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Interview mit Hubert Selig, Aquarianer und Regenbogenfische-Spezialist

Interview mit Hubert Selig, Aquarianer und Regenbogenfische-SpezialistHallo Hubert! Dank, dass wir Dich interviewen dürfen. Du pflegst eine beeindruckende Aquarien-Anlage bei Dir im Keller. Wie kam es dazu, dass Du Dir diese Anlage gebaut hast? Und wie bist Du überhaupt zur Aquaristik gekommen?

Hallo Helga, ich möchte mich zuerst für dein Interesse an meinem Kindheitstraum - zum eigenen Wohlfühl-Paradies bedanken. Bei mir fing alles folgendermaßen an:
Die Aquaristik interessiert mich schon seit Kindheitstagen. Bevor ich mein erstes Aquarium bekam, durfte ich meinen Großvater (Fischaufseher an der Traun) zur Zuchtanlage begleiten, wo er den Fischbesatz für die nächsten Jahre züchtete und schon damals faszinierte mich die Fischzucht.
Mein erstes Aquarium bekam ich dann im Alter von 10 Jahren. Damals ging es mir eigentlich nur um das Beobachten der Fische. Die Pflege des Aquariums übernahmen noch meine Eltern. Ab meinen 16. Geburtstag hatte ich dann komischerweise keine Zeit für die Aquaristik (keine Ahnung was mir damals wichtiger war...). Als ich schließlich älter und vor allem reifer wurde, begleitete mich dann doch wieder das ein oder andere Aquarium auf meinem Weg. Einmal besiedelten Piranhas das Becken, ein anderes Mal ein einheimischer Hecht... Meine Berufung hatte ich bis dato jedoch nie gefunden.
Interview Hubert Selig Foto1Erst 1999, als wir mit unserem Hausbau begannen, war auch ein Aquarium eingeplant. Je größer desto leichter ist es zu pflegen, war das Argument gegenüber meiner damaligen Frau. Also wurde ein Aquarium mit den Maßen 200x100x70 im Bauplan aufgenommen.... Im Jahr 2000 zogen wir dann in das neu erbaute Haus und ein halbes Jahr später ging das Aquarium in Betrieb. Als Besatz waren zuerst Süßwasserrochen geplant, doch dann sah ich bei einem Zoohändler in dessen Schaubecken meine ersten ausgewachsenen Melanotaenia boesemani schwimmen, welche ich nach langem Betteln mitnehmen durfte und voll Stolz in mein Aquarium setzte. Leider schlug damals die Technik zu... Bei der automatischen Wasser-Nachfüllung blieb ein Magnetventil hängen und pumpte die ganze Nacht kaltes Wasser ins Aquarium. Die neun Grad am nächsten Morgen überlebten nur sehr wenige Fische. Also mussten neue her...
Interview Hubert Selig Foto2Um auch "Reservefische" zu haben, stellte ich im Keller mein altes 390 Liter Aquarium auf. Weil auch ein altes 54 Liter Aquarium vorhanden war, versuchte ich darauf selbst ein paar Fische zu züchten... Das klappte ganz gut, doch nur wohin mit den heranwachsenden Fischen? - Ein neues Aquarium musste her. Und somit ging es los...
Zuerst fand der Wechsel in ein anderes Kellerabteil statt und dort kam ein Aquarium nach dem anderen... Zuletzt war der ganze Raum voll Becken, worauf ich mit dem Optimieren der Anlage begann.
Ein paar kleinere Aquarien wurden gegen größere ausgetauscht, eine zweite, dann eine dritte und teilweise eine vierte Regalreihe wurden eingezogen.
Zuletzt baute ich noch ein Aquarium für die Raummitte. Dieses stellte ich auf Räder, wodurch es möglich wurde, das Aquarium von einer Seite zur anderen zu schieben, um ungestört arbeiten zu können.
Interview Hubert Selig Foto3Ende 2014 war dann der Zeitpunkt gekommen, wo das Platzangebot im Aquarium-Keller bis ins letzte Eck verbaut war. Jetzt gab es nur noch eine Lösung. Der Wechsel in einen anderen, größeren Kellerraum. Dort konnte ich alles durch das größere Raumangebot übersichtlicher gestalten und der Wechsel zu einer selbstgebauten Led-Beleuchtung sollte auch die Stromkosten beträchtlich verringern.
So kam ich zu meinem jetzigen Aquarium-Keller. Auch den alten Raum, welchen ich eigentlich Aquarium-frei gemacht hatte, habe ich wieder begonnen, mit Aquarien zu bestücken. Der Platz für die Fische wird halt immer wieder zu wenig.
Interview Hubert Selig Foto4Die Aquaristik bedeutet für mich nicht nur Fische zu züchten, auch das ständige "basteln" an der perfekten Anlage erfüllt mich mit großer Begeisterung. Sobald ich mit einem Projekt fertig bin, suche ich auch schon die nächste Herausforderung.
Und so wird sicherlich noch das ein oder andere Aquarium dazukommen.

