Andrena chrysosceles im Garten
Einrichtungsbeispiele mit Gelbbeinige Kielsandbiene

Wissenswertes zu Andrena chrysosceles (Gelbbeinige Kielsandbiene)
Die Welt der Insekten ist enorm vielfältig, faszinierend und für ein funktionierendes Ökosystem unverzichtbar. Unter all den wichtigen Bestäubern, die unsere Gärten bereichern, nimmt eine besondere Gruppe einen zentralen Platz ein: Wildbienen. Während Honig- und Hummelbienen oft im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, gibt es zahlreiche solitär lebende Bienenarten, die ebenso bedeutend für die Bestäubung von Wildpflanzen und Gartenpflanzen sind. Eine dieser Arten ist Andrena chrysosceles, im Deutschen als Gelbbeinige Kielsandbiene bekannt.
Herkunft und Verbreitung
Die Gelbbeinige Kielsandbiene gehört zu den Wildbienenarten, die in weiten Teilen Europas verbreitet sind. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst vor allem Mitteleuropa, wobei sie besonders in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und den angrenzenden Regionen häufig anzutreffen ist. Diese Wildbiene ist an verschiedene Landschaftstypen angepasst, doch ihre größte Dichte findet sich in Gebieten mit sandigen Böden und offener Vegetation.
Andrena chrysosceles ist Teil einer Gruppe von Wildbienen, die bevorzugt in Habitaten leben, in denen der Boden locker und gut durchlässig ist. Diese Spezialisierung auf bestimmte Bodentypen erklärt, warum sie in naturnahen Landschaften, Sandmagerrasen, lichten Wäldern und extensiv genutzten Gärten besonders oft vorkommt. Doch auch in urbanen Grünanlagen, Parks und sogar in manchen Kleingärten findet man sie, solange geeignete Nistmöglichkeiten und ausreichend Nahrungspflanzen vorhanden sind.
Natürlicher Lebensraum
Die Wahl des Lebensraumes hängt bei der Gelbbeinigen Kielsandbiene stark von der Verfügbarkeit geeigneter Bodenstrukturen und Pflanzen ab, die Pollen und Nektar liefern. Sie kommt bevorzugt in lockeren, sandigen Böden vor, daher der Name Kielsandbiene. Solche Böden finden sich häufig in offenen Landschaften, Heiden, Sandgruben, an Waldrändern und in Brachflächen. In diesen Habitaten legen die Weibchen ihre Nester im Erdreich an.
Der Lebensraum dieser Art ist oft mosaikartig strukturiert: Bereiche mit offenem Boden, sonnenexponierte Flächen mit Wildkräutern und blühenden Pflanzen sind genauso wichtig wie strukturierte Ränder mit höherer Vegetation. Genau diese Vielfalt bietet sowohl Nahrungsquellen als auch sichere Nistplätze.
Gattung und Familie
Die Gelbbeinige Kielsandbiene gehört zur Gattung Andrena, einer der größten Gattungen innerhalb der Wildbienen. Insgesamt umfasst die Gattung mehrere hundert Arten, die über Europa, Asien und Nordafrika verbreitet sind. Die Tiere dieser Gattung sind Solitärbienen – das bedeutet, dass sie nicht in Staatsgemeinschaften wie Honigbienen leben. Jedes Weibchen baut und versorgt seine eigenen Brutzellen.
Die Familie, der diese Gattung angehört, heißt Andrenidae. Diese Familie vereint eine Vielzahl an bodenbrütenden Bienenarten, die oft im Frühjahr aktiv sind und eine wichtige Rolle bei der Bestäubung vieler Pflanzen spielen. Wildbienen dieser Familie sind meist früh im Jahr unterwegs, oft schon bevor Honigbienen in großer Zahl aktiv werden.
Beschreibung der Art
Allgemeiner Eindruck
Die Gelbbeinige Kielsandbiene ist eine mittelgroße Wildbiene, die durch ihre charakteristische Färbung und ihre Form gut erkennbar ist. Was sie besonders auszeichnet, sind die kräftig gelben Beine, die ihr den deutschen Namen geben. Diese auffällige Färbung dient nicht nur zur Bestimmung, sondern könnte auch eine Rolle bei der Kommunikation innerhalb der Art spielen.
Körperbau und Größe
Diese Bienenart erreicht eine Körperlänge von etwa 10 bis 12 Millimetern. Der Körper ist kompakt gebaut und mit feinen Haaren bedeckt, die Pollen auffangen – ein Charakteristikum vieler Wildbienen. Die Weibchen besitzen kräftigere Pollenhöschen an den Hinterbeinen, während die Männchen oft etwas schlanker wirken.
Färbung
Der Körper der Gelbbeinigen Kielsandbiene ist dunkel bis schwarz, wobei der vordere Teil des Brustkorbs häufig rötlich bis braun gefärbt ist. Besonders auffällig sind aber die gelben Schienen und Gelenke der Beine, die ihr ein lebhaftes Aussehen verleihen. Diese gelben Bereiche heben sich deutlich vom dunklen Körper ab und dienen als wichtiges Erkennungsmerkmal.
