Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:
Können Fische hören oder sind sie taub?

Blog: Können Fische hören oder sind sie taub? (7699)

Die Frage, ob Fische hören können, taucht in der Aquaristik immer wieder auf. Sie klingt auf den ersten Blick simpel, führt aber erstaunlich schnell in komplexe Bereiche der Biologie, Physik und Verhaltensforschung. Viele Aquarianer erleben im Alltag Situationen, die diese Frage regelrecht provozieren: Fische, die beim Öffnen der Futterdose sofort an die Wasseroberfläche schießen, Tiere, die scheinbar auf Stimmen reagieren oder bei lauten Geräuschen plötzlich panisch durchs Becken flüchten. Gleichzeitig heißt es oft, Fische seien „taub“ oder zumindest stark eingeschränkt in ihrer Wahrnehmung von Geräuschen.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen. Fische können hören – allerdings völlig anders als wir Menschen. Ihr Hörvermögen ist nicht schlechter, sondern schlicht anders aufgebaut und an das Leben im Wasser angepasst. Genau dieses Anderssein sorgt für viele Missverständnisse in der Aquaristik. Wer versteht, wie Fische Schall wahrnehmen, kann sein Aquarium ruhiger, stressfreier und artgerechter gestalten.

In diesem Artikel gehen wir der Frage umfassend auf den Grund. Wir klären, wie Hören unter Wasser funktioniert, welche Sinnesorgane Fische dafür nutzen, welche Geräusche sie wahrnehmen können und wie sich Lärm im Aquarium auf ihre Gesundheit auswirkt. Dabei fließen sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch langjährige praktische Erfahrungen aus der Aquaristik ein.

Was bedeutet Hören überhaupt?

Um zu verstehen, ob und wie Fische hören können, muss man zunächst klären, was Hören eigentlich ist. Beim Menschen verbinden wir Hören fast ausschließlich mit Schallwellen in der Luft, die über das Außenohr, das Trommelfell und die Gehörknöchelchen ins Innenohr gelangen. Dort werden sie in Nervenimpulse umgewandelt, die unser Gehirn als Geräusch interpretiert.

Hören ist jedoch kein exklusiv menschlicher Prozess. Grundsätzlich geht es immer um die Wahrnehmung von Schwingungen. Diese Schwingungen können sich durch verschiedene Medien ausbreiten, etwa Luft, Wasser oder sogar feste Materialien. Wasser leitet Schall deutlich besser als Luft. Schallwellen bewegen sich im Wasser schneller und mit weniger Energieverlust. Für Wasserbewohner wie Fische ist das ein großer Vorteil, denn Geräusche können über weite Strecken wahrgenommen werden.

Das bedeutet aber auch, dass Hören unter Wasser ganz andere Anforderungen stellt als an Land. Ein klassisches Außenohr wäre im Wasser nicht nur überflüssig, sondern sogar hinderlich. Stattdessen haben Fische andere, hoch spezialisierte Sinnesorgane entwickelt.

Wie funktioniert das Hörvermögen von Fischen?

Fische besitzen kein äußeres Ohr und kein Trommelfell. Dennoch verfügen die meisten Arten über ein gut entwickeltes Innenohr. Dieses liegt geschützt im Schädel und ist für die Wahrnehmung von Schall und Gleichgewicht zuständig.

Das Innenohr der Fische besteht aus sogenannten Otolithen, kleinen Kalksteinchen, die in mit Flüssigkeit gefüllten Kammern liegen. Wenn Schallwellen durch das Wasser und den Körper des Fisches laufen, geraten diese Steinchen in Bewegung. Die Bewegung wird von feinen Sinneshärchen registriert und als Nervensignal an das Gehirn weitergeleitet.

Der entscheidende Unterschied zum Menschen liegt darin, dass der gesamte Fischkörper an der Schallwahrnehmung beteiligt ist. Schall durchdringt den Körper direkt, ohne Umweg über ein Außenohr. Dadurch sind Fische besonders empfindlich für tieffrequente Geräusche und Vibrationen.

Die Rolle der Schwimmblase

Bei vielen Fischarten spielt die Schwimmblase eine wichtige Rolle beim Hören. Sie wirkt wie ein Resonanzkörper, der Schallwellen verstärkt. Die Schwimmblase schwingt mit den eintreffenden Schallwellen mit und überträgt diese Bewegungen auf das Innenohr.

