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Similiparma lurida im Aquarium halten

Einrichtungsbeispiele mit Kanaren-Demoiselle

Similiparma lurida im Aquarium halten (Einrichtungsbeispiele mit Kanaren-Demoiselle)
Similiparma lurida (Kanaren-Demoiselle) - Bildquelle: Das Bild stammt von der freien Enzyklopädie Wikipedia. Lizenzhinweise: Diego Delso, Fula negra (Abudefduf luridus), franja marina Teno-Rasca, Tenerife, España, 2022-01-09, DD 37-38 FS, CC BY-SA 4.0

Wissenswertes zu Similiparma lurida (Kanaren-Demoiselle)

Die Kanaren-Demoiselle, wissenschaftlich Similiparma lurida, gehört zu den faszinierendsten Riffbarschen des östlichen Atlantiks. Während viele Aquarianer vor allem Arten aus dem Indopazifik kennen, ist diese Art ein spannender Vertreter der europäischen und makaronesischen Küstenfauna. Sie fällt nicht durch extreme Farbenpracht auf, sondern durch ihr charakterstarkes Verhalten, ihre Robustheit und ihre Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltbedingungen. Gerade das macht sie für fortgeschrittene Aquarianer interessant, die sich mit Kalt- bis gemäßigt-warmen Meerwasseraquarien beschäftigen oder ein Biotop-Aquarium nach atlantischem Vorbild pflegen möchten.

Systematik: Gattung und Familie

Similiparma lurida gehört zur Familie der Pomacentridae, also zu den Riffbarschen. Diese Familie umfasst mehrere hundert Arten, darunter bekannte Gattungen wie Chromis, Amphiprion oder Dascyllus. Die meisten Aquarianer verbinden Pomacentriden mit tropischen Korallenriffen, aggressivem Revierverhalten und hoher Anpassungsfähigkeit. Genau diese Eigenschaften finden sich auch bei Similiparma lurida, allerdings in einer ökologisch völlig anderen Umgebung.

Die Gattung Similiparma ist vergleichsweise klein und umfasst nur wenige Arten. Charakteristisch für diese Gattung ist der kompakte, hochrückige Körperbau, die starke territoriale Bindung und eine Ernährung, die sich überwiegend auf Algen und Aufwuchs konzentriert. Früher wurde Similiparma lurida teilweise anderen Gattungen zugeordnet, was zu verschiedenen wissenschaftlichen Synonymen geführt hat.

Herkunft und natürliche Verbreitung

Die Kanaren-Demoiselle ist im östlichen Atlantik beheimatet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der Küste Portugals über Madeira und die Azoren bis zu den Kanarischen Inseln. Auch an der nordwestafrikanischen Küste ist sie lokal anzutreffen. Besonders häufig findet man sie rund um vulkanische Inseln mit felsigem Untergrund.

Sie lebt bevorzugt in flachen Küstenzonen, meist in Tiefen zwischen einem und 20 Metern. Dort besiedelt sie felsige Riffe, Lavaplattformen und Steilküsten, die von Algen bewachsen sind. Korallenriffe im klassischen Sinne sind in ihrem Lebensraum selten, stattdessen dominieren Braunalgen, Rotalgen und Kalkalgen.

Die Wassertemperaturen in ihrem natürlichen Habitat schwanken je nach Jahreszeit stark und liegen meist zwischen 17 und 24 Grad Celsius. Diese Temperaturschwankungen machen Similiparma lurida widerstandsfähiger als viele tropische Riffbarsche, stellen aber im Aquarium besondere Anforderungen an Technik und Planung.

Lebensraum und ökologische Bedeutung

In der Natur spielt Similiparma lurida eine wichtige Rolle im Küstenökosystem. Sie verteidigt aktiv kleine Algenreviere, die sie kontinuierlich abweidet. Dadurch beeinflusst sie die Zusammensetzung des Algenbewuchses und verhindert das Überhandnehmen einzelner Arten. Gleichzeitig bietet sie durch ihr aggressives Verhalten kleineren Fischen indirekten Schutz, da Räuber diese stark verteidigten Zonen oft meiden.

Ihre Revierbindung ist so ausgeprägt, dass einzelne Tiere über Jahre hinweg denselben Felsen oder dieselbe Spalte bewohnen. Diese Standorttreue macht sie gut beobachtbar und zu einem beliebten Motiv für Unterwasserfotografen im Atlantik.

Beschreibung und allgemeine Merkmale

Similiparma lurida ist ein mittelgroßer Riffbarsch mit einer Endgröße von etwa 12 bis 15 Zentimetern. Der Körper ist hochrückig und seitlich abgeflacht, typisch für Pomacentriden. Der Kopf ist relativ kurz, mit kräftigem Maul und gut entwickelten Kiefermuskeln, die für das Abweiden von Algen notwendig sind.

Die Rückenflosse ist langgezogen und besteht aus einem vorderen stacheligen sowie einem hinteren weichstrahligen Teil. Die Afterflosse ist ebenfalls gut ausgeprägt, während die Schwanzflosse leicht gegabelt bis abgerundet ist.

