Lasioglossum nitidulum im Garten
Einrichtungsbeispiele mit Grünglanz-Schmalbiene

Wissenswertes zu Lasioglossum nitidulum (Grünglanz-Schmalbiene)
Die Grünglanz-Schmalbiene Lasioglossum nitidulum gehört zu jenen unscheinbaren Gartenbewohnern, die auf den ersten Blick leicht übersehen werden, auf den zweiten Blick aber eine enorme ökologische Bedeutung haben. Während Honigbienen und Hummeln oft im Fokus stehen, leisten gerade die kleineren Wildbienenarten einen unverzichtbaren Beitrag zur Bestäubung heimischer Pflanzen. Für Gartenliebhaber, die Wert auf Naturnähe, Artenvielfalt und ein funktionierendes Ökosystem legen, lohnt sich ein genauer Blick auf diese Art.
Herkunft und systematische Einordnung
Gattung und Familie
Die Grünglanz-Schmalbiene gehört zur Gattung Lasioglossum, die wiederum Teil der Familie der Halictidae ist. Diese Familie wird im Deutschen häufig als Furchenbienen bezeichnet. Sie ist eine der artenreichsten Bienenfamilien weltweit und umfasst mehrere tausend Arten, von denen viele auch in Mitteleuropa vorkommen.
Charakteristisch für die Halictidae sind ihre meist geringe Körpergröße, ihr oft metallischer Glanz und ihre flexible Lebensweise. Innerhalb der Gattung Lasioglossum finden sich sowohl solitär lebende Arten als auch solche mit primitiven sozialen Strukturen. Lasioglossum nitidulum zählt überwiegend zu den solitären bis locker sozial organisierten Arten.
Herkunft und historische Verbreitung
Lasioglossum nitidulum ist eine ursprünglich paläarktische Art. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht bis in angrenzende Regionen Westasiens. Sie ist seit sehr langer Zeit Teil der heimischen Fauna und hat sich über Jahrtausende an die klimatischen und ökologischen Bedingungen Mitteleuropas angepasst.
Im Gegensatz zu eingeführten oder eingeschleppten Insektenarten ist die Grünglanz-Schmalbiene fest in die lokalen Ökosysteme eingebunden. Ihre Entwicklung ist eng mit der heimischen Flora verknüpft, was sie besonders wertvoll für naturnahe Gärten macht.
Natürlicher Lebensraum
Bevorzugte Lebensräume
In der Natur besiedelt Lasioglossum nitidulum vor allem offene bis halboffene Landschaften. Dazu zählen Wiesen, Wegränder, Brachen, Waldränder, lichte Wälder, Trockenrasen und extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen. Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Nistplätze und eines kontinuierlichen Blütenangebots.
Die Art bevorzugt sonnige, eher trockene Standorte mit offenem Boden. Verdichtete oder dauerhaft feuchte Böden werden gemieden. In ihrem natürlichen Lebensraum findet man sie häufig dort, wo der Boden stellenweise unbewachsen ist, etwa an Böschungen, auf Trampelpfaden oder in sandigen Bereichen.
Anpassung an menschliche Siedlungen
Mit der zunehmenden Veränderung der Landschaft durch den Menschen hat sich Lasioglossum nitidulum als erstaunlich anpassungsfähig erwiesen. Sie kommt heute nicht nur in naturnahen Landschaften vor, sondern auch in Siedlungsräumen. Parks, Gärten, Kleingartenanlagen und sogar innerstädtische Grünflächen können geeignete Lebensräume darstellen, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Gerade strukturreiche Gärten mit offenen Bodenstellen, vielfältigen Blühpflanzen und wenig Bodenversiegelung bieten der Grünglanz-Schmalbiene gute Voraussetzungen.
Beschreibung der Art
Körperbau und Größe
Die Grünglanz-Schmalbiene ist eine eher kleine Wildbienenart. Die Körperlänge liegt meist zwischen 5 und 7 Millimetern, wobei die Weibchen in der Regel etwas größer sind als die Männchen. Trotz ihrer geringen Größe wirkt sie kompakt gebaut und gut proportioniert.
Typisch für die Gattung ist der schlanke Körper mit deutlich gegliedertem Hinterleib. Die Flügel sind transparent mit feiner Aderung und werden im Ruhezustand flach über dem Körper getragen.
Der namensgebende Grünglanz
Eines der auffälligsten Merkmale von Lasioglossum nitidulum ist der metallische Glanz des Körpers. Je nach Lichteinfall schimmert die Oberfläche grünlich, manchmal auch leicht bronzefarben oder bläulich. Dieser Glanz ist besonders auf dem Thorax gut sichtbar und verleiht der Art ihren deutschen Namen Grünglanz-Schmalbiene.
Der metallische Effekt entsteht durch spezielle Mikrostrukturen in der Cuticula und dient vermutlich nicht nur der Optik, sondern auch der Stabilität und dem Schutz vor Umwelteinflüssen.
Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen
Wie bei vielen Wildbienenarten lassen sich auch bei Lasioglossum nitidulum geschlechtsspezifische Unterschiede erkennen. Weibchen sind meist etwas kräftiger gebaut und besitzen gut entwickelte Sammelhaare an den Hinterbeinen oder am Bauch, mit denen sie Pollen transportieren.
Männchen sind oft schlanker, haben längere Antennen und wirken insgesamt zierlicher. Ihr metallischer Glanz ist häufig etwas weniger intensiv ausgeprägt als bei den Weibchen.
Verhalten und Lebensweise
Solitär, aber nicht einsam
Die Grünglanz-Schmalbiene gilt grundsätzlich als solitär lebend. Das bedeutet, dass jedes Weibchen eigenständig ein Nest anlegt, ihre Brut versorgt und keine arbeitsteilige Kolonie bildet, wie man es von Honigbienen kennt.
Allerdings zeigt die Art gelegentlich lockere Formen des Zusammenlebens. Mehrere Weibchen können in unmittelbarer Nähe zueinander nisten oder sogar denselben Nesteingang nutzen, ohne jedoch eine echte soziale Struktur mit Königin und Arbeiterinnen auszubilden.
Tagesablauf und Aktivitätszeiten
Lasioglossum nitidulum ist tagaktiv und bevorzugt sonnige, warme Bedingungen. Ihre Hauptflugzeit liegt in den Frühlings- und Sommermonaten, meist von April bis August. An warmen Tagen ist sie bereits am frühen Vormittag aktiv und sammelt bis in den späten Nachmittag hinein Pollen und Nektar.
Bei kühlem, regnerischem oder windigem Wetter bleibt sie hingegen in ihrem Nest. Die geringe Körpergröße macht sie empfindlicher gegenüber niedrigen Temperaturen.
Friedfertiges Wesen
Für Gartenbesitzer besonders beruhigend ist das äußerst friedliche Verhalten der Grünglanz-Schmalbiene. Sie zeigt keinerlei Aggression und sticht nur in äußersten Notfällen, etwa wenn sie direkt gequetscht oder massiv bedrängt wird. Selbst dann ist der Stich so schwach, dass er meist kaum wahrgenommen wird.
Im normalen Gartenalltag stellt diese Art keinerlei Gefahr für Menschen oder Haustiere dar.
Vorkommen in Gärten
Warum die Art im Garten auftaucht
Gärten bieten der Grünglanz-Schmalbiene dann einen attraktiven Lebensraum, wenn sie bestimmte Grundbedingungen erfüllen. Dazu gehören vor allem ein vielfältiges Blütenangebot, strukturreiche Flächen und geeignete Nistmöglichkeiten.
Besonders naturnahe Gärten, Bauerngärten, Wildblumenwiesen und ökologisch bewirtschaftete Flächen ziehen diese Art an. Auch kleinere Stadtgärten oder Vorgärten können besiedelt werden, sofern sie nicht vollständig versiegelt oder stark gepflegt sind.
Typische Nistplätze im Garten
Im Garten legt Lasioglossum nitidulum ihre Nester bevorzugt im Boden an. Geeignet sind sandige, lehmige oder leicht tonige Böden, die gut drainiert und sonnig sind. Häufig finden sich Nester in offenen Stellen zwischen Stauden, an Wegrändern, in Hochbeeten mit mineralischem Substrat oder an Böschungen.
Mulchschichten, dichte Bodendecker oder häufiges Umgraben können die Ansiedlung erschweren. Wer Wildbienen fördern möchte, sollte bewusst kleine offene Bodenstellen zulassen.
Nahrung und Bestäubungsleistung
Blütenbesuch und Nahrungsquellen
Die Grünglanz-Schmalbiene ernährt sich von Nektar und Pollen. Sie ist dabei relativ wenig spezialisiert und besucht eine Vielzahl unterschiedlicher Blütenpflanzen. Diese Flexibilität macht sie besonders wertvoll, da sie auch Pflanzen bestäubt, die von spezialisierten Arten gemieden werden.
Typische Nahrungsquellen im Garten sind Wildkräuter, Stauden, Kräuterpflanzen und blühende Gehölze. Auch unscheinbare Blüten werden zuverlässig angeflogen.
Bedeutung für die Bestäubung
Trotz ihrer geringen Größe ist Lasioglossum nitidulum eine effiziente Bestäuberin. Beim Sammeln von Pollen kommt sie intensiv mit den Blütenorganen in Kontakt und überträgt dabei Pollen von Pflanze zu Pflanze.
Gerade in kleinen Gärten und urbanen Räumen, wo Honigbienen oft weniger präsent sind, leisten Schmalbienen einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Obst, Gemüse und Zierpflanzen.
Giftigkeit und Umgang mit Menschen
Ist die Grünglanz-Schmalbiene giftig?
Die kurze Antwort lautet: nein. Lasioglossum nitidulum ist für Menschen nicht giftig. Wie alle Bienen besitzt sie zwar einen Stachel, dieser ist jedoch sehr fein und wird praktisch nie eingesetzt.
Selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Stichs ist keine ernsthafte Reaktion zu erwarten, sofern keine Insektengiftallergie vorliegt. Für Kinder, Haustiere und empfindliche Personen stellt die Art keine Gefahr dar.
Koexistenz im Garten
Die Anwesenheit dieser Wildbiene im Garten erfordert keinerlei besondere Vorsichtsmaßnahmen. Im Gegenteil: Ein bewusster, respektvoller Umgang fördert ein entspanntes Miteinander. Wer auf hektische Bewegungen verzichtet und Nistplätze nicht zerstört, wird kaum bemerken, dass diese Bienen überhaupt da sind.
Vermehrung und Lebenszyklus
Nestbau und Brutpflege
Das Weibchen von Lasioglossum nitidulum gräbt einen senkrechten oder leicht schrägen Gang in den Boden. Von diesem Hauptgang zweigen mehrere Brutzellen ab. Jede Zelle wird mit einem Pollenvorrat ausgestattet, auf den anschließend ein Ei gelegt wird.
Nach der Eiablage verschließt das Weibchen die Zelle sorgfältig. Eine weitere Betreuung der Larve findet nicht statt. Die Entwicklung erfolgt vollständig im geschützten Nest.
Entwicklungsstadien
Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die sich vom Pollenvorrat ernährt. Nach mehreren Häutungen verpuppt sie sich. Je nach Art und Umweltbedingungen überwintert die Puppe oder das fertig entwickelte Insekt im Boden.
Im folgenden Frühjahr schlüpfen die erwachsenen Bienen und der Zyklus beginnt von Neuem. Die Lebensdauer eines adulten Tieres beträgt meist nur wenige Wochen.
Mögliche Krankheiten und natürliche Feinde
Krankheiten und Parasiten
Wie alle Wildbienen kann auch Lasioglossum nitidulum von Parasiten befallen werden. Dazu zählen unter anderem Milben, parasitische Insekten und Mikroorganismen. Diese spielen jedoch in naturnahen Populationen eine regulierende Rolle und führen selten zu einem vollständigen Zusammenbruch der Bestände.
Krankheiten im eigentlichen Sinne sind bei Wildbienen weniger dokumentiert als bei Honigbienen. Stressfaktoren wie Pestizide, Nahrungsmangel und Lebensraumverlust stellen eine deutlich größere Bedrohung dar.
Natürliche Feinde
Zu den natürlichen Feinden zählen Vögel, Spinnen und räuberische Insekten. Auch bestimmte parasitische Wespen nutzen die Nester der Schmalbienen zur eigenen Fortpflanzung. Diese Wechselwirkungen sind Teil des natürlichen Gleichgewichts.
Alternative Bezeichnungen und Namensvarianten
Im Deutschen ist Lasioglossum nitidulum vor allem als Grünglanz-Schmalbiene bekannt. Gelegentlich wird sie auch allgemein als Schmalbiene bezeichnet, wobei dieser Begriff mehrere Arten umfasst.
Im wissenschaftlichen Kontext ist die lateinische Bezeichnung eindeutig und international gebräuchlich. Regionale Trivialnamen sind eher selten, da die Art für Laien schwer von verwandten Arten zu unterscheiden ist.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Grünglanz-Schmalbiene geschützt?
Wie die meisten Wildbienenarten steht auch Lasioglossum nitidulum unter dem allgemeinen Schutz der Natur. Das bedeutet, dass sie nicht mutwillig getötet oder ihre Nistplätze zerstört werden dürfen.
Kann man sie gezielt im Garten ansiedeln?
Eine gezielte Ansiedlung im Sinne des Aussetzens ist nicht üblich. Man kann jedoch durch geeignete Gartenstrukturen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich die Art von selbst ansiedelt.
Braucht sie Insektenhotels?
Klassische Insektenhotels aus Holz oder Schilf werden von dieser Art kaum genutzt. Wichtiger sind offene Bodenstellen mit geeigneter Substratstruktur.
Fazit: Ein stiller Helfer im naturnahen Garten
Die Grünglanz-Schmalbiene Lasioglossum nitidulum ist ein Paradebeispiel dafür, wie wertvoll auch die unscheinbaren Bewohner unserer Gärten sind. Sie ist klein, friedlich, effizient und hervorragend an das Leben in naturnahen Strukturen angepasst.
Für Gartenliebhaber bietet sie gleich mehrere Vorteile: Sie bestäubt zuverlässig, stellt keine Gefahr dar und benötigt keine aufwendige Pflege. Wer seinen Garten ökologisch gestaltet, offene Bodenstellen zulässt und auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet, schafft ideale Bedingungen für diese Art.
Langfristig trägt die Förderung solcher Wildbienen nicht nur zur Stabilität des eigenen Gartens bei, sondern auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt insgesamt. Lasioglossum nitidulum zeigt eindrucksvoll, dass Naturschutz nicht laut, groß oder kompliziert sein muss – manchmal reicht es, der Natur einfach ein bisschen Raum zu lassen.