Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:

Andrena agilissima im Garten

Einrichtungsbeispiele mit Senf-Blauschillersandbiene

Lesezeit: ca. 9 Minuten
Andrena agilissima im Garten (Einrichtungsbeispiele mit Senf-Blauschillersandbiene)
Andrena agilissima (Senf-Blauschillersandbiene) - Bildquelle: Das Bild stammt von der freien Enzyklopädie Wikipedia. Lizenzhinweise: Pedroserafin, Andrena agilissima Tora, CC BY-SA 3.0

Wissenswertes zu Andrena agilissima (Senf-Blauschillersandbiene)

Die Senf-Blauschillersandbiene, wissenschaftlich Andrena agilissima genannt, gehört zu den faszinierendsten, jedoch oft übersehenen Wildbienenarten unserer heimischen Fauna. Für Gartenliebhaber, Naturfreunde und alle, die aktive Maßnahmen für Artenvielfalt im grünen Lebensraum setzen möchten, ist diese Wildbiene ein Beispiel für ein spezialisiertes, ökologisch bedeutsames Insekt.

Herkunft und Verbreitung

Die Senf-Blauschillersandbiene ist in Europa heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südskandinavien über Mitteleuropa bis in die nördlichen Bereiche des Mittelmeerraums. Sie bevorzugt offene, sonnige Landschaften, die durch Blumenwiesen, Hecken, Feldraine und lichte Waldränder geprägt sind. Diese Art ist in Deutschland weit verbreitet, wobei ihre Häufigkeit regional stark schwankt – abhängig von der Verfügbarkeit geeigneter Nahrungspflanzen und sauberer Sand- oder lockererdiger Böden für ihre Nistplätze.

Im Garten kann diese Wildbiene vor allem dort beobachtet werden, wo strukturreiche Lebensräume mit vielfältiger Blütenpracht vorhanden sind. Sie profitiert besonders von naturnahen Standorten, wo Blumen und Kräuter – wie etwa Wildkräuter der Senffamilie – über lange Zeiträume blühen.

Natürlicher Lebensraum

Die Senf-Blauschillersandbiene bevorzugt trockene, offene Lebensräume mit viel Sonneneinstrahlung. Trockenrasen, Magerrasen, Wegränder, Sandflächen, Brachflächen und lichte Waldränder gehören ebenso zu ihren typischen Habitaten wie extensiv genutzte Wiesen und Weiden. Entscheidend ist, dass diese Flächen reich an Blütenpflanzen sind und gleichzeitig sandige oder lockere Bodenstrukturen bieten – ideal für den Bau ihrer Nester.

In agrarisch genutzten Landschaften, bei denen Monokulturen und intensive Bodenbearbeitung dominieren, ist dieser Lebensraum oft verloren gegangen. In naturnah gestalteten Gärten und Parks hingegen kann sie problemlos vorkommen, wenn entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden.

Gattung und Familie

Die Andrena agilissima gehört zur Gattung Andrena, einer der artenreichsten Gattungen innerhalb der Familie Andrenidae, die zu den solitären Wildbienen zählt. Im Gegensatz zu Honig- oder Hummelbienen leben diese Bienenarten nicht in Staaten, sondern jede weibliche Biene baut ihre Nester allein. Innerhalb der Gattung Andrena sind viele Arten spezialisiert auf bestimmte Pflanzenfamilien oder -arten – so auch die Senf-Blauschillersandbiene, die sich stark an Pflanzen der Senffamilie orientiert.

Die Familie der Andrenidae umfasst weltweit zahlreiche Arten, die vor allem in gemäßigten Zonen weit verbreitet sind. Sie sind wichtige Bestäuber vieler Wild- und Kulturpflanzen und tragen wesentlich zur ökologischen Stabilität bei.

Beschreibung der Art und Aussehen

Die Senf-Blauschillersandbiene ist eine mittelgroße Wildbiene, die sich durch ihr schönes, kontrastreiches Aussehen auszeichnet. Typisch ist ein auffälliger „Blauschiller“ auf dem dunklen Schwirrflugkörper, der im Sonnenlicht metallisch schimmert – daher auch der Name. Die Bienen erreichen meist eine Körperlänge von etwa 10 bis 13 Millimetern.

Das Körperprofil ist schlank und aerodynamisch, die Haare am Körper sind fein und nicht so dicht wie bei manchen anderen Wildbienen. Auffällig sind bei dieser Art auch die im Vergleich zu anderen Andrena-Arten längeren Beine, die der Biene beim Sammeln von Pollen und beim Graben im Boden helfen.

Die Männchen unterscheiden sich durch etwas schlankeren Körperbau und größere Augen von den Weibchen. Weibliche Tiere sind am Nestbau aktiv beteiligt und verfügen über spezialisierte Behaarungen zur Pollenaufnahme.