Verhalten
Aktivitätszeit
Die Andrena chrysosceles ist vorwiegend im Frühjahr aktiv, meist zwischen April und Juni. In dieser Zeit fliegen die Bienen aus ihren Nestern, sammeln Pollen und Nektar und kümmern sich um die Aufzucht der nächsten Generation. Nach dieser Aktivitätsperiode sterben die ausgewachsenen Tiere ab, während die Larven in den Nester überdauern.
Nestbau
Die Weibchen legen ihre Nester im Boden an – in sandigen Flächen oder an Stellen mit lockerem Erdreich. Sie graben kurze Gänge und bauen in diesen bis zu mehreren Brutzellen, in denen sie jeweils Pollen und Nektar als Nahrungsvorrat für eine einzelne Larve deponieren. Anschließend verschließen sie die Zelle und beginnen, die nächste zu bauen.
Diese Nistweise macht diese Wildbienen zu sogenannten Erdnestern. Wichtig ist dabei, dass der Boden offen und unbewachsen ist, damit sich ein kleines Netzwerk von Gängen entwickeln kann. Aus diesem Grund sind naturbelassene Bereiche im Garten, Sandflächen oder Stellen mit aufgelockerter Erde besonders wertvoll.
Vorkommen im Garten
Immer mehr Gartenliebhaber fragen sich, wie sie Wildbienen wie die Gelbbeinige Kielsandbiene in ihrem Garten willkommen heißen können. Die gute Nachricht ist: Mit ein paar gezielten Maßnahmen lässt sich ein Garten bienenfreundlich gestalten, sodass diese faszinierenden Insekten regelmäßig vorbeischauen.
Nistmöglichkeiten schaffen
Da diese Art ihre Nester im Boden anlegt, ist ein ungestörter Bereich mit sandigem, lockerem Boden im Garten Gold wert. Dies kann ein sonniger, ungemähter Streifen am Rande des Gartens sein, eine kleine Sandfläche oder ein Beet, dessen Boden nicht ständig umgegraben wird. Wichtig ist, dass die Erde nicht zu fest oder zu feucht ist – sie sollte gut durchlässig und warm sein.
Auch wenn viele Gärtner Rasenflächen bevorzugen, lohnt es sich, bewusst Bereiche mit nackter Erde oder sandigen Partien zuzulassen. Gerade solche „wilden“ Ecken sind ideal für erdbrütende Wildbienen.
Pflanzen für Nahrung
Ohne blühende Pflanzen gibt es keinen Pollen und keinen Nektar – und ohne Nahrung keine Bienen. Daher sollten Gartenbesitzer darauf achten, im Frühjahr ein reichhaltiges Angebot an Blüten bereitzustellen. Frühblühende Wildkräuter, Stauden und Blumen wie Salbei, Krokusse, Gänseblümchen, Lungenkraut, Primeln oder Schneeglöckchen liefern wertvolle Ressourcen für die Andrena chrysosceles.
Ein strukturierter Garten mit verschieden blühenden Pflanzen, die zeitlich versetzt Nektar und Pollen bieten, sorgt dafür, dass Wildbienen während ihrer gesamten aktiven Phase versorgt werden.
Nahrung
Pollen und Nektar
Die Gelbbeinige Kielsandbiene ernährt sich wie andere Wildbienen von Pollen und Nektar. Der Pollen ist die Proteinquelle, die sie benötigt, um ihre Larven zu ernähren – daher tragen die Weibchen ihn in sogenannten Pollenhöschen an den Hinterbeinen zurück in das Nest. Der Nektar liefert die Energie, die sie selbst für Flüge und Aktivitäten braucht.
Diese Art ist zwar nicht strikt spezialisiert auf eine einzige Pflanzenart, aber sie zeigt eine Präferenz für bestimmte Blütenpflanzen, die im Frühjahr reichlich Pollen und Nektar bieten. Dazu gehören viele Wildkräuter und frühe Blütengehölze.
Bedeutung für die Bestäubung
Während sie von Blüte zu Blüte fliegt, bestäubt sie Pflanzen, indem Pollen von einer Blüte zur nächsten transportiert wird. Damit trägt sie zur Fruchtbildung und Vermehrung zahlreicher Pflanzen bei – ein unsichtbarer, aber essenzieller Beitrag zu einem gesunden Garten.
Giftigkeit
Wildbienen wie Andrena chrysosceles sind für den Menschen in der Regel harmlos. Sie verfügen über einen Stachel, doch dieser ist nur selten und dann nur sehr schmerzarm im Einsatz. Da diese Art solitär lebt und nicht wie Honigbienen ihre Nester gemeinsam verteidigen muss, ist sie äußerst friedlich. Stiche sind äußerst selten und kommen meist nur vor, wenn ein Tier direkt bedrängt oder gequetscht wird.
Für Menschen, selbst jene mit leicht empfindlicher Haut, stellen diese Bienen keine echte Gefahr dar. Sie sind eher scheu und vermeiden den Kontakt mit Menschen.
