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Dein Balkonkraftwerk: Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen?

Lesezeit: ca. 6 Minuten
Dein Balkonkraftwerk: Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen?
Dein Balkonkraftwerk: Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen? - Foto 1

In Zeiten steigender Energiepreise, wachsendem Umweltbewusstsein und dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung setzen immer mehr Menschen auf sogenannte Balkonkraftwerke. Diese kleinen Photovoltaikanlagen lassen sich unkompliziert am Balkon, auf der Terrasse oder an der Hauswand installieren und speisen den erzeugten Strom direkt in das heimische Stromnetz ein.

Doch so einfach wie die Technik selbst scheint, sind die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht immer. Viele Interessierte stellen sich die Frage: Was darf ich eigentlich installieren, was muss ich anmelden, und welche Vorschriften gelten für mein Bundesland oder meine Wohnsituation? Genau diesen Fragen geht dieser ausführliche Artikel auf den Grund. Ob Eigentümer oder Mieter, ob Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus – hier erfährst du, worauf du achten musst, wenn du ein Balkonkraftwerk legal betreiben möchtest.

Was ist ein Balkonkraftwerk überhaupt?

Ein Balkonkraftwerk – oft auch Mini-PV-Anlage oder Plug-in-Solaranlage genannt – ist eine Photovoltaikanlage mit einer typischen Leistung von 300 bis 800 Watt, die über eine Steckdose direkt Strom in den eigenen Haushalt einspeist. Der erzeugte Strom wird vorrangig selbst verbraucht, wodurch der Netzbezug reduziert wird. Die überschüssige Energie wird meist kostenlos ins öffentliche Netz eingespeist, ohne dass dafür eine Einspeisevergütung gezahlt wird.

Rechtliche Grundlagen für Balkonkraftwerke in Deutschland

Energiewirtschaftsgesetz (EnWG)

Das EnWG regelt den Betrieb von Energieanlagen in Deutschland. Auch Balkonkraftwerke gelten laut Gesetz als sogenannte Erzeugungsanlagen, wenn sie Strom ins Netz einspeisen. Damit unterliegen sie prinzipiell denselben Anforderungen wie größere PV-Anlagen – allerdings mit Ausnahmen, die den Betrieb erleichtern sollen.

VDE-Norm AR-N 4105

Diese technische Anschlussregel der VDE (Verband der Elektrotechnik) ist besonders wichtig. Sie legt fest, wie Erzeugungsanlagen bis 600 Watt (ab 2024 voraussichtlich 800 Watt) technisch ausgelegt und angeschlossen werden müssen. Das bedeutet: Die Mini-PV-Anlage muss bestimmte Sicherheitsstandards einhalten, etwa durch einen Wechselrichter mit Netz- und Anlagenschutz.

Anmeldung und Genehmigungspflicht

Anmeldung beim Netzbetreiber

Jede Erzeugungsanlage – also auch dein Balkonkraftwerk – muss beim zuständigen Netzbetreiber angemeldet werden. Die Anmeldung erfolgt in der Regel über ein vereinfachtes Verfahren. Viele Netzbetreiber stellen mittlerweile Online-Formulare bereit.

Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR)

Zusätzlich zur Netzbetreiberanmeldung ist eine Registrierung beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur verpflichtend. Diese Registrierung muss innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme erfolgen. Auch wenn keine Einspeisevergütung beantragt wird, ist diese Registrierung gesetzlich vorgeschrieben.

Zustimmung des Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft

Als Mieter oder Wohnungseigentümer in einem Mehrfamilienhaus brauchst du unter Umständen die Zustimmung deines Vermieters oder der Eigentümergemeinschaft (WEG). Zwar ist der Betrieb eines Balkonkraftwerks nicht grundsätzlich genehmigungspflichtig, bauliche Veränderungen (z. B. das Anbringen am Balkongeländer) können aber zustimmungspflichtig sein. Hier greifen unter anderem das Mietrecht (§ 535 BGB) und das Wohnungseigentumsgesetz (WEG).

Technische Vorschriften und Sicherheit

Anschluss über die Steckdose

In Deutschland ist der Anschluss über eine normale Schuko-Steckdose zwar nicht explizit verboten, jedoch empfehlen viele Netzbetreiber den Anschluss über eine spezielle Wieland-Steckdose, die einen höheren Sicherheitsstandard bietet. Manche Netzbetreiber fordern diese sogar verpflichtend.

