Hohe Luftfeuchtigkeit durch Aquarium - ein Problem oder völlig harmlos?
Aquarien holen sich immer mehr Menschen ins Haus. Sie sind dekorativ, beruhigend und bringen ein Stück Natur direkt ins Wohnzimmer, Büro oder Schlafzimmer. Wer einmal erlebt hat, wie Fische ruhig durchs Becken gleiten, Pflanzen sanft im Wasser wogen und das leise Plätschern des Filters den Alltag ausblendet, versteht sofort, warum Aquaristik für viele mehr als nur ein Hobby ist. Doch neben all den positiven Effekten taucht früher oder später eine Frage auf, die viele Aquarianer verunsichert: Führt ein Aquarium zu hoher Luftfeuchtigkeit in der Wohnung – und wird das zum Problem?
Gerade in Mietwohnungen, Neubauten oder gut gedämmten Häusern ist das Thema Luftfeuchtigkeit besonders sensibel. Schimmel, feuchte Wände oder ein unangenehmes Raumklima sind Dinge, die niemand erleben möchte. Gleichzeitig kursieren im Internet viele Halbwahrheiten, Übertreibungen und pauschale Warnungen. Manche behaupten, schon ein kleines Aquarium reiche aus, um eine Wohnung „feucht“ zu machen. Andere winken ab und sagen, das sei völlig unbedenklich.
In diesem Artikel schauen wir uns das Thema ganzheitlich an. Ohne Panikmache, aber auch ohne Verharmlosung. Wir klären, wie viel Feuchtigkeit ein Aquarium tatsächlich abgibt, wovon das abhängt, welche Risiken realistisch sind und wie man sie zuverlässig vermeidet. Der Fokus liegt dabei auf praxisnaher Erfahrung, fundiertem Fachwissen und ehrlicher Einschätzung aus der Aquaristik-Praxis.
Grundlagen: Was bedeutet Luftfeuchtigkeit überhaupt?
Um beurteilen zu können, ob ein Aquarium problematisch ist, muss man zuerst verstehen, was Luftfeuchtigkeit eigentlich ist. Grundsätzlich beschreibt sie den Anteil von Wasserdampf in der Luft. Meist wird dabei die relative Luftfeuchtigkeit angegeben, also ein Prozentwert, der angibt, wie viel Wasserdampf die Luft im Vergleich zu ihrem maximal möglichen Aufnahmevermögen enthält.
Warme Luft kann deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Deshalb ist die relative Luftfeuchtigkeit im Winter oft hoch, obwohl die absolute Wassermenge in der Luft gering ist. Kühlt die Luft ab, steigt die relative Feuchtigkeit – und irgendwann kondensiert Wasser an kalten Flächen wie Fenstern oder Außenwänden.
Für Wohnräume gelten bestimmte Bereiche als angenehm und unproblematisch. Werte zwischen etwa 40 und 60 Prozent gelten allgemein als ideal. Unter 40 Prozent wird die Luft als zu trocken empfunden, was Schleimhäute und Haut belastet. Über 60 Prozent steigt langfristig das Risiko für Schimmelbildung, insbesondere bei schlechter Luftzirkulation und kalten Wandflächen.
Wie ein Aquarium die Luftfeuchtigkeit beeinflusst
Ein Aquarium ist im Grunde eine offene Wasserfläche im Wohnraum. Selbst wenn es abgedeckt ist, verdunstet ständig Wasser. Diese Verdunstung ist der Hauptgrund dafür, dass Aquarien die Luftfeuchtigkeit erhöhen können. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.
Zunächst spielt die Größe des Aquariums eine zentrale Rolle. Ein kleines Becken mit 60 Litern Wasser gibt deutlich weniger Feuchtigkeit ab als ein offenes 500-Liter-Aquarium. Entscheidend ist dabei nicht nur das Volumen, sondern vor allem die Oberfläche des Wassers. Je größer die freie Wasserfläche, desto mehr Wasser kann verdunsten.
