Blog: Teichschlamm entfernen im Frühling: Hilfreich oder ein Schaden für den Teich? (7917)
Viele Teichbesitzer empfinden den über den Winter angesammelten Schlamm als unschön und befürchten zugleich, dass er im Sommer die Grundlage für eine starke Algenentwicklung bildet. Jetzt, noch zu Beginn der Wachstumsphase der Wasserpflanzen, fällt der schlammige Grund besonders auf und weckt den Wunsch, den Teichgrund gründlich zu reinigen. Aus ökologischer Sicht erweist sich dieses Vorgehen jedoch häufig als Trugschluss und kann dem Teich langfristig mehr schaden als nutzen.
Teichschlamm als unterschätzter Lebensraum
Teichschlamm ist kein lebloser Abfall, sondern ein äußerst aktiver Lebensraum. In ihm leben zahlreiche wirbellose Tiere wie Schlammröhrenwürmer, Wasserasseln, Flohkrebse sowie die Larven vieler Insektenarten. Diese Organismen tragen maßgeblich zum Abbau organischer Substanz bei und halten den Stoffkreislauf im Teich in Gang.
Besonders wichtig sind die im Schlamm lebenden Mikroorganismen. Bakterien und Einzeller zersetzen abgestorbene Pflanzenteile, Laub und andere organische Einträge. Dabei werden Nährstoffe schrittweise umgewandelt und gebunden, so dass sie für höhere Pflanzen verfügbar sind. Diese langsamen Prozesse wirken stabilisierend auf das gesamte Teichsystem. Wird der Schlamm im Frühjahr entfernt, gehen diese natürlichen Puffermechanismen verloren. Die Folge kann sein, dass Nährstoffe ungebremst ins Wasser gelangen und Algen tatsächlich sogar noch bessere Wachstumsbedingungen vorfinden.
Die weit verbreitete Annahme, Teichschlamm sei die Hauptursache für die alljährliche Algenplage, greift daher zu kurz. Häufiger sind es äußere Einträge wie nährstoffreiches Nachfüllwasser, Laub oder ein Mangel an konkurrenzstarken Wasserpflanzen, die das Gleichgewicht verschieben.
Schlamm optisch kaschieren statt entfernen
Wer sich in erster Linie am Anblick des dunklen Teichbodens stört, muss nicht zwangsläufig zum Kescher oder Schlammsauger greifen. Eine naturnahe und ökologisch sinnvolle Alternative besteht darin, den Schlamm durch bodendeckende Unterwasserpflanzen optisch zu verdecken. Diese Pflanzen entziehen dem Wasser Nährstoffe, produzieren Sauerstoff und bieten zahlreichen Tieren zusätzlichen Lebensraum. Im Teichschlamm finden sie die perfekten Wachstumsbedingungen
Zu den bewährten Arten zählen Hornblatt, das frei im Wasser wächst und den Boden gut verdeckt, verschiedene Laichkraut-Arten, die flächige Bestände ausbilden können, Wasserstern mit seinen niedrigen, dichten Teppichen, Wasserfeder, die besonders in naturnahen Teichen strukturreiche Zonen schafft, Tannenwedel, dessen fein gefiederte Triebe den Schlamm wirkungsvoll überdecken, sowie bestimmte Tausendblatt-Arten, sofern sie zur Teichgröße passen und regelmäßig kontrolliert werden.
Wann Teichschlamm tatsächlich zu viel wird
Trotz seiner ökologischen Bedeutung kann es Situationen geben, in denen Teichschlamm überhandnimmt. Wird die Schlammschicht sehr mächtig, beispielsweise nach einer jahrelangen Vernachlässigung auf lehrstehenden Grundstücken, kann es zu Sauerstoffmangel im Bodenbereich kommen, begleitet von Faulprozessen und Gasbildung. Ob dies als Problem empfunden wird, hängt jedoch stark von der jeweiligen Teichart und der persönlichen Zielsetzung ab.
Ein klar strukturierter Zierteich mit Fischbesatz erfordert andere Eingriffe als ein naturnaher Gartenteich. In ersterem kann ein behutsames Entfernen einzelner Schlammzonen sinnvoll sein, während im Naturteich selbst dicke Sedimentschichten Teil einer gewollten Entwicklung darstellen. In einer konsequent naturnahen Sichtweise wird sogar eine fortschreitende Verlandung akzeptiert und als natürlicher Prozess beobachtet, bei dem sich der Teich allmählich in ein Sumpf- oder Moorbiotop verwandelt.
Übermäßige Schlammbildung vermeiden
Damit Teichschlamm gar nicht erst überhandnimmt, ist weniger der Frühjahrsputz entscheidend als eine vorausschauende Pflege im Herbst. Der wichtigste Ansatz besteht darin, organische Einträge möglichst gering zu halten. Fallendes Laub sollte regelmäßig von der Wasseroberfläche entfernt werden, bevor es absinkt und zersetzt wird. In laubreichen Gärten kann ein zeitweise angebrachtes Laubschutznetz sinnvoll sein.
Auch welke und abgestorbene Pflanzenteile sollten im Herbst zurückgeschnitten und aus dem Teich entnommen werden. Dies betrifft insbesondere stark wachsende Sumpf- und Röhrichtpflanzen, deren Biomasse sonst vollständig im Wasser verbleibt. Unterwasserpflanzen können je nach Art teilweise ausgelichtet werden, ohne sie vollständig zu entfernen.
Zusätzlich trägt ein maßvoller Umgang mit Fischbesatz und Fütterung dazu bei, den Nährstoffeintrag gering zu halten. Je weniger organisches Material in den Teich gelangt, desto langsamer wächst die Schlammschicht. Auf diese Weise bleibt der vorhandene Teichschlamm in einem ökologisch sinnvollen Maß erhalten und erfüllt weiterhin seine wichtige Funktion im natürlichen Gleichgewicht des Teiches.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