Das ist eine wirklich beeindruckende Geschichte und Deine Anlage ist einfach genial. Wie viele Becken in welchen Größen hast Du verwendet? Und welche Bereiche bzw. Biotope interessieren Dich speziell?

Interview Hubert Selig Foto5Zurzeit habe ich 68 Aquarien in Betrieb, von 50 Liter bis 1.400 Liter und ein Gesamtvolumen von über 12.000 Liter.
Spezialisiert habe ich mich in erster Linie auf Regenbogenfische und Grundeln. Doch mittlerweile haben es mir auch die Vertreter diverser Betta-Wildformen und verschiedene, eher seltene Corydoras-Arten angetan.
Interview Hubert Selig Foto6Außerdem halte ich in einem Aquarium (217x70x40) mit starker Strömung, Raiamas christyi, Raubbarben aus dem Kongo, die eine Größe von 18cm erreichen. Darin schwimmen auch Chromidotilapia kingsleyae, Opsariichthys sp.Hai Van, Steatocranus irvinei und Benitochromis nigrodorsalis. Diese Fische passen eigentlich nicht zu meinem sonstigen Sortiment, aber ich wollte halt auch mal über den Tellerrand schauen.
Wichtig ist mir bei den Fischen auch, die jeweiligen Fundorte zu wissen und deshalb auch einen Beitrag zur Arterhaltung dieser Tiere durch Nachzuchten beizusteuern.
Interview Hubert Selig Foto7Bei der Bepflanzung der Aquarien halte ich mich nicht so streng an das Herkunftsland, denn gerade aus Australien ist es ein riesiges Problem, Pflanzen zu bekommen. Viele Fisch-Arten kommen z.B. aus Flüssen mit steinigem Bodengrund und fast keinen Pflanzen. Mir ist aber wichtig, dass jedes Aquarium auch bepflanzt ist und Versteckmöglichkeiten bietet.
Die Fische sollen sich ja auch wohl fühlen.

Zu den Regenbogenfischen - was fasziniert Dich so sehr an diesen Tieren? Wie sieht die Haltung dieser Tiere grob gesehen aus?

Interview Hubert Selig Foto8Ich denke, Regenbogenfische sind eine leider sehr unterschätzte Fischart. Vielleicht ist es einfach die Größe der ausgewachsenen Fische, welche viele Leute abschreckt, sie zu halten. Ich spreche natürlich von den Arten Melanotaenia, Chilatherina und Glossolepis, welche eine Größe von 10 bis 18 cm erreichen können.
Interview Hubert Selig Foto9Es sind eigentlich sehr pflegeleichte und gesellige Fische (von ein paar Arten abgesehen), die in kleineren Gruppen gehalten werden sollten. Alle gängigen Futtersorten werden angenommen und sie vertragen nach langsamen Eingewöhnen verschiedenste Wasserwerte. Regenbogenfische benötigen einen ihren Bedürfnissen angepassten Schwimmraum, da sie sehr aktive Schwimmer sind. Und wer einmal das Balzverhalten der Männchen beobachten konnte, wird seine Meinung schnell ändern und diese Tiere pflegen wollen. Bei der Balz geht es nicht um Aggressionen der Männchen gegeneinander, sondern sie schwimmen meist Seite an Seite und jeder versucht sich möglichst optimal in Pose zu bringen. Zusätzlich wird die Färbung der Fische extrem verstärkt und einige Arten bekommen an der Stirn einen leuchtend roten oder gelben Balzstreifen.

Da Du selbst auch züchtest - welche Arten vermehrst Du bei Dir in der Anlage?

Interview Hubert Selig Foto10Als mich das Züchter-Virus infizierte, wurde mein Interesse an Fischarten immer weitreichender. Zuerst konzentrierte ich mich züchterisch mal auf die Regenbogenfische. Wenn ich dann neue Fisch-Arten bekam, versuchte ich sofort, auch diese gleich zu vermehren. Mittlerweile habe ich mehr als 100 Arten (es sind natürlich viele Fundortvarianten dabei - ich habe aber beim Zählen selbst gestaunt) nachgezogen.
Aktuell halte ich ca. 60 Arten, und habe von ca. 30 Arten auch Jungfische.
Interview Hubert Selig Foto11Ebenfalls fing ich an, Grundeln (hauptsächlich Mogurndas) nachzuziehen. Mit der Zeit und auch durch das Kennenlernen diverser anderer "Fish-Nerds" interessierte ich mich immer mehr für andere Fischarten. So kamen diverse Betta-Wildformen in meine Anlage. Hauptsächlich maulbrütende Arten, aber auch ein paar Schaumnest bauende Tiere zogen in die Becken. Bisher sind es so an die 20 Betta-Arten, und die Hälfte davon habe ich auch vermehrt.
Zuletzt haben mich noch die Welse der Gattung Corydoras in Beschlag genommen. Von diesen tollen Fischen halte ich mittlerweile 25 Arten, wovon ich dieses Jahr auch schon 9 Arten vermehren konnte.