Verhalten und Lebensweise

Wie bei vielen sandbodenbewohnenden Wildbienenarten findet auch bei Andrena agilissima die Aktivitätszeit überwiegend im Frühjahr statt. Die Senf-Blauschillersandbiene ist eine sogenannte „Frühlingsbiene“ – sie fliegt meist von etwa April bis Anfang Juni, je nach klimatischen Bedingungen und Höhenlage. In manchen Regionen kann dieser Zeitraum etwas variieren.

Die Weibchen beginnen nach dem Schlupf mit der Brutpflege: Sie suchen geeignete Nestplätze im Boden, meist auf sonnigen, unbewachsenen Sandflächen. Diese Nester bestehen aus kleinen Tunnelssystemen, in denen die Biene einzelne Brutzellen anlegt. In jede Zelle wird ein Gemisch aus Pollen und Nektar gelegt, das später als Futter für die Larven dient. Anschließend legt das Weibchen ein Ei ab und verschließt die Zelle.

Typisch ist das eher ruhige, zielgerichtete Flugverhalten dieser Art: Die Bienen fliegen in der Nähe ihrer Nester oder über den bevorzugten Futterpflanzen und wechseln zügig zwischen den Blüten. Anders als manche Hummelarten zeigen sie jedoch keine ausgeprägte Territorialität oder komplexe Kommunikation untereinander, da jede Biene allein lebt und arbeitet.

Vorkommen in Gärten

In naturnah gestalteten Gärten kann Andrena agilissima regelmäßig angetroffen werden. Besonders in Gärten, in denen auf Pestizide verzichtet wird, natürliche Bodenstrukturen mit Sand- oder Lösslehmflächen vorhanden sind und eine große Vielfalt an Blütenpflanzen wächst, fühlen sich diese Wildbienen wohl. Folgende Bedingungen begünstigen ihr Vorkommen:

  • Trockene, sonnige Bereiche, die nicht ständig bewässert oder durchdacht werden
  • Unbedeckte oder locker strukturierte Bodenzonen, z. B. sandige Wege, sandige Beetbereiche oder kleine natürliche „Sandinseln“
  • Blütenreiche Pflanzungen, besonders im Frühjahr
  • Verzicht auf chemische Pestizide und künstliche Bodenverdichtung

Wenn der Garten oder die Grünfläche zusätzlich naturnahe Elemente wie Steinhaufen, Totholzbereiche oder wildwachsende Kräuterzonen aufweist, steigt die Attraktivität für die Senf-Blauschillersandbiene weiter.

Nahrung und Bestäubung

Die Ernährung von Andrena agilissima besteht aus Nektar und Pollen. Besonders charakteristisch ist ihre Beziehung zu Pflanzen der Senffamilie (Brassicaceae): Raps, Wiesenschaumkraut, Knoblauchsrauke, verschiedene Wildsenearten und einige Kulturpflanzen dieser Familie bieten reichlich Nahrung. Daher erklärt sich auch der deutsche Name „Senf-Blauschillersandbiene“.

Die Bienen sammeln den Nektar zur Energieversorgung und nutzen den Pollen als Proteinquelle für ihre Larven. Während sie von Blüte zu Blüte fliegen, tragen sie Pollen zwischen den Pflanzen, was zur erfolgreichen Bestäubung führt. Diese Bestäubungsleistung ist für viele Wildpflanzen und auch für verschiedene Nutzpflanzen von großer Bedeutung – insbesondere dann, wenn Honigbienen weniger aktiv sind oder fehlen.

Giftigkeit und Gefährdung für Menschen

Wildbienen wie Andrena agilissima gelten als unproblematisch für Menschen. Sie besitzen zwar einen Stachel, nutzen diesen jedoch ausschließlich zur Selbstverteidigung, wenn sie direkt bedroht werden. In der Praxis kommt es äußerst selten zu Stichen, da diese Tiere friedlich und scheu sind. Die Senf-Blauschillersandbiene hat keine besondere Aggressivität gegenüber Menschen oder Haustieren. Für die meisten Gartenliebhaber stellt sie daher keinerlei Risiko dar.

Vermehrung und Lebenszyklus

Der Lebenszyklus der Senf-Blauschillersandbiene beginnt im Frühjahr, sobald die Temperaturen stabil steigen und die ersten Futterpflanzen blühen. Die frisch geschlüpften Weibchen beginnen nach der Paarung mit der Nestanlage. Wie bereits beschrieben, graben sie Gänge in den Boden und legen darin Brutzellen an, die mit Pollen und Nektar gefüllt werden.

