Ceratina chalybea im Garten
Einrichtungsbeispiele mit Metallische Keulhornbiene

Wissenswertes zu Ceratina chalybea (Metallische Keulhornbiene)
Die Metallische Keulhornbiene, wissenschaftlich als Ceratina chalybea bekannt, ist eine der faszinierendsten, aber zugleich am häufigsten übersehenen Wildbienenarten in unseren Gärten. Ihr metallischer Glanz, ihr ruhiges Wesen und ihre besondere Lebensweise machen sie zu einer spannenden Bewohnerin naturnaher Grünflächen. Für Gartenliebhaber, die Wert auf Artenvielfalt, ökologische Zusammenhänge und nachhaltige Gestaltung legen, ist diese kleine Wildbiene von besonderem Interesse.
Im Gegensatz zur allseits bekannten Honigbiene handelt es sich bei der Metallischen Keulhornbiene um eine solitär lebende Art. Sie baut keine großen Staaten, produziert keinen Honig und steht dennoch in enger Verbindung mit der Gesundheit unserer Gärten. Wer sich intensiver mit ihr beschäftigt, entdeckt nicht nur eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit, sondern auch ein Beispiel dafür, wie wichtig strukturreiche Gärten für den Erhalt der Biodiversität sind.
Herkunft und Verbreitung
Ceratina chalybea ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Süd- und Mitteleuropa bis in wärmere Regionen Osteuropas. In Deutschland ist sie vor allem in klimatisch begünstigten Gebieten anzutreffen, breitet sich jedoch zunehmend auch in nördlichere Regionen aus. Milde Winter und strukturreiche Kulturlandschaften begünstigen ihre Ausbreitung.
Historisch gesehen ist die Art eng mit offenen, sonnigen Landschaften verbunden. Trockenrasen, Waldränder, Feldraine und extensiv genutzte Wiesen gehören zu ihren ursprünglichen Lebensräumen. Mit der zunehmenden Gestaltung naturnaher Gärten und dem wachsenden Bewusstsein für Wildbienen findet sie heute auch in Siedlungsgebieten geeignete Bedingungen.
Gattung und Familie
Die Metallische Keulhornbiene gehört zur Gattung Ceratina, die innerhalb der Familie Apidae eingeordnet wird. Die Familie Apidae umfasst neben zahlreichen Wildbienenarten auch bekannte Vertreter wie Hummeln und Honigbienen.
Die Gattung Ceratina wird im Deutschen häufig als Keulhornbienen bezeichnet. Der Name verweist auf die charakteristisch leicht verdickten Fühler, die bei manchen Arten besonders ausgeprägt sind. Weltweit existieren zahlreiche Ceratina-Arten, die sich in Größe, Färbung und Lebensweise ähneln, jedoch oft nur von Fachleuten sicher unterschieden werden können.
Innerhalb dieser Gattung zählt Ceratina chalybea zu den auffälligsten Arten Mitteleuropas, da sie durch ihren metallischen Glanz besonders ins Auge fällt.
Beschreibung der Art
Mit einer Körperlänge von etwa 6 bis 8 Millimetern gehört die Metallische Keulhornbiene zu den kleineren Wildbienenarten. Trotz ihrer geringen Größe wirkt sie durch ihre intensive Färbung auffällig.
Der gesamte Körper schimmert metallisch blau bis blaugrün. Je nach Lichteinfall kann die Oberfläche auch einen stahlblauen oder leicht grünlichen Ton annehmen. Dieser Glanz entsteht durch die besondere Struktur der Chitinoberfläche und nicht durch Pigmente im herkömmlichen Sinne.
Charakteristisch ist außerdem eine helle Zeichnung im Gesichtsbereich. Besonders bei den Weibchen zeigt sich eine helle, oft gelbliche oder weißliche Zeichnung auf dem Kopfschild. Die Männchen können zusätzliche helle Markierungen aufweisen.