Auch die Wassertemperatur hat einen großen Einfluss. Warmes Wasser verdunstet stärker als kaltes. In tropischen Aquarien mit Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad ist die Verdunstung daher deutlich höher als in Kaltwasseraquarien oder unbeheizten Becken.
Ein weiterer Faktor ist die Abdeckung. Offene Aquarien ohne Abdeckung geben erheblich mehr Feuchtigkeit ab als geschlossene Systeme. Glasabdeckungen, Abdeckscheiben oder komplette Aquariendeckel mit integrierter Beleuchtung reduzieren die Verdunstung spürbar. Dennoch ist sie nie vollständig zu vermeiden, da auch über Filterauslässe, Kabelöffnungen und minimale Spalte Feuchtigkeit entweicht.
Nicht zuletzt beeinflusst auch die Raumgröße und Belüftung, wie stark sich die Luftfeuchtigkeit bemerkbar macht. In einem großen, gut gelüfteten Wohnzimmer verteilt sich die zusätzliche Feuchtigkeit besser als in einem kleinen, schlecht belüfteten Raum.
Wie viel Feuchtigkeit gibt ein Aquarium wirklich ab?
Eine der häufigsten Fragen lautet: Wie viel Wasser verdunstet eigentlich aus einem Aquarium pro Tag? Pauschale Zahlen sind schwierig, da die Bedingungen stark variieren. In der Praxis zeigen Erfahrungswerte jedoch gewisse Richtungen.
Ein typisches tropisches Aquarium mit 200 Litern Volumen verliert im Durchschnitt etwa ein bis zwei Liter Wasser pro Woche durch Verdunstung. Bei offenen Becken oder sehr warmem Wasser kann es auch mehr sein, während gut abgedeckte Aquarien deutlich darunter liegen. Auf den Tag heruntergerechnet handelt es sich also oft um wenige hundert Milliliter.
Diese Wassermenge verteilt sich über viele Stunden gleichmäßig im Raum. Verglichen mit anderen alltäglichen Feuchtigkeitsquellen relativiert sich das schnell. Menschen selbst geben durch Atmung und Schwitzen kontinuierlich Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Kochen, Duschen, Wäsche trocknen oder Zimmerpflanzen tragen oft mehr zur Luftfeuchtigkeit bei als ein einzelnes Aquarium.
Das bedeutet nicht, dass Aquarien keinen Einfluss haben. Aber sie sind selten alleiniger Auslöser für problematische Feuchtigkeit. In den meisten Fällen wirken mehrere Faktoren zusammen.
Wann wird hohe Luftfeuchtigkeit durch ein Aquarium zum Problem?
Ein Aquarium wird dann kritisch, wenn es in einem ohnehin feuchteanfälligen Umfeld steht. Besonders problematisch sind kleine Räume mit wenig Luftaustausch, schlecht gedämmte Außenwände oder dauerhaft niedrige Raumtemperaturen.
Ein klassisches Beispiel ist ein großes offenes Aquarium in einem kleinen Schlafzimmer, das im Winter kaum gelüftet wird. Die Kombination aus warmer, feuchter Luft und kalten Außenwänden kann schnell zu Kondensation führen. Fenster beschlagen regelmäßig, Ecken fühlen sich klamm an, und langfristig kann sich Schimmel bilden.
Auch Altbauten mit ungedämmten Außenwänden reagieren empfindlicher auf zusätzliche Feuchtigkeit. Hier reichen manchmal schon moderate Erhöhungen der Luftfeuchtigkeit, um kritische Oberflächenfeuchte zu erreichen.
In modernen, sehr gut abgedichteten Neubauten kann das Problem ebenfalls auftreten, allerdings aus anderen Gründen. Durch die hohe Dichtheit findet kaum unkontrollierter Luftaustausch statt. Ohne konsequentes Lüften bleibt die Feuchtigkeit länger im Raum, was die relative Luftfeuchtigkeit steigen lässt.
