt liegen?
Genau hier liegt ein häufiger Grund dafür, dass trotz entferntem Stamm weiterhin Triebe auftauchen. Nicht alle Wurzeln befinden sich direkt unter dem Stamm. Je nach Baum können sie weit in die Umgebung reichen. Wenn daraus noch lebende Austriebe entstehen, muss der betreffende Wurzelabschnitt ebenfalls ausgegraben und entfernt werden.
Dabei muss allerdings nicht jeder einzelne Wurzelrest im gesamten Garten obsessiv gesucht werden. Kleinere, im Boden verbleibende Wurzelstücke verrotten mit der Zeit. Entscheidend sind die kräftigen, noch lebenden Wurzeln, aus denen tatsächlich neue Triebe entstehen.
Tauchen später an einer bestimmten Stelle erneut Triebe auf, lässt sich dadurch ziemlich gut erkennen, wo sich noch ein austreibungsfähiger Wurzelbereich befindet.
Was man besser nicht tun sollte
Es kursieren zahlreiche Methoden, mit denen ein alter Baum angeblich besonders schnell zum endgültigen Verschwinden gebracht werden kann. Nichts davon ist sinnvoll und schädigt im schlimmsten Fall das Bodenleben oder andere Pflanzen. Giftige und aggressive Stoffe haben in einem gesunden Gartenboden nichts zu suchen.
Auch das Ausbrennen eines Baumstumpfes ist keine geeignete Methode für den normalen Hausgarten. Neben Brandgefahr kann dabei der umliegende Boden geschädigt werden.
Von chemischen Mitteln zur Wurzelabtötung sollte im Garten ebenfalls abgesehen werden. Eine mechanische Entfernung ist zwar anstrengender, aber wesentlich kontrollierter.
Häufige Fragen:
Warum treibt ein gefällter Obstbaum immer wieder aus?
Weil das Wurzelsystem nach dem Fällen zunächst weiterlebt. In den Wurzeln gespeicherte Reservestoffe können noch längere Zeit neue Triebe hervorbringen.
Muss der komplette Wurzelballen ausgegraben werden?
Nein. Bei einem älteren Obstbaum ist das oft auch kaum möglich. Wichtig ist vor allem, den Wurzelstock und die kräftigen, noch austreibungsfähigen Wurzeln möglichst weitgehend zu entfernen.
Was mache ich, wenn die neuen Triebe mehrere Meter vom alten Stamm entfernt auftauchen?
Dann kann sich darunter eine noch lebende Seitenwurzel befinden. Der Trieb kann Hinweise darauf geben, wo diese Wurzel verläuft. Der entsprechende Wurzelbereich sollte freigelegt und entfernt werden.
Reicht es, die neuen Triebe immer wieder abzuschneiden?
Das kann langfristig funktionieren, weil die Wurzel ihre Reserven nicht unbegrenzt aufrechterhalten kann. Es kann allerdings mehrere Jahre dauern. Für eine schnelle und zuverlässige Entfernung ist das Ausgraben des Wurzelstocks beziehungsweise eine Wurzelstockfräsung effektiver.
Sollte man die Wurzeln im Boden einfach verrotten lassen?
Kleinere Wurzelreste können problemlos im Boden verbleiben und werden von Bodenorganismen zersetzt. Größere, noch austreibende Wurzeln sollten dagegen entfernt werden, wenn keine neuen Triebe erwünscht sind.
Kann man einen Baumstumpf einfach stehen lassen?
Ja, wenn die Fläche nicht anderweitig genutzt werden soll und gelegentliche Austriebe nicht stören. Der Stumpf wird mit der Zeit von Pilzen und anderen Organismen zersetzt. Wer dort jedoch ein Beet, einen neuen Obstbaum oder eine andere Pflanzung anlegen möchte, sollte ihn besser entfernen oder fräsen lassen.
Was ist eine Wurzelstockfräse?
Eine Wurzelstockfräse ist ein motorisiertes Gerät, das einen verbliebenen Baumstumpf und einen Teil der oberflächennahen Wurzeln mechanisch zerkleinert. Bei großen Obstbäumen kann das deutlich einfacher sein als das vollständige Ausgraben.
Kann nach einem alten Obstbaum sofort wieder ein neuer gepflanzt werden?
Nicht ohne Weiteres an derselben Stelle. Neben verbliebenen Wurzeln kann auch die sogenannte Bodenmüdigkeit beziehungsweise Nachbauproblematik eine Rolle spielen. Soll wieder ein Obstbaum gepflanzt werden, empfiehlt sich deshalb ein Standortwechsel oder ein großzügiger Bodenaustausch.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