Die Flügel sind durchsichtig mit leicht bräunlicher Tönung. Beine und Fühler sind dunkel gefärbt, wobei die namensgebenden keulenförmigen Antennen dezent ausgeprägt sind.
Natürliches Habitat und Lebensraum
Ceratina chalybea bevorzugt sonnige, warme Standorte mit ausreichendem Blütenangebot. Ihr natürlicher Lebensraum umfasst:
- Waldränder
- Lichtungen
- Trockenrasen
- Böschungen
- Heckenstrukturen
- Extensiv genutzte Wiesen
Entscheidend ist nicht nur das Blütenangebot, sondern auch das Vorhandensein geeigneter Nistmöglichkeiten. Anders als viele andere Wildbienen gräbt die Metallische Keulhornbiene keine Nester in den Boden. Stattdessen nutzt sie markhaltige Pflanzenstängel.
Bevorzugt werden abgestorbene oder vertrocknete Stängel von Brombeeren, Holunder, Disteln oder anderen krautigen Pflanzen mit weichem Mark. In dieses Mark nagt das Weibchen einen Gang, in dem später die Brutzellen angelegt werden.
Verhalten und Lebensweise
Die Metallische Keulhornbiene lebt solitär. Jedes Weibchen baut sein eigenes Nest und versorgt die Brut eigenständig. Dennoch können mehrere Nester in unmittelbarer Nähe zueinander vorkommen, wenn die Bedingungen günstig sind.
Ein besonders interessantes Merkmal ist ihr vergleichsweise ausgeprägtes Brutpflegeverhalten. Während viele solitäre Wildbienen nach dem Verschließen der Brutzellen keine weitere Fürsorge betreiben, bleibt das Weibchen von Ceratina chalybea oft längere Zeit im Nest. Es bewacht die Brut und schützt sie vor Parasiten oder Fressfeinden.
Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa in der Regel von Mai bis in den Spätsommer hinein. In warmen Jahren kann sie früher beginnen oder länger andauern.
Im Flug wirkt die Art ruhig und wenig hektisch. Sie bewegt sich gezielt zwischen Blüten und ist selten aggressiv.
Nahrung und Bestäubungsleistung
Wie alle Wildbienen ernährt sich Ceratina chalybea von Nektar und Pollen. Die Weibchen sammeln Pollen als Nahrung für ihre Larven, während sie selbst vor allem Nektar zur Energiegewinnung aufnehmen.
Sie gilt als polylektisch, das bedeutet, sie nutzt eine Vielzahl unterschiedlicher Blütenpflanzen. Besonders gerne besucht sie:
- Korbblütler
- Lippenblütler
- Doldenblütler
- Schmetterlingsblütler
Im Garten profitiert sie von einem breiten Blühangebot über die gesamte Saison hinweg. Staudenbeete, Kräuterspiralen, naturnahe Wiesenbereiche und blühende Hecken tragen maßgeblich zu ihrer Ernährung bei.
Durch ihre Blütenbesuche leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung zahlreicher Pflanzenarten. Auch wenn sie aufgrund ihrer Größe weniger auffällt als Hummeln oder Honigbienen, trägt sie dennoch erheblich zur ökologischen Stabilität bei.
Vorkommen im Garten
In naturnah gestalteten Gärten ist Ceratina chalybea keine Seltenheit. Voraussetzung sind:
- Verzicht auf Pestizide
- Strukturreiche Gestaltung
- Belassen abgestorbener Pflanzenstängel
- Ganzjährige Blütenvielfalt
- Sonnige Standorte
Besonders wichtig ist es, Stängel nicht im Herbst vollständig zurückzuschneiden. Wer Stauden über Winter stehen lässt, bietet potenzielle Nistplätze.
Auch Totholzelemente, wilde Ecken und unaufgeräumte Bereiche fördern das Vorkommen. Die Art ist wenig störanfällig und toleriert die Nähe zum Menschen gut.
Giftigkeit und Gefährdungspotenzial
Die Metallische Keulhornbiene ist nicht aggressiv. Wie nahezu alle Wildbienen kann das Weibchen theoretisch stechen, wenn es massiv bedrängt wird. In der Praxis kommt es jedoch äußerst selten zu Stichen.