Wichtig ist: Das Aquarium ist in solchen Fällen selten der einzige Verursacher. Es verstärkt bestehende Schwächen im Raumklima, deckt sie aber nicht allein auf.
Schimmelgefahr realistisch betrachtet
Schimmel ist die größte Sorge vieler Aquarianer. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Schimmel nicht durch hohe Luftfeuchtigkeit allein entsteht. Entscheidend ist die Kombination aus Feuchtigkeit, organischem Material und geeigneten Temperaturen. Zusätzlich spielen kalte Oberflächen eine zentrale Rolle, da sich dort Kondenswasser bildet.
Ein Aquarium erhöht die Luftfeuchtigkeit gleichmäßig im Raum. Es erzeugt keine punktuelle Nässe an Wänden oder Decken. Kritisch wird es erst, wenn die warme, feuchte Luft auf kalte Flächen trifft und dort kondensiert. Typische Stellen sind Fensterlaibungen, Außenecken, Rollladenkästen oder Möbel, die direkt an Außenwänden stehen.
Wer regelmäßig lüftet, die Raumtemperatur nicht zu stark absenkt und auf ausreichende Luftzirkulation achtet, minimiert dieses Risiko erheblich. In der Praxis sind Schimmelschäden durch Aquarien allein äußerst selten.
Einfluss der Aquarienart auf die Luftfeuchtigkeit
Nicht jedes Aquarium beeinflusst die Raumluft gleich stark. Gesellschaftsbecken mit moderaten Temperaturen und Abdeckung sind meist unproblematisch. Ganz anders sieht es bei offenen Aquascapes aus, die bewusst ohne Abdeckung betrieben werden, um freie Sicht von oben zu ermöglichen.
Auch Paludarien oder offene Terrarien mit Wasseranteil können deutlich mehr Feuchtigkeit abgeben. Hier ist die Verdunstung Teil des Konzepts und oft sogar gewünscht. Solche Systeme gehören jedoch idealerweise in entsprechend ausgelegte Räume oder werden mit gezielter Lüftung kombiniert.
Meerwasseraquarien können ebenfalls eine höhere Verdunstung aufweisen, da sie häufig stärker beleuchtet und wärmer betrieben werden. Zusätzlich kommen oft offene Technikbecken hinzu, die die Wasseroberfläche weiter vergrößern.
Luftfeuchtigkeit messen und richtig einschätzen
Wer sich unsicher ist, sollte nicht spekulieren, sondern messen. Ein Hygrometer ist ein einfaches und kostengünstiges Hilfsmittel, um die relative Luftfeuchtigkeit im Raum im Blick zu behalten. Idealerweise misst man nicht nur direkt neben dem Aquarium, sondern an mehreren Stellen im Raum.
Wichtig ist auch die zeitliche Betrachtung. Kurzzeitig erhöhte Werte nach dem Wasserwechsel oder nach dem Einschalten der Beleuchtung sind unproblematisch. Kritisch wird es, wenn die Luftfeuchtigkeit dauerhaft über längere Zeit deutlich über 60 Prozent liegt und sich kaum senken lässt.
Die Messwerte sollten immer im Zusammenhang mit der Raumtemperatur betrachtet werden. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent bei 22 Grad ist weniger kritisch als derselbe Wert bei 18 Grad, da die Oberflächen dann schneller auskühlen.
Praktische Maßnahmen zur Vorbeugung
Die gute Nachricht ist: In den allermeisten Fällen lassen sich mögliche Probleme einfach vermeiden. Regelmäßiges Lüften ist dabei das wichtigste Mittel. Mehrmals täglich stoßlüften, idealerweise mit weit geöffneten Fenstern für wenige Minuten, sorgt für effektiven Luftaustausch ohne Auskühlen der Räume.
Eine Abdeckung auf dem Aquarium reduziert die Verdunstung deutlich. Wer aus optischen Gründen ein offenes Becken betreibt, sollte besonders auf Raumgröße und Lüftung achten.
