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Interview mit Barbara Pachner, Biologin, Redakteurin

Interview mit Barbara Pachner, Biologin, Redakteurin

Hallo Barbara und vielen Dank, dass Du Dich zu diesem Interview bereit erklärt hast! Du bist beim ÖVVÖ (Österreichische Verband für Vivaristik und Ökologie) sehr aktiv, bist aber auch in einem Verein tätig und bei der ATA, das ist die Aqua Terra Austria, die Verbands-Zeitschrift des ÖVVÖ, die jedes Vereinsmitglied in Österreich erhält. Wie bist Du dazu gekommen und was machst Du alles?

Dazu gekommen bin ich eigentlich durch einen bloßen Zufall. Ich war in einem österreichischen, leider inzwischen nicht mehr existierenden, Forum aktiv und an einem gemeinsamen Abend mit meiner Forenfamilie im Gasthaus wurde mir Gerhard Gabler vorgestellt, der damals Autoren für die ATA gesucht hat. Nach langem Überlegen habe ich mich breitschlagen lassen und bereits existierende Artikel der ATA zur Verfügung gestellt. In den Jahren danach habe ich immer mehr Artikel geschrieben, wurde regelmäßiger Gast bei Veranstaltungen und wurde schlussendlich direkt darauf angesprochen im Vorstand des ÖVVÖ aktiv zu werden. Im ÖVVÖ habe ich dann das Medienreferat übernommen, widme mich dort hauptsächlich der Vertretung des ÖVVÖ nach außen und betreue die Social Media Agenden. Als Anton Lamboj die Chefredaktion der ATA niedergelegt hat, habe ich seinen Posten übernommen. Man könnte also sagen, ich bin der Zeitschrift, die mich zum ÖVVÖ gebracht hat, treu geblieben.

Wie war das bei Dir so mit dem Beginn – wie bist Du eigentlich zum Hobby Aquaristik gekommen? Und welche Tiere hast Du damals gehalten?

Interview mit Barbara Pachner, Biologin, Redakteurin (Bild 1)

Willst du die lustige Anekdote, oder die sachliche Wahrheit wissen?

Zur Anekdote: Ich ziehe meine Eltern immer damit auf, dass aus mir nichts anderes werden konnte als Aquarianerin und Biologin, nachdem mein Vater am Tage meiner Geburt, statt auf mich zu warten, lieber Fischfutter tümpeln gegangen ist.

Die sachliche Wahrheit ist ganz einfach. Ich bin Aquarianer in zweiter Generation. Die Aquarien waren vor mir in der elterlichen Wohnung und ich bin damit aufgewachsen. Meiner Meinung nach gibt es da dann nur zwei Wege. Entweder wird man selber so, oder man lehnt es ein Leben lang ab. Für mich, als Papa-Kind, gehörten die Routine des Wasserwechsels, der Geruch nach Algen, Aquarienwasser, Pflanzen, Fischen und Fischfutter einfach dazu. Das ist mein Parfum. Die schönsten Momente, an die ich mich aus meiner frühesten Kindheit erinnere, sind die Wasserwechseltage, wenn ich mich ganz still in eine Ecke des Zimmers meines Vaters gedrückt habe. Oder wenn ich einfach am Boden liegend von unten in diese Unterwasserwelten schauen konnte.

Für mich persönlich hat es auch als kleines Kind mit einem 12l Aquarium begonnen. Mit Spitzschlammschnecken und einem Zyperngras. Später habe ich nach einer Tümpeltour meines Vaters winzige Fischlarven gerettet und „groß gezogen". Niemand hat damit gerechnet, dass da etwas überlebt und umso überraschter waren alle, als mein „Silvester" sich als Karpfen entpuppte und mehrere Jahre bei mir im Fensterbankaquarium schwamm.

Das sind sehr schöne Erinnerungen und Erfahrungen mit Fischen. Du hast aber auch einen "grünen Daumen", wie ich weiß und bist Du im Bereich Wasserpflanzen ebenfalls vereinstechnisch tätig? Würdest Du uns davon erzählen?