Besonders gut untersucht ist dieser Mechanismus bei sogenannten Ostariophysen, zu denen viele beliebte Aquarienfische gehören, etwa Salmler, Barben oder Welse. Diese Fische besitzen eine spezielle Verbindung zwischen Schwimmblase und Innenohr, die eine sehr feine Schallwahrnehmung ermöglicht.

Andere Fischarten, etwa viele Buntbarsche oder Meeresfische, verfügen über weniger ausgeprägte Hörfähigkeiten, können aber dennoch Geräusche und Vibrationen wahrnehmen.

Seitenlinienorgan: Hören mit dem ganzen Körper

Neben dem Innenohr haben Fische ein weiteres Sinnesorgan, das oft übersehen wird, aber für die Geräuschwahrnehmung enorm wichtig ist: das Seitenlinienorgan.

Die Seitenlinie verläuft als feiner Kanal entlang der Körperseiten und enthält hochsensible Sinneszellen. Diese reagieren auf Wasserbewegungen und Druckveränderungen. Das Seitenlinienorgan ist kein Hörorgan im klassischen Sinn, ergänzt aber das Hören auf entscheidende Weise.

Durch die Seitenlinie können Fische selbst kleinste Strömungen, Bewegungen anderer Tiere und Erschütterungen wahrnehmen. In der Natur hilft ihnen das, Beutetiere aufzuspüren, Räubern auszuweichen oder sich im Schwarm zu koordinieren. Im Aquarium reagiert dieses Organ besonders empfindlich auf Erschütterungen von außen.

Wenn man beispielsweise gegen das Aquarium klopft oder schwere Gegenstände in der Nähe bewegt, nehmen Fische diese Vibrationen sofort wahr – oft schneller als akustische Geräusche.

Welche Geräusche können Fische hören?

Fische nehmen vor allem tiefe Frequenzen gut wahr. Hohe Töne, wie wir sie aus der menschlichen Sprache oder von elektronischen Geräten kennen, sind für viele Fischarten weniger relevant oder kaum wahrnehmbar.

Typische Geräusche, die Fische gut registrieren können, sind:

  • dumpfe Erschütterungen
  • Schritte in unmittelbarer Nähe des Aquariums
  • das Öffnen und Schließen von Türen
  • Klopfen an der Scheibe
  • Vibrationen durch Pumpen oder Filter

Auch wiederkehrende Geräusche können von Fischen gelernt und mit bestimmten Ereignissen verknüpft werden. Viele Aquarianer berichten, dass ihre Fische auf das Klacken der Futterdose oder bestimmte Bewegungen reagieren, lange bevor das Futter ins Wasser gelangt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Fische Musik oder Gespräche im menschlichen Sinn „hören“ oder gar genießen. Stimmen und Musik sind für sie eher ein diffuses Gemisch aus Schwingungen, das je nach Lautstärke und Frequenz Stress auslösen kann.

Lernen Fische durch Geräusche?

Ja, Fische sind lernfähiger, als ihnen lange Zeit zugetraut wurde. Sie können Geräusche mit positiven oder negativen Erfahrungen verknüpfen. In der Aquaristik zeigt sich das besonders deutlich beim Füttern.

Wird ein bestimmtes Geräusch regelmäßig mit Futter verbunden, etwa das Öffnen eines Deckels oder das Klopfen an die Scheibe, lernen Fische sehr schnell, dieses Geräusch zu erkennen. Sie reagieren dann bereits im Voraus mit erhöhter Aktivität.

Umgekehrt können negative Erfahrungen ebenfalls gespeichert werden. Laute, plötzliche Geräusche, die mit Stress oder Gefahr einhergehen, führen dazu, dass Fische schreckhaft werden oder sich dauerhaft zurückziehen.

Diese Lernfähigkeit ist ein wichtiger Punkt für die artgerechte Haltung. Ein ruhiges, gleichmäßiges Umfeld trägt wesentlich zum Wohlbefinden der Tiere bei.

Lärm im Aquarium: Ein unterschätztes Problem

Viele Aquarien stehen in Wohnzimmern, Küchen oder sogar Kinderzimmern. Dort sind sie zahlreichen Geräuschquellen ausgesetzt: Fernseher, Lautsprecher, Staubsauger, Waschmaschinen oder spielende Kinder.

Während Menschen diese Geräusche oft ausblenden können, wirken sie auf Fische ganz anders. Schall breitet sich im Wasser intensiver aus, und das Glas des Aquariums überträgt Vibrationen besonders effizient.