Aus den abgelegten Eiern schlüpfen nach einigen Tagen Larven, die sich zunächst vom Futtervorrat ernähren. Nach der Larven- und Puppenentwicklung über den Sommer und Herbst überwintern die jungen Bienen in ihren Kokons und schlüpfen erst im nächsten Frühjahr. Dieser zyklische, jährliche Rhythmus ist typisch für viele Wildbienenarten, die keine langen Staaten bilden, sondern einen einmaligen Fortpflanzungszyklus pro Saison durchlaufen.

Mögliche Krankheiten und Gefährdungen

Wie alle Insekten ist Andrena agilissima verschiedenen natürlichen Gefährdungen ausgesetzt. Dazu zählen Parasiten, Pilzbefall, Fressfeinde und negative Einflüsse durch das Umfeld. Zu den häufigsten Problemen gehören:

  • Parasitäre Wespen und Fliegen, die ihre Eier in die Nester einbringen und so die Larven schädigen
  • Pilz- und Schimmelbefall in feuchten Nestumgebungen
  • Verlust geeigneter Lebensräume durch Bodenversiegelung, intensive Landwirtschaft und Pestizideinsatz
  • Nahrungsmangel, wenn blütenreiche Flächen fehlen oder kurzzeitig nicht zur Verfügung stehen

Im Garten kann man diesen Gefährdungen aktiv entgegenwirken: Durch Schaffung strukturreicher Lebensräume, durch den Verzicht auf giftige Spritzmittel und durch einen vielfältigen Blütenkalender können gesunde Populationen unterstützt werden.

Alternative Bezeichnungen

Neben dem wissenschaftlichen Namen Andrena agilissima wird diese Art in der gängigen Literatur und bei Naturfreunden oft als Senf-Blauschillersandbiene bezeichnet. Umgangssprachlich können auch Varianten wie Blauschillersandbiene vorkommen, vor allem wenn der Bezug zu charakteristischen Blütenpflanzen im Vordergrund steht. In regionalen Listen oder alten Bestimmungsbüchern tauchen mitunter noch weitere, weniger gebräuchliche Namen auf, die historisch gewachsen sind.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist die Senf-Blauschillersandbiene gefährdet?

In einigen Regionen kann sie lokal zurückgehen, vor allem dort, wo geeignete Lebensräume verloren gehen. Doch in naturnahen Gärten mit blütenreichen Flächen und sandigen Bereichen kann sie durchaus regelmäßig vorkommen.

Wie kann ich die Senf-Blauschillersandbiene in meinem Garten fördern?

Optimale Bedingungen sind trockene, sonnige Bereiche, blütenreiche Pflanzungen von Kräutern und Wildblumen, sandige Bodenstrukturen und völliger Verzicht auf Pestizide.

Sticht diese Biene Menschen oder Haustiere?

In der Regel nicht. Sie ist sehr friedlich und sticht nur, wenn sie direkt und grob provoziert wird – was im Alltag so gut wie nie vorkommt.

Wann ist die aktive Zeit dieser Biene?

Ihre Flugzeit liegt meist zwischen April und Anfang Juni. Das bedeutet, dass sie vor allem im Frühling unterwegs ist und in dieser Zeit aktiv nach Nahrung sucht und sich fortpflanzt.

Welche Pflanzen bevorzugt sie?

Vor allem Pflanzen der Senffamilie, wie verschiedene Wildkräuter, Wiesenschaumkraut oder Raps, aber auch andere früh blühende Kräuter und Wildpflanzen.

Fazit

Die Senf-Blauschillersandbiene (Andrena agilissima) ist ein wunderbares Beispiel für die faszinierende Vielfalt solitärer Wildbienen. Sie ist ein Frühblüher, ein Spezialist im Umgang mit Nahrungspflanzen der Senffamilie und ein willkommener Gast in naturnah gestalteten Gärten. Mit ihrem Schimmer und ihrer stillen, effizienten Lebensweise bereichert sie naturnahe Grünflächen und leistet einen wertvollen Beitrag zur Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen.

Für jeden Gartenliebhaber lohnt es sich, dieser Art einen geeigneten Lebensraum zu bieten: durch blütenreiche Pflanzungen, durch strukturierte Bodenflächen, durch den Verzicht auf Chemie und durch ein Bewusstsein für die ökologische Verbindung zwischen Pflanze, Biene und Lebensraum. Die Senf-Blauschillersandbiene zeigt eindrucksvoll, wie eng Natur, Artenvielfalt und Garten miteinander verwoben sind. Wenn wir durch kluge Gartengestaltung diese kleinen, wichtigen Tiere fördern, profitieren nicht nur sie – unser gesamter Garten wird dadurch lebendiger, gesünder und ökologisch stabiler.