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Allgemeines zu Bakterien und Anderes (Teil sechs)

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Filterreinigung

Das wohl am meisten kontrovers diskutierte Thema. Die vorherrschende Meinung ist aber die, dass man die Filter so weit wie möglich in Ruhe lassen sollte und nur bei sichtbarer Verschmutzung (starker Rückgang des Wasserdurchflusses) reinigen sollte.

Als Begründung wird angeführt, dass man durch eine Reinigung ja die Filterbakterien reduziert. Gleichzeitig wird meist auch noch empfohlen möglichst gro??e Filtervolumen zu haben, um eine lange Standzeit zu erreichen. Hört sich schlüssig und richtig an, aber gibt es da nicht auch noch eine andere Seite der Medaille?

Ich zähle nur mal die wichtigsten 3 Punkte auf.

1. Filterbakterien = Nitrifikationsbakterien.

Hier fängt meist schon der erste Irrtum an. Im Filter sitzen nicht nur Nitrifikationsbakterien. Filtermaterial ist Substrat. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Es ist falsch anzunehmen, dass Nitrifikationsbakterien als substratgebundene Bakterien die Einzigen sind, die sich darauf ansiedeln.

Je mehr Substrat (je grö??er das Filtervolumen), desto mehr Bakterien können darauf leben, allerdings nicht die Nitrifikationsbakterien, diese sind so sehr abhängig von der Menge ihrer angebotenen Nahrung, dass sie sich eben NICHT vermehren, nur weil ihnen Platz angeboten wird.

Andere substratgebundene Bakterien, die sich nicht so sehr auf eine Nahrungsquelle spezialisiert haben, sind da im Vorteil. Immer wieder wird der böse Keimdruck, also die Gesamtanzahl der Bakterien im Becken, als schädlich angesehen. Die sehr gro??e Quelle des Keimdruckes, nämlich der Filter und vor allem der gro??e Filter, wird meist in diesen ??berlegungen gar nicht mit einbezogen. Man könnte einwenden, dass die Fische ja nicht mit dem Filtermaterial in Berührung kommen, also dass das egal ist, was sich da im Filter tummelt. Dies würde ich nicht so unterschreiben. Bakterien können durchaus aus dem Filter austreten, ist ja kein Gefängnis.

Das bei einer Filterreinigung auch Nitrikikationbakterien entfernt werden, ist logisch. Aber angenommen, man zerstört bei dieser Reinigung 50% dieser Bakterien. Da es 24 Stunden dauert, bis sich die langsamsten Nitrifikationsbakterien geteilt haben, ist nach spätestens 24 Stunden die alte Anzahl der Nitrifikationsbakterien wieder vorhanden.

2. Wenn der Wasserdurchfluss schon stark nachlässt, ist das Filtermaterial schon recht verschlickt. Aber wie sehen die Lebensbedingungen in so einem verschlickten Fitermaterial denn für die Nitrifikationsbakterien aus?

Eins vorweg: Alles andere als gut.

Wasser ist faul, es geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. In verschlicktem Filtermaterial kommt es zur Kanalbildung, d.h. es werden nur gewisse Anteile des Materials durchströmt, Bereiche mit starker Verschlickung werden überhaupt nicht mehr durchströmt. Und je mehr die Verschlickung zunimmt, desto mehr Bereiche werden von der Wasserzufuhr abgeschnitten. Kein Wasser ??? keine Nahrung, kein Sauerstoff ???Tod der Nitrifikationsbakterien in diesem Bereich. Auf der anderen Seite sind diejenigen Bereiche wo noch Wasser durchflie??en kann durch die erhöhte Flie??geschwinigkeit des Wassers (je enger die Kanäle werden, desto höher die Flie??geschwindigkeit des Wassers) für die Nitrifikationsbakterien auch kontraproduktiv. Wie schon vorher erwähnt, soll die beste Anströmgeschwindigkeit zwischen 5 und 10cm/ min liegen. Also verringert sich die Abbauleistung in einem verschlicktem Filtermaterial. Von daher muss man sich wirklich die Frage stellen, welchen Anteil der Filter mit einem verschlicktem Filtermaterial nun wirklich an der Nitrifikation hat?

Dass in diesen Becken der Nitritwert n.n beträgt, ist kein Beweis für die Abbauleistung im Filter selber. Denn Nitrifikationsbakterien siedeln sich dort an, wo sie die besten Lebensbedingungen haben. Ist es halt nicht der Filter, weil verschlickt, siedeln sie sich eben woanders an. (Bodengrund, Deko etc.).

3. Jetzt kommt noch etwas zum Tragen, was erst in neuerer Zeit erkannt wurde. Nitrifikationsbakterien sind nicht nur Nitrifizierer, sondern auch Denitrifizierer (da komme ich später noch genauer drauf zu sprechen).

Normalerweise besteht ein gewisses Gleichgewicht zwischen Nitrifikation und Denitrifikation.

Aber je länger die Nitrifikationsbakterien so ohne Störung (Filterreinigung) vor sich hinwuseln können, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieses Gleichgewicht verschieben kann.

??berwiegen die Nitrifizierer, sinkt die KH und der ph-Wert. Im ungünstigsten Fall kommt es zu einem bakteriell bedingten Säuresturz. Dieser ist zwar absolut selten, aber im Gegensatz zur oft vertretenden Meinung kein Märchen.

??berwiegen die Denitrifizierer geschieht etwas anderes. Die KH und der pH-Wert steigen.

Aufgrund dieser und anderer Gründe erachte ich eine regelmä??ige Filterreinigung unabhänging vom Durchfluss, als sinnvoll. Dies ist aber meine ganz eigene Sichtweise.

Ich will hier niemanden bekehren, dies genauso zu machen.

Von daher noch mal der Hinweis: ich habe meinen Weg gefunden, wie ich mein Hobby betreibe. Ich behaupte nicht, dass mein Weg der Einzig richtige ist und alles andere nicht funktioniert.

Titel: Allgemeines zu Bakterien und Anderes (Teil sechs) (Artikel 3388)

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