Aussehen und Farbvariationen

Der Name „lurida“ weist bereits auf die eher dunkle, gedeckte Färbung hin. Erwachsene Tiere zeigen meist eine braun-grüne bis olivfarbene Grundfarbe, die je nach Lichteinfall und Stimmung variiert. Häufig schimmern metallische Blau- oder Grüntöne durch, besonders im Sonnenlicht oder unter Aquarienbeleuchtung.

Jungtiere unterscheiden sich deutlich von adulten Exemplaren. Sie sind oft heller gefärbt und zeigen kontrastreiche Zeichnungen mit bläulichen oder gelblichen Akzenten. Diese Jugendfärbung dient vermutlich der Tarnung und der Reduzierung von Aggressionen durch erwachsene Artgenossen.

Mit zunehmendem Alter wird die Färbung homogener und dunkler. Während der Fortpflanzungszeit können Männchen intensivere Farben entwickeln, insbesondere im Bereich von Kopf und Flanken.

Verhalten und Sozialstruktur

Das Verhalten der Kanaren-Demoiselle ist eines ihrer markantesten Merkmale. Sie gilt als stark territorial, selbst im Vergleich zu anderen Riffbarschen. In freier Natur verteidigt jedes adulte Tier ein klar abgegrenztes Revier, das es aggressiv gegen Eindringlinge verteidigt – unabhängig davon, ob es sich um Artgenossen oder andere Fischarten handelt.

Im Aquarium zeigt sich dieses Verhalten ebenfalls deutlich. Similiparma lurida ist kein typischer Gesellschaftsfisch und sollte nur mit Bedacht vergesellschaftet werden. Innerartliche Aggressionen können stark ausgeprägt sein, besonders in zu kleinen Becken.

Trotz ihrer Aggressivität ist sie ein sehr intelligenter und neugieriger Fisch. Sie lernt schnell, wo sich Futterquellen befinden, und reagiert oft aktiv auf den Pfleger. Viele Halter berichten, dass ihre Tiere regelrecht „Bezug“ zum Menschen aufnehmen.

Ernährung in der Natur

In freier Wildbahn ernährt sich Similiparma lurida überwiegend herbivor bis omnivor. Hauptbestandteil der Nahrung sind Algen, Biofilme und Aufwuchs, die sie von Felsen abweidet. Ergänzend nimmt sie kleine Wirbellose, Krebstiere und Zooplankton auf, die sich im Algenbewuchs befinden.

Diese Ernährungsweise macht sie zu einem wichtigen Algenkontrolleur im Küstenbereich. Gleichzeitig erklärt sie, warum eine reine Fleischkost im Aquarium langfristig zu Problemen führen kann.

Haltung im Aquarium – Grundvoraussetzungen

Die Haltung von Similiparma lurida im Aquarium ist anspruchsvoll, aber machbar, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt werden. Wichtig ist vor allem, dass es sich nicht um einen klassischen Tropenfisch handelt.

Beckengröße

Für ein einzelnes Tier sollte das Meerwasseraquarium mindestens 500 Liter fassen. Größere Becken sind klar zu bevorzugen, insbesondere wenn eine Vergesellschaftung geplant ist. Das Becken sollte eine große Grundfläche bieten, da die Art stark revierorientiert ist.

Wassertemperatur

Ein zentraler Punkt ist die Temperatur. Ideal sind 18 bis 22 Grad Celsius. Kurzzeitig werden auch etwas höhere Temperaturen toleriert, dauerhaft über 24 Grad sollten jedoch vermieden werden. In vielen Fällen ist ein Kühler notwendig, insbesondere in Wohnräumen im Sommer.

Wasserwerte

Similiparma lurida ist relativ tolerant gegenüber Schwankungen, dennoch sollten stabile Bedingungen angestrebt werden:

  • Salzgehalt im Bereich von natürlichem Meerwasser
  • pH-Wert leicht alkalisch
  • Gute Sauerstoffversorgung durch Strömung und Oberflächenbewegung
  • Strömung und Struktur

Eine kräftige, wechselnde Strömung kommt dem natürlichen Lebensraum entgegen. Das Becken sollte stark strukturiert sein, mit Felsen, Spalten und Höhlen. Diese Strukturen dienen nicht nur als Rückzugsorte, sondern auch zur Revierbildung.

Fütterung im Aquarium

Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich und algenbetont sein. Geeignet sind:

  • Algenblätter und Algenpellets
  • Frostfutter mit pflanzlichem Anteil
  • Feines Granulat für omnivore Meeresfische
  • Gelegentlich Mysis, Artemia oder Krill

Eine rein tierische Ernährung führt häufig zu Verdauungsproblemen und langfristig zu Organschäden. Ideal ist es, wenn sich im Becken natürlicher Algenaufwuchs bildet, den die Tiere selbstständig abweiden können.

Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung ist einer der schwierigsten Aspekte bei Similiparma lurida. Sie sollte nicht mit friedlichen oder sehr kleinen Fischen zusammen gehalten werden. Geeignet sind robuste Arten ähnlicher Größe, die ebenfalls territorial sind und sich behaupten können.