Dauerhafter Lärm kann bei Fischen zu Stress führen. Typische Anzeichen sind:

  • hektisches Schwimmen
  • häufiges Verstecken
  • blasse Farben
  • reduzierte Futteraufnahme
  • erhöhte Krankheitsanfälligkeit

Auch technische Geräte im Aquarium selbst können eine Rolle spielen. Brummende Pumpen, schlecht entkoppelte Filter oder vibrierende Abdeckungen erzeugen permanente Geräusche, die für Fische belastend sein können.

Können Fische taub werden?

Wie bei anderen Tieren auch, kann das Hörvermögen von Fischen durch extreme oder dauerhafte Belastungen beeinträchtigt werden. Sehr laute Erschütterungen oder anhaltender Stress können die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr schädigen.

In der Natur ist das vor allem in stark verschmutzten oder von menschlicher Aktivität geprägten Gewässern ein Thema. Im Aquarium ist das Risiko geringer, aber nicht ausgeschlossen. Besonders problematisch sind wiederholte Schläge gegen die Scheibe oder das absichtliche Erschrecken der Tiere.

Artunterschiede beim Hörvermögen

Nicht alle Fische hören gleich gut. Das Hörvermögen hängt stark von der Art, dem Lebensraum und der Anatomie ab.

Schwarmfische aus trüben Gewässern sind oft besonders empfindlich für Schall, da sie sich stark auf akustische und mechanische Reize verlassen. Räuberische Arten hingegen nutzen ihr Hörvermögen häufig zur Ortung von Beute.

Bodenbewohner wie Welse reagieren besonders sensibel auf Erschütterungen, da sie sich oft über das Seitenlinienorgan orientieren. Oberflächenfische nehmen Geräusche aus der Umgebung anders wahr als Arten, die in tieferen Wasserschichten leben.

Für Aquarianer bedeutet das, dass pauschale Aussagen wenig hilfreich sind. Die Bedürfnisse der jeweiligen Fischarten sollten immer berücksichtigt werden.

Praktische Tipps aus der Aquaristik-Erfahrung

Aus jahrelanger Praxis lässt sich sagen: Ruhe ist einer der am meisten unterschätzten Faktoren für gesunde Fische. Ein Aquarium sollte möglichst an einem Ort stehen, an dem keine dauerhaften Erschütterungen auftreten.

Bewährt haben sich stabile Unterschränke mit schalldämpfenden Unterlagen. Technische Geräte sollten regelmäßig überprüft und gegebenenfalls entkoppelt werden. Schon kleine Maßnahmen können die Geräuschkulisse deutlich reduzieren.

Auch das eigene Verhalten spielt eine Rolle. Ruhige Bewegungen vor dem Aquarium, kein Klopfen an die Scheibe und eine gleichmäßige Tagesroutine tragen dazu bei, Stress zu minimieren.

Häufige Fragen zum Hörvermögen von Fischen

Reagieren Fische auf Stimmen?

Fische reagieren nicht auf Stimmen im menschlichen Sinn, können aber die Vibrationen wahrnehmen, die durch lautes Sprechen entstehen. Besonders tiefe Stimmen oder lautes Rufen können Stress auslösen.

Können Fische Musik hören?

Musik wird von Fischen nicht als Melodie wahrgenommen. Je nach Lautstärke und Frequenz kann sie als störende Vibration wirken. Ruhige, leise Umgebungen sind grundsätzlich besser.

Erkennen Fische ihren Halter am Geräusch?

Fische können bestimmte Geräusche wiedererkennen, die regelmäßig mit positiven Erfahrungen verbunden sind. Ob sie dabei den Menschen als Individuum erkennen, ist unwahrscheinlich, das Geräuschmuster jedoch sehr wohl.

Ist Klopfen an die Aquariumscheibe schädlich?

Ja, Klopfen erzeugt starke Druckwellen und Vibrationen, die Fische als Bedrohung empfinden. Es sollte grundsätzlich vermieden werden.

Können Fische sich an Lärm gewöhnen?

Bis zu einem gewissen Grad können sich Fische an gleichmäßige Geräusche gewöhnen. Plötzliche oder wechselnde Lärmquellen bleiben jedoch stressig.

Fazit

Fische können hören – aber nicht so, wie wir Menschen es tun. Ihr Hörvermögen ist perfekt an das Leben im Wasser angepasst und basiert auf der Wahrnehmung von Schwingungen, Vibrationen und Druckveränderungen. Innenohr, Schwimmblase und Seitenlinienorgan arbeiten dabei eng zusammen.