Interview mit Barbara Pachner, Biologin, Redakteurin (Bild 1)

Wahrscheinlich zum Leidwesen des inzwischen verstorbenen Claus-Dieter Junge bin ich bisher nicht vereinstechnisch beim Arbeitskreis Wasserpflanzen aktiv geworden. Claus-Dieter hätte es sicher gerne gesehen, wenn ich einen Österreichischen Ableger begründet hätte, aber dazu fehlt mir einfach die Zeit. Aber ja, Pflanzen interessieren mich auch sehr. Und durch Claus-Dieter bin ich in die entsprechende Szene gekommen und immer wieder gerne Gast bei ihren Veranstaltungen, wenn es sich zeitlich für mich ausgeht. Da bringe ich dann schon auch einmal einen ganzen Koffer Wasserpflanzen für Tombola und Versteigerung mit und fliege mit einem ebenso vollen Koffer voller neuer Pflanzen wieder nach Hause. Was als „Erbe" von Claus-Dieter geblieben ist, ist die Tatsache dass ich immer wieder für die Aqua Planta, die Zeitschrift vom Arbeitskreis Wasserpflanzen Artikel schreibe. Und wer weiß, vielleicht werde ich dort noch Mitglied.

Ja, Zusammenschlüsse von Interessierten sind vor allem im Bereich Lebewesen enorm wichtig. Was bedeutet Dir der Verein und der Verband? Wie wichtig findest Du solche Vereinigungen?

Interview mit Barbara Pachner, Biologin, Redakteurin (Bild 1)

Inzwischen bedeuten mir diese Vereinigungen viel. Allerdings agiere ich gedanklich eher auf der Verbandsebene. Ich engagiere mich für meinen Verein, den Danio Wien, denke aber sozusagen globaler. Auch aufgrund meines Studiums. Als politisch interessierter Mensch, der im naturwissenschaftlichen Bereich arbeitet, bemerke ich an vielen Ecken wie immer mehr Restriktionen unseren Alltag bestimmen. Einige davon sind sehr sinnvoll, z.B. Bestimmungen zum Tiertransport. Andere sehe ich eher kritisch, wie z.B. die Tendenz zu Positivlisten und Haltungsverboten. Verbote führen nur zum Abgleiten in den Untergrund und das ist für mich in vielen Belangen der falsche Weg den die Politik beschreitet. Daher auch mein vermehrtes Engagement auf Verbandsebene. Nur in der Masse können wir der Politik zeigen, dass wir gehört werden müssen. Das schafft nicht der Einzelne. Ich wünschte, das würden mehr Leute verstehen und durch ihre Mitgliedschaft im Verband oder einem Verein des Verbandes uns eine weitere Stimme geben, die wir vertreten können. In diesem Sinne habe ich vor einigen Monaten in den Social Media Kanälen den Hashtag #zusammensindwirviviaristik geschaffen. Denn Tatsache ist, nur gemeinsam sind wir stark.

Oh ja, das ist eine unerlässliche Arbeit, die Du da machst. Vielen Dank mal an dieser Stelle dafür!

Zurück zur Verbands-Zeitschrift. Du schreibst selbst Artikel für die ATA. Worüber schreibst Du und welche Themen liegen Dir dabei am Herzen? Oben hast Du erwähnt, dass Du auch Artikel für andere Magazine usw. schreibst?

Interview mit Barbara Pachner, Biologin, Redakteurin (Bild 1)

Was mir am Herzen liegt? Eine möglichst vom Menschen unbeeinflusste Natur. Meine Artikel behandeln verschiedene Bereiche der Aquaristik, Terraristik, aber auch Gartenteiche und einfach die Natur. Im Grunde schreibe ich über die Themen, die mir begegnen und von denen ich denke, dass sie die Leser der ATA interessieren könnten. Da kann es schonmal sein, dass ich eine kleine Beobachtung in einem Artikel zusammenstelle, oder über eine in Österreich heimische Schmetterlingsart berichte.

Allerdings schreibe ich nicht nur für die ATA. Im Laufe der Zeit sind Artikel auch im Online Aquarium Magazin und in der Aqua Planta erschienen. Für gute Freunde, wie Bernd Posseckert, der damals das Online Aquarium Magazin geleitet hat, schreibe ich schon auch mal auf Zuruf.

Welche Tiere hältst Du bzw. haltet Ihr zuhause? Und welche Tiere oder welchen Kontinent bzw. welches Biotop findest Du besonders interessant?

Aktuell bin ich auf Regenbogenfische fixiert und stolz darauf, dass ich noch immer erfolgreich meine erste Regenbogenfischart erhalten und vermehren kann. Meine ganz persönlichen Lieblinge dürfen auch das große 1,2 m lange Becken bewohnen. Daneben finden sich noch ein paar Garnelen, die mein Mann vor einigen Jahren am Bundeskongress ersteigert hat und verschiedene Schnecken. Unsere Anlage ist begrenzt, da auf 36m² Wohnfläche einfach nicht so viel umsetzbar ist.