Mehrere Exemplare dieser Art sollten nur in sehr großen Becken gehalten werden, idealerweise mit klarer Revierstruktur. In kleineren Aquarien kommt es fast zwangsläufig zu Dauerstress und Verletzungen.

Giftigkeit und mögliche Gefahren

Similiparma lurida gilt nicht als giftig im klassischen Sinne. Sie besitzt keine Giftstacheln und produziert keine bekannten Toxine. Dennoch können ihre kräftigen Kiefer schmerzhafte Bisse verursachen, wenn sie sich bedroht fühlt, etwa bei Arbeiten im Aquarium.

Für den Menschen besteht keine ernsthafte Gefahr, dennoch ist Vorsicht geboten, insbesondere während der Fortpflanzungszeit, wenn die Aggressivität zunimmt.

Fortpflanzung und Vermehrung

In der Natur erfolgt die Fortpflanzung saisonal, meist in den wärmeren Monaten. Das Männchen bereitet einen Laichplatz auf einem Felsen vor, den es intensiv reinigt. Das Weibchen legt dort mehrere hundert Eier ab, die anschließend vom Männchen bewacht und befächelt werden.

Die Brutpflege ist ausgeprägt. Das Männchen verteidigt das Gelege aggressiv gegen Eindringlinge. Nach dem Schlupf werden die Larven ins Freiwasser entlassen und verbringen eine planktonische Phase, bevor sie sich wieder in Küstennähe ansiedeln.

Zucht im Aquarium

Eine erfolgreiche Nachzucht im Aquarium ist bislang sehr selten und gilt als anspruchsvoll. Hauptprobleme sind:

  • Die planktonischen Larven mit sehr feinen Nahrungsansprüchen
  • Die Temperaturansprüche während der Larvenphase
  • Die hohe Aggressivität der Elterntiere

Mit großem technischem Aufwand und Erfahrung in der Meerwasserzucht ist eine Nachzucht theoretisch möglich, praktisch aber eher ein Projekt für spezialisierte Züchter.

Typische Krankheiten und Gesundheitsprobleme

Similiparma lurida ist insgesamt robust, kann aber bei falscher Haltung krankheitsanfällig werden. Häufige Probleme sind:

  • Verdauungsstörungen durch falsche Ernährung
  • Haut- und Kiemenprobleme bei schlechter Wasserqualität
  • Parasitenbefall bei Stress oder Neuzugängen

Eine abwechslungsreiche Ernährung, stabile Wasserwerte und ausreichend Platz sind die beste Prophylaxe. Medikamente sollten, wenn überhaupt, mit Vorsicht eingesetzt werden, da die Art empfindlich auf Kupfer reagieren kann.

Alternative Bezeichnungen und Synonyme

Im Deutschen ist Similiparma lurida vor allem als Kanaren-Demoiselle bekannt. Weitere gebräuchliche Namen sind:

  • Atlantische Demoiselle
  • Luride Riffbarsch

In älterer Literatur finden sich auch andere wissenschaftliche Bezeichnungen, die heute als Synonyme gelten. Für die Aquaristik ist jedoch der Name Similiparma lurida etabliert.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Similiparma lurida für Anfänger geeignet?

Nein, sie eignet sich eher für erfahrene Aquarianer mit ausreichend Platz und Technik.

Kann man sie in einem Tropenriffbecken halten?

Davon ist abzuraten, da die Temperaturansprüche nicht passen.

Frisst sie Korallen?

Nein, sie interessiert sich nicht für Korallen, sondern für Algen.

Wie alt wird die Kanaren-Demoiselle?

Bei guter Haltung können 8 bis 12 Jahre erreicht werden.

Braucht sie unbedingt einen Kühler?

In vielen Haushalten ja, insbesondere im Sommer.

Fazit

Similiparma lurida ist ein außergewöhnlicher Meerwasserfisch, der sich deutlich von klassischen tropischen Aquarienbewohnern unterscheidet. Ihre Herkunft aus dem östlichen Atlantik, ihre Robustheit und ihr ausgeprägtes Verhalten machen sie zu einer spannenden Art für spezialisierte Aquarienprojekte. Sie ist kein Fisch für schnelle Erfolge oder kleine Becken, sondern ein Charaktertier, das Platz, Struktur und Verständnis für seine Biologie verlangt.

Wer bereit ist, sich auf ihre besonderen Ansprüche einzulassen, wird mit einem langlebigen, interessanten und sehr präsenten Pflegling belohnt. Gerade in Biotop-Aquarien oder kühleren Meerwassersystemen kann die Kanaren-Demoiselle ihr volles Potenzial entfalten und einen faszinierenden Einblick in die Unterwasserwelt des Atlantiks geben.

Haltungsbedingungen

Um Similiparma lurida (Kanaren-Demoiselle) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.

  • Wassertemperatur: 18° bis 22°C
  • Mindestaquariengröße: 500 Liter

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