Wer ist was? Schmetterling, Falter, Motte und weitere Bezeichnungen
Mal ist von einem Schmetterling die Rede, dann von einem Falter, einer Motte oder einem Nachtfalter. Im Alltag werden diese Bezeichnungen oft durcheinander verwendet, obwohl sie nicht alle dasselbe bedeuten. Einige sind wissenschaftlich korrekt, andere stammen aus der Umgangssprache. Ein Blick auf die Bedeutung der einzelnen Begriffe hilft dabei, die Unterschiede besser zu verstehen.
Schmetterling ist der Oberbegriff
Der Begriff Schmetterling bezeichnet die gesamte Insektenordnung der Lepidoptera. Zu ihr gehören weltweit mehr als 160.000 bekannte Arten. In Deutschland leben rund 3.700 Arten.
Alle Schmetterlinge besitzen während ihres Lebens vier Entwicklungsstadien:
- Ei
- Raupe
- Puppe
- erwachsenes Tier
Falter bezeichnet das erwachsene Tier
Der Begriff Falter beschreibt ausschließlich das erwachsene, flugfähige Entwicklungsstadium eines Schmetterlings. Eine Raupe oder eine Puppe ist deshalb kein Falter.
In der Fachliteratur wird der Begriff häufig verwendet, weil er eindeutig ist. Ein Tagpfauenauge als Raupe ist beispielsweise ein Schmetterling, aber noch kein Falter. Erst nach dem Schlüpfen aus der Puppe wird daraus ein Falter.
Tagfalter sind nur ein kleiner Teil aller Schmetterlinge
Die meisten Menschen denken bei Schmetterlingen automatisch an bunte Tagfalter. Tatsächlich stellen sie jedoch nur einen kleinen Teil aller Arten dar.
Tagfalter besitzen einige typische Merkmale:
- überwiegend tagaktiv
- oft auffällig gefärbt
- Fühler mit einer keulenförmigen Verdickung
- ruhen meist mit aufgerichteten Flügeln
Zu den bekanntesten Arten gehören Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Admiral oder Schwalbenschwanz.
Allerdings gibt es Ausnahmen. Nicht jeder Tagfalter erfüllt alle diese Merkmale.
Nachtfalter bilden den weitaus größten Teil
Rund 95 Prozent aller Schmetterlingsarten gehören zu den Nachtfaltern. Sie sind keineswegs ausschließlich nachts unterwegs. Manche Arten fliegen in der Dämmerung, andere sogar ausschließlich am Tag.
Zu den tagaktiven Nachtfaltern gehören beispielsweise:
- Widderchen
- Glasflügler
- einige Bärenspinner
- viele Flechtenbärchen
Der Begriff Nachtfalter beschreibt daher in erster Linie die systematische Zugehörigkeit und nicht zwangsläufig die Aktivitätszeit.
Was ist eigentlich eine Motte?
Der Begriff Motte sorgt besonders häufig für Missverständnisse. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine eigene Gruppe der Motten innerhalb der Schmetterlinge. Das Wort stammt aus der Umgangssprache und wird unterschiedlich verwendet.
Meist bezeichnet man damit:
- Kleidermotten
- Lebensmittelmotten
- aber auch kleine unauffällige Nachtfalter
Viele Menschen nennen sämtliche kleinen Nachtfalter Motten, obwohl sie mit den eigentlichen Kleidermotten oder Lebensmittelmotten gar nicht näher verwandt sind.
Eulen, Spanner, Bärenspinner und viele weitere Familien
Innerhalb der Schmetterlinge gibt es zahlreiche Familien mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften.
Zu den bekanntesten gehören:
- Edelfalter
- Weißlinge
- Bläulinge
- Ritterfalter
- Spanner
- Eulenfalter
- Bärenspinner
- Flechtenbärchen
- Glasflügler
- Widderchen
Diese Bezeichnungen beschreiben Verwandtschaftsgruppen innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge und sind keine allgemeinen Namen für alle Arten.
Warum heißen Schmetterlinge eigentlich Schmetterlinge?
Der deutsche Name geht vermutlich auf das mittelhochdeutsche Wort Schmetten zurück, das Rahm oder Sahne bedeutet. Früher glaubte man in einigen Regionen, Hexen könnten sich in Schmetterlinge verwandeln und Milch oder Sahne stehlen. Aus diesem Volksglauben entwickelte sich wahrscheinlich die heutige Bezeichnung.
Andere Sprachen verwenden ganz andere Namen. Das englische Wort Butterfly könnte einen ähnlichen Ursprung besitzen, während das französische Papillon oder das italienische Farfalla völlig andere sprachgeschichtliche Wurzeln haben.