Zähler mit Rücklaufsperre

Wichtig: Dein Stromzähler darf sich nicht rückwärts drehen, wenn du Strom ins Netz einspeist. Falls du noch einen alten Ferraris-Zähler hast, musst du ihn austauschen lassen. Moderne digitale Zähler oder sogenannte Zweirichtungszähler sind Pflicht. Dies erfolgt meist kostenlos durch den Netzbetreiber nach der Anmeldung.

Keine Überlastung des Stromkreises

Die elektrische Hausinstallation muss für die zusätzliche Einspeisung geeignet sein. Es sollte geprüft werden, ob der verwendete Stromkreis nicht überlastet wird. Ein Elektriker kann hier Sicherheit geben.

Förderungen und steuerliche Aspekte

Förderung durch Bundesländer oder Kommunen

Manche Bundesländer oder Städte bieten Förderprogramme für Balkonkraftwerke an. Dabei handelt es sich meist um einmalige Zuschüsse zwischen 100 und 500 Euro. Ob du davon profitieren kannst, hängt von deinem Wohnort ab.

Steuerrechtliche Vereinfachungen

Seit 2023 sind PV-Anlagen mit einer Leistung bis zu 30 kWp für private Betreiber umsatzsteuerfrei. Auch die Einkommensteuer entfällt, wenn der erzeugte Strom überwiegend selbst genutzt wird. Das gilt auch für Balkonkraftwerke. Du musst keine Steuererklärung abgeben oder Umsatzsteuer ans Finanzamt melden.

FAQs – Häufige Fragen zu rechtlichen Aspekten von Balkonkraftwerken

Muss ich mein Balkonkraftwerk beim Vermieter anmelden?
Wenn bauliche Veränderungen vorgenommen werden (z. B. Bohren oder Anbringen am Geländer), solltest du die Zustimmung des Vermieters einholen. Bei reiner Aufstellung ohne Eingriffe kann es genügen, ihn zu informieren.

Ist der Betrieb eines Balkonkraftwerks ohne Anmeldung illegal?
Ja. Die Anmeldung beim Netzbetreiber und die Registrierung im MaStR sind gesetzlich verpflichtend. Verstöße können zu Bußgeldern führen.

Wie viel Strom darf ich ohne Genehmigung einspeisen?
Die aktuelle Grenze liegt bei 600 Watt Wechselrichterleistung (ab 2024 vermutlich 800 Watt). Bis zu dieser Grenze ist ein vereinfachtes Anmeldeverfahren möglich.

Darf ich ein Balkonkraftwerk selbst anschließen?
Die Montage und der elektrische Anschluss über eine Steckdose dürfen in der Regel selbst vorgenommen werden. Für den Anschluss über eine Wieland-Dose ist jedoch ein Elektriker erforderlich.

Kann mein Netzbetreiber den Anschluss verweigern?
Theoretisch ja, praktisch geschieht das aber sehr selten. Netzbetreiber müssen triftige Gründe nennen, warum sie den Anschluss nicht zulassen.

Was passiert, wenn mein Stromzähler rückwärts läuft?
Das ist gesetzlich verboten. Du musst den Zähler durch einen modernen ersetzen lassen – meist übernimmt der Netzbetreiber das kostenlos.

Fazit

Ein Balkonkraftwerk ist eine attraktive Möglichkeit, die Energiewende aktiv mitzugestalten und gleichzeitig Stromkosten zu senken. Doch auch wenn die Anlagen klein und einfach in der Handhabung sind, darf man die rechtlichen Anforderungen nicht unterschätzen. Die Anmeldung beim Netzbetreiber, die Registrierung im Marktstammdatenregister, die Einhaltung technischer Normen und ggf. die Zustimmung des Vermieters sind unumgänglich.

Wer sich jedoch rechtzeitig informiert und alle Vorgaben beachtet, kann völlig legal und sicher von den Vorteilen einer Plug-in-PV-Anlage profitieren. Mit den absehbaren Änderungen im Jahr 2024 – etwa der Anhebung der Leistungsgrenze auf 800 Watt – wird der Betrieb noch attraktiver. Es lohnt sich also, am Ball zu bleiben und alle Entwicklungen rund um das Thema Balkonkraftwerke genau zu verfolgen.

Ob als Einstieg in die eigene Stromerzeugung oder als Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung – Balkonkraftwerke sind ein wichtiger Baustein für eine grünere Zukunft. Und mit dem richtigen Wissen im Gepäck steht der legalen Inbetriebnahme nichts mehr im Weg.

 

Bildquelle: Triplec85, 2023-05-05 Sogenanntes Balkonkraftwerk, eine Mini-PV-Anlage, in Tauberbischofsheim 01, CC BY-SA 4.0

Tom

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Titel: Dein Balkonkraftwerk: Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen? (Artikel 6963)

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