Blog: Warum ruft der Kuckuck? (7884)
Kaum ein Vogelruf ist so eindeutig zuzuordnen wie das klare, zweisilbige „ku-ku“. Wenn er wieder durch Wälder, Wiesenränder oder Moorlandschaften hallt, gilt das für viele Naturliebhaber als sicheres Zeichen, dass der Winter endgültig vorbei ist.
Ruf, Revier und Fortpflanzung
Der bekannte Kuckucksruf stammt ausschließlich vom Männchen. Er erfüllt vor allem zwei Funktionen: die Abgrenzung des eigenen Reviers und das Anlocken von Weibchen. Mit seinem Ruf macht das Männchen deutlich, dass ein bestimmtes Gebiet bereits besetzt ist. Andere Kuckucksmännchen werden so auf Abstand gehalten, ohne dass es zu direkten Kämpfen kommen muss.
Gleichzeitig dient der Ruf als akustische Visitenkarte für paarungsbereite Weibchen. Ein kräftiger, regelmäßig vorgetragener Ruf signalisiert Vitalität und Erfahrung. Zu Beginn der Brutsaison ist der Kuckuck besonders ruffreudig. Sobald die Paarungszeit ihrem Ende zugeht, wird er deutlich stiller.
Warum ruft der Kuckuck oft so ausdauernd?
Der scheinbar unermüdliche Ruf hat einen einfachen Grund. Der Kuckuck lebt verborgen und wird trotz seiner Größe nur selten gesehen. Sein Ruf ist daher das wichtigste Mittel, um Präsenz zu zeigen. Besonders an warmen, windstillen Tagen kann der Schall weit getragen werden. Das erklärt, warum ein einzelner Vogel manchmal den Eindruck erweckt, er sei überall zugleich.
Im Laufe des Sommers verstummt der Kuckuck zunehmend. Spätestens im Hochsommer endet der Ruf fast vollständig. Zu diesem Zeitpunkt ist die Fortpflanzungsphase abgeschlossen, und die Vögel bereiten sich innerlich bereits auf den frühen Zug in ihre afrikanischen Überwinterungsgebiete vor.
Volksglaube, Anekdoten und alte Deutungen
Der Kuckuck spielt seit Jahrhunderten eine besondere Rolle im Volksglauben. Sein erster Ruf im Jahr galt vielerorts als Omen. Je nachdem, aus welcher Richtung er zu hören war oder wie oft er rief, sollten sich Rückschlüsse auf Glück, Geld oder sogar die verbleibende Lebenszeit ziehen lassen. Besonders bekannt ist der Brauch, beim ersten Kuckucksruf Münzen in der Tasche zu haben, um finanzielles Glück zu sichern.
Der Kuckucksruf in der Musik: Die „Kuckucksterz“
Der charakteristische Zweiklang des Kuckucks hat auch in der Musik deutliche Spuren hinterlassen: Besonders bekannt ist die sogenannte Kuckucksterz. Dabei handelt es sich um ein Intervall, eine fallende kleine Terz, das dem natürlichen Ruf des Vogels nachempfunden ist.
Komponisten nutzten diese Tonfolge über Jahrhunderte hinweg, um den Kuckuck für die Zuhörer sofort erkennbar musikalisch darzustellen. Besonders anschaulich wird die musikalische Umsetzung des Kuckucksrufs in „Der Kuckuck und der Esel“: In diesem bekannten Volkslied ist die Kuckucksterz klar herauszuhören.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





