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Die Tücken im Aquarianerleben - Wasserwechsel

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Diese Geschichte hat einen Hauptdarsteller. Nennen wir ihn mal schlicht und einfach Herbert Huber. Die Geschichte ist frei erfunden - und enthält doch einiges an Wahrheit.

Menschen freuen sich über frische Luft - Fische, na klar, über frisches Wasser. Also, ran an den Wasserwechsel.

Unter den misstrauischen Augen meiner holden Gattin suche ich alles zusammen, was ich so brauche. Schlie??lich bin ich mit meiner Ausbeute zufrieden. Ein Eimer und ein 2m langer Schlauch sollen mir diese Arbeit erleichtern. Bevor ich anfange, werfe ich noch einen kritischen Blick in das Objekt meiner nun folgenden Arbeitswut. Hm, da liegen ja eine ganze Menge Blätter auf dem Boden rum. Haben wir denn schon Herbst? Na egal, kann ich ja gleich mit absaugen. Also frisch ans Werk.

??hm, wer zum Teufel ist auf die glorreiche Idee gekommen, die Abdeckscheibe aus einem Stück zu hauen? Und wieso gibt es keine Anfasser? Mühsam versuche ich meine Finger in die Ritze, von wo die Zuleitungen kreuz und quer durchs Aquarium laufen, zu quetschen. Endlich habe ich die Scheibe gepackt und schiebe sie ein gutes Stück nach hinten. PLATSCH. Man sollte nicht meinen, wie schmal diese Längsstege der Aquarien sind. Die Hersteller gehören verklagt. Ein vorsichtiger Blick auf meine Wasserbewohner überzeugt mich, dass die Scheibe nicht als Guillotine fungiert hat, ich sehe keinen Fisch kopflos durch Aquarium schwimmen. Puh, Glück gehabt. Nach mehreren Tauchgängen kann ich die Scheibe packen und aufs Trockene ziehen.

Endlich kann ich mich voll und ganz dem Zweck dieser ganzen Aktion widmen. Den Eimer an einer strategisch günstigen Stelle positioniert, Schlauch ins Aquarium und ---. Tja, so wird das nichts. Also muss ich dem Ganzen etwas nachhelfen. Wozu habe ich sonst als Teenager Sprit aus Autos geklaut? Die Erfahrung muss sich ja bezahlt machen. Den Schlauch in den Mund und kurz angesaugt - nichts. Das Wasser kommt nur zur Oberkante des Beckens und läuft dann wieder zurück.

Also kräfitiger - UUHRRG. Der Gedanke gerade Fisch-AA im Magen deponiert zu haben, hat nicht wirklich was verlockendes. Aber wenigstens- das Wasser läuft munter in den Eimer.

Jetzt kann ich mich auch um den Laubhaufen kümmern. Ei -das macht Spa??, wie die Blätter wutsch, wutsch, wutsch im Schlauch verschwinden. Und nochmal wutsch. Wutsch? Hallo, wieso wutscht es nicht mehr? Akribisch suche ich nach dem Grund des Stockens - die Blätter haben sich in der Schlauchkrümmung verfangen. Ja, Kruzitücken, wie bekomme ich den Schmodder denn jetzt aus dem Schlauch? Ja, klar, glaube mal gelesen zu haben, durch Kneten kann man so einen Stau wegbekommen. Nun denn, ich beginne den Schlauch so zu massieren als gelte es eine Meisterschaft in der Thai-Massage zu gewinnen. Milimeter für Milimeter bewegt sich das Corpus Delicti Richtung Schlauchende und schlie??lich erbricht der Schlauch seinen Inhalt.

??RK!

