Blog: Wildbiene des Jahres - Ein Blick auf den kleinen Spezialisten der Natur (7679)
Für das Jahr 2026 wurde die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) zur Wildbiene des Jahres gekürt. Trotz ihrer geringen Größe – sie ist kaum größer als ein Zentimeter – steht sie für einen bedeutenden Aspekt in der Natur: die enge Verbindung zwischen Wildbienen und ihren Nahrungspflanzen. Die Wahl dieser Art lenkt die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von Glockenblumen als Pollenquelle und auf die Erfordernisse für Lebensräume, die zahlreiche Wildbienen zum Überleben brauchen.
Wer wählt die „Wildbiene des Jahres“ und warum?
Die Auszeichnung „Wildbiene des Jahres“ wird seit 2013 vergeben und geht auf eine Initiative des Kuratoriums „Wildbiene des Jahres“ zurück, das dem Arbeitskreis Wildbienen-Kataster Baden-Württemberg angegliedert ist. Diese Aktion wird zudem vom Entomologischen Verein Stuttgart 1869 e.V. und dem NABU Baden-Württemberg unterstützt.
Ziel der Wahl ist es, auf die vielfältige Welt der Wildbienen aufmerksam zu machen und zugleich auf ökologische Zusammenhänge und Herausforderungen hinzuweisen. Viele Wildbienenarten sind spezialisiert, etwa auf bestimmte Pflanzen oder Lebensräume, und reagieren empfindlich auf Lebensraumverlust, Nahrungsmangel oder Agrar- und Siedlungsdruck. Die Wahl einer bestimmten Art verdeutlicht solche Zusammenhänge und macht sie für ein breites Publikum sichtbar.
Beispiele früherer Preisträger
Auch in den vergangenen Jahren wurden verschiedene Wildbienenarten als „Wildbiene des Jahres“ vorgestellt, um unterschiedliche Aspekte ihrer Lebensweisen und ökologischen Rollen hervorzuheben. Dazu zählen unter anderem:
- 2015 – Zaunrüben-Sandbiene – Stand für die Bedeutung besonnt blühender Pflanzengesellschaften.
- 2016 – Bunte Hummel (Bombus sylvarum) – Verdeutlichte den Schutzbedarf vieler Hummelarten, die auf blütenreiche Wiesen angewiesen sind.
- 2019 – Senf-Blauschillersandbiene – Beispiel für Arten, die an spezielle Blütenpflanzen gekoppelt sind.
- 2024 – Blauschwarze Holzbiene – Bot Anlass, auf große, auffällige Wildbienen und ihre Habitatansprüche hinzuweisen.
- 2025 – Garten-Blattschneiderbiene – Thematisierte die Rolle von Garten- und Kulturflächen für Wildbienen.
Die Glockenblumen-Schmalbiene: Biologie und ökologische Bedeutung
Die Glockenblumen-Schmalbiene gehört zur großen Gattung der Schmalbienen (Lasioglossum), eine der artenreichsten Gruppen der Wildbienen in Deutschland. Sie erreicht eine Körpergröße von etwa einem Zentimeter und ist durch ihren tiefschwarzen, glänzenden Körper mit weißen Haarflecken am Hinterleib gut zu erkennen.
Ein hervorstechendes Merkmal dieser Art ist ihre Nahrungsspezialisierung: Die Weibchen sammeln Pollen nahezu ausschließlich an Glockenblumen (Campanulaceae). Diese enge Bindung macht sie besonders empfindlich gegenüber dem Verlust dieser Blumen aus Wiesen, Wegrändern und Gärten.
Die Art bevorzugt offene, strukturreiche Lebensräume mit ausreichend Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten. Dazu gehören Waldränder, Bahndämme, Sand- und Kiesgruben, Mähwiesen, Magerrasen und blütenreiche Wegränder. Für ihre Nester benötigen die Weibchen offene Bodenstellen aus Sand oder lehmigem Substrat, die sie zur Anlage ihrer Brutröhren nutzen.
Wildbienen wie die Glockenblumen-Schmalbiene sind wichtige Bestäuber zahlreicher Blütenpflanzen. Sie tragen zur Fortpflanzung vieler Wildpflanzen und Kulturpflanzen bei und beeinflussen damit direkt die Pflanzenvielfalt und Ertragsleistung in naturnahen und kultivierten Systemen. Die enge Sicherung von Nahrungsressourcen, wie sie bei spezialisierten Arten vorkommt, macht deutlich, wie sensibel ökologische Netzwerke reagieren, wenn pflanzliche Ressourcen verloren gehen oder fragmentiert werden.
Wildbienen sind zudem Indikatoren für die ökologische Qualität von Lebensräumen: Ein reiches Vorkommen unterschiedlicher Arten weist auf vielfältige, gut strukturierte und artenreiche Habitate hin.
Schutz und Förderung im Garten und in der Natur
Die Wahl der Glockenblumen-Schmalbiene macht darauf aufmerksam, wie wichtig angepasste Lebensräume für Wildbienen sind. Garten- und Naturfreunde können diese Bienen durch gezielte Maßnahmen unterstützen, etwa durch:
- Pflanzung heimischer Glockenblumen wie Campanula glomerata, Campanula rapunculus, Campanula rotundifolia oder Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) als Pollen- und Nektarquelle.
- Bereitstellung offener Bodenstellen mit sandigem oder lehmigem Substrat für Nistgelegenheiten.
- Erhalt oder Anlage blütenreicher Wiesen- und Wegrandbereiche mit vielfältigen Pflanzen für Wildbienen.
Auch auf Balkonen, Terrassen oder in Pflanzkübeln lassen sich gute Bedingungen schaffen, wenn Pflanzen und Bodenstrukturen passend kombiniert werden.
Bildquelle: Lisette van Kolfschoten (UU), Klokjesgroefbij, Lasioglossum costulatum ♀, CC BY-SA 4.0
Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de