Die wichtigsten Begriffe auf einen Blick
Die verschiedenen Bezeichnungen lassen sich einfach zusammenfassen:
- Schmetterling ist der Oberbegriff für die gesamte Insektenordnung.
- Falter bezeichnet das erwachsene, flugfähige Tier.
- Tagfalter sind eine Teilgruppe der Schmetterlinge.
- Nachtfalter umfassen den größten Teil aller Schmetterlingsarten und sind nicht immer nachtaktiv.
- Motte ist überwiegend ein umgangssprachlicher Begriff und keine eigenständige wissenschaftliche Gruppe.
Häufig gestellte Fragen
Sind alle Falter Schmetterlinge?
Ja. Jeder Falter gehört zu den Schmetterlingen. Der Begriff „Falter" beschreibt lediglich das erwachsene, flugfähige Entwicklungsstadium eines Schmetterlings.
Sind alle Schmetterlinge Falter?
Nein. Ein Schmetterling durchläuft die Entwicklungsstadien Ei, Raupe, Puppe und Falter. Nur das erwachsene Tier wird als Falter bezeichnet.
Ist eine Raupe ein Schmetterling?
Ja. Die Raupe ist ein Entwicklungsstadium eines Schmetterlings. Sie gehört bereits zur Ordnung der Schmetterlinge, ist aber noch kein Falter.
Ist jede Motte ein Nachtfalter?
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort „Motte" meist für kleine Nachtfalter verwendet. Wissenschaftlich handelt es sich jedoch nicht um eine eigene Gruppe. Viele Arten, die umgangssprachlich als Motten bezeichnet werden, gehören tatsächlich zu den Nachtfaltern.
Sind alle Nachtfalter nachts aktiv?
Nein. Zwar sind viele Arten nachtaktiv, doch es gibt zahlreiche Ausnahmen. Einige Nachtfalter fliegen ausschließlich oder überwiegend am Tag, beispielsweise Widderchen oder viele Flechtenbärchen.
Gibt es Tagfalter, die nachts fliegen?
Nein. Die eigentlichen Tagfalter sind an eine tagaktive Lebensweise angepasst. In der Dämmerung oder nachts werden sie normalerweise nicht aktiv.
Woran erkennt man einen Tagfalter?
Die meisten Tagfalter besitzen keulenförmig verdickte Fühler und ruhen mit geschlossenen, aufgerichteten Flügeln. Diese Merkmale treffen jedoch nicht auf jede Art zu, weshalb eine sichere Bestimmung manchmal nur anhand weiterer Merkmale möglich ist.
Woran erkennt man einen Nachtfalter?
Viele Nachtfalter besitzen fadenförmige oder gefiederte Fühler und legen ihre Flügel in Ruhe flach oder dachförmig über den Körper. Auch hier gibt es zahlreiche Ausnahmen, sodass diese Merkmale nur eine Orientierung bieten.
Warum werden manche Nachtfalter als Schmetterlinge bezeichnet?
Weil Nachtfalter ebenfalls Schmetterlinge sind. Der Begriff „Schmetterling" umfasst sowohl Tagfalter als auch Nachtfalter.
Warum werden Nachtfalter oft mit Motten verwechselt?
Viele Menschen verwenden das Wort „Motte" als Sammelbegriff für kleine oder unscheinbare Nachtfalter. Tatsächlich gehören jedoch auch zahlreiche große und farbenprächtige Arten zu den Nachtfaltern, beispielsweise das Abendpfauenauge, der Ligusterschwärmer oder das Rosen-Flechtenbärtchen.
Sind Tagfalter und Nachtfalter eng miteinander verwandt?
Ja. Beide gehören zur Ordnung der Schmetterlinge. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand bilden die Tagfalter sogar eine Gruppe innerhalb der Nachtfalter. Das bedeutet, dass die traditionelle Einteilung in Tag- und Nachtfalter zwar praktisch ist, die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse aber nur vereinfacht wiedergibt.
Warum fliegen manche Nachtfalter ans Licht?
Viele nachtaktive Arten orientieren sich am natürlichen Mondlicht oder an anderen weit entfernten Lichtquellen. Künstliche Beleuchtung kann diese Orientierung stören. Die Falter kreisen dann häufig um Lampen oder bleiben in ihrer Nähe, was sie erschöpfen und zu einer leichteren Beute für Fressfeinde machen kann.
Welche Schmetterlinge leben am längsten?
Die Lebensdauer ist sehr unterschiedlich. Viele Falter leben nur wenige Wochen. Arten wie der Trauermantel oder der Zitronenfalter überwintern jedoch als erwachsene Falter und können dadurch eine Lebensdauer von bis zu etwa elf Monaten erreichen.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