??rk? Wusste gar nicht, dass Schläuche solche Geräusche machen können. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, das Geräusch kam von der Couch. Ein Blick dahin zeigt meine liebreizende Frau, die mit schreckgeweiteten Augen mit dem Finger auf etwas zeigt. Ich folge der Fingerrichtung und sehe wie der Eimer alle Mühe hat, seinen Inhalt zu behalten. Geistesgegenwertig verschlie??e ich mit meinem Daumen das Schlauchende im Aquarium. Die Wasseroberfläche im Eimer kommt zitternd zu stehen. Dass kein Tropfen des kostbaren Nass sich selbständig macht und unseren neuen Teppich (einen Perser) erkundet, habe ich wohl nur der Oberflächenspannung zu verdanken. Doch das tröstet mich im Moment nicht, ich habe zwar den Wasserstrom zum Versiegen gebracht, doch leider entpuppt sich die strategisch günstige Stelle des Eimers als sehr strategisch ungünstig. Ich komme nicht an das Schlauchende im Eimer. ??bel, übel. Aber wozu war ich mal Meisterturner und Gummimensch? Nach zahllosen Verrenkungen und Knoten in den Gliedern kann ich endlich das andere Schlauchende packen.

Da ich meinem Magen nicht noch mal eine Portion Verdauungsprodukte zumuten möchte, klemme ich den Schlauch zwischen Scheibe und Längsteg fest.

Jetzt kann ich mich auch dem mehr als vollen Eimer widmen. Das Wasser ist still - sehr verdächtig - man wei?? ja, dass stille Wasser tief sind. Langsam die Luft in Lungen ziehend, hebe ich den Eimer vorsichtig an. Bis auf ein Zittern passiert nichts im Eimer. Als würde ich auf rohen Eiern laufen, bugsiere ich mich mitsamt dem Eimer Richtung Ausguss. Das Ziel schon vor Augen werde ich mutiger und übersehe einen Pantoffel, an dem sich unser Hund gütlich getan hat und dann nicht weggeräumt hat. Dass ich auch ein Balancekünstler bin, interessiert den Eimer nicht die Bohne. Einmal aus dem Gleichgewicht gebracht, zeigt er mir, wie schwerfällig er ist. Schwapp - einmal links, Schwapp - einmal rechts, Schwapp - nochmal links. Dann habe ich den rettenden Ausguss erreicht - und ganz schnell weg mit dem Teufelszeug. Doch das denkt gar nicht daran, sang und klanglos durch den Abfluss zu entfleuchen. Meine Frau wird sich über die Wasserlache im Bad bestimmt nicht freuen. Nun ja, ich leide, dann kann meine Frau das auch.

Auf dem Weg zurück zum Wohnzimmer denke ich schon, dass ich meiner Frau doch etwas zuviel zumute, die Spuren des überschwappenden Eimers sind auch nicht gerade wenig. Ich überlege mir fieberhaft eine Entschuldigung, doch im Wohnzimmer angekommen sehe ich, dass ich diese nicht brauche. Meine Frau liegt leichenblass und bewegungslos auf der Couch. Ein Blick zum Aquarium zeigt mir warum. Der Schlauch dachte gar nicht daran lieb und brav an seiner von mir bestimmten Stelle auf mich zu warten. Schlangengleich hat er sich wohl befreit und während das eine Ende im Aquarium munter vor sich hin saugt, spuckt das andere Ende den Perser voll Wasser. Au weia. Schnell das Ding in den Schwitzkasten gepackt und raus aus dem Becken damit. Mal sehen, wieviel Wasser noch im Becken verblieben ist. Gut. Die Fische brauchen nicht zu lernen, wie man atmosphärische Luft atmet, es ist noch die Hälfte Wasser im Becken. Die Fische? Anstatt drei??ig Fischaugenpaare, die mich immer anstarren, starren mich nur noch zwanzig Augenpaare an. Mit einem Aufschrei der die Glasscheiben klirren lässt, renne ich ins Bad.

Doch so eben verschwindet der letzte Neon in den Tiefen der städtischen Kanalisation.

RIP.

Titel: Die Tücken im Aquarianerleben - Wasserwechsel (Artikel 147)

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