Blog: Tägliches Gießen - Warum weniger oft mehr ist (8105)
Sobald der Sommer heiß wird und wochenlang kaum Regen fällt, sieht man in vielen Gärten jeden Abend das gleiche Bild: Rasensprenger laufen, Gießkannen werden geschleppt und Beete erhalten täglich eine kleine Portion Wasser. Das ist zwar sehr fürsorglich – ist für viele Pflanzen jedoch alles andere als ideal.
Tatsächlich kann häufiges, oberflächliches Gießen genau das Gegenteil dessen bewirken, was eigentlich erreicht werden soll. Pflanzen werden empfindlicher gegenüber Trockenheit, ihre Wurzeln bleiben flach und der Wasserverbrauch steigt unnötig an. Wer dagegen seltener, dafür aber gründlich gießt, hilft seinen Pflanzen langfristig deutlich mehr.
Warum Pflanzen tiefe Wurzeln bilden
Pflanzen reagieren erstaunlich flexibel auf ihre Umgebung. Sie investieren ihre Energie dort, wo sie den größten Nutzen bringt. Befindet sich Wasser dauerhaft nur in den obersten Zentimetern des Bodens, gibt es für die Pflanze keinen Grund, tiefer zu wurzeln. Die feinen Saugwurzeln konzentrieren sich direkt unter der Erdoberfläche – genau dort, wo das Wasser regelmäßig verfügbar ist.
Das Problem zeigt sich spätestens bei einer längeren Trockenperiode. Die oberste Bodenschicht trocknet innerhalb weniger Stunden aus, und die Pflanze hat kaum Zugang zu den tieferen, noch feuchten Erdschichten.
Wird dagegen seltener, aber intensiv gegossen, versickert das Wasser deutlich tiefer. Die Wurzeln folgen der Feuchtigkeit und erschließen nach und nach größere Bodenbereiche. Solche Pflanzen überstehen Trockenperioden wesentlich besser.
Jeden Tag ein bisschen – warum das oft schadet
Ein kurzes Gießen mit der Brause oder der Gießkanne befeuchtet häufig nur die obersten Zentimeter des Bodens. Schon nach kurzer Zeit verdunstet ein großer Teil des Wassers wieder. Besonders an heißen Sommertagen bleibt den Pflanzen davon erstaunlich wenig erhalten.
Gleichzeitig entsteht eine ungünstige Gewohnheit: Die Pflanzen "lernen", dass Wasser immer direkt an der Oberfläche verfügbar ist. Statt kräftiger Wurzeln entwickeln sie ein empfindliches, flaches Wurzelsystem.
Auch der Boden selbst profitiert nicht von ständig kleinen Wassermengen. Vor allem lehmige Böden können an der Oberfläche verschlämmen oder nach dem Austrocknen verkrusten, wodurch späteres Gießwasser schlechter eindringt.
Wie oft sollte also gegossen werden?
Eine allgemeingültige Regel gibt es nicht. Entscheidend sind Bodenart, Wetter, Pflanzenart und Standort.
Als Orientierung gilt:
Lieber ein- bis zweimal pro Woche gründlich gießen als täglich nur wenig.
Das Wasser sollte möglichst 15 bis 30 Zentimeter tief in den Boden eindringen. Es lohnt sich, das einmal zu überprüfen!
Nach einem kräftigen Regen ist zusätzliches Gießen häufig überflüssig.
Sandige Böden trocknen schneller aus als schwere Lehmböden und benötigen daher häufiger Wasser. Dafür nimmt Sand Wasser besonders gut auf. Lehmböden speichern deutlich mehr Feuchtigkeit, müssen aber langsam und ausreichend lange bewässert werden.
Der richtige Zeitpunkt
Am besten wird in den frühen Morgenstunden gegossen. Der Boden ist dann noch kühl, die Verdunstung gering und die Pflanzen können das Wasser aufnehmen, bevor die Mittagshitze einsetzt.
Auch das Gießen am Abend ist grundsätzlich möglich. Allerdings bleiben Blätter und Boden dann oft über viele Stunden feucht, was Pilzkrankheiten bei empfindlichen Pflanzen begünstigen kann.
Von einer Bewässerung in der prallen Mittagssonne wird häufig abgeraten. Der Hauptgrund ist jedoch weniger die oft erwähnte "Verbrennungsgefahr" durch Wassertropfen – diese wird im Alltag meist überschätzt. Viel problematischer ist, dass bei großer Hitze ein erheblicher Teil des Wassers verdunstet, bevor er überhaupt die Wurzeln erreicht.
Nicht jede Pflanze hat den gleichen Durst
Frisch gepflanzte Stauden, Kübelpflanzen oder Gemüsebeete benötigen deutlich häufiger Wasser als eingewachsene Gehölze.
Große Bäume und ältere Sträucher verfügen oft über tiefreichende Wurzeln und kommen erstaunlich lange ohne zusätzliches Gießen aus. Gerade heimische Arten sind an zeitweilige Trockenphasen gut angepasst.