Für die Aquaristik bedeutet dieses Wissen eine große Verantwortung. Lärm, Erschütterungen und hektische Umgebungen wirken auf Fische deutlich intensiver, als viele Halter vermuten. Ein ruhiger Standort, gut gewartete Technik und ein respektvoller Umgang sind entscheidend für das Wohlbefinden der Tiere.

Wer versteht, wie sensibel Fische auf ihre akustische Umwelt reagieren, kann sein Aquarium nicht nur schöner, sondern auch gesünder gestalten. Am Ende zahlt sich dieses Verständnis durch vitalere, farbenprächtigere und entspanntere Fische aus.

Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?Können Fische hören oder sind sie taub?
Blogartikel 'Blog 7699: Können Fische hören oder sind sie taub?' aus der Kategorie: "Tipps & Tricks" zuletzt bearbeitet am 09.02.2026 um 16:03 Uhr von Tom

Tom

Userbild von TomTom ist Administrator*in von EB und stellt 12 Beispiele vor. In den Bereichen Malawisee, Tanganjikasee, Victoriasee, West- / Zentralafrika, Südamerika, Mittelamerika, Amerikagesellschaftsbecken, Asien/Australien, Gesellschaftsbecken, Wasserchemie, Fragen zu einrichtungsbeispiele.de steht er/sie den Usern bei Fragen kompetent als Anspechpartner zur Seite.

Kommentare:
Um selbst einen Kommentar schreiben zu können, musst du dich anmelden!

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Kardinalbarsche im Aquarium: Das sind die beliebtesten Arten

Kardinalbarsche im Aquarium: Das sind die beliebtesten Arten

Meerwasser

Kardinalbarsche gehören seit vielen Jahren zu den beliebtesten Fischen in der Meerwasseraquaristik. Kaum ein anderer Fisch schafft es, gleichzeitig so elegant, ruhig und dennoch faszinierend zu wirken. Ihre schwebende Fortbewegung, die oft kontrastreiche Färbung und ihr meist friedliches Verhalten machen sie zu echten Hinguckern im Riffaquarium. Besonders

Stendker-Diskus nach Ende der Zucht: Noch immer verfügbar

Stendker-Diskus nach Ende der Zucht: Noch immer verfügbar

Arten

Die Stendker-Diskusfische gehören zu den beliebtesten und bekanntesten Zierfischen in der Aquaristik. Ihr majestätisches Aussehen, die prächtigen Farben und die beeindruckende Größe machen sie zu einem Highlight in jedem Aquarium. Wer sich für die Haltung dieser besonderen Fische interessiert, steht jedoch häufig vor der Frage: Wo kann man die

Salzwasser: So wird es für das Meerwasseraquarium aufbereitet

Salzwasser: So wird es für das Meerwasseraquarium aufbereitet

Meerwasser

Die Faszination der MeerwasseraquaristikMeerwasseraquaristik übt auf viele Aquarianer eine ganz besondere Faszination aus. Die leuchtenden Farben tropischer Fische, die filigranen Formen von Korallen und Anemonen, die vielfältigen Lebensformen – all das macht ein Meerwasseraquarium zu einem beeindruckenden Blickfang in jeder Wohnung. Doch bevor

Begriffe erklärt: Was ist Photosynthese?

Begriffe erklärt: Was ist Photosynthese?

Pflanzen

Warum Photosynthese im Aquarium so wichtig istWer ein Aquarium besitzt, der weiß, dass es weit mehr ist als nur ein dekoratives Element im Wohnzimmer. Ein Aquarium ist ein komplexes biologisches System, in dem viele Prozesse ablaufen – einer der zentralsten ist die Photosynthese. Doch was genau passiert dabei? Welche Rolle spielen Pflanzen und Licht?

Begriffe erklärt: Was ist Aquaponik?

Begriffe erklärt: Was ist Aquaponik?

Technik

Aquaponik ist ein innovatives und nachhaltiges System zur Lebensmittelproduktion, das Aquakultur (Fischzucht) und Hydroponik (Pflanzenanbau ohne Erde) kombiniert. Dieses geschlossene Kreislaufsystem nutzt die natürlichen Prozesse von Fischen, Mikroorganismen und Pflanzen, um eine umweltfreundliche, ressourcenschonende und effiziente Landwirtschaft