Du bist auch immer wieder in Österreich und Deutschland unterwegs und hast ein gutes Netzwerk. Bist Du bei Vereinen oder Gesellschaften Mitglied? Wo fährst Du überall hin?

Interview Hubert Selig Foto12Ich hatte eigentlich dieselbe Einstellung, wie viele andere Aquarianer auch: "Verein - Nein Danke!!!" - Was ich an Information brauche, kann ich in diversen Büchern lesen, und außerdem, wozu gibt es Internet... Tja, und genau dort fand ich die Homepage der IRG (Internationale Regenbogenfisch Gesellschaft).
Nachdem ich jede mir bekannte, im Fachhandel erhältliche Lektüre über Regenbogenfische, mein eigen nennen konnte und einige Fachzeitschriften abonniert hatte, erfuhr ich, dass die IRG vier Mal im Jahr eine Vereins-Zeitung heraus brachte. Also beschloss ich dem Verein beizutreten - vorerst nur als unterstützendes Mitglied.
Irgendwann wurde ich dann von IRG-Kollegen kontaktiert, ob ich mal ein paar Regenbogenfische möchte. - Eh klar!!! Als ich die Tiere abholte wurde eine gemeinsame Fahrt zum IRG-Treffen nach Himberg bei Wien vereinbart.
Interview Hubert Selig Foto13Von diesem Treffen war ich sofort begeistert. Zum einen wurden Regenbogenfische und Pflanzen getauscht, dann gab es einen Vortrag und die nachfolgenden Gespräche mit den Mitgliedern brachten mir eine Menge an Information. Also besuchte ich darauf weitere Vereinstreffen, Kongresse, Jahreshauptversammlungen und lernte immer mehr "Fish-Nerds" kennen.
Es sollte nicht lange dauern und diese Kollegen waren auch Zuhause nicht mehr sicher vor mir. Dabei war mir oftmals kein Weg zu weit und auch Grenzen konnten mich nicht stoppen. Speziell die Länder Deutschland, Belgien, Holland, Tschechien, Vorarlberg - doch gibt überall, auch noch in anderen Ländern Fischfreunde, die mit Besuch von mir rechnen müssen.
Bei diesen Reisen sammle ich sehr viel Information über Haltung und Zucht für meine eigenen Fische und so manche Konstruktion habe ich kopiert und bei mir im Keller umgesetzt. Natürlich wechselt auch mal der ein oder andere Fisch den Besitzer.
Mittlerweile bin ich neben der IRG auch beim 1.Gmundner Aquaristik Verein, beim ÖVVÖ (Österreichischer Verband für Vivaristik und Ökologie) und bei der IG BSSW e.V. (Internationale Gemeinschaft Barben, Salmler, Schmerlen, Welse) Mitglied.

Und nun sind wir auch schon bei der letzten Frage angelangt. Liegt Dir noch etwas am Herzen, das im Interview noch nicht angesprochen wurde?

Nein...
Doch, na klar. - Leider gab es in den letzten Jahren ein massives Zoofachhandel-Sterben. Fachhändler wurden durch Verkäufer ersetzt (es gibt schon auch noch ein paar, die beides kombinieren) und so manches zufällig mitgehörte "Fachgespräch" der Verkäufer ließ mir das Scheitern des zukünftigen Aquariums des Erwerbers vor Augen erscheinen.
Aus diesem Grund möchte ich deinen Lesern empfehlen, besucht doch mal einen Aquarium-Verein in eurer Nähe. Ihr müsst ja nicht gleich Mitglied werden.
Dort werdet ihr auf großes Fachwissen stoßen, schöne Vorträge sehen und interessante Gespräche mit Gleichgesinnten führen. Und so mancher wird, so wie ich damals auch, ein (hoffentlich) gerngesehenes Mitglied werden. "Es ist ja auch für eure Fische!!!!"

Vielen Dank für das Interview! Dem kann man sich nur anschließen. Es wäre schade, wenn das persönliche Miteinander auf der Strecke bleiben würde. Und wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg bei der Zucht und Freude an unserem wunderschönen Hobby!

Adressen der genannten Organisationen:
Regenbogenfische
http://www.irg-online.de/
Barben, Salmler, Schmerlen, Welse
http://www.ig-bssw.org/
ÖVVÖ (Verband Österreich)
http://www.oevvoe.org/
Aquarien- und Terrarien-Verein Gmunden
http://www.aquarienverein-gmunden.com/

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de
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