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Lasioglossum sexnotatum im Garten

Einrichtungsbeispiele mit Spargel-Schmalbiene

Lesezeit: ca. 8 Minuten
Lasioglossum sexnotatum im Garten (Einrichtungsbeispiele mit Spargel-Schmalbiene)
Lasioglossum sexnotatum (Spargel-Schmalbiene) - Bildquelle: Das Bild stammt von der freien Enzyklopädie Wikipedia. Lizenzhinweise: This image is created by user Dick Belgers at Waarneming.nl, a source of nature observations in the Netherlands., Lasioglossum sexnotatum f, CC BY 3.0

Wissenswertes zu Lasioglossum sexnotatum (Spargel-Schmalbiene)

Die Spargel-Schmalbiene, wissenschaftlich als Lasioglossum sexnotatum bezeichnet, ist eine faszinierende und zugleich eher unscheinbare Wildbienenart, die in naturnahen Gärten eine wichtige Rolle spielt. Obwohl sie im Vergleich zu auffälligen Hummeln oder Honigbienen wenig Aufmerksamkeit erhält, ist sie für die Bestäubung zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen von Bedeutung. Gerade Gartenliebhaber, die Wert auf Biodiversität und ein ökologisch stabiles Umfeld legen, profitieren von einem tieferen Verständnis dieser Art.

Systematik: Gattung und Familie

Die Spargel-Schmalbiene gehört zur Familie der Halictidae, im Deutschen als Furchenbienen bekannt. Diese Familie umfasst weltweit mehrere tausend Arten und zeichnet sich durch eine enorme Vielfalt an Lebensweisen aus. Innerhalb dieser Familie wird die Spargel-Schmalbiene der Gattung Lasioglossum zugeordnet.

Die Gattung Lasioglossum ist eine der artenreichsten Bienengattungen weltweit. Viele Arten sind klein, metallisch glänzend oder dunkel gefärbt und für Laien schwer voneinander zu unterscheiden. Typisch für zahlreiche Vertreter sind Bodenbruten und eine flexible soziale Organisation, die von solitären bis hin zu primitiven sozialen Lebensformen reichen kann.

Lasioglossum sexnotatum zählt zu den solitären oder locker gemeinschaftlich lebenden Arten. Sie zeigt kein ausgeprägtes staatenbildendes Verhalten wie Honigbienen, sondern organisiert ihre Brutpflege eigenständig oder in lockerer Nachbarschaft mit Artgenossinnen.

Herkunft und Verbreitung

Die Spargel-Schmalbiene ist in weiten Teilen Europas heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst Mitteleuropa ebenso wie Teile Südeuropas. In Deutschland ist sie regional verbreitet, allerdings nicht überall häufig. Ihr Auftreten hängt stark von geeigneten Lebensräumen ab, insbesondere von offenen Bodenflächen und einem ausreichenden Angebot geeigneter Blütenpflanzen.

Die Art ist an gemäßigte Klimazonen angepasst und kommt sowohl im Flachland als auch in wärmebegünstigten Hanglagen vor. Besonders in Regionen mit strukturreichen Landschaften, extensiver Landwirtschaft oder naturnahen Gärten findet sie gute Bedingungen.

Natürlicher Lebensraum

Der natürliche Lebensraum von Lasioglossum sexnotatum sind offene, sonnige Standorte mit lockerem, gut durchlässigem Boden. Dazu zählen:

  • Magerrasen
  • Brachflächen
  • Wegränder
  • lichte Waldränder
  • sandige oder lehmige Böschungen
  • extensiv genutzte Wiesen

Entscheidend ist das Vorhandensein unbewachsener oder spärlich bewachsener Bodenstellen. Diese benötigt die Art zur Anlage ihrer Nester. Verdichtete oder stark durchwurzelte Böden sind ungeeignet.

Auch trockene Gartenbereiche mit sandigem Substrat oder offenen Pflanzbeeten können als Ersatzlebensraum dienen. Wichtig ist eine ausreichende Sonneneinstrahlung, da die Brutentwicklung temperaturabhängig ist.

Beschreibung der Art und Aussehen

Die Spargel-Schmalbiene gehört zu den kleineren Wildbienenarten. Ihre Körperlänge liegt meist zwischen 6 und 9 Millimetern. Damit ist sie deutlich kleiner als Honigbienen oder Hummeln.