Auch die Position des Aquariums spielt eine Rolle. Direkt an kalten Außenwänden oder in unbeheizten Räumen ist es ungünstiger platziert als in gut temperierten Wohnbereichen.
In problematischen Fällen kann auch ein Luftentfeuchter sinnvoll sein. Oft reicht schon ein kleines Gerät, um die Feuchtigkeit zuverlässig im optimalen Bereich zu halten.
Positive Effekte einer leicht erhöhten Luftfeuchtigkeit
Interessanterweise kann ein Aquarium auch positive Effekte auf das Raumklima haben. In der Heizperiode ist die Luft in vielen Wohnungen zu trocken. Trockene Schleimhäute, gereizte Augen und statische Aufladung sind typische Folgen. In solchen Situationen kann die zusätzliche Feuchtigkeit aus einem Aquarium sogar als angenehm empfunden werden.
Viele Aquarianer berichten, dass sie sich mit Aquarium im Raum wohler fühlen als ohne. Auch Zimmerpflanzen profitieren häufig von der leicht erhöhten Luftfeuchtigkeit.
Häufige Irrtümer rund um Aquarien und Feuchtigkeit
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass jedes Aquarium automatisch zu Schimmel führt. Diese pauschale Aussage hält einer sachlichen Betrachtung nicht stand. Ebenso falsch ist die Annahme, dass ein Aquarium keinerlei Einfluss auf die Luftfeuchtigkeit hat. Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen.
Auch die Vorstellung, dass nur große Aquarien problematisch seien, greift zu kurz. Ein kleines, offenes Becken in einem winzigen Raum kann problematischer sein als ein großes, gut abgedecktes Aquarium in einem großzügigen Wohnzimmer.
FAQs – Häufig gestellte Fragen
Erhöht ein Aquarium immer die Luftfeuchtigkeit?
Ja, jedes Aquarium gibt durch Verdunstung Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Wie stark dieser Effekt ist, hängt von Größe, Temperatur, Abdeckung und Raumverhältnissen ab.
Kann ein Aquarium Schimmel verursachen?
Ein Aquarium allein verursacht in der Regel keinen Schimmel. Problematisch wird es nur in Kombination mit schlechter Lüftung, kalten Oberflächen und dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit.
Sind offene Aquarien besonders kritisch?
Offene Aquarien verdunsten deutlich mehr Wasser als abgedeckte Becken. Sie erfordern daher mehr Aufmerksamkeit in Bezug auf Lüftung und Raumklima.
Ist ein Aquarium im Schlafzimmer problematisch?
Das hängt von Raumgröße, Lüftungsverhalten und Beckenart ab. In kleinen, wenig gelüfteten Schlafzimmern kann es eher zu erhöhten Feuchtigkeitswerten kommen.
Wie kann ich prüfen, ob mein Aquarium ein Problem darstellt?
Ein Hygrometer liefert zuverlässige Daten. Bleibt die Luftfeuchtigkeit dauerhaft im unkritischen Bereich, besteht kein Handlungsbedarf.
Fazit
Hohe Luftfeuchtigkeit durch ein Aquarium ist kein pauschales Problem, sondern eine Frage der Rahmenbedingungen. Aquarien geben Feuchtigkeit an die Raumluft ab, das ist unbestritten. In den meisten Wohnungen und bei normalem Lüftungsverhalten bleibt dieser Effekt jedoch unproblematisch und kann sogar positiv wirken.
Erst wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen – kleine Räume, offene Becken, hohe Wassertemperaturen, schlechte Lüftung und kalte Außenwände – kann die zusätzliche Feuchtigkeit kritisch werden. Selbst dann lässt sich das Risiko mit einfachen Maßnahmen zuverlässig kontrollieren.
Wer sein Aquarium bewusst plant, den Raum im Blick behält und regelmäßig lüftet, muss sich vor hoher Luftfeuchtigkeit nicht fürchten. Stattdessen kann man das Hobby entspannt genießen und sich an einem gesunden, lebendigen Stück Natur im eigenen Zuhause erfreuen.