Kübelpflanzen bilden eine Ausnahme. Da ihnen nur ein begrenztes Erdvolumen zur Verfügung steht, trocknen sie deutlich schneller aus und müssen während Hitzeperioden häufig täglich kontrolliert werden.
So erkennt man echten Wassermangel
Nicht jede schlappe Pflanze leidet sofort unter Trockenheit. Viele Arten lassen ihre Blätter in der Mittagshitze bewusst etwas hängen, um die Verdunstung zu verringern. Erholen sie sich am Abend wieder, besteht meist kein Grund zur Sorge. Erst wenn die Blätter dauerhaft schlaff bleiben oder der Boden in mehreren Zentimetern Tiefe trocken ist, wird es Zeit zu gießen.
Ein einfacher Fingertest genügt oft: Fühlt sich die Erde fünf bis zehn Zentimeter unter der Oberfläche noch kühl und feucht an, kann meist noch gewartet werden.
Mulch spart Wasser
Wer den Boden mit Rindenmulch, Rasenschnitt oder anderen organischen Materialien bedeckt, reduziert die Verdunstung deutlich. Die Erde bleibt länger feucht, erwärmt sich weniger stark und muss insgesamt seltener bewässert werden. Gleichzeitig verbessert sich langfristig die Bodenstruktur.
Auch der Rasen kommt besser zurecht als gedacht
Ein braun gewordener Rasen wirkt zwar abgestorben, befindet sich jedoch häufig nur in einer natürlichen Sommerruhe. Viele Gräser treiben nach ergiebigem Regen innerhalb weniger Wochen wieder aus. Wer den Rasen täglich bewässert, verbraucht dagegen enorme Wassermengen – oft ohne nachhaltigen Nutzen.
FAQs – Tägliches Gießen
Ist tägliches Gießen grundsätzlich schädlich?
Nicht grundsätzlich. Kübelpflanzen, Balkonkästen oder frisch gepflanzte Gewächse benötigen an heißen Tagen oft tatsächlich täglich Wasser. Bei eingewachsenen Pflanzen im Beet führt tägliches, oberflächliches Gießen jedoch häufig zu einem flachen Wurzelwachstum.
Wie oft sollte ich meinen Garten gießen?
Das hängt von Bodenart, Wetter und Pflanzen ab. Meist ist es sinnvoller, ein- bis zweimal pro Woche gründlich zu gießen als täglich kleine Mengen zu verteilen. Ziel ist, dass das Wasser bis in den Wurzelbereich eindringt.
Woran erkenne ich, ob ich ausreichend gegossen habe?
Nach dem Gießen sollte der Boden mindestens 15 bis 30 Zentimeter tief durchfeuchtet sein. Das lässt sich mit einem kleinen Spaten oder durch einen Fingertest kontrollieren.
Ist Gießen am Abend schädlich?
Nein. Morgens ist zwar meist der beste Zeitpunkt, weil weniger Wasser verdunstet. Das Gießen am Abend ist jedoch ebenfalls möglich. Lediglich empfindliche Pflanzen können bei dauerhaft feuchten Blättern anfälliger für Pilzkrankheiten werden.
Darf man in der Mittagssonne gießen?
Ja. Falls es notwendig ist, schadet das den Pflanzen in der Regel nicht. Allerdings verdunstet bei großer Hitze deutlich mehr Wasser. Deshalb ist das Gießen am frühen Morgen meist wesentlich effizienter.
Sollte der Rasen im Sommer täglich bewässert werden?
Nein. Ein gesunder Rasen verträgt Trockenperioden meist gut und verfärbt sich lediglich vorübergehend braun. Nach ergiebigem Regen wird er häufig wieder grün. Muss gewässert werden, dann lieber selten und durchdringend.
Warum sind Mulchschichten beim Gießen so hilfreich?
Mulch schützt den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung, reduziert die Verdunstung und hält die Feuchtigkeit länger im Boden. Dadurch muss insgesamt seltener gegossen werden.
Welche Pflanzen benötigen besonders häufig Wasser?
Vor allem Kübelpflanzen, frisch gesetzte Stauden, Gemüse und neu gepflanzte Gehölze trocknen schneller aus als eingewachsene Pflanzen mit tiefem Wurzelsystem.
Kann zu häufiges Gießen Pflanzen schaden?
Ja. Dauerhaft feuchte Böden können zu Sauerstoffmangel an den Wurzeln führen und Wurzelfäule begünstigen. Außerdem entwickeln viele Pflanzen bei ständigem Gießen nur flache Wurzeln und werden dadurch empfindlicher gegenüber Trockenheit.
Soll nach jedem Regenschauer auf das Gießen verzichtet werden?
Nein. Entscheidend ist nicht, dass es geregnet hat, sondern wie tief der Boden tatsächlich durchfeuchtet wurde. Kurze Sommerregen reichen oft nicht aus, um den Wurzelbereich zu erreichen.
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de