Vermehrung
Fortpflanzungszyklus
Die Fortpflanzung beginnt im Frühjahr mit dem Schlüpfen der neuen Generation. Die Weibchen setzen sich nach dem Verlassen des Nestes das Ziel, ausreichend Nahrung zu sammeln und geeignete Brutplätze zu finden. Nachdem sie Pollen gesammelt haben, legen sie in ihren selbstgebauten Erdnestern jeweils eine einzelne Eizelle in eine Brutzelle. Dazu platzieren sie eine Mischung aus Pollen und Nektar als Nahrungsvorrat, bevor sie die Zelle verschließen.
Entwicklung der Larven
Aus diesen Eizellen entwickeln sich Larven, die sich von dem bereitgestellten Vorrat ernähren. Nach der Larvenphase verpuppen sie sich innerhalb der Zelle. Die fertigen Bienen überdauern den Sommer und Herbst in ihrem Nest als fertige Tiere, um im nächsten Frühjahr wieder auszuschlüpfen.
Mögliche Krankheiten und Gefährdungen
Wie alle Wildbienen kann auch die Gelbbeinige Kielsandbiene von verschiedenen Problemen betroffen sein, die ihren Fortbestand gefährden. Dazu zählen Parasiten, Krankheiten und vor allem der Verlust geeigneter Lebensräume durch intensive Landwirtschaft, Bodenversiegelung und fehlende Nahrungs- und Nistmöglichkeiten.
Parasiten und Pathogene
In der freien Natur sind Wildbienen natürlichen Gegnern wie bestimmten parasitischen Wespen oder Milben ausgesetzt, die ihre Nester ausnutzen. Auch Pilze und bakterielle Infektionen können in seltenen Fällen Larven oder Puppen schädigen.
Menschliche Einflüsse
Der größte Druck für Populationen vieler Wildbienenarten geht allerdings vom Menschen aus: Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden, Bodenverdichtung und das Fehlen naturnaher Flächen sind Hauptursachen für den Rückgang vieler Wildbienenarten.
Alternative Bezeichnungen
Andrena chrysosceles ist die wissenschaftliche Bezeichnung dieser Art, die im Deutschen vor allem als Gelbbeinige Kielsandbiene bekannt ist. Umgangssprachlich wird sie manchmal einfach als „gelbbeinige Sandbiene“ bezeichnet, was jedoch nicht immer eindeutig ist, da mehrere Arten sandig erscheinende Bienenbeine haben können. Wissenschaftlich bleibt Andrena chrysosceles der eindeutige Name.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Gelbbeinige Kielsandbiene gefährdet?
Diese Art ist zwar regional unterschiedlich stark vertreten, doch landesweit gelten viele Wildbienenarten als gefährdet durch den Verlust ihrer Lebensräume und Nahrungsquellen. Wer im eigenen Garten aktiv Nist- und Futterplätze schafft, hilft dieser Art direkt.
Kann ich die Gelbbeinige Kielsandbiene in meinem Garten anlocken?
Ja. Indem Sie sandige, sonnige Bereiche, wilde Ecken und ein reichhaltiges Angebot an früh blühenden Pflanzen schaffen, erhöhen Sie die Chance, dass diese Wildbiene Ihren Garten besucht und dort Nahrung und Nistplätze findet.
Fliegt sie allein oder in Gruppen?
Obwohl jeder einzelne Bienenmensch sein eigenes Nest baut, ist es nicht ungewöhnlich, mehrere Weibchen dieser Art in einem geeigneten Gebiet zu finden – so entsteht der Eindruck kleiner „Gruppen“. Es handelt sich aber nicht um ein soziales Volk wie bei Honigbienen.
Wann sehen ich sie am häufigsten?
Die Gelbbeinige Kielsandbiene ist vor allem im Frühjahr aktiv, typischerweise von April bis Juni. In dieser Zeit sind die meisten Individuen unterwegs.
Fazit: Ein Gewinn für jeden naturnahen Garten
Die Gelbbeinige Kielsandbiene ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie faszinierend die Welt der Wildbienen ist und wie wichtig sie für das Ökosystem Garten sein kann. Mit ihrer auffälligen Färbung, ihrem spezialisierten Verhalten und ihrer Rolle als Bestäuber trägt sie wesentlich zur biologischen Vielfalt bei.
Gartenliebhaber, die ihren Garten lebendig, bunt und ökologisch wertvoll gestalten möchten, sollten Wildbienen bewusst Raum geben. Unaufgeräumte Ecken, wilde Blumen, sandige Bodenflächen und eine lebendige Blütenfolge über das Frühjahr hinweg schaffen ideale Voraussetzungen, damit Arten wie Andrena chrysosceles dauerhaft einen Platz im Garten finden.
Indem wir diese Bienen unterstützen, fördern wir nicht nur die Bestäubung unserer Pflanzen, sondern leisten einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt – ein Gewinn, der sich nicht nur in einer reichen Pflanzenwelt, sondern auch in einem dynamischen, naturnahen Garten widerspiegelt.