Das Gift entspricht in seiner Wirkung dem anderer Bienenarten, ist jedoch aufgrund der geringen Menge für gesunde Menschen unproblematisch. Für Allergiker gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen bei Bienenstichen.
Für Haustiere oder Kinder stellt die Art keine besondere Gefahr dar.
Vermehrung und Entwicklungszyklus
Die Fortpflanzung beginnt im Frühjahr mit der Paarung. Anschließend sucht das Weibchen geeignete Stängel, in die es einen Nistgang nagt.
Im Inneren werden mehrere Brutzellen hintereinander angelegt. Jede Zelle wird mit einem Pollenvorrat versehen, auf den ein Ei gelegt wird. Danach wird die Zelle verschlossen.
Die Larven entwickeln sich im geschützten Stängelinneren, verpuppen sich und schlüpfen meist im darauffolgenden Jahr. In günstigen Regionen kann es auch zu einer schnelleren Entwicklung kommen.
Ein bemerkenswertes Verhalten ist das zeitweise Zusammenleben mehrerer Generationen im selben Nistgang. In einigen Fällen bleibt ein erwachsenes Tier im Nest und beteiligt sich indirekt am Schutz der jüngeren Geschwister.
Mögliche Krankheiten und Parasiten
Wie viele Wildbienen ist auch Ceratina chalybea potenziell von Parasiten betroffen. Dazu zählen:
- Schlupfwespen
- Kuckucksbienen
- Milben
- Pilzbefall bei ungünstiger Witterung
Ein gesundes, vielfältiges Umfeld reduziert das Risiko massiver Ausfälle. Monokulturen und chemische Belastungen schwächen Populationen und erhöhen die Anfälligkeit.
Für den Gartenbesitzer besteht kein Handlungsbedarf, da es sich um natürliche ökologische Prozesse handelt.
Alternative Bezeichnungen
Neben dem deutschen Namen Metallische Keulhornbiene sind auch folgende Bezeichnungen gebräuchlich:
- Blaue Keulhornbiene
- Stahlblaue Keulhornbiene
- Kleine Holzbiene
Die Bezeichnung Kleine Holzbiene verweist auf ihre Fähigkeit, in markhaltigen Pflanzen zu nagen, auch wenn sie kein echtes Holz im engeren Sinne bearbeitet.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Metallische Keulhornbiene selten?
Regional kann sie selten erscheinen, insgesamt gilt sie jedoch nicht als akut bedroht. Ihre Bestände hängen stark von geeigneten Strukturen ab.
Kann man sie gezielt ansiedeln?
Eine direkte Ansiedlung ist nicht üblich. Durch geeignete Gartenstrukturen kann man jedoch optimale Bedingungen schaffen.
Nutzt sie Insektenhotels?
Sie bevorzugt markhaltige Stängel. Klassische Hartholzblöcke mit Bohrlöchern werden seltener angenommen.
Muss man Nester entfernen?
Nein. Die Nester sind unproblematisch und sollten belassen werden.
Fazit
Ceratina chalybea ist eine beeindruckende Vertreterin unserer heimischen Wildbienenfauna. Ihre metallische Färbung, ihre ruhige Lebensweise und ihre Anpassungsfähigkeit machen sie zu einer Bereicherung für jeden naturnahen Garten.
Wer strukturreiche Lebensräume schafft, auf chemische Mittel verzichtet und Pflanzenstängel über Winter stehen lässt, fördert diese Art ganz automatisch. Sie dankt es mit zuverlässiger Bestäubungsarbeit und einem faszinierenden Einblick in die Vielfalt heimischer Insektenwelt.
Die Metallische Keulhornbiene steht exemplarisch für die Bedeutung kleiner, oft übersehener Arten. Ihr Schutz beginnt nicht mit großen Maßnahmen, sondern mit bewusster Gartengestaltung und einem Verständnis für natürliche Kreisläufe.