Libelle des Jahres - Ein Blick auf die faszinierenden Insekten-Botschafter
Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) wurde zur Libelle des Jahres 2026 gekürt. Sie ist außergewöhnlich, weil sie als eine der wenigen heimischen Libellenarten bereits als erwachsenes Insekt den Winter übersteht und nicht erst als Larve schlüpft.
Wer wählt die „Libelle des Jahres“ und warum?
Die Auszeichnung „Libelle des Jahres“ wird seit 2011 jährlich vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) vergeben.
Ziel dieser Aktion ist es, auf die Vielfalt der Libellenarten aufmerksam zu machen und auf ökologische Herausforderungen hinzuweisen, die viele dieser Insekten bedrohen. Libellen sind nicht nur ästhetisch faszinierende Tiere sondern auch wichtige Indikatoren für die Gesundheit von Gewässern und Feuchtlebensräumen: Ihre Larven entwickeln sich über Jahre im Wasser, und schädliche Veränderungen von Gewässerqualität oder Habitatverlust wirken sich unmittelbar auf ihre Bestände aus.
Die Wahl dient damit einem breiteren Naturschutz-Bewusstsein: Jede ausgewählte Art steht stellvertretend für ökologische Prozesse, Gefährdungen oder Schutzmaßnahmen, die über sie hinausgehen und viele andere Arten betreffen.
Beispiele früherer Preisträger
Die Libelle des Jahres in Deutschland wurde bisher an verschiedene Arten vergeben, darunter:
- 2011 – Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) – Zeigte frühe Reaktionen auf Klimaveränderungen.
- 2014 – Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia) – Typisch für naturnahe Gewässer mit Pflanzenbewuchs.
- 2017 – Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) – Stand für die Bedeutung intakter Fließgewässer.
- 2024 – Mond-Azurjungfer (Coenagrion lunulatum) – Verdeutlichte Rückgänge und Aussterbegefahr vieler Kleinlibellen.
- 2025 – Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum) – Betonte Notwendigkeit starken Artenschutzes auch für große Libellen mit speziellen Lebensräumen.
Diese Auswahl zeigt, dass sowohl ökologische Vielfalt als auch Bedrohungen durch Lebensraumverlust, Wasserqualität und Klimaveränderung thematisiert werden.
Die Gemeine Winterlibelle: Biologie und Bedeutung
Die Gemeine Winterlibelle ist eine eher kleine Libelle (etwa 27–29 Millimeter lang) mit unauffälliger braun-bronzenen Färbung, die sie besonders gut in winterlichen Strukturen tarnt. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist ihre Fähigkeit, als adultes Insekt den Winter zu überdauern, statt wie die meisten Libellen erst im Frühjahr aus der Larve zu schlüpfen.
Diese Art hält sich bevorzugt in der Nähe von naturnahen Gewässern mit Schilf, Gras- oder Buschwerk auf, wo sie geschützte Stellen für den Winter findet. Bei milden Tagen ist sie oft schon im späten Winter zu beobachten, wenn andere Libellen noch nicht aktiv sind.
Libellen sind allgemein wichtige Räuber von Insekten, sowohl im Larven- als auch im Erwachsenenstadium. Sie regulieren lokale Insektenpopulationen, darunter auch Mücken und andere Kleintiere, und tragen damit zur Balance von Ökosystemen bei. Gleichzeitig dienen sie als Nahrungsquelle für Vögel, Fische und Amphibien.
Ihre Anwesenheit und Vielfalt spiegeln die Wasserqualität und Strukturvielfalt von Lebensräumen wider. Libellenlarven reagieren empfindlich auf Verschmutzung, Sauerstoffmangel oder fehlende Wasserpflanzen – wichtige Faktoren für die Beurteilung ökologischer Zustände von Teichen, Seen und Fließgewässern.
Für Biodiversität und Artenvielfalt sind Libellen ein wertvoller Indikator: Eine reiche Libellenfauna weist auf gesunde, vielfältige Lebensräume hin. Maßnahmen, die Lebensräume verbessern – wie Nährstoffreduzierung im Wasser, Erhalt von Ufervegetation oder Vernetzung von Feuchtgebieten – kommen nicht nur Libellen zugute, sondern vielen weiteren Tieren und Pflanzen.
Libellen fördern darüber hinaus die ökologische Balance im Garten- oder Teichbereich, indem sie Bestäuber von Blütenpflanzen unterstützen und Schadinsekten kontrollieren.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