Neben den Aquarien haben wir noch einige kleinere Terrarien, sind aber in diesem Bereich auf Wirbellose und da vor allem Phasmiden begrenzt.

Was ich besonders interessant finde? Nicht einfach zu beantworten. Neben den Regenbogenfischen gehört mein Herz den Cichliden. Das waren und sind die Lieblinge meines Vaters und haben mich und meine Kindheit geprägt. Wenn ich mir einen Traum erfüllen könnte, dann wäre das ein mehrere Meter langes Südamerikabecken mit Astronotus ocellatus, denn dann hätte ich wieder den Räuberhauptmann meiner Kindheit bei mir.

Die Terraristik kommt manchmal etwas zu kurz. Aber Du hast auch in Richtung Terraristik und "Feldforschung" (heimische Lebewesen) Interessen. Was kannst Du uns dazu erzählen?

Insekten faszinieren mich seit dem Studium. Der eigene Gartenteich hat natürlich dazu beigetragen, dass ich mich mit allem was dort herum kreucht und fleucht beschäftigt habe. Später kamen dann die Phasmiden nach Hause und wurden zu einer zweiten Leidenschaft. Am liebsten würde ich die Arten sammeln, aber aufgrund der begrenzten räumlichen Möglichkeiten kann ich sie nur hintereinander halten. Und führe eben in Form von Artikeln und Bildern Buch über meine Erfahrungen mit den von mir gehaltenen Arten.

Was die heimische Fauna betrifft, kann ich als Biologin einfach nicht anders. Das hat bei mir schon als Kind angefangen, in dem ich Buch darüber geführt habe, wann welche Arten bei uns am Gartenteich zu sehen waren. Final hat mich das im Studium dazu gebracht, eine Artenliste über die Tiere unseres Gartenteiches zu erstellen, die auch in ihrer natürlich nie vollständigen Form in der ATA gedruckt wurde. Auch jetzt ist es noch so, wenn ich hinaus in den Garten komme, stehe ich als Erstes am Teichrand und schaue, was ich sehe.

Leider sind wir schon bei der letzten Frage angekommen. Was wäre Dir noch wichtig zu erwähnen? Sei es in Bezug auf unsere Umwelt, die Vereine oder Tiere… Hast Du bei diesen Themen vielleicht ein besonderes Anliegen?

Das ist nicht einfach. In Bezug auf unser Hobby ist es mir wichtig die Leute aufzurütteln. Wir müssen aktiv werden, wenn wir nicht in wenigen Jahren vor dem Scherbenhaufen unseres Hobbys stehen wollen. So wie "Fridays for Future" müssen wir Aquarianer und Terrarianer beginnen aktiv zu werden. Wir müssen jetzt nicht wöchentlich am Heldenplatz in Wien demonstrieren, aber wenn der ÖVVÖ zeigen kann, dass er zigtausende Mitglieder hat, dann kann er seine Argumente mit mehr Gewicht vorlegen. Und Mitglied werden kostet außer einem kleinen Geldbetrag nichts, bringt aber viel, viel mehr.

In Bezug auf die Umwelt denke ich, ist es schon Fünf nach Zwölf. Wir müssen aktiv werden, auf unser Konsumverhalten achten und nicht nur die wenigen Flächen, die noch recht naturbelassen sind erhalten, sondern in den nächsten Jahren mehr Flächen der Natur zurück geben. Sonst droht uns ein Supergau, den jetzt noch kein Wissenschaftler so richtig abschätzen kann. Ich bin dafür, dass die Kenngröße zur Bewertung der Nachhaltigkeit, der ökologische Fußabdruck sein sollte und zwar von Beginn der Produktion eines Gegenstandes, bis hin zur Verwertung seiner Bestandteile.

Ich habe den von meinem Mann und mir erst kürzlich wieder berechnet (da gibt es mehrere Webseiten, die mehr oder weniger gut die einzelnen Parameter durchspielen) und wir liegen mehr als deutlich unter dem Durchschnittswert der Österreicher. Es wäre schön, wenn wir alle gemeinsam den Schnitt senken könnten.

Vielen Dank für das Interview, Barbara! Ja, der ökologische Fußabdruck wird vielen bekannt sein. Wer dies gerne für sich machen möchte, hier ein Link als Beispiel:

https://www.mein-fussabdruck.at

Hier geht es zum ÖVVÖ:

https://oevvoe.org

Und da geht es zum Aquarien-Verein "Danio Wien", bei dem Barbara Mitglied ist:

https://danio.at

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de

Titel: Interview mit Barbara Pachner, Biologin, Redakteurin