Typische Merkmale sind:

  • schlanker, schmaler Körperbau
  • überwiegend dunkle bis schwarzbraune Färbung
  • teilweise schwacher metallischer Schimmer
  • feine Behaarung
  • relativ kurze Fühler
  • klare, leicht schimmernde Flügel

Weibchen besitzen Pollensammelapparate an den Hinterbeinen, die als sogenannte Bürsten ausgebildet sind. Diese sind weniger auffällig als die Pollenhöschen der Honigbiene, erfüllen jedoch denselben Zweck.

Männchen sind oft etwas schlanker und wirken zierlicher. Sie besitzen längere Fühler und keine Pollensammelstrukturen.

Für Laien ist eine sichere Bestimmung im Garten schwierig, da viele Schmalbienenarten sehr ähnlich aussehen. Eine exakte Identifikation erfordert meist fachkundige Begutachtung.

Verhalten und Lebensweise

Die Spargel-Schmalbiene lebt überwiegend solitär. Jedes Weibchen legt sein eigenes Nest an und versorgt die Brut eigenständig. Dabei kann es vorkommen, dass mehrere Weibchen in räumlicher Nähe zueinander nisten, ohne jedoch eine echte soziale Struktur zu bilden.

Nestbau

Die Nester werden im Boden angelegt. Das Weibchen gräbt mit den Mundwerkzeugen und Beinen einen schmalen Gang in die Erde. Von diesem Hauptgang zweigen seitlich einzelne Brutzellen ab.

In jede Brutzelle wird ein Pollen-Nektar-Gemisch eingebracht, das als Nahrungsvorrat für die Larve dient. Anschließend legt das Weibchen ein Ei darauf und verschließt die Zelle sorgfältig.

Die Entwicklung von der Larve zur fertigen Biene erfolgt innerhalb der geschützten Bodenzelle. Je nach Witterung kann es eine oder mehrere Generationen pro Jahr geben.

Aktivitätszeit

Die Flugzeit liegt meist im späten Frühjahr und Sommer. Die genaue Aktivitätsperiode hängt von regionalen Klimabedingungen ab. In milden Regionen können die Tiere bereits im Mai erscheinen und bis in den Spätsommer aktiv bleiben.

Vorkommen im Garten

Naturnahe Gärten mit offenen Bodenbereichen, vielfältiger Blütenstruktur und Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel bieten gute Voraussetzungen für die Ansiedlung.

Besonders attraktiv sind:

  • sandige Beete ohne dichte Mulchschicht
  • Trockenmauern mit offenen Fugen
  • Kräuterbeete
  • Wildblumenwiesen
  • sonnige Randbereiche

Ein vollständig gemulchter oder versiegelter Garten hingegen ist ungeeignet. Auch stark gepflegte Rasenflächen ohne Blütenangebot bieten keinen Lebensraum.

Wer im Garten kleine Erdhügel oder unscheinbare Löcher im Boden entdeckt, sollte diese nicht vorschnell entfernen. Oft handelt es sich um die Nester bodenbrütender Wildbienen.

Nahrung und ökologische Bedeutung

Die Spargel-Schmalbiene ernährt sich von Nektar und Pollen. Sie ist nicht streng auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert, zeigt jedoch Vorlieben für bestimmte Blütenfamilien.

Im Garten nutzt sie unter anderem:

  • Korbblütler
  • Doldenblütler
  • Lippenblütler
  • verschiedene Wildkräuter
  • blühende Gemüsepflanzen

Ihr Name deutet auf eine Beziehung zu Spargelpflanzen hin. Tatsächlich kann sie Blüten von Spargel besuchen, ist jedoch nicht ausschließlich darauf angewiesen.

Als Bestäuber trägt sie zur Samenbildung zahlreicher Pflanzen bei. Gerade kleinere Wildbienen übernehmen häufig die Bestäubung unscheinbarer Blüten, die von Honigbienen weniger intensiv genutzt werden.

Ein vielfältiges Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Spätsommer erhöht die Überlebenschancen der Art erheblich.

Giftigkeit und Verhalten gegenüber Menschen

Wie nahezu alle Wildbienen besitzt auch die Spargel-Schmalbiene einen Stachel. Dieser dient ausschließlich der Verteidigung.

Die Art gilt als äußerst friedlich. Da sie keine großen Staaten verteidigt, zeigt sie kaum aggressives Verhalten. Ein Stich ist nur bei direktem Festhalten oder massiver Bedrohung zu erwarten.

Für gesunde Menschen ist ein Stich in der Regel harmlos und vergleichbar mit einem leichten Mückenstich. Allergische Reaktionen sind selten, können jedoch bei entsprechend sensibilisierten Personen auftreten.

Im normalen Gartenalltag besteht praktisch keine Gefahr.

Vermehrung und Entwicklungszyklus

Die Fortpflanzung beginnt mit der Paarung im Frühjahr oder Sommer. Nach der Befruchtung beginnt das Weibchen mit dem Nestbau.

Der Entwicklungszyklus umfasst:

  • Eiablage
  • Larvenstadium
  • Verpuppung
  • Schlupf der adulten Biene

Die Überwinterung erfolgt meist im Bodenstadium. Je nach Art und Region kann die Überwinterung als Larve oder als fertig entwickelte Biene in der Brutzelle stattfinden.

Witterungseinflüsse spielen eine große Rolle. Längere Regenperioden oder stark verdichtete Böden können die Entwicklung beeinträchtigen.

Mögliche Krankheiten und natürliche Feinde

Wie andere Wildbienen ist auch die Spargel-Schmalbiene verschiedenen natürlichen Gefahren ausgesetzt.

Kuckucksbienen legen ihre Eier in fremde Nester. Die Larven ernähren sich vom Vorrat der Wirtsbiene.

Fressfeinde

  • Vögel
  • Spinnen
  • Ameisen
  • räuberische Insekten

Umweltfaktoren

  • Pestizide
  • Bodenverdichtung
  • Lebensraumverlust
  • Nahrungsmangel

Insbesondere intensive Landwirtschaft und sterile Gartenflächen stellen ein Problem dar.

Alternative Bezeichnungen

Neben der Bezeichnung Spargel-Schmalbiene ist die wissenschaftliche Benennung Lasioglossum sexnotatum gebräuchlich. Umgangssprachliche Namen variieren regional, sind jedoch weniger verbreitet als bei bekannteren Wildbienenarten.

Die Zugehörigkeit zu den Furchenbienen ist eine übergeordnete Sammelbezeichnung innerhalb der Familie.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Spargel-Schmalbiene selten?

Regional kann sie selten erscheinen, insgesamt ist sie jedoch in geeigneten Lebensräumen regelmäßig anzutreffen.

Kann man sie gezielt ansiedeln?

Eine direkte Ansiedlung ist schwierig. Durch geeignete Gartenstruktur mit offenen Bodenstellen und vielfältigem Blütenangebot lassen sich jedoch günstige Bedingungen schaffen.

Sind Insektenhotels geeignet?

Für diese Art sind klassische Insektenhotels aus Holz weniger relevant, da sie im Boden nistet. Offene Sandflächen sind deutlich hilfreicher.

Schadet sie Pflanzen?

Nein. Sie bestäubt Pflanzen und verursacht keinerlei Fraßschäden.

Muss man Nester entfernen?

In der Regel nicht. Die Tiere sind friedlich und verschwinden nach der Saison wieder.

Praktische Empfehlungen für Gartenbesitzer

  • Offene Bodenstellen erhalten
  • Keine flächendeckende Mulchschicht
  • Heimische Wildblumen fördern
  • Chemische Pflanzenschutzmittel vermeiden
  • Blühzeiten staffeln

Schon kleine Maßnahmen können eine große Wirkung entfalten.

Fazit

Die Spargel-Schmalbiene ist ein wertvoller, wenn auch oft übersehener Bestandteil unserer Gartenökosysteme. Als bodenbrütende Wildbiene trägt sie zur Bestäubung zahlreicher Pflanzen bei und unterstützt die biologische Vielfalt.

Wer seinen Garten naturnah gestaltet, offene Bodenbereiche zulässt und ein vielfältiges Blütenangebot schafft, bietet dieser Art ideale Lebensbedingungen. Dabei ist sie vollkommen friedlich und stellt keinerlei Gefahr dar.

In einer Zeit zunehmenden Insektenrückgangs ist jede strukturreiche Grünfläche ein wichtiger Baustein für den Erhalt heimischer Wildbienen. Lasioglossum sexnotatum steht stellvertretend für viele kleine, unscheinbare Arten, die im Verborgenen Großes leisten.

Ein lebendiger Garten ist nicht nur optisch ansprechend, sondern auch ökologisch wertvoll – und genau hier findet die Spargel-Schmalbiene ihren